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7 Below – Haus der dunklen Seelen

Erstellt von Michael Drewniok am Donnerstag 3. Mai 2012

7 Below – Haus der dunklen Seelen

Originaltitel: Seven Below (USA 2012)
Regie: Kevin Carraway
Drehbuch: Kevin Carraway u. Lawrence Sara
Kamera: Harris Charalambous
Schnitt: Terry Lukemire
Musik: Jake Staley
Darsteller: Ving Rhames (Jack), Luke Goss (Issac), Matt Barr (Adam), Bonnie Somerville (Brooklyn), Rebecca Da Costa (Courtney), Christian Baha (Dr. Lipski), Val Kilmer (McCormick), Silvio Wolf Busch (William McKnight), Brianna Lee Johnson (Elizabeth McKnight),  Jennifer Trier (May), Kylie Pfingsten (Sarah), Kaleigh Howland (Amanda), Corey Reilly (Sean), Tia Sage (Hure)
Label/Vertrieb: Lighthouse Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 20.04.2012
EAN: 4250128408608 (DVD) bzw. 4250128408615 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 92 min. (Blu-ray: 96 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Irgendwo im Hinterland des US-Staates Minnesota sitzen die Brüder Issac und Adam, das Ehepaar McCormick und der Arzt Dr. Lipski gemeinsam in einem Kleinbus. Die Fahrt endet am Stamm eines dicken Baumes, als sich eine Geisterfrau dem Wagen in den Weg stellt. Gefunden werden die fünf Pechvögel vom mysteriösen Jack, der sie in sein einsam gelegenes Haus einlädt; ein Jahrhundertsturm zieht auf, der Bäume auf die Straße wirft, sodass eine Weiterfahrt ohnehin unmöglich ist. Später gabelt man noch die mit benzintankleerem Wagen gestrandete Verkäuferin Courtney auf, die sich der Gruppe anschließt.

Was Jack zunächst verschweigt, ist die unerfreuliche Vergangenheit seines Hauses: Hier fuhr im Mai 1911 ein Dämon in den jungen Sean McKnight, der daraufhin seine Eltern, die Großmutter und die beiden jüngeren Schwestern erdolchte. Da ihre Seelen niemals Ruhe fanden, geht es seitdem in dem Haus um; die Mordnacht wiederholt sich, und Sean hat kein Problem damit, Neuankömmlinge unter sein Messer zu nehmen.

McCormick erwischt es als ersten; allerdings wird er erwürgt. Die übrigen ‚Gäste‘ würden das Haus gern verlassen, zumal Jack sich allmählich unheimlich zu verhalten beginnt. Aber das Wetter hält alle fest, damit der Spuk später in dieser Nacht so richtig losgehen kann.

Jeder hat Erscheinungen, die ein Puzzlestück der vergangenen Bluttat darstellen. Als eine zweite Leiche gefunden wird, ist die Lebensgefahr endlich begriffen, die Falle aber längst zugeschnappt. Adam entdeckt, dass auch Jack entscheidend in die seltsamen Ereignisse verwickelt ist. Die Zeit beginnt eine Schleife zu bilden, und Jacks ‚Gäste‘ sollen in die Rollen der McKnight-Familienmitglieder schlüpfen. Dann werden die Geschehnisse von 1911 sich wiederholen; ein Vorgang, den niemand überleben wird – oder sind unsere Reisende durch ein bisher unbekanntes Schicksal ohnehin an das Haus gebunden, das sie eigentlich niemals verlassen haben?

Spuk sollte geistreich sein

Dies ist nur eine der Fragen, die in einem Film aufgeworfen werden, der von so minderer Qualität ist, dass die Antworten niemanden interessieren. Hier ist alles misslungen: Das Drehbuch ist ein chaotisches Gewirr einschlägiger Klischees, die nicht einmal wirkungsvoll kopiert werden. Formal reichte das Budget nur für die Anmietung großer Flakscheinwerfer, die vor den Kulissenfenstern an- und abgeschaltet wurden, um ‚Blitze‘ zu simulieren, die in dieser Intensität wohl eher auf dem Planeten Jupiter toben. Kernige Handlanger dreschen dazu auf große Stahlbleche ein und erzeugen ein Donnergrollen, in dem die mausedünnen Dialoge gleich satzweise untergehen.

Regisseur und Drehbuch-Hauptautor Kevin Carraway hat in seiner noch kurzen Karriere bereits belegt, dass sein Herz (oder eines seiner Verdauungsorgane) dem Billig-B-Movie gehört. Mit „The Fear Chamber“ (2009) oder „Wrath of Cain“ (2010) hat er bereits zahlreiche Zuschauer verärgert, denen er vergeblich vorgaukeln wollte, dass der Effekt losgelöst von der Geschichte funktioniert. Mit „7 Below“ versucht er diese These nunmehr mit Gewalt zu beweisen und verzichtet fast vollständig auf eine Story, die dem wüsten Treiben, das 90 endlose Minuten füllt, irgendeinen Sinn geben könnte.

Es beginnt mit der nie geklärten Frage, wieso fünf Menschen, die sich offenkundig weder kennen noch mögen, gemeinsam auf eine Autofahrt ins Blaue begeben. Nehmen sie an einer Art Lebenshilfe-Seminar teil? Ebenfalls fragt man sich, was unsere Reisenden prädestiniert, die Ereignisse von 1911 zu wiederholen. Es gibt auch keinerlei Berührungspunkte zwischen ihnen und den McKnights. „Seelenwanderung“ wird als Ursache angeführt. Demnach sitzen die Seelen der McKnights in den Köpfen ihrer auserwählten Opfer, während die McKnights gleichzeitig als Geister durch ihr Haus spuken. Wie passt das zusammen?

Das Chaos als Konzept

Gar nicht, und auch sonst verhalten die Figuren sich so, als seien sie zumindest von allen guten Geistern verlassen. Bald steht fest, dass es in Jacks Haus nicht gerade ungefährlich spukt. Scharen sich die bedrohten Gäste daraufhin in einem Raum zusammen, um aufeinander aufzupassen? Von wegen! Wechselweise werden sie müde und ziehen sich in eines der Gästezimmer zurück. In dieser Isolation können sie problemlos abgemurkst werden.

Jack ist derweil verschwunden. Issac verkündet, ihn suchen zu wollen. Eine wahre Expedition schließt sich an, denn obwohl es das Haus in Größe und Zimmerschnitt kaum mit dem Labyrinth des Minotaurus aufnehmen kann, wird Issac einfach nicht fündig, was er zwischendurch verkündet, ohne dass sich seine Gefährten darüber wundern. Erst Adam hat mehr Glück: Er steigt in den Keller …

Als die zusammengeschmolzene Schar im Morgengrauen endlich zu Fuß die Flucht ergreift, läuft man nicht etwa über die Straße bis zu einer vier Meilen entfernten Tankstelle – die Entfernung wird genannt. Über im Sturm gestürzte Bäume kann man offenbar nicht klettern. Deshalb irrt man durch das Unterholz der anscheinend endlosen Wälder von Minnesota, während im Hintergrund die Nebelmaschinen heiß laufen. (Bei dieser Gelegenheit: Wieso spielt die Geschichte in Minnesota, obwohl sie in Ohio gedreht wurde, zumal das Motto dieses Staates lautet: „With God, all things are possible.“) Mehr Klischee ist kaum möglich, meint der Zuschauer erschöpft, aber er wird getäuscht: Einem kruden, langweiligen Finale folgt selbstverständlich ein ‚schockierender‘ Schusstwist, der die Auflösung nachträglich Lügen straft.

Im Tal des Karriere-Tiefs

Die Darsteller haben schnell begriffen, in welche Art von Film es sie verschlagen hat. Man schließt dies jedenfalls aus der kollektiven Lustlosigkeit, mit der sie Dienst nach Vorschrift schieben. Dabei kann sich die Besetzung durchaus sehen lassen. Luke Goss oder Ving Rhames sind immerhin kleine Filmgrößen. Manchmal scheint Rhames, der hier einmal nicht den bulligen Haudrauf, sondern einen verschlagenen Finsterling mimt, kleine schauspielerische Ausbruchsversuche zu wagen. Das Drehbuch stoppt solche Höhenflüge bereits im Ansatz.

Die übrigen Darsteller rekrutieren sich aus der üblichen Masse unbekannter Nebenrollen- und TV-Gesichter. Als Neuling lässt die endlosbeinige Latino-Schönheit Rebecca Da Costa zumindest die Augen des männlichen Publikums glänzen; das Ex-Model muss sich nicht einmal ausziehen – für dieses B-Horror-typische Intermezzo wurde eigens die gut genährte Tia Sage engagiert.

Was lässt sich über Val Kilmer noch sagen? Er ist längst auf das Niveau einst verheißungsvoll gestarteter Schauspieler wie Lance Henriksen, Rutger Hauer oder Eric Roberts herabgesunken, dreht Film auf Film „direct to video“, ist dort nur als fragwürdiger „Star“ anwesend und muss auf seine Wiederentdeckung durch Quentin Tarantino oder Silvester Stallone warten. Kilmers Ehrgeiz scheint sich seit Jahren darauf zu beschränken, für jede Rolle weitere 10 Kilo Körpergewicht zuzulegen; diese Herausforderung meistert er glänzend. Was er in „7 Below“ zu suchen hat, bleibt ansonsten unklar. Er mimt kurz ein abgetakeltes Macho-Schwein, und dann ist er schon tot, weil wohl sogar ein ausgebrannter Val Kilmer immer noch teuer für eine Produktion wie diese ist. (Muss sich Ving Rhames aus ähnlichem Grund so oft im Haus verstecken, um seine Filmzeit zu strecken?)

Geister ohne Tricks & doppelten Boden

Schon angesprochen wurden die eher rustikalen Effekte. ‚Handgemachte‘ Tricks können zwar den heutzutage üblichen CGI-Spektakeln immer noch Paroli bieten, doch sie müssen gut sein. In „7 Below“ spiegeln die Spezialeffekte vor allem die Ärmlichkeit der Produktion wider. ‚Geister‘ erkennt man daran, dass sie im Gesicht weiß geschminkt sind und ihre Augen von deutlich aufgemalten schwarzen Ringen gerahmt werden. Wenn sie einen Raum betreten, öffnen sie brav die Tür, statt hindurch zu schweben.

Attacken erfolgen kostengünstig aus dem Off: Das jeweilige Opfer starrt in die Kamera, murmelt „Ach, DU!“ und schaut anschließend komisch, weil es ein Messer in den Bauch gerammt bekommt. Vorsichtshalber unterstützt die Musik das zuschauerliche Zusammenzucken; dies einerseits unfreiwillig, weil sie so schauderhaft beliebig ist, während sie andererseits zum berüchtigten „Buh!“-Effekt ruckartig so anschwillt, dass Lautsprecher und Ohren gleichermaßen dröhnen.

So addieren sich Routine, Klischees, Fehler und simple Langeweile zu einem Film, von dem man sich nach der Sichtung wünscht, er würde tatsächlich eine Zeitschleife in Gang setzen. Auf diese Weise läge es im Bereich des Möglichen, dem Zuschauer die ohne Gegenwert geraubten neunzig Minuten Lebenszeit zurückzuerstatten.

DVD-Features

Wohl weil der deutsche Zuschauer mit diesem Film genug gestraft ist, wurde bis auf den kurzen Trailer auf Extras verzichtet.

[md]

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