The Cabin in the Woods

Originaltitel: The Cabin in the Woods (USA 2011)
Regie: Drew Goddard
Drehbuch: Drew Goddard u. Joss Whedon
Kamera: Peter Deming
Schnitt: Lisa Lassek
Musik: David Julyan
Darsteller: Kristen Connolly (Dana), Chris Hemsworth (Curt), Anna Hutchison (Jules), Fran Kranz (Marty), Jesse Williams (Holden), Richard Jenkins (Sitterson), Bradley Whitford (Hadley), Brian White (Truman), Amy Acker (Lin), Tim DeZarn (Mordecai),  Dan Payne, Jodelle Ferland, Dan Shea, Maya Massar, Matt Drake (Familie Buckner), Sigourney Weaver (Direktorin) uva.
Label/Vertrieb: Universum Film Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 01.02.2013
EAN: 0886919427998 (DVD)/0886919428193 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 92 min. (Blu-ray: 95 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Die beiden Regierungsanstellten und Kollegen Sitterson und Hadley sehen missmutig einer langen Wochenend-Schicht entgegen. Ihren Job beherrschen sie im Schlaf, und sie gehen ihn mit der Lässigkeit von Veteranen an, die schon viele Vorgesetzte ausgetrickst haben.

Wesentlich fröhlicher gestimmt sind die Studentinnen Dana und Jules. Mit Jules‘ Freund Curt und dem stets bekifften Marty wollen sie das Wochenende in einer Waldhütte verbringen, die Curts Cousin gehört. Da Dana gerade von ihrem Lover abserviert wurde, lädt Jules den gutaussehenden Holden dazu.

Die Hütte ist gemütlicher als  befürchtet, und die Stimmung steigt. Doch gerade als Jules und Curt im nächtlichen Wald ihre Triebe schießen lassen, steigen die Mitglieder der Familie Buckner aus ihren Gräbern. Sie sind Hinterwäldler der besonders ungastlichen Art, haben einst die Hütte erbaut und beginnen sofort mit der Verfolgung ihrer entsetzten ‚Gäste‘.

Anderenorts verfolgen Sitterson und Hadley das einsetzende Gemetzel gelangweilt. Sie sind nicht nur per Kamera über die Situation im Bilde, denn schließlich haben sie die Buckners von der Leine gelassen: Dana und ihre Begleiter gehören zu jenen Opfern, die alljährlich den „Großen Alten“ dargebracht werden müssen. Nur auf diese Weise lassen sich diese urzeitlichen Kreaturen davon abhalten, die Menschheit zu vernichten.

Im Gegensatz zu den Regierungen dieser Welt sind die jeweiligen Opfer nicht eingeweiht. Ausgerechnet Haschkopf Marty stolpert buchstäblich über den Beweis dafür, dass die grausige Heimsuchung inszeniert ist. Da eine Flucht aus dem von der Außenwelt abgeriegelten Wald unmöglich ist, sucht die rasch schrumpfende Schar der Überlebenden die Konfrontation mit dem Feind. Sitterson und Hadley werden aus ihrer allzu tief eingeschliffenen Routine gerissen, als die flüchtigen Opfer ahnungslos die Büchse der Pandora öffnen und ihre garstigen Bewohner heraus stürmen …

Horror kann spannend und lustig sein

Horror und Humor sind auf den ersten Blick recht unterschiedliche Genossen. Zumindest im Film passen sie jedoch ausgezeichnet zueinander. Es mag an dem Wissen liegen, dass Gespenster, Vampire & Co. Fantasiegestalten sind und als solche nicht ernstgenommen werden müssen. Für diese Theorie spricht, dass Horrorfilme, die ihr Thema bierernst nehmen, die lautesten Schüsse in den sprichwörtlichen Ofen schicken. Selbst der „Exorzist“ sorgt zwischendurch für unfreiwilliges Grinsen.

Hinzu kommt, dass der Mensch ein emotionaler Multitasker ist, der es problemlos schafft, zwischen Tragik und Witz umzuschalten, ohne dabei Hirnschäden zu erleiden. Wie üblich kommt es auf die Mischung an. Sie macht die Qualität des Endproduktes aus, und die ist hier überdurchschnittlich.

Während das Publikum wie dieser Rezensent in seiner Mehrheit zufrieden bis begeistert auf „The Cabin in the Woods“ reagierte, fanden sich wie üblich Kritiker, die nicht die Meinung des fachwissenfremden Pöbels teilten. Joss Whedon ist längst viel zu erfolgreich, um nicht den idealen Eichenstamm zu geben, an dem sich jene Wildschweine kratzen, die genau dies juckt. Primärvorwurf ist, Whedon sei zu „smart“, weshalb er den Horror nicht ernst genug nähme, sondern dem (billigen) Effekt und dem Zuschauerzuspruch verpflichtet sei. Das ist eine merkwürdige Anschuldigung, da das Publikum hauptsächlicher Ansprechpartners der Unterhaltungsindustrie ist, zu der Joss Whedon nun einmal gehört.

Ein Lob dem ehrlichen Handwerk!

„Originalität“ ist im ‚normalen‘ Kino ein Fremdwort. In der Regel wird wiederholt, was funktioniert. Das ist im Horror womöglich noch ausgeprägter als in anderen Genres. Der Mehrwert entsteht, wenn das Bekannte – dessen man womöglich längst überdrüssig ist – verändert und gegen den Strich gebürstet wird. „The Cabin …“ geht diesen Weg bereits in der ersten Filmminute: Das Geschehen setzt nicht in der titelgebenden Waldhütte ein, sondern zeigt zwei ältere, gelangweilte Männer, die ihre Dienst in einer modernen aber tristen Überwachungsanlage antreten. Dies sorgt für die erwünschte Irritation des Zuschauers und bereitet ihn auf eine Handlung vor, deren Doppelstrang lange keine Verbindung aufzuweisen scheint. Wie diese realiter aussieht, ist Teil des Spannungsaufbaus.

Für „The Cabin …“ standen dem Team Goddard & Whedon 30 Mio. Dollar zur Verfügung. Das ist in einer Ära grandios überteuerter Blockbuster denkbar wenig, im Horror-Kino der B-Kategorie jedoch mehr, als den meisten Gruselkünstlern zur Verfügung steht. Hier waren Profis am Werk, was dazu führt, dass „The Cabin …“ sogar deutlich aufwändiger wirkt. Nicht nur im furiosen letzten Drittel gibt es spektakuläre Schauwerte. Von Anfang an wird die ‚Realität‘ der fünf Wochenend-Urlauber durch auch für das Publikum unerwartete Effekte gebrochen. Auf Details sollte man achten; so nimmt ein durchs Bild fliegender Adler ein abruptes Ende, das sich nachträglich perfekt in das Gesamtgeschehen fügt.

Vor und hinter der Kamera glänzen Anfänger und Dilettanten durch wohltuende Abwesenheit. Heutzutage vergisst man leicht, dass jenseits digitaler Spezialeffekte Grusel-Atmosphäre auch durch Licht und Schatten erzeugt werden kann und muss. Hier wird das ironisch gebrochen, wenn Manipulator Sitterson der Stimmung per Hightech nachhilft. Die Monster sind eigentlich Menschen in Masken, was noch immer problemlos funktioniert, wenn sie überzeugend hergerichtet werden. Außerdem treten sie mit den ‚menschlichen‘ Darstellerin in unmittelbaren Kontakt. Die daraus resultierende Wechselwirkung sollte nicht unterschätzt werden: Selbst mit einem Gummi-Wassermann rauft es sich besser als vor einer Greenscreen.

Klischees in Ab- und Aufweichung

Die Hure, der Athlet, der Schlaukopf, der Narr, die Jungfrau: Sie bilden ein Quintett, das dem Horror-Freund Schauder über den Rücken jagt. Die sind allerdings nicht dem Genre, sondern dem Klischee geschuldet, zu dem diese Typen geronnen sind. Schon die Sichtung weniger Gruselfilme genügt, um Rollen zielsicher zuordnen zu können.

Goddard & Whedon machen aus der Not eine Tugend: Ihre Geschichte benötigt eine Hure, einen Athleten, einen Schlaukopf, einen Narren und eine Jungfrau! Das ist ein netter Trick, zumal die fünf Darsteller nur oberflächlich ihren Rollen entsprechen. Man merkt es daran, dass man ihnen keinen grausamen Tod an die Hälse wünscht und ungeduldig darauf wartet. Dana, Curt, Marty, Holden und sogar Jules wachsen uns durchaus ans Herz, und wir bedauern ihre unschönen Enden (während wir gleichzeitig natürlich großen Spaß daran haben.)

Die Darsteller sind hervorragend gewählt, doch haben sie keine Chance gegen die Veteranen Richard Jenkins (Sitterson) und Bradley Whitford (Hadley). Vor allem Jenkins ist einfach großartig als ausgebrannter Profi, der hinter der rauen Schale des ungerührten Zynikers immer wieder das Grauen erkennen lässt, das er in seinem Nine-to-Five-Job tatkräftig unterstützt.

Nicht nur eine Überraschung, sondern ein echter Coup im Dienst der Handlung gelingt Goddard & Whedon im Finale: Der Direktor jener Behörde, die das Menschenopfer organisiert, mischt sich persönlich ins Geschehen ein – und entpuppt sich als Sigourney Weaver! Sie ist nicht nur eine ausgezeichnete Schauspielerin, sondern trägt buchstäblich elementare DNS des Horrorfilms in sich; schließlich hat sie viermal gegen die „Aliens“ gekämpft, als diese noch richtige Schreckensgestalten waren und keine kastrierten Franchise-Knechte.

Futter für die Nerds oder Meta-Ebene?

Da Joss Whedon einen Ruf als Fachmann für den modernen (populären) Horror zu verteidigen hat, spickt er seine Werke gern mit Verweisen, die der ähnlich beschlagene Leser oder Zuschauer erkennen, bejubeln und sich zum eigenen Wissen gratulieren kann. Auch „The Cabin …“ ist reich an entsprechenden Einschüben. Das beginnt mit den „Großen Alten“, die Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) auf die entzückt/erschrockene Leserschaft losließ, und endet nicht mit dem Kaleidoskop der im Finale aus- und losbrechenden Schreckensgestalten, unter denen leicht getarnt der Cenobite Pinhead (aus „Hellraiser“) oder offen die Zombies aus dem Game „Left 4 Dead 2“ mitmischen. (Da es stets Nitpicker gibt, die sich auf die detaillierte Aufdröselung filmischer Metaebenen spezialisiert haben, sei an dieser Stelle auf das Internet verwiesen.)

Solche Reminiszenzen mag und kann man als Elemente einer hintergründigen Meta-Ebene ebenso deuten wie als nette Gags am Rande. Auch in dieser Hinsicht gibt es tiefschürfende Interpretationen, denen sich dieser Rezensent indes nicht anschließen mag. Manchmal ist eine Rose nur eine Rose – und „The Cabin in the Woods“ gute Unterhaltung!

DVD-Features

„The Cabin in the Woods“ ist nicht nur ein unterhaltsamer sowie in ausgezeichneter Bild- und Tonqualität präsentierter Film. Auch das Beiwerk kann sich sehen bzw. hören lassen. So gibt es einen Audiokommentar mit den Drehbuchautoren Drew Goddard und Joss Whedon. Beide sind alte Freunde und haben als ausgewiesene Fachmänner für den modernen Horror Interessantes zum Film und seiner Entstehung zu sagen.

Unter dem Titel „We Are Not Who We Are“ lassen sich gleich drei Features anschauen. „Making the Cabin in the Woods” zeigt die übliche Mischung aus zusatzwerbenden ‚Interviews‘. Sie werden durch ausführliche Szenen von den Dreharbeiten aufgewogen, die Aufschluss über den Entstehungsprozess geben. „An Army of Nightmares: Make Up & Animatronic Effects“ und „Visual Effects“ zeigen die aufwändige Arbeit der Effektkünstler, die Schwerarbeit vor allem in jenen Szenen leisten mussten, in denen sich Monster und Mutanten vor der Kamera buchstäblich tummelten: Goddard und Whedon gaben – auch aus Kostengründen – klassischen Kostüme und Masken den Vorzug vor CGI.

Hinter „The Secret Secret Stash” verbergen sich zwei Featurettes. In „Marty’s Stash“ führt Darsteller Fran Kranz Martys raffiniert getarntes Hasch-Inventar vor, zu dem u. a. ein Teleskop-Bong gehört, der sich zu einer Warmhaltetasse zusammenschieben lässt. In „Hi, My Name Is Joss and I’ll Be Your Guide“ führt Joss Whedon durch das Tonstudio der „Cabin”-Produktion.

Kurzinfo für Ungeduldige: Fünf Studenten wollen ein vergnügliches Wochenende in einer Waldhütte verbringen, fallen dort allerdings einer untoten Hinterwäldler-Familie in die verrotteten Fänge, die für eine Regierungsbehörde arbeiten … – Der übliche Backslash-Horror wird hier mit einer originellen Hintergrundgeschichte unterfüttert; sorgfältig inszeniert, gut gespielt und mit tollen Effekten ausgestattet, ist dies B-Grusel vom Feinsten.

[md]

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