Ohne Wissen seiner Familie klaubt der autistische Mike Taylor in einer Höhle hübsch verzierte Steine auf. Damit bricht er einen Bann und öffnet ein Portal, hinter dem fünf fremddimensionale Dämonen lauern, die erst die Taylors terrorisieren und dann zur Welteroberung schreiten … – Auf handwerklich solidem Niveau wird allzu Bekanntes wiedergekäut, bis im Finale der blanke Unfug regiert: Gute Schauspieler werden verheizt, und ein begabter Regisseur erlebt mit diesem soften bzw. lahmen Grusel eine Bauchlandung.

Das geschieht:

Es kriselt in der Familie Taylor. Vater Peter, ein Star-Architekt, vernachlässigt Frau und Kinder, Gattin Bronny fühlt sich einsam und liebäugelt wieder mit der Flasche, Tochter Lucy pubertiert aus Leibeskräften, Sohn Michael ist Autist und lebt ohnehin in seiner eigenen Welt.

Ein Camping-Urlaub im Grand Canyon soll die Situation entschärfen, was nicht nur erfolglos bleibt, sondern Lebensgefahr aus gänzlich unerwarteter Richtung heraufbeschwört: Mikey fällt in ein Loch und landet in einer Höhle. Vor Urzeiten haben hier offensichtlich Indianer religiöse Riten abgehalten. Auf einem Altarstein liegen fünf hübsch mit Tiersymbolen verzierte Steine, die Mikey mitnimmt, ohne seine Familie über den Fund zu informieren.

Wieder daheim beginnt es bald zu rumpeln und zu pumpeln. Wasserhähne werden geöffnet, rußige Hände verunzieren die Wände und betatschen die ranke Lucy. Peter hat Stress im Büro und überlässt Bronny die Regulierung des gestörten Hausfriedens. Die Heimsuchungen werden immer heftiger und bald auch gewalttätig; selbst Peter muss schließlich zugeben, dass es im Haus umgeht.

Glücklicherweise weiß Peters Chef und Kumpel Rat. Er kennt die Geisterbeschwörerin Gloria, die mit ihrer Assistentin Teresa erscheint und bestätigt, was Bronny dank des Internets bereits vermutete: Dämonen sitzen den Taylors im Nacken! Um sie vertreiben zu können, wären die erwähnten Steine von elementarer Bedeutung. Leider hält Mikey auch weiterhin den Mund, weshalb der von Gloria und Teresa begonnene Exorzismus nicht nur scheitert, sondern besagte Dämonen erst recht erzürnt: Sie stürmen aus dem Jenseits herbei, um die Taylors und die Geisterjäger zu packen; anschließend werden sie Angst und Schrecken über die Menschheit bringen …

Aus lahm wird lächerlich: Spuk als Ofenschuss

Nicht nur der skeptische Zuschauer wird stutzen, wenn er die Inhaltsbeschreibung liest. Viele Horrorfilme muss man wahrlich nicht gesehen haben, um zu erkennen, dass „The Darkness“ eine Geschichte erzählt, die (zudem aus recht wenigen) Vorgängerwerken zusammengestoppelt wurde. Was im Film eher die Regel als die Ausnahme ist, fällt hier unerfreulich deutlich auf, weil die Story weder inhaltlich noch formal für jene Ablenkung sorgt, die entsprechende Kritik normalerweise minimiert.

Schon das alternative Ende und die zwar gedrehten aber nie im Film auftauchenden Szenen künden davon, dass „The Darkness“ eine Produktion in Schwierigkeiten war. Drei Autoren bemühten sich um ein glatt abgespultes Garn, doch es gelang ihnen nur, das alte Sprichwort von den (zu) vielen Köchen und dem Brei zu bestätigen. „The Darkness“ ist ein Film ohne Struktur und Rhythmus, was noch stärker als die Ideenarmut durchschlägt.

Für Irritation sorgt bereits der Auftakt. Familie Taylor fährt in den Grand Canyon. Begleitet werden sie von ihren Freunden, den Carters, die so eingeführt werden, dass wir davon ausgehen, sie später in die Handlung verwickelt zu sehen. Dafür spricht auch dass die Rolle der Joy Carter von Jennifer Morrison gespielt wird, die spätestens seit ihrem Mitspielen in der TV-Serie „House, M. D.“ (dt. „Dr. House“) über eine Prominenz verfügt, die sie über bessere Statistenrollen erheben sollte. Stattdessen sehen wir die Carters nie wieder, wenn die Taylors wieder daheim sind. Ein wenig später flüchtet Stephanie zur Oma. Die bekommt einen Schrecken, als sich auch ihre Wasserhähne selbstständig machen – und verschwindet ebenfalls aus dem Geschehen.

Lange Leitung u. a. Begriffsstutzigkeiten

Greg McLean ist als Drehbuchautor und Regisseur verantwortlich für eine Schöpfung, die eher selten gelingt: Er hat einen modernen Mythos in die Medienwelt gesetzt! 2005 betrat Mick Taylor, Serienkiller aus dem australischen Outback, die Szene. „Wolfcreek“ wurde aufgrund aber nicht ausschließlich wegen der beinharten Gewalt berühmt und berüchtigt. McLean gelang ein verstörender Film, in dem John Jarratt die ideale Verkörperung des jovialen, listigen, sadistischen Mick Tayler war. Mit „Rogue“ (2007), „Red Hill“ (2010) und natürlich mit „Wolf Creek 2“ unterstrich McLean sein Talent.

Dass auch er nicht über das Wasser wandeln kann, zeigte sich erstmals 2012. Der SF-Horrorfilm „Crawlspace“ sorgte für lange Gesichter, war aber trotzdem um Klassen besser als „The Darkness“. Fühlt sich McLean unwohl, wenn er die Wildnis verlässt? Optisch eindrucksvoll sind jedenfalls höchstens jene Anfangsszenen geraten, die in der Felsenlandschaft des Grand Canyon spielen. Das gewählte Breitformat (2,40 : 1) ergibt ohnehin nur in diesem Umfeld Sinn, was kontraproduktiv ist, sobald das Geschehen sich ins Taylor-Haus verlagert.

Offensichtlich wollte McLean unter Beweis stellen, dass er mehr als den harten, rabiaten Horror beherrscht. „The Darkness“ ist eine klassische Geistergeschichte, die modern erzählt werden sollte. In der Umsetzung mündete dies allerdings primär in der Übernahme generischer Klischees, die McLean an keiner Stelle gegen den Strich bürstet. Die Liste ist deprimierend lang, deshalb hier nur einige Beispiele:

– Vater Peter ist der Rationalist der Familie Taylor sowie mit einem Schlaf gesegnet, der ihn des Nachts in einen ohrenlosen Kartoffelsack verwandelt. Während Frau und Kinder von Phantomen gejagt schreiend durch das Haus rennen, kommt Peter erst zu sich, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist.

– Mutter Bronny verfällt umso rascher dem Glauben an böse Geister. Schon wenige Klicks im Internet führt sie auf Websites, die exakt jene Unheimlichkeiten zeigen, welche sich auch im Taylor-Haus manifestieren.

– Ausgerechnet Peters Chef Simon, ein Großmaul und Dummkopf, kennt exakt jene Geisterjägerin, die den Dämonen auf die Schliche kommt.

– Praktischerweise entpuppen sich Gloria und Teresa als Allround-Exorzisten, die in ihrer Instrumententasche Abwehrmittel gegen Geister diverser Religionen bereithalten. Auch Dämonen aus dem Umfeld der einst spurlos (und ohne die Nachhilfe schießwütiger Bleichgesichter) verschwundenen Anasazi-Indianer – die seit jeher für Mystery-Unfug aller Art herhalten müssen – stellen daher kein grundsätzliches Problem dar.

– Im Haus der Taylors – es steht in einer Vorstadtsiedlung – geht es final wahrlich hoch und lautstark her, darüber kreisen blitzdurchzuckte Sturmwolken. In der Nachbarschaft rührt sich trotzdem niemand.

Überhaupt wandelt „The Darkness“ ein wenig zu deckungsgleich in den Fußstapfen des Grusel-Klassikers „Poltergeist“, sobald Gloria und Teresa im Haus sind. Die Grauzone zwischen Einfallslosigkeit und Imitation – von „Plagiat“ wollen wir im Filmgeschäft lieber nicht sprechen – ist überschritten. Zu schlechter Letzt: Zuschauerliches Erschrecken durch Aufbrüll-Musik u. ä. faule Tricks zu erzwingen ist eine Frechheit. Wenigstens wurden echte Synchronsprecher eingesetzt; das deutsche Label sieht offenkundig Potenzial in diesem Film.

Schauspieler in der Dürre

„The Darkness“ ist ein ‚kleiner‘ Film mit einem Budget von 4 Mio. Dollar. Man merkt es vor allem an den Spezialeffekten, die in ihrer Mehrzahl keineswegs schlecht aber übersichtlich und wenig spektakulär sind. (Als lächerliche Ausnahme verdienen die fünf Dämonen in ihren Lumpenkostümen eine besondere Erwähnung.) Die Besetzung rekrutierte McLean aus jenem Heer fähiger Schauspieler, deren Gesichter und Namen sich der Zuschauer nicht merkt. Zwar heuerte er für einige Rollen prominente Zugpferde an, wählte aber Schauspieler, deren Karrieren die Filmstar-Umlaufbahn verlassen haben. Auf diese Weise lassen sich sowie fähige als auch bekannte Darsteller kostengünstig verpflichten.

Kevin Bacon ist ein fleißiger Mann, der unverdrossen sein Bestes gibt, auch wenn es ihn wieder einmal in ein Filmprojekt verschlagen hat, das sich am Drehort als keine gute Idee (oder als Desaster) erweist. Mit zunehmendem Alter treten seine ohnehin scharfen Gesichtszüge immer stärker hervor; tatsächlich gleich Bacon fatal (oder erschreckend) dem Schauspieler Lon Chaney in seiner Parade-Maske als Erik = das „Phantom der Oper“ (1925). Nichtsdestotrotz überzeugt er auch dieses Mal als keineswegs heldenhafter, oft unsympathischer, überforderter Peter Taylor, dem das Drehbuch zudem eine ‚schwierige‘ Vergangenheit anhängt: Peter war früher nicht treu, und Bronny misstraut ihm noch immer.

Jedes Mitglied der Taylors hat übrigens sein bzw. ihr Päckchen zu tragen, was ‚realistisches‘ Familienleben demonstrieren soll. Bronny hängt bald wieder an der Flasche, Stephanie kotzt ihr Essen aus (und sammelt es – wieso auch immer – in Tupperdosen unter ihrem Bett). David Mazouz hat es als Mikey gut; er muss kaum eine Miene verziehen. Die einzige gute Idee unterlief dem Drehbuch-Trio, als es einen Autisten die spukauslösenden Bannsteine einsammeln ließ: Mikey ist schlicht nicht in der Lage sich zu fürchten oder die Gefahr zu erkennen, die er über seine Familie bringt. Ansonsten ist er dem Zuschauer ebenso gleichgültig wie alle Taylors.

Radha Mitchell ist als Bronny einfach anwesend. Alma Martinez und Ilza Rosario sind zwei denkbar blasse Exorzistinnen. Schlimmer als Jennifer Morrison, die kaum jemand bemerken dürfte, trifft es Paul Reiser: Wieso übernahm er, der vor allem aber nicht nur in der TV-Serie „Mad about You“ (1992-1999, dt. „Verrückt nach dir“) glänzte, eine Rolle, die jeder beliebige Darsteller spielen könnte? Freilich passt dies zu einem Film, der Ehrgeiz zwar ahnen lässt, aber letztlich dieses Urteil verdient: beliebig!

DVD-Features

Die Extras sind Standard: alternatives Ende, entfallene Szenen, Trailer, Bildergalerie. Interessant sind natürlich jene Szenen, die es nicht in den Film geschafft haben. Neun Minuten entsprechendes Material verraten zwei Dinge, die man sich nach der Sichtung des Hauptfilms schon gedacht hat: So recht wusste offenbar niemand, wohin „The Darkening“ steuern sollte. Die getilgten Szenen vermisst man nicht. Das alternative Ende ist nicht optimistisch bzw. ‚happy‘, sondern düster und der Story angemessener. Immerhin bieten die letztlich gewählten und ereignisfreien Finalbilder eine Überraschung: Üblicherweise endet ein Horrorfilm mit dem ‚unerwarteten‘ Aufzucken des keineswegs niedergerungenen Übels, was zugleich eine Fortsetzung ankündigt. McLean blendet aus; wir sind froh.

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The Darkness – Evil Comes Home
Originaltitel: The Darkness (USA 2016)
Regie: Greg McLean
Drehbuch: Shayne Armstrong, S. P. Krause u. Greg McLean
Kamera: Toby Oliver
Schnitt: Sean Lahiff
Musik: Johnny Klimek
Darsteller: Kevin Bacon (Peter Taylor), Radha Mitchell (Bronny Taylor), David Mazouz (Michael Taylor), Lucy Fry (Stephanie Taylor), Paul Reiser (Simon Richards), Ming-Na Wen (Wendy Richards), Alma Martinez (Teresa Morales), Ilza Rosario (Gloria Ortega), Matt Walsh (Gary Carter), Jennifer Morrison (Joy Carter), Parker Mack (Andrew Carter) u. a.
Label: KSM GmbH (NewKSM Cinema)
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 13.03.2017
EAN: 4260495760735 (DVD)/4260495760742 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min. (Blu-ray: 92 min.)
FSK: 16

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https://www.youtube.com/watch?v=QGRHes_Z-lQ

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