Fünf Bankräubern misslingt ihr großer Coup. Die Geiseln mucken, draußen kreist die Polizei das Gebäude ein, man streitet sich, und im Keller lauert etwas Unheimliches auf jene, die dumm genug sind hinabzusteigen … – Was als „Heist“-Thriller beginnt, schlägt in blanken Horror um, der kräftig mit Blutfontänen und Ekelmorden gewürzt wird; dass die Mischung misslingt, liegt nicht an den Darstellern, sondern an den Drehbuch-Autoren, die den Faden verlieren und keine Ahnung haben, wie sie ihre Story auflösen sollen.

Das geschieht:

Die Geschwister Dillon sind vom Pech verfolgte Kleinkriminelle. Bruder Michael hat sich zuletzt mit den falschen Strolchen angelegt, denen er nun viel Geld schuldet. Die Rückzahlungsfrist ist kurz, und damit Michael das nicht vergisst, haben ihm die ‚Gläubiger‘ einen Finger abgeschnitten.

In seiner Not beschließt Michael eine Bank zu überfallen. Da der Rückhalt groß ist in der Dillon-Familie, stehen ihm nicht nur Kumpel Kramer und der Hüne Cyrus, sondern auch seine Schwestern Vee und Leah zur Seite. Der Plan ist gut, und ein Feuer, das unweit der ins Auge gefassten Bank wütet, sorgt für willkommene Ablenkung.

Der Coup startet reibungslos, alle Insassen der Bank werden gefangengenommen, doch in der Kasse liegt weit weniger Geld als erwartet. Man streitet, die Nervosität und damit die Gefahr für die sieben Geiseln steigt, weshalb Bankangestellter Ed Maas von einem uralten Safe im Keller erzählt, der als geheimes Gelddepot dient und 6 Millionen Dollar in bar enthalten soll.

Natürlich lockt diese Summe die Bande, und Kramer betätigt sich als Safeknacker, was einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Oben kommt es inzwischen zur Krise, denn irgendwie hat die Polizei vom Überfall erfahren. Die Bank wird eingekreist, Flucht scheint unmöglich, bis Michael wiederum im Keller ein altes Rohr entdeckt, das in die Freiheit führt.

Leider ist längst eine ganz andere Falle zugeschnappt. Im alten Safe wartet kein Geld auf die Räuber, sondern eine Horde Geister, über die ein mordgieriger, völlig verrückter sowie ebenfalls untoter Killer gebietet, der seit 1982 sehnsüchtig auf Pechvögel wartet, die es in den Keller verschlägt. Räuber und Geiseln geraten gleichermaßen in Lebensgefahr, während sich vor der Bank ein Rollkommando zum Sturm formiert …

Murphy’s Law – dieses Mal mit Geistern

Ein Banküberfall ist – zumindest in Sicherheit vor der Leinwand oder dem Bildschirm verfolgt – überaus spannend. Kriminelle aber kluge Köpfe treten gegen jene Vertreter von Recht und Sicherheit an, die den Weg zum gut gefüllten Tresor durch ausgeklügelte Sicherheitsmaßnahmen kompliziert haben. Ebenfalls im Weg stehen grimmige, stets misstrauische Wachleute, die vor allem im US-Kino im Krisenfall lieber erst schießen und dann Fragen stellen.

„Heist-Movie“ nennt sich ein eigenes Sub-Genre des Thrillers. Die minuziöse Planung vorab ist bereits Teil der Unterhaltung, die sich anschließend steigert, weil trotzdem etwas schiefläuft und nun improvisiert werden muss. Gehen unsere Gauner dabei menschenfreundlich vor, drücken wir ihnen sogar die Daumen; niemand mag Banken, die ohnehin gegen raubbedingte Geldverluste versichert sind.

„The Safe“ ist kein ‚echtes‘ Heist-Movie. Die Vorgeschichte entfällt, was in Ordnung geht, da Planungsraffinesse ohnehin höchstens ansatzweise deutlich wird. In der überfallenen Bank sollen Waffen eine Atmosphäre von Terror und Druck erzeugen, welche die Geiseln fügsam bleiben lässt. Dass zumindest Michael Dillon eigentlich ein Guter ist, den die Umstände ins Kapitalverbrechen zwangen, gehört zu den vielen Klippen, auf denen dieser Film-Kahn ständig aufsetzt, bis er mit aufgerissenem Rumpf jämmerlich untergeht.

Dilettanten unter sich

Dieses Scheitern liegt übrigens nicht im seltsamen Plot begründet, sondern ausschließlich in der Umsetzung. Gangster gegen Geister: Das ist keine Premiere, und auch die ‚Tarnung‘ – „The Safe“ beginnt als ‚typischer‘ Thriller und bietet sämtliche einschlägigen Elemente (oder Klischees) – ist legitim: Die Täuschung des Zuschauers ist im Film ein ehrenhaftes Ziel, das in „From Dusk till Dawn“ 1996 bekanntlich vorzüglich gelungen ist. Das wurde erreicht, ohne das Zielpublikum ständig vor die Köpfe zu stoßen. Anders ausgedrückt: Auch Geisterspuk im Kellersafe muss einen Sinn ergeben, statt sich in plakativer Wirrnis zu erschöpfen.

Bevor es unter Tage geht, stellt uns Regisseur (und Drehbuch-Mitautor sowie Co-Cutter) Dan Bush die Protagonisten ausführlich vor. Um ein wenig Schwung in die Sache zu bringen, spielt er mit der Chronologie und arbeitet zum Beispiel mit Rückblenden, die dem Zuschauer als solche zunächst nicht auffallen und ratloses Kopfkratzen hervorrufen, bis die künstlich geschaffenen Mysterien nach und nach aufgelöst werden.

Ebenfalls für Spannung sollen interne Spannungen sorgen, die ebenfalls nur allmählich erläutert werden. Vee liegt im Streit mit Leah, die offenbar die Familie gern im Stich lässt, und Michael hasst Leahs Hang zur Brutalität, der den Geiseln schlecht bekommt, weshalb zwischendurch immer wieder schmutzige Familienwäsche gewaschen wird. Hinzu kommen Probleme mit Cyrus, dem genreüblichen = übergroßen, tätowierten, hirnfreien Fleischklops, der sich schwer kontrollieren lässt.

Auf der anderen Seite stehen die Geiseln. Auch für sie verbraucht Bush jede Menge Filmzeit, was sie uns vertraut machen soll, damit wir um sie bangen (Susan, Mary) oder ihnen misstrauen (Ed, Ben, James): Wer wird eine Dummheit begehen und damit die nächste Krise auslösen? Leider stammen die Figuren aus dem Hollywood-Musterbuch für Routine-Reißer, weshalb diese Geiseln bestenfalls gleichgültig lassen bzw. man rasch Kandidaten entdeckt, die man als Gauner- oder Geisterfutter empfehlen möchte.

Spuk ohne Sinn

1982 wurde die Bank unserer Films von einem übergeschnappten Räuber überfallen, der sich als sadistischer Massenmörder entpuppte und sämtliche Geiseln grausam zu Tode brachte. Seither geht es in besagter Bank bzw. in deren Keller um. Wieso sich der Spuk im Bereich des alten Safes konzentriert, bleibt rätselhaft, da damals überall in der Bank gemordet wurde.

Eigentlich spielt der Safe nur im deutschen Filmtitel eine Rolle; vermutlich hat sich jemand – wohl der Schöpfer des Untertitels – in dieses Bild verliebt: „The Safe“ (= „Die Sicherheit“) – Niemand wird verschont“. Faktisch ist der Safe nur ein Köder, der im Handlungsverlauf von untergeordneter Bedeutung ist. Der Spuk treibt sein Unwesen wie gesagt im gesamten Keller; er ist übrigens nicht auf die Unterwelt beschränkt, sondern kann sich oberirdisch betätigen.

Dabei brechen die Geister diesem Film quasi im Wettlauf mit den Drehbuch-Autoren das Genick. Ihr Wüten ergibt keinerlei Sinn; sie suchen keine Erlösung, sondern sind zu Handlangern ihres Anführers geworden. Wie begründet sich diese Abhängigkeit? Warum müssen sie weiterhin gehorchen? Selbst Geister sollten einer gewissen Logik folgen. Bush setzt sie ausschließlich als Buh!-Gestalten ein, aber auch in dieser Funktion versagen sie schmählich. Jede Episode von „The Walking Dead“ schlägt die „Safe“-Untoten um Längen, wenn es darum geht grässlich auszusehen. Zu allem Überfluss lässt gerade der angeblich so fürchterliche Chef-Geist jegliches Charisma vermissen.

Sie hätten ein besseres Projekt verdient

Dass primär Dan Bush „The Safe“ in den Sand setzt, wird deutlich, wenn man seinen Film von seiner Story trennt. Handwerklich ist das Werk trotz des beschränkten Budgets, das sich durch die Kammerspiel-Kulisse und die kümmerlichen Spezialeffekte offenbart, gut anzuschauen. Kameramann Andrew Shulkind weiß, wie man die klassischen Thriller- und Grusel-Repertoires ordentlich bebildert. Licht und Schatten werden einfallsreich eingesetzt, was sich erfreulicherweise auch in der DVD-Version widerspiegelt.

Zudem konnte Bush Schauspieler vor die Kamera locken, die ihren Job verstehen und sogar latent prominent sind. James Franco, Taryn Manning, die genetisch doppelt begabte Francesca Eastwood (Tochter von Clint und Frances Fisher) bilden ein dynamisches Trio, das uns Zuschauer über mache Drehbuch-Lücke hinweghilft und sogar Klischees überspielt. Vor allem Eastwood beeindruckt als psychisch labile Frau, die ihre Schönheit ausschließlich taktisch einsetzt und gar nicht ‚niedlich‘ wirkt, wenn sie zum Foltern einer Geisel ansetzt.

Die drei Genannten dürfen dankbar sein, dass ihnen das Script keine Love-Story aufzwingt; weshalb diese Abschweifung auch uns erspart bleibt. Die übrigen Darsteller stören entweder nicht oder können ebenfalls kleine Glanzlichter aufstecken (Q’orianka Kilcher). Erwähnt sei, dass Keith Loneker kurz nach den Dreharbeiten im Alter von nur 46 einer Krebserkrankung erlag.

Einleitung, Hauptteil, aber kein Schluss

Je weiter die Handlung voranschreitet, desto diffuser wird sie. Killende Geister lauern im Keller: Darin beschränkt sich mehr und mehr das Geschehen, während oberirisch die Belagerung durch die Polizei hin und wieder pflichtschuldig einfließt. Hierzulande wurde „The Safe“ erst ab 18 Jahren freigegeben, was wohl auf einige theoretisch heftige Splatter-Szenen – Kopfschuss mit Schrotflinte, Hirntod durch Akku-Bohrer, Geisel-Grillen – zurückgeht. Tatsächlich geschieht das eigentlich Schreckliche meist im Kamera-Off und wird nur als Ergebnis – verstümmelte Leiche – gezeigt.

In Sachen Auflösung tappten Bush & Byrne offensichtlich ebenso im Dunkeln wie unsere Bankräuber. „The Safe“ endet nicht mit der finalen Explosion im verwünschten Keller, sondern in einer ganzen Serie angeflanschter Epiloge. Sie sollen Erklärungen nachliefern, sparen relevante Fragen aber weiterhin aus. Stattdessen gibt es wieder einmal eine Grusel-‚Überraschung‘, die um des billigen Schlusseffekts der bisher erzählten Geschichte einen Tritt in den Unterleib verpasst.

Wenn etwas an diesem Ofenschuss-Film positiv im Gedächtnis haftet, dann die Titelmusik, ein Cover des Rock-Klassikers „Crimson and Clover“, der erstmals 1968 von Tommy James and the Shondells vorgestellt wurde und hier in der Interpretation von Prince (!) einmal mehr seine Unverwüstlichkeit unter Beweis stellt.

DVD-Features

Zum Hauptfilm gibt es keinerlei Bonus-Material.

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The Safe – Niemand wird verschont
Originaltitel: The Vault (USA 2017)
Regie: Dan Bush
Drehbuch: Dan Bush u. Conal Byrne
Kamera: Andrew Shulkind
Schnitt: Dan Bush u. Ed Marx
Musik: Shaun Drew
Darsteller: Scott Haze (Michael Dillon), Taryn Manning (Vee Dillon), Francesca Eastwood (Leah Dillon), Keith Loneker (Cyrus), Michael Milford (Kramer), James Franco (Ed Maas), Q’orianka Kilcher (Susan Cromwell), Jeff Gum (Wachmann James Aiken), Jill Jane Clements (Mary), Aleksander Vayshelboym (Ben), Clifton Collins Jr. (Detective Tom Iger) u. a.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien
Erscheinungsdatum: 27.10.2017
EAN: 4013549093392 (DVD)/4013549059688 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min. (Blu-ray: 94 min.)
FSK: 18

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