Auch nach Jahren ist „Die Goonies“ noch immer ein wunderbarer Abenteuerfilm für Kinder. Zwar in die Jahre gekommen, aber durchaus sehenswert. Das liegt vor allem an den tollen und sympathischen Kinderdarstellern, aber auch an der bombastischen Inszenierung durch Regisseur Richard Donner, der hier die Idee von Steven Spielberg auf die Leinwand bannte. Dabei war Spielberg nicht nur für die Geschichte verantwortlich (er und Chris Columbus), sondern unterstützte Donner sogar etwas bei der Regie und kümmerte sich um den Schnitt. Das war nötig, denn die Dreharbeiten liefen aus dem Rudern, da sich die Dreharbeiten mit Kindern als anspruchsvoll und zeitaufwändig erwiesen. Aber der Aufwand hat sich durchaus gelohnt.

Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe von Jungen (die sich Goonies nennen), die durch Zufall die Spur eines alten Piratenschatzes finden. Das Geld könnten sie gut gebrauchen, um den anstehenden Umzug in eine andere Stadt zu verhindern. Der wilden Hatz schließen sich noch drei Teenager an, die schlussendlich aber nur unterstützendes Beiwerk sind. Die Schatzjagd wird zudem um ein ganzes Stück gefährlicher, als die polizeilich gesuchten Fratellis von dem Schatz erfahren und diesen ebenfalls wollen.

Was die Erzählung vor allem auszeichnet, ist das hohe Tempo, das angeschlagen wird. Wie Perlen auf einer Schnur, werden hier spannend inszenierte Actionsequenzen aneinandergereiht. Dazwischen immer wieder einmal ein Witz, um die Situation aufzulockern und die Spannung abzumildern. Trotz allem bleibt auch noch Zeit, damit sich die Figuren entwickeln können. Sie wachsen über sich hinaus, werden erwachsener. Dazu gehört der erste Kuss, sich den eigenen Ängsten zu stellen, Vorurteile abzubauen und Verantwortung zu übernehmen. Das Ganze ist wunderschön miteinander verwoben und auch aus heutiger Sicher noch aktuell.

Dabei sollte erwähnt werden, dass trotz zweier weiblicher Nebenrollen, der Film vor allem ein klassisches Jungsabenteuer ist. Die Mädels haben wenig zu vermelden. Dahingehend werden auch einige Klischees bedient, die in den 1980er noch recht populär waren. Auch die einzelnen Hauptrollen stecken in unterschiedlichen Schubladen, was wiederum die Zuordnung der jeweiligen Aspekte vereinfacht. Das wären grob gesagt der weise Anführer, das liebenswerte Großmaul, der ungeschickte Witzbold und das technische Genie. Diese Schubladen existieren auch heute noch, wenn auch etwas aufgelockert. Als Beispiel mag hier die Serie „Stranger Things“ gelten, bei der diese veralteten Aspekte aber auch einen Teil des Retro-Charmes ausmachen.

„Die Goonies“ sind nun einmal was sie sind, und das ist gut so. Sie lassen sich nicht unterkriegen, klappern einen Ort nach dem anderen ab, lösen Rätsel, erleben haarsträubende Action, widerstehen einem scheinbar übermächtigen Feind, finden hilfreiche Freunde und haben noch etwas Zeit für die emotionalen Augenblicke. Alle Merkmale eines guten Abenteuerfilms sind vorhanden. Dazu die handwerklich hervorragende Inszenierung, die gut gealtert ist. Kein Wunder, sind die Kulissen und Effekte handgemacht und somit kein CGI-Spektakel, dass im Anbetracht der nächsten Computergeneration erkennbar veraltet wirkt.

Was den Film zu einer wahren Perle macht sind aber die Darsteller. Sie sind talentiert, haben große Spielfreude und transportieren das hervorragend. Kein Wunder, dass der Film dann auch für die meisten von ihnen zu einem Karrieresprungbrett ins Filmgeschäft wurde. Mal mehr und mal weniger erfolgreich, aber immerhin. Vor allem Sean Astin und Josh Brolin haben es in Hollywood geschafft und gelten als große Stars. Zuschauer älteren Semesters dürfen sich also auch daran erfreuen, quasi Zeugen dieses Werdegangs zu sein.

Für mich ist „Die Goonies“ auch heute noch ein großer Spaß, den ich mir immer wieder gerne anschaue. Allerdings mit einem leicht veränderten Blick, so dass ich die Knackpunkte an dem Film gut erkenne. Etwas weniger Schublade und etwas mehr weibliche Abenteuerkraft wären schon gut. Aber das Spektakel ist nun einmal ein Kind seiner Zeit. Das ist für einen vergnüglichen Nachmittag durchaus mal vernachlässigbar. Für mich ist der Film noch immer großartig!

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Die Goonies
Originaltitel: The Goonies

Produktionsland: USA (1985)
Länge: 114 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Richard Donner
Drehbuch: Steven Spielberg (Story und Idee), Chris Columbus (Screenplay)
Produktion: Harvey Bernhard, Richard Donner
Musik: Dave Grusin
Kamera: Nick McLean
Schnitt: Michael Kahn, Steven Spielberg (nicht aufgeführt)

Sean Astin (Michael „Mikey“ Walsh), Josh Brolin (Brandon „Brand“ Walsh), Jeff Cohen (Lawrence „Chunk“ Cohen), Corey Feldman (Clark „Mouth“ Devereaux), Kerri Green (Andrea „Andy“ Carmichael), Martha Plimpton (Stefanie „Stef“ Steinbrenner), Jonathan Ke Quan (Richard „Data“ Wang), John Matuszak (Lotney „Sloth“ Fratelli), Robert Davi (Jake Fratelli), Joe Pantoliano (Francis Fratelli), Anne Ramsey (Mama Fratelli), Lupe Ontiveros (Rosalita)