Originaltitel: Alien Hunter (USA 2003)
Regie: John Krauss
Drehbuch: J. S. Cardone
Kamera: Darko Suvak
Schnitt: Amanda I. Kirpaul
Musik: Tim Jones
Darsteller: James Spader (Julian Rome), Janine Eser (Dr. Kate Brecher), John Lynch (Dr. Michael Straub), Nikolai Binev (Dr. Alexi Gierach), Leslie Stefanson (Nyla Olson), Aimee Graham (Shelly Klein), Stu Charno (Abell), Carl Lewis (Grisham), Svetla Vasileva (Dacia), Anthony Crivello (Pilot), Kaloyan Vodenicharov (Co-Pilot), Roy Dotrice (Dr. John Bachman), Woody Schultz (Sam), Keir Dullea (Bayer), Bert Emmett (Gordon Osler), Dobrin Dosev (Kapitan Sokolov) uva.
Label/Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment (www.sphe.de)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1 – anamorph)
Audio: (Deutsch, Englisch, Französisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch, Französisch
Länge: 88 min.
FSK: 12

Das geschieht:

Bewohner einer NASA-Station, die unter dem Eis der Antarktis weltraumtauglichen Gen-Mais züchten, entdecken eine offenbar aus dem Weltraum auf die Erde gefallene Kapsel, die ein klar erkennbares, offenbar chiffriertes Funksignal aussendet. In Washington schrillen die Alarmglocken: Dort ist das Signal bekannt, seit 1947 im US-Staat New Mexico ein UFO abstürzte; die Bergung endete in einer Katastrophe.

Hat der Fund am Südpol etwas mit diesem sorgfältig geheim gehaltenen Ereignis zu tun? Wird sich das Desaster wiederholen? Ohne ihn über den Alien-Hintergrund zu informieren, schickt die US-Regierung den Dechiffrier-Spezialisten und Krypto-Zoologen Julian Rome in die Antarktis. Der zwar geniale aber unkonventionelle Mann trifft vor Ort nicht nur auf den seltsamen Sender, sondern auch auf seine ehemalige Geliebte Dr. Kate Brecher, die besagte Station leitet. Sie ist inzwischen liiert mit dem Kollegen Dr. Straub, der sogleich eine heftige Antipathie gegen Rome entwickelt, die herzlich erwidert wird.

Die Arbeit schreitet trotzdem voran, die Kapsel wird aufgetaut und von Straub trotz Romes Warnung gewaltsam geöffnet. Zum Vorschein kommen a) ein Virus, das diverse Stationsmitglieder in blutige Knochenhaufen zerfallen lässt, und b) ein bisher winterschlafender Alien-Astronaut, der sich im Getümmel aus dem Staub macht, in der Station versteckt und die allgemeine Panik effektvoll verstärkt.

Von einem entsprechenden Funkspruch in Kenntnis gesetzt, kommt man in Washington zu dem Schluss, sich des Problems zum Wohl der Menschheit mit Hilfe einer Atombombe zu entledigen. Bis diese einschlägt, wird einige Zeit verstreichen – Zeit, die am Südpol womöglich genutzt werden kann, dem angedrohten Schicksal zu entgehen …

Kleiner Kristall im Schneematsch der Filmgeschichte

„Alien Jäger“: Schon der ‚denglische‘ Titel mahnt den erfahrenen Filmfreund zur Vorsicht. Hier droht ein weiteres der unzähligen Machwerke, die ohne Ideen und mit magerem Budget heruntergekurbelt auf den Videomarkt geworfen werden. Hirnschmalz tropft höchstens auf die Zeilen des dreist erlogenen Covertextes, der ein einmaliges Spektakel ankündigt. Ein grelles Titelbild komplettiert den Blockbuster für die geistig Armen.

In unserem Fall wird auf diesen Bonus verzichtet, was erstmals aufmerken lässt. Selten wird man im 21. Jahrhundert eine DVD finden, die potenzielle Interessenten geradezu vorsätzlich abschreckt. Andererseits zeigt die ansonsten dilettantische Zeichnung deutlich genug das Gesicht eines Schauspielers, das man in einem Film wie diesem nicht erwartet hätte: James Spader ist ein Darsteller, dessen Talent ihn zu deutlich mehr befähigt als vor der Kamera nicht gegen die Kulissen zu rempeln. Fernsehzuschauer kennen ihn sicherlich als Alan Shore aus der Erfolgsserie „Boston Legal“. Er spielte aber auch Kinofilm-Hauptrollen in „Sex, Lügen und Video“ („Sex, Lies, and Videotape“, 1989), in David Cronenbergs berüchtigtem „Crash“ (1996) oder in dem unterschätzten Thriller „Nur tote Zeugen schweigen“ („I Witness“, 2003).

Ganz sicher ist Spader kein Action-Held. Das macht neugierig auf „Alien Jäger“. Die Bereitschaft sich in die Niederungen des B-Films zu stürzen wird in der Tat belohnt. „Alien Jäger“ beschränkt sich keineswegs auf die erwartete blutige Hatz auf wehrhafte Außerirdische, sondern erzählt vom Ding aus einer anderen Welt, das nicht freiwillig Schaden verursacht. Es sind die Menschen, die von Misstrauen und Angst erfüllt Fehler begehen, die sie ins Verderben stürzen.

Fachleute an der Arbeit

Ein richtig guter Regisseur nimmt sich des Stoffs im klaren Wissen um das ihm Mögliche an. Das Budget für „Alien Jäger“ dürfte bescheiden gewesen sein. John Krauss drehte deshalb im kostengünstigen Bulgarien und arbeitete mit Andeutungen sowie mit Licht und Schatten. Sorgfalt und Routine prägen Bild und Ton. Der Schauplatz, eine Station in der Antarktis, ist hervorragend gewählt. Beschränkung ist hier kein Manko, sondern wird von der lebensfeindlichen Umwelt vorgegeben. Es herrschen Enge und Düsternis, Sturm, Eis und Kälte verhindern den Ausbruch. Die Atmosphäre ist klaustrophobisch, was sich auf die Besatzung auswirkt – ein Zug, den Krauss in die Handlung einfließen lässt.

Die Ökonomie des Regisseurs wird in jeder Szene angenehm sicht- und spürbar. Das oft gewaltreiche Geschehen wird dezent inszeniert, ohne dass der Zuschauer sich von der Zensur vorgeführt fühlt. Krauss hat ein Konzept, dem er konsequent folgt. Ist Gewalt der Handlung wegen ‚erforderlich‘, scheut er nicht davor zurück sie zu zeigen. Sie wirkt in diesen Momenten umso erschreckender, zumal erstaunlich gut geplante und umgesetzte Spezialeffekte an Deutlichkeit keine Wünsche offenlassen. (Ist es erfinderische Not oder eine Reminiszenz ans große Vorbild, wenn Krauss die Ankunft der Aliens mit ‚alten‘ Filmaufnahmen ‚dokumentiert‘, die John Carpenters „The Thing“-Verfilmung von 1982 entnommen wurden?)

Der Eindruck von Isolation wird durch die (wenigen) anderen Schauplätze unterstrichen. Wenn die Kamera die Antarktis verlässt, findet sie sich in einem kleinen, überfüllten, abgedunkelten Saal voller schwer zu identifizierender Schlipsträger wieder, die aus sicherer Entfernung das Ende der Eisstation beschließen. Ebenso von der Außenwelt abgeschlossen wirkt das Innere des russischen U-Boots, das diese mit Atomraketen vernichten wird.

Menschen unter Druck

Helden glänzen in dieser Geschichte durch völlige Abwesenheit. Was sie im Guten wie im Bösen über sich selbst hinauswachsen lässt, ist Überforderung. Angst und der Wille zu überleben steuern die Ereignisse. Als diese sich zu überstürzen beginnen, sind wir mit den Verhältnissen innerhalb der Station vertraut. Ebenso unauffällig wie effektiv übernimmt James Spader in seiner Rolle eine Lotsenfunktion: Als Außenseiter kommt er aus der Fremde und muss sich in der ungewohnten Umgebung zurechtfinden. Rome ist kein Tatmensch, kein ‚geborener Führer‘, wie ihn der Actionfilm so liebt, sondern ein vom Leben gebeutelter und (Hardcore-Gruselfans seien gewarnt!) sensibler Mann, der im Grunde nur seine Forscherarbeit leisten möchte. Wenn Spader alias Rome aus seinem Schneckenhaus kommt und durchblicken lässt, was ihn fasziniert, teilt sich das dem Zuschauer mit.

John Lynch bleibt als weniger feiger denn von Todesangst gesteuerter Widerpart (und Nebenbuhler) die deutlich undankbarere Rolle. Vom Drehbuch klar herausgestellt wird immerhin, dass er kein klassischer Bösewicht ist. Wenn er deshalb gewaltsam gegen die Quarantäne der Station aufbegehrt, geschieht dies ohne Kenntnis der Mittel und Waffen, die er dabei einsetzt. Die Folgen sind unabsehbar und doppelt furchtbar.

Die übrigen Bewohner der Station sind – selbstverständlich, darf man inzwischen sagen – nicht das genretypische Kanonenfutter. Da sie die Aliens nicht wirklich jagen müssen, wie es der Dumm-Titel suggeriert, richten sie ihr Aggressionspotenzial vor allem gegeneinander. (In einer Nebenrolle erkennt der Filmfreund übrigens – vielleicht – Keir Dullea aus „2001 – Odyssee im Weltall“.)

Interessant ist weiterhin der Verzicht auf den finalen Supertrick, mit dem unsere Südpolisten die heranrasenden Raketen in allerletzter Sekunde stoppen. Hier schlagen sie ein, was nur logisch ist. Was stattdessen geschieht, soll hier nicht verraten werden. Es ist kein sensationeller Twist, aber er funktioniert wie im Grunde alles in diesem kleinen, feinen Film, der hält, was er verspricht und spannend unterhält ohne zu verleugnen, dass er mehr weder will noch kann.

DVD-Features

Die Freude an einem kleinen aber gelungenen Film wird durch eine erstaunliche Fülle von DVD-Features gesteigert. Es gibt – nicht einmal bei deutlich höher budgetierten Streifen eine Selbstverständlichkeit! – einen Regiekommentar. Zum „Making of“ kommt eine kleine Filmdokumentation, es gibt einige entfallene Szenen zu bestaunen. Ausgewählten Szenen wird das Storyboard gegenübergestellt, was Einblick in den langen Weg zum fertigen Film ermöglicht. Hinzu kommt eine Artwork-Fotogalerie. Der
Trailer zum Film ist das Tüpfelchen auf dem I.

(c) 2009 by Dr. Michael Drewniok

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Alien Jäger – Mysterium in der Antarktis