11:14 (KINOFILM)

– Darsteller: Ben Foster, Rachael Leigh Cook, Henry Thomas, Shawn Hatosy, Barbara Hershey, Patrick Swayze, Hilary Swank, Colin Hanks
– Regie: Greg Marcks
– Musik: Clint Mansell
– Buch: Greg Marcks
– Produktion: USA 2003
– Label: 3L
Zusatzinformationen:
O-Titel: 11:14
Produktionsfirmen: MDP Worldwide, Firm Films
Produzenten: John Morrissey, Beau Flynn
Ausf. Prod.: Mark Damon, Sammy Lee, Stewart Hall, Raju Patel, Tripp Vinson, Hilary Swank, Jeff Kwatnetz, David Scott Rubin
Kamera: Shane Hurlbut
Schnitt: Dan Lebental, Richard Nord
Produktionsdesign: Devorah Herbert
Kostüme: Christopher Lawrence
Herstellungsleitung: Bonnie Weis
Casting: Mary Vernieu, Felicia Fasano
Kinostart: 1. September 2005
Laufzeit: 86 Min.
FSK: ab 16 Jahre
Bildformat: 35 mm/1:1,85
Tonformat: Dolby-SRD
Einspielergebnis D: € 229.259 / Bes. (EDI) 46.030 Charts-History

Noch dauert es 46 Minuten bis die Kirchturmuhr Mitternacht schlägt – doch bereits jetzt um 23:14 Uhr sollen zwei Schläge des Schicksals dafür sorgen, dass sich das Leben von sieben Kleinstädtern grundlegend verändern wird. Zwei werden tot sein. Einer wird ein wichtiges Körperglied vermissen. Und drei werden sich in Polizeigewahrsam befinden. Wie es zu all dem Schlamassel kommen konnte? Das erzählt Regie- und Drehbuchdebütant Greg Marcks in fünf separaten Episoden, die zusammengesetzt das Rätsel einer ereignisreichen Nacht entschlüsseln.

Alles beginnt mit einem angetrunkenen Autofahrer, der noch fröhlich mit seiner Freundin telephoniert. Doch für diese unachtsame Fahrweise bekommt er schon wenige Sekunden nach dem Auflegen seine Lektion: Nachdem er unter einer Brücke hindurchgefahren ist, kracht eine Leiche auf seine Windschutzscheibe. Die erste der Episoden gehört gänzlich Henry Thomas, der einst als „E.T.s“ Freund berühmt geworden ist. Völlig verzweifelt versucht er seinen Unglücksfall zu vertuschen. Ist entsetzt als eine überfürsorgliche Barbara Hershey [u.a. „beaches / Freundinnen“] ihm unbedingt einen Gefallen tun möchte und die Polizei alarmiert.

Schon diese ersten Minuten des Filmes, der bereits mit vielversprechenden Opening-Credits [die Namen fahren wie Autos über Straßen] eröffnet worden ist, bietet einiges an bitterbösem Humor – was mit unter auch ein Verdienst des gut aufspielenden Henry Thomas ist. Seine verzagten Blicke, wenn er die Leiche vor der Polizei in seinem Kofferraum verstecken will, sind einfach köstlich und werden großartig von der Score Clint Mansells [u.a. „pi“ und „requiem for a dream“] ergänzt. Entgegen der düsteren Situation sind die Melodien, die sich durch den gesamten Film ziehen, fröhlich beschwingt – und würzen so die Handlungen der kopflos agierenden Charaktere mit beißendem Spott.

Nachdem in der ersten Episode schon kleinere Hinweise auf den Verlauf der anderen Schicksale gelegt worden sind, darf in der nächsten Folge Colin Hanks [„Roswell“] mit seinen Freunden Ben Foster [u.a. „Liberty Heights“ und demnächst „X-Men 3“] und Stark Sands Chaos auf den Straßen der friedlichen Kleinstadt verbreiten. Sie bewerfen entgegenkommende Autos mit alten Früchten, pinkeln aus dem Fenster – und überfahren dabei um 23:14 Uhr versehentlich ein junges Mädchen.

Patrick Swayze hingegen plagen andere Nöte. Er befürchtet, dass seine Tochter eine schwerwiegende Dummheit begangen hat und versucht nun hinter deren Rücken mit allen Mitteln die Spuren zu verwischen. Als äußerst nachteilhaft für seine eigenwilligen Problembewältigung erweist sich jedoch der Familienhund, der äußerst gerne an den ungewöhnlichsten Dingen schnuppert und nicht annähernd aufs Wort hört.

Dann gibt es noch die zweifache Oscar-Gewinnerin Hilary Swank [„boys don’t cry“ und „million dollar baby“], die mit einer Zahnspanne das klassische Dorfdummchen gibt und bei ihrer Schicht im örtlichen Supermarkt von ihrem besten Freund besucht wird. Eigentlich keine besondere Situation – aber Shawn Hatosy [u.a. „the faculty“ und „the cooler“] befindet sich in akuter Geldnot und schlägt aufgrund dessen vor, dass er sie kurz vor Ladenschluss überfallen sollte.

Was Rachael Leigh Cook [das hässliche Entlein aus „she’s all that / eine wie keine“] letztlich noch in der letzten Episode erleben wird, soll hier nicht verraten werden. Denn spätestens in den letzten Minuten des Filmes ergeben die Überkreuzungen der einzelnen Handlungsstränge ein Gesamtbild, das eine äußerst makabere Spielweise des Schicksals präsentiert. Bis zu diesem Zeitpunkt hinterlässt die gesamte Schauspielerriege einen äußerst starken Eindruck.

Obgleich ihre Rollen nur auf fünfzehnminütige Auftritte angelegt worden sind, bieten sie dem Zuschauer allesamt sehr ordentliche Leistungen. Aus der Masse der namhaften Stars ragt ein weiteres Mal – und wen sollte das noch verwundern – Hilary Swank heraus. Ihr Auftritt als Dummchen ist einfach toll. Sie verzieht trotzig die Schnute wenn ihr bester Freund von seinen Plänen erzählt. Ist äußerst amüsant, wenn sie mit der Pistole des möglichen Räubers herumspielt und einfach tierisch glaubhaft, wenn sie an der ein oder anderen Stelle beteuert, dass sie einfach nicht lügen kann.

Der zweifachen Oscar-Gewinnerin kann eigentlich in diesem Maße nur noch Patrick Swayze das Wasser reichen. Und das ist nach seinem feinen Nebenrollenauftritt in dem Kultfilm „Donnie Darko“ ebenso wenig überraschend, so dass er befreit von dem verblassten Starrummel nun einen leicht trotteligen Vater gibt, der herzhaft mit seinem Hund kämpfen kann.

Aber auch ohne die überzeugend aufspielenden Darsteller wäre man bei „11:14“ auf seine Kosten kommen, denn Greg Marcks schafft in seinem „Memento“-verwandten Episodenwerk eine großartig schräge Kleinstadtatmosphäre. Bevölkert wird das verschlafene Middleton mit köstlich überspitzten Charakteren, deren einzelne Abenteuer immer nur einen kleinen Eindruck der Gesamtgeschehnisse bieten. So leidet man teilweise zunächst mit den Figuren mit, hofft, dass sie unter dem enormen Druck doch nicht derartig falsche Entscheidungen – nur um dann in einer anderen Episode zu erkennen, dass diese eigentlich nur eine „gerechte“ Strafe für ihre Schandtaten erhalten hat.

Letzten Endes hätte Marcks sicherlich seinen Film nicht derartig kurz halten müssen – schließlich sind seine Charaktere äußerst interessanten und in gewissem Maße liebenswert. Aber in diesen fünfundachtzig Minuten kann man sich nun sicher sein, dass jede erwähnenswerte Figur ausreichend Raum erhält um ausreichend charakterisiert zu werden – und um darauffolgend deren Schicksal punktgenau darstellen zu können.

Fazit – A dark comedy with killer timing
Gewürzt mit pechschwarzem Humor ist „11:14“ ein starkes Regiedebüt geworden, das den ein oder anderen Paukenschlag bereithält und erst im herrlich inszenierten Finale seine ganzen Verzwickungen offen legt. Somit ein kleiner aber feiner Geheimtipp, der trotz verspäteter Kinoauswertung [Weltpremiere feierte der Film bereits 2003 auf dem FantasyFilmFest] nicht übersehen werden sollte.

(c) 2005 by Jens Hamp

Titel bei Amazon.de
11:14 – elevenfourteen [Blu-ray]

11:14 – elevenfourteen