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2046

Erstellt von Detlef Hedderich am Freitag 10. April 2009

2046 (DVD)

- Darsteller: Zhang Ziyi, Maggie Cheung, Tony Leung Chiu-wai
- Regie: Wong Kar-wai
- FSK: 12
- Musik: Peer Raben und Shigeru Umebayashi
- Buch: Wong Kar-Wai
- Produktion: China / Frankreich / Deutschland / Hongkong 2004
- Label: Paramount
Zusatzinformationen:
• Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Französisch
• Bildformat: 16:9, 1.85:1
• Dolby, HiFi Sound, PAL
• Laufzeit: 128 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 14. Juli 2005
DVD Features:
• Interview
• Trailer

Es gibt viele Geschichten hinter Wong Kar-Wais neuestem Film „2046“. Schon vor Jahren, als der Titel bekannt wurde, ging in einigen politischen Kreisen die Angst vor einem kritischen Film um. 2046 ist das Jahr, in dem Hongkong, Kar-Wais Heimat, seinen Sonderstatus gegenüber China verlieren wird und die ehemalige britische Kolonie endgültig ein Teil Chinas werden wird. Doch darauf zielt Kar-Wai in keiner Minute ab.

Auch die andere Geschichte rund um den Film ist mehr als interessant. Schon im Jahre 2000 direkt nach „In the Mood for Love“, dessen Nachfolger „2046“ ist, begann Wong Kar-Wai mit den Arbeiten. Während der Jahre schien der Titel zum Programm zu werden und es wurde schon gescherzt, dass er seine Uraufführung wohl erst im Jahr 2046 bekommen würde. Immer wieder änderte Kar-Wai Story und das Genre, schließlich schnitt er den Film mehrmals um, erst drei Stunden vor der Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes wurde schließlich eine Kopie angeliefert (vorher wurde kurzfristig noch die Pressevorführung abgesagt), welche die Juroren und die internationale Presse größtenteils verzückte. Kein Grund für den Regisseur die Arbeit einzustellen, denn selbst danach soll er an den wohl unzähligen Stunden Film, die er gedreht hat, weitergearbeitet haben, um sein Werk zu perfektionieren.

Ein „Science-Fiction-Film“, hieß es oftmals im Vorfeld, sei „2046“, ein Gerücht, dem Wong Kar-Wai nicht widersprach, sondern sogar durch einige Äußerungen Nahrung gab. Doch auch wenn die ersten Minuten, in denen der Zuschauer sich in einem Zug in einer futuristischen Welt befindet, dieses Gerücht zu bestätigen scheinen, so ist es doch nicht wahr. Denn kaum setzt die Stimme aus dem Off ein, welche uns den Film über begleiten wird, finden wir uns in einer anderen Zeit wieder. Das Jahr 1966 in Singapur und man bekommt eine Figur zu sehen, die einem als Kenner des Vorgängers „In the Mood for Love“ ein Begriff sein dürfte. Chow Mo Wan (Tony Leung Chiu Wai), der Schriftsteller, sitzt in einer verrauchten Bar. Ihm gegenüber eine wunderschöne Frau: Su Li Zhen (Gong Li). Sie trägt den gleichen Namen, wie jene verheiratete Frau, in die er unsterblich verliebt war (siehe „In the Mood for Love“) und auch mit dieser Frau scheint es einmal Liebe gegeben zu haben. Ein Kartenspiel lassen die Beiden entscheiden, ob sie ihrer Liebe noch einmal eine Chance geben sollen. Chow verliert, was gleichbedeutend ist mit keiner Chance. Später werden wir erfahren, dass er nur verlieren konnte, denn sie betreibt das Spielen mit den Karten professionell.

Er geht zurück nach Hongkong, wo er Lulu (Carina Lau) begegnet, ebenfalls eine Frau aus seiner Vergangenheit. Er begleitet sie zu ihrem Hotel, sie wohnt in Zimmer 2046, eine Nummer, die eine Bedeutung für Chow hat (weiterer Verweis auf „In the Mood for Love“). Wenige Tage später will er sie wieder sehen, sie ist weg. Er quartiert sich in dem Hotel ein, will das Zimmer mit der Zahl haben, an der so viele Erinnerungen hängen. Doch 2046 wird renoviert, er muss nach 2047. Kurze Zeit später zieht die junge Bai Ling (Zhang Ziyi) in Zimmer 2046 ein. Man mag sich am Anfang nicht besonders, was vor allem an dem dauernden Damenbesuch liegt, den Chow empfängt und mit dem es selten leise zu geht. Doch man kommt sich näher und man kommt zusammen. Doch von Chows Seite ist es lange nur eine körperliche Beziehung, er hängt noch zu sehr an den alten Liebschaften, um eine neue Liebe zu akzeptieren. Bevor er dies kann ist es aus und Bai Ling hat sein Leben verlassen.

Es ist nicht die letzte Frau, die ihm in dem Zimmer 2046 begegnet. Eine von vielen ist Wang Jing Wen (Faye Wong), die ältere Tochter des Hotelbesitzers. Sie hat sich in einen Japaner (Kimura Takuya) verliebt, doch ihr Vater heißt die Beziehung mit einem Mann aus dem verhassten Volk nicht gut. Inspiriert von dieser traurigen Liebe setzt sich Chow an eine Geschichte. Sie spielt in der Zukunft, heißt zu Beginn noch „2047“ und handelt von einem Zug namens „2046“, der durch die Zeit reist. In diesem Zug ist Tak (ebenfalls gespielt von Kimura Takuya), der aus dem Zug heraus will und sich dort in einen Roboter (ebenfalls Faye Wong) verliebt. Es wird keine Science-Fiction-Gesichte, auch wenn sie in der Zukunft spielt, es wird eine Geschichte um das elementarste, das ureigenste auf der Welt: Die Liebe….

…und so kann man auch mit einem Satz den Film „2046“ umschreiben. Entgegen aller Erwartungen hat sich Wong Kar-Wai nicht etwas völlig Neuem zugewandt. Sein Film dreht sich wieder einzig und allein um die Liebe.

Einen Großteil des Films begleitet man Chow inmitten des Hongkong der Sechziger Jahre, selten außerhalb des Hotels, mal hin und wieder in die ein oder andere Bar. Nur selten wird dies durchbrochen durch die Zukunftswelt des Buches, welches Chow schreibt. Man sieht die Frauen in Chows Leben kommen und gehen. Man sieht, wie er in melancholischer Stimmung an seiner Zigarette zieht, der alten Liebe nachtrauert und zu spät realisiert, dass die neue Liebe schon da ist.

Wong Kar-Wai, präsentiert dies erwartungsgemäß in unglaublich kraftvollen Bildern. Wie schon bei „In the mood for love“ sind diese in verschiedene Farben getaucht und wie beim Vorgänger rechtfertigen allein die Bilder das Ansehen des Films. Wong Kar-Wais Stammkameramann Christopher Doyle hat sich dabei wieder einmal selbst übertroffen, vor allem die Bilder aus dem Hongkong der sechziger Jahre sind so voller Melancholie und Poesie, dass sie oftmals mehr ausdrücken als tausend Worte. Die futuristischen Szenen in der Zukunft fallen dagegen etwas ab, hier wähnt man sich bisweilen wie in einem Computerspiel, vielleicht mit ein Grund, warum diese Episode des Films nun insgesamt doch sehr wenig Platz einnimmt und deutlich im Hintergrund steht.

Die Kraft der Bilder wird verstärkt durch den fabelhaften Score, der sie untermalt. Ob es orchestrale oder Opernklänge oder der Blues, der den Vorgänger so dominiert hat, die zum Einsatz kommen, es ist selten, dass Bild und Musik so eine fabelhafte Einheit bilden, wie man sie hier zu sehen bekommt.

Unterstützt wird dies durch die exzellente Besetzung. Tony Leung übertrifft sich in der Hauptrolle wieder einmal selbst. Ihm zur Seite steht wohl alles, was an Schauspielerinnen in Hongkong und China zurzeit Rang und Namen hat, wobei die meisten insgesamt nur kleinere Rollen im Film haben. Sie sind alle nur Episoden im Leben von Chow, kurze Affären. Die größte der Rollen hat wohl Zhang Ziyi, die eine der besten Performances ihrer noch jungen Karriere abliefert (dieser doch sehr überstrapazierte Superlativ sei an dieser Stelle gestattet). Einziger kleiner Wermutstropfen: Maggie Cheung, die im Vorgänger die weibliche Hauptrolle begleitete, hat diesmal leider nur einen sehr kurzen Gastauftritt.

Eigentlich bringt „2046“ damit alles mit, um das größte Werk von Wong Kar-Wai zu werden, der Gipfel in seinem Schaffen und der vielleicht beste Film, der je über die Liebe gedreht wurde. Doch es fehlt hier und da der letzte Funke. Gerade am Anfang wird es dem Zuschauer nicht leicht gemacht, sich in die Geschichte zu finden. Der plötzliche Umschwung von der futuristischen Anfangszene ins Singapur der sechziger Jahre, ist lange Zeit nicht einzuordnen. Vieles erschließt sich erst langsam und bisweilen auch erst beim zweiten Ansehen. Dazu ist „2046“, wie man es von Wong Kar-Wai gewohnt ist, ein extrem ruhiger Film, wobei er gelegentlich sehr hart an der Grenze zur Langatmigkeit balanciert, diese glücklicherweise aber nie lange überschreitet.

So ist es sicherlich nicht der beste aller Filme, die je über die Liebe gedreht wurden, aber vielleicht der intensivste. Es ist ein Film, der einen nicht unberührt lässt, ein Film, bei dem man ins Schwärmen kommt, aber auch ein Film voller Melancholie und dabei doch unglaublich romantisch. „Love is all a matter of timing. It’s no good meeting the right person too soon or too late.” sagt Hauptfigur Chow gegen Ende in einem der Off-Kommentare. Ein wahrer Satz, der den Film perfekt beschreibt und zusammenfasst. Denn genau darum geht es den ganzen Film über.

Er startet am 13. Januar 2005 in den deutschen Kinos. Für Freunde von Filmkunst aus Fernost wird dieser Monat ein Freudenmonat. Denn schon eine Woche vor „2046“ startet das neue Werk von „Hero“-Regisseur Zhang Yimou „House of Flying Daggers“. Auch hier geht es um die Liebe, doch auf eine völlig andere Art und Weise erzählt. „House of Flying Daggers“ ist ein wunderbar ausgestatteter Martial-Arts-Film, imposant und atemberaubend, ein Fest für die Sinne. Ein völlig anderer, fast gegensätzlicher Film, doch nicht minder großartig. Also zweimal ins Kino gehen und zweimal erleben, wie interessant, eindrucksvoll und doch unterschiedlich man die Liebe beschreiben kann.

(c) 2004 by Björn Becher

Titel bei Amzon.de
2046 (2 DVDs)

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