avhAVH: Alien vs. Hunter

Originaltitel: AVH: Alien vs. Hunter (USA 2007)
Regie: Scott Harper
Drehbuch: David Michael Latt
Kamera: Mark Atkins
Schnitt: Matthew Alson Thornbury
Darsteller: William Katt (Lee Custler), Dedee Pfeiffer (Hilary), Wittly Jourdan (Tammy), Randy Mulkey (Valentine), Jennifer Couch (Freckles), Jason S. Gray (Garrison), John Murphy Jr. (Figgus), Kevin Kazakoff (Two Fingers), Philip Bak (Javier), Josh Tessier (Styles), Matthew Bolton (Marty), Collin Brock (Sheriff Armstrong), Darbi Gwynn Gibson (Marcy), Aaron Council (Alien), Rob Filson (Hunter)
Label/Vertrieb: KNM Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 22.10.2009
EAN: 7640114164538
Bildformat: 16 : 9 (1,77 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch) u. Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 85 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Irgendwo im tristen Hinterland von Kalifornien und in der Nähe eines trostlosen Städtchens gehen zwei Raumschiffe nieder. Ein Spinnen-Alien und sein schwer gepanzerter Jäger verfolgen einander durch staubige Wälder. Menschliche Pechvögel, die ihnen dabei in die Quere kommen, werden entweder gefressen (Alien) oder verprügelt und mit dem Laser-Gewehr zu Staub zerblasen (Jäger).

Angstvoll sammelt sich eine kleine Gruppe Überlebender um den Journalisten Lee Custler. Er rät, sich zum Survival-Redneck Valentine durchzuschlagen – der zwar ein Spinner ist, aber in seiner Waldhütte Waffen aller Art hortet -, um sich dort zu verschanzen und auf das rettende Militär zu warten.

Die Flucht gelingt, obwohl das Spinnen-Alien die Schar ausdünnt. Valentine gewährt Unterschlupf, doch als das Alien und der Jäger nahen, muss er feststellen, dass seine Waffen weder Hautpanzer (Alien) noch Rüstung (Jäger) durchschlagen können. Neuerlich heißt Flucht die Devise. Die Gruppe teilt sich: Valentine und Custler tun sich mit dem inzwischen aus dem Busch aufgetauchten und mit Panzerfaust sowie C4-Sprengstoff gerüsteten Trupp um den Wilderer Figgus zusammen, um den Ungeheuern aus dem All auf gute, amerikanische Weise heimzuleuchten, während die anderen Überlebenden versuchen, durch die unterirdische Kanalisation zu entkommen. Leider streift Gruppe 1 absolut planlos durch die Wälder, während Gruppe 2 ausgerechnet in das Raumschiff des Jägers stolpert. Das leichenreiche Desaster kann seinen Lauf nehmen …

Eine Warnung für die Neugierigen!

Wiegt die Kenntnis eines neuen Wortes den Verlust von 90 Minuten Lebenszeit auf? Das ist eine schwierige Frage, denn anderthalb Stunden „AVH: Alien vs. Hunter“ stellen auch für den mit allen trüben Wassern der Filmgeschichte gewaschenen Zuschauer ein schockierendes Erlebnis dar. Doch mehr als das Wissen um besagtes Wort bleibt ihm nicht nach der harten Probe von Herz und Hirn. So sei der noch nicht betroffenen Allgemeinheit mitgeteilt, dass „AVH“ ein sogenannter „mockbuster“ ist. Die Produktionsfirma „Asylum“ – merkt euch den Namen und meidet ihre Machwerke! – hat sich – leider ist so etwas legal – darauf spezialisiert, erfolgreiche Großproduktionen der Genres Science Fiction und Horror für den sprichwörtlichen Appel, aber ohne Ei neu zu erzählen bzw. zu plagiieren.

In unserem Fall ist die Vorlage unschwer erkennbar: „AvP – Alien vs. Predator: Requiem“ ließ 2007 bereits zum zweiten Mal die Erfolgsmonster der Blockbuster „Alien“ und „Predator“ aufeinandertreffen. Zwar ließ dieser Film in Sachen Handlungslogik oder Schauspielerleistung beinahe alle Wünsche offen, doch wenigstens war er anschaubar, ohne im Publikum die Frage nach den Verursachern, blanken Hass und den Kollektivwunsch nach Lynchjustiz aufsteigen zu lassen.

„AVH“ ist dagegen Trash in den Minuten 1 bis 85, zwischen denen sich die Zeit endlos zieht. Die Story wurde von der erwähnten Vorlage gerippt, aber ‚Drehbuchautor‘ David Michael Latt gab sich nicht die geringste Mühe, sie so zu kopieren, dass sie den (finanziell und intellektuell) beschränkten „AVH“-Verhältnissen angepasst wurde.

„Ich brauche keine Millionen …“

Genau das hätte unbedingt geschehen müssen, denn finanziert hat Scott Harper seinen Film offenbar mit dem Wechselgeld, das der Oma, die im Supermarkt vor ihm an der Kasse Schlange stand, aus der Tasche gefallen ist. Gedreht wurde in ausgedörrten kalifornischen Wäldern, durch die man die sichtlich müden und schwitzenden Darsteller auf der Flucht vor sparsam eingeblendeten Aliens hetzen sieht. Die Kamera übernimmt die Rolle der außerirdischen Angreifer, indem sie wild hin und her geschwenkt oder auf die ‚attackierten‘ Menschlein zugerollt wird.

Eindeutig ist der Kameramann das wichtigste Mitglied der Filmcrew. Mit seinem Werkzeug versucht er wacker auszugleichen, was das Budget nicht hergibt. Spannendes spielt sich bevorzugt im Dunkeln oder in dichten Nebelwolken ab, weil das die erbärmlichen ‚Kulissen‘ und ‚Kostüme‘ leidlich verbirgt. Details lassen sich auch verwischen, indem der Kamera die Bildschärfe genommen wird. Oder liegt die Kopfschmerz erzeugende Bildqualität darin begründet, dass „Asylum“ das Equipment aus dem Sperrmüll hinter einem richtigen Hollywood-Studio klaubte?

Akute Unlogik dominiert die flüchtende Gruppe. Ausführlich werden Pläne geschmiedet, die man eine Sekunde später ignoriert. Erst läuft man aus der Stadt in die Wildnis, dann schleicht man dorthin zurück. Dabei sehen wir die Gejagten in einem Moment tief in der Kanalisation und im nächsten im hellen Sonnenschein schlurfen, denn Kontinuität ist ein weiterer Faktor, der im Drehbuch ausgeklammert bleibt.

Lernresistenz heißt stattdessen das Gebot der Stunde. Valentine und seinen paramilitärischen Rabauken will es einfach nicht in die stecknadelkopfgroßen Hirne gehen, dass die Außerirdischen kugelfest sind. Wieder und wieder ballern sie wüst auf ihre Gegner und wundern sich, wenn anschließend wieder ein Toter zu beklagen ist. Das sehnlich erwartete bzw. geschmähte Militär macht es dagegen richtig: Obwohl zwei Raumschiffe unter kräftiger Rauchentwicklung über den kalifornischen Himmel gezogen sind, lässt es sich nicht blicken.

Ganz spezielle Effekte …

Den Vogel schießt „AVH“ erwartungsgemäß ab, wenn Filmtricks ins Spiel kommen. Von Ehrgeiz getrieben, schrieb Autor Latt ein Alien mit insektenähnlichem Oberkörper auf einem Spinnenkörper ins Drehbuch. Der ließ sich beim besten Willen nicht durch ein lebensgroßes Kostüm simulieren. CGI-Technik wurde bemüht. Das Geld reichte allerdings nur für zwei oder drei sekundenkurze Einstellungen, die wieder und wieder zum Einsatz kommen. Sie sind miserabel geraten, aber das müssen sie sein, um sich dem lachhaften ‚Kostüm‘ in toto anzupassen. Nicht einmal über die Größe des Alien herrscht Einigkeit; in der Totalen ist es so groß wie ein Nashorn, aber rauft es mit Menschen, ist es exakt so klein wie der arme Teufel, der unter der billigen Monster-Camouflage steckt. (Die Spinnenbeine fallen übrigens ersatzlos weg, wenn Alien und Menschen in ein und derselben Szene auftauchen.)

Als Basis des ‚Jägers‘ diente offenbar eine alte Samurai-Rüstung, die im Gesichtsbereich durch eine schwarz mattierte Tauchermaske ergänzt wurde. Auch der Jäger ändert seine Größe von Szene zu Szene. Er haust in und reist mit einem hightechfreien Raumschiff, dessen Interieur an einen düsteren Heizungskeller erinnert, dessen geistig umnachteter Bewohner Schrott und Müll an die Wände genagelt hat. Wir Zuschauer lernen diesen Ort des unfreiwilligen Grauens viel zu gut kennen, weil Regisseur Harper seine Darsteller immer wieder durch dieselben kurzen Flure jagt.

Unklug ist die Entscheidung, die öde Welt, in die es unsere Invasoren verschlagen hat, durch deren Augen zu zeigen. Beim Alien färbt sich das Bild dann grün und zerfällt in unzählige Kugelsegmente, die den Blick durch ein Facettenauge nachahmen sollen. Der Jäger sieht seine Umgebung dagegen in Rot.

Eine besondere Erwähnung in diesem Kapitel über die Spezialeffekte verdient die „AVH“-Synchronisation. Mussten die Sprecher ihre Sätze vom Blatt ablesen und per Telefon ins Synchronstudio durchgeben? Waren sie der deutschen Muttersprache gar nicht mächtig? Sprachen sie so gut wie möglich nach, was ihnen lautmalerisch vorgegeben wurde? Artikulieren sich da überhaupt echte Menschen, oder existiert inzwischen eine Software, mit der sich Filmedialoge auf Knopfdruck eindeutschen lassen? Die Stimmen sind ölig, verwaschen, tot; keine Betonung stimmt. Jedes geleierter Wort ist ein weiterer Nagel zu dem Sarg, der für einen Streifen wie „AVH“ zu zimmern ist: Dieser Film ist von der ersten Sekunde eine Totgeburt. Unfassbar, dass solcher Murks zusätzlich auf eine Blu-ray gepresst wurde!

„This is the end, my only friend, the end …“

Wenn der normale Zeitgenosse eine richtig böse Sünde begeht, dabei aber dem weltlichen Gesetz entwischt, muss er sich laut Vorgabe der meisten Religionen erst nach seinem Tod dafür verantworten. Eine Ausnahmeregelung gibt es offenbar für Schauspieler: Sie landen noch lebendig jedoch anschließend seelisch tot in ‚Filmen‘ wie diesem.

Obwohl die meisten Darsteller leider gar nicht fehl am Platz wirken. Sie spielen nicht, sondern grimassieren, als ob der Tonfilm noch nicht erfunden wäre. Alle Figuren wurden nur in groben Umrissen hastig skizziert, denn sie sind Futter, das in regelmäßigen Abständen den Monstern vorgeworfen wird. Folgerichtig sind sie uns alle herzlich gleichgültig bzw. aufgrund ihrer unterirdischen Darbietungen so lästig, dass wir ungeduldig auf ihr Ende warten.

Richtig weh tut der Anblick einer echten Schauspielerin in diesem desaströsen Umfeld. Dedee Pfeiffer, die jüngere Schwester von Michelle, aber inzwischen eindeutig auf der falschen Seite der 40, war nie ein Star, aber die Liste ihrer Filme und TV-Auftritte ist nicht nur lang, sondern was sie drehte, ließ sich auch anschauen; sie kann also ihren Job. Wie steht es um ihre Karriere, wenn sie sich für den Schwachsinn der Firma „Asylum“ hergeben muss? Von der Regie völlig im Stich gelassen, bietet Pfeiffer jedenfalls dasselbe Anti-Schauspiel wie ihre Leidensgenossen.

Abschließend noch eine Frage: Wieso ist „AVH“ in Deutschland erst ab 18 Jahren freigegeben? Selbst 12-jährige Zuschauer brechen in hämisches Gelächter aus, wenn man versucht, sie mit billigem Humbug ins Bockshorn zu jagen. Wahrscheinlich wurde die hohe Freigabegrenze absichtlich angestrebt; ein verzweifelter Trick des Labels, das denen, die unschlüssig diesen Film in ihren Händen drehen, unterhaltsame Blutorgien vorgaukeln und sie auf diese Weise zum Kauf verleiten möchte.

DVD-Features

Kaum zu fassen, aber zum grausigen Machwerk „AVH“ existiert ein „Behind-the-Scenes“-Feature. Es entlarvt den deprimierenden Arbeitsalltag einer „Mockbuster“-Crew, die alles gibt, der aber nichts gelingt, weil ohne Geld, Zeit und Plan jegliche Schaffenskraft verenden muss. ‚Kulissen‘ wie die seltsame, mit Tarnfarben bemalte und mit Fischernetzen ausgehängte ‚Kanalisation‘ oder das Müllkippen-Raumschiff entpuppen sich als Sperrholz-Konstruktionen, die mit allem, was schlecht und billig ist, ‚dekoriert‘ wurden.

Verzweifelt bemüht sich Randy Mulkey  in der Maske des dreifach debilen Rednecks Valentine um lobende Worte zu jenem Film, in den ihn ein böses Schicksal verschlagen hat. Falls ich seine genuschelten Worte richtig verstanden habe, wurde „AVH“ in zwölf Tagen heruntergekurbelt, was nicht sein kann, weil der fertige Film deutlich signalisiert, dass Darsteller und Crew ansonsten elfeinhalb Tage untätig auf dem Set herumgelungert hätten.

Einige sogenannte „bloopers“ sollen ‚lustige‘ Zwischenfälle und darstellerische Fehlleistungen während der Dreharbeiten dokumentieren. Beim besten Willen ist kein Qualitätsunterschied zwischen den Outtakes und den fertigen Szenen feststellbar; „AVH“ ist im Grunde eine einzige, anderthalb Stunden laufende Blooper-Roll.

[md]

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