“Der Junge Inspektor Morse – Staffel 5” dürfte wohl genau die Staffel sein, die mit den größten Veränderungen innerhalb der Serie daherkommt. Denn immerhin wird hier nicht nur der nächste große Karriereschritt von Endeavour Morse (Shaun Evans) behandelt, sondern gibt es auch anderweitige große Veränderungen, die das berufliche und persönliche Umfeld der Hauptfigur betreffen. Für Fans der Serie gibt es also einiges zu verarbeiten.

In “Der Junge Inspektor Morse” wird die Vorgeschichte zur Serie “Inspector Morse, Mordkommision Oxford” behandelt, die von 1987 bis 1993 auf dem britischen Fernsehsender ITV lief. Dabei hat sich die Vorgeschichte zu einer eigenen, starken Serie gemausert. Das liegt vor allem an dem charismatischen und gut spielenden Hauptdarsteller Shaun Evans, aber auch an der liebevollen Umsetzung des Stoffs und des Umgangs mit dem Original.

Die Serie selbst kommt dabei mit eher klassischen Kriminalmotiven daher. Das liegt unter anderem daran, dass es eine ganze Flut an britischen oder skandinavischen Kriminalserien gibt, die im Grunde schon alle Themen irgendwie behandelt haben. Hier etwas Neues zu finden, ist gar nicht so einfach. “Der Junge Inspektor Morse” versucht das auch gar nicht erst großartig, sondern konzentriert sich auf die Darbietung und seine Figuren. Und das macht großen Spaß. Zumal die Serie genau in der fünften Staffel alles daran setzt, neue Akzente zu setzen.

So gibt es in diesen sechs Episoden (Muse, Kartusche, Passagier, Farben, Quartett und Ikarus) zum ersten Mal einen Gegenspieler, der alle Episoden leicht miteinander verbindet. Außerdem steht eine Zusammenlegung zweier Reviere an, was natürlich die ein oder andere Versetzung beinhaltet – und somit eventuell einen Wegfall beliebter Figuren. War Morse bisher derjenige der einen Mentor brauchte, so kommt dieser langsam in die Jahre und Morse selbst ist es, der nun zum Mentor für einen neuen Rekruten avanciert. Das bedeutet innerhalb des Serienuniversums einiges an gewaltigen Umbrüchen.

Weitere Neuerungen sind zudem, dass es mehr Schauplätze als gewöhnlich gibt. Die Figuren sind viel unterwegs, es gibt weitere Dienststellen und sogar der Geheimdienst mischt mit. Außerdem zieht die Darstellung der Gewalt etwas an, was die Morde somit eindringlicher als gewöhnlich macht. Deswegen sollte auf jeden Fall beachtet werden, dass die Altersfreigabe nun erstmalig bei 16 Jahren liegt.

Im Großen und Ganzen sind all diese Änderungen gelungen umgesetzt und bereichen die Serie ungemein. Staffel 5 stellt somit einen guten und richtigen Umbruch dar, der “Der Junge Inspektor Morse” frisch und spannend hält. Fans der Reihe müssen halt damit klarkommen, dass sich ihre Serie weiterentwickelt. Wer dagegen lieber auf Stagnation setzt und eher das Gleiche vom Selben möchte, der wird die ein oder andere Überraschung erleben. Das kommt den Erzählungen im Gesamten aber sehr zugute.

Wie Eingangs erwähnt sind die grundlegenden Motive als eher klassisch zu bezeichnen. Durch die Änderungen in der Erzählstruktur und die Verzahnung der einzelnen Geschichten, werden die Fälle aber nun um einiges komplexer, was natürlich die Spannung steigert. Davon ab sind die einzelnen Episoden auch sehr hochwertig produziert und liegen über dem Durchschnitt. Kamera und Bildkomposition sind einfach großartig und laden oft genug zum Verweilen in den einzelnen Szenen ein. Die Ausstattung ist ohne weiteres als opulent zu bezeichnen. Dahingehend ist vor allem die Kinofolge als absolutes Glanzlicht zu bezeichnen.

Abschließend muss man die Serie wohl auf zwei Ebenen werten. Einmal für die einfachen Zuschauer und vielleicht auch Quereinsteiger, die ohne großartige Vorkenntnisse oder emotionale Bindung die Staffel schauen (wobei alle vorangegangenen lohnenswert sind). Hier bietet sich gute Kriminalunterhaltung mit tollen Schauwerten und großartigen Figuren. Kenner der Reihe werden dagegen damit belohnt, dass sich die Erzählung plötzlich ändert und es eine große Weiterentwicklung innerhalb der Handlung und der Figuren gibt. Das ist ist nicht nur gut umgesetzt, sondern sorgt für frischen Wind. Und es ist nur plausibel, denn schlussendlich muss die Vorgeschichte ja irgendwie zum Original führen. Oder zumindest die wichtigsten Stationen der Hauptfigur behandeln und zeigen wie sie zu dem Mann und Ermittler wurde, die sich dann später im Original behauptet.

“Der Junge Inspektor Morse – Staffel 5” ist jedenfalls eine runde Sache, die gelungen die Fallstricke der Eintönigkeit umgeht und zu neuen Ufern aufbricht. Klasse!

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Der Junge Inspektor Morse – Staffel 5

Seitenverhältnis : 16:9
Alterseinstufung : Freigegeben ab 16 Jahren
Produktabmessungen : 13.4 x 1.5 x 19 cm; 110 Gramm
Laufzeit : 8 Stunden und 55 Minuten
Erscheinungstermin : 16. Oktober 2020
Darsteller : Shaun Evans, Roger Allam, Anton Lesser, Shaun Evans, Roger Allam
Untertitel: : Deutsch
Sprache, : Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Studio : Edel Germany GmbH
Bonusmaterial: über 30 Minuten Interviews mit den Darstellern und Stab, sowie Behind the Scenes