Castle 7

„Castle- Staffel 7“ bei Amazon.de

Wenn eine Serie eine lange Laufzeit hat und mit etlichen Staffeln punkten kann, wächste sie dem Fan nicht nur ans Herz, sondern hat auch ein Problem neue Geschichten zu bieten. Da der us-amerikanische Serienmarkt weitgehend nach dem hier überspitzten Motto produziert “Höher! Schneller! Weiter!”, wird die Luft an guten Storys nach oben hin stetig dünner. Die Kultserie “Castle” erreicht nun die siebte Staffel und natürlich lautet die spannende Frage: “Wie geht es weiter?”

Eine Frage, die natürlich auf mehreren Ebenen beantwortet werden kann und wohl auch muss. Stand gerade noch die Hochzeit von Castle und Beckett an, da erschüttert auch prompt ein tragisches Ereignis das Liebesglück der beiden Protagonisten. Nein, es ist kein Todesfall, aber vielleicht der Todesstoß in Richtung Bodenständigkeit.

Die war bei “Castle” bisher stets gegeben, wenn auch manchmal mit einem Augenzwinkern und gelegentlich hart an der Grenze zum Unsinn. Aber diesmal drehen die Autoren das Rad ein kleines Stückchen zu weit (Stichworte “Parallelwelt” und “Artefakt”). Sie verlieren ein wenig die Bodenhaftung und ziehen die Serie hinein ins Mysteriöse und Übernatürliche. Da ist zwar schon öfter geschehen, hatte aber an sich einen glaubhaften Kern und fand den Weg zurück ins Weltliche. Diesmal leider nicht immer.

Castle verschwindet, verliert sein Gedächtnis und das bildet den roten Faden. Leider nicht immer amüsant und auch weniger stilsicher als zuvor. Kein Wunder das offen spekuliert wird wie lange die Serie noch läuft, ob es tatsächlich eine achte Staffel geben wird. Das liegt nicht an den Darstellern, die routiniert ihren Job erledigen und noch immer Spielfreude durchblicken lassen. Nein, es liegt an dem übergeordneten Handlungsstrang. Mögen einzelne Episoden überzeugen, gar begeistern, ist die große Story doch recht hanebüchen und einzelne Folgen einfach überzogen, “to much”, wie man gewollt neudeutsch sagen würde.

Das ist Schade, denn noch immer stimmt die Chemie zwischen Fillion und Katić, somit auch Castle und Beckett. Es macht Spaß die beiden interagieren zu sehen und an ihren Dialogen und Spitzen teilzuhaben. Gleiches gilt natürlich für die ewigen Sidekicks Jon Huertas, Seamus Dever und Tamala Jones, in den Rollen von Esposito, Ryan und Lanie. Darstellerisch gibt es einfach nichts zu meckern, da macht einfach alles Spaß. Zudem gibt es auch ein paar grandiose Highlights, wie “Mord auf dem Mars” und “”Hongkong Supercop”. “Über den Wolken” macht ebenfalls große Freude, wenn die Folge auch recht vorhersehbar ist.

Das Hauptaugenmerk der siebten Castle-Staffel liegt diesmal auf Richard Castle selbst, seinem Leben (mehr als sonst) und seiner Vergangenheit. Dahingehend darf auch seine Familie nicht fehlen, also Mutter Martha (Susan Sullivan) und Tochter Alexis (Molly C. Quinn). Beide sind ein süßes und kompetentes Paar Asse im Ärmel des Hobbydetektives und Bestsellerautoren Castle, hätten aber ruhig etwas mehr zur Geltung kommen können. Aber bereits in der letzten Staffel wurde das Castle-Familientrio nicht um Beckett erweitert, sondern eher aufgelöst und neu arrangiert. Natürlich, die Figuren entwickeln sich weiter, aber etwas mehr Martha und Alexis, vor allem im näheren Umfeld, wären nett gewesen.

Trotz allem ist auch die siebte Staffel gute Krimiunterhaltung, mit einem Schuss Charme und Humor – letzterer ist oft etwas nerdig (man kann es auch verschroben nennen), aber sehr pointiert. Und auch wenn es etwas dauert, läuft die Serie nach hinten raus zur alten Form auf und zeigt zwar starke, aber auch menschliche und verletzliche Figuren, mit denen der Zuschauer mitfühlt. Und das macht gute Unterhaltung aus.

Ein Blick auf das Bonusmaterial zeigt übrigens, dass die Darsteller und der Stab auch privat tolle Menschen sind, die mit Spaß und Respekt ihrer Arbeit nachgehen. Hier gibt es nicht nur das exklusive Hochzeitsmusikvideo von Esposito und Ryan zu sehen, sondern ziehen die Stars auch ihren Hut vor den Statisten und Komparsen, die ebenfalls kleine Geschichten erzählen und die Szenerie stets authentisch wirken lassen.

Mit “Castle – Staffel 7” gibt es eine ordentliche Box an Unterhaltung in die Hand, die – trotz einiger kleiner Schwächen – zu überzeugen weiß und gute Unterhaltung bietet. So schnell kriegt niemand einen Richard Castle unter, noch nicht einmal er selbst. Deswegen auch hier eine klare Empfehlung!

Update 20. Mai 2016: Das Castle mit Staffel 9 beendet wird (eines Staffel-8-Box fürs Heimkino wird es also noch geben), hat bereits die Runde gemacht. Es gibt nun auch entsprechende Stellungnahmen von Seiten der Produktionsstudios (ABC und Lionsgate) dazu. So wie es aussieht sind offiziell Sparmaßnahmen der Grund, warum die Serie keine neunte Staffel bekommen wird.

Copyright © 2016 by Günther Lietz
Packshot Copyrights © 2015 ABC Studios

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Castle – Staffel 7

Regisseur: Rob Bowman
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0), Spanisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Französisch, Spanisch, Dänisch, Norwegisch, Finnisch, Schwedisch, Niederländisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 6
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Touchstone
Erscheinungstermin: 25. Februar 2016
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 943 Minuten

Darsteller: Richard Castle (Nathan Fillion), Capt. Kate Beckett (Stana Katić), Serg. Javier Esposito (Jon Huertas), Det. Kevin Ryan (Seamus Dever), Dr. Lanie Parish (Tamala Jones)