Eine Mumie ist nur schwer umzubringen – das liegt nun einmal in der Natur der Sache. Regisseur Rob Cohern schafft das mit „Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers“ allerdings problemlos. Der Film ist nicht nur der schwächste der Filmreihe, sondern auch der schlechteste. Um ehrlich zu sein, er ist einfach nur schlecht.

Bei „Mumie“ denkt man halt an Wüste, Hitze, Bandagen und Ägypten. Das alles wurde in zwei Filmen bereits abgehandelt. Dem Gesetz Hollywoods nach, muss alles Erfolgreiche weitergehen, dabei einen Tick größer und phantastischer werden, das Franchise wachsen. Und das wird hier kompromisslos durchgezogen. Es knallt jetzt noch mehr, es gibt mehr CGI-Effekte und aus der übertakteten Mystik des zweiten Films wird dann pure Fantasy. Das Ganze findet dann in China statt. An sich ein spannendes Setting, aber hier wirkt es nur aufgesetzt.

Die Handlung spielt nun im Jahr 1946, also dreizehn Jahre nach dem letzten Abenteuer. Alex ist jetzt 21 Jahre alt und in die Fußstapfen seiner Eltern getreten, was diese nicht wissen. Statt zu studieren nimmt Alex an einer Expedition in China teil, entdeckt das Grabmal des Drachenkaisers und die ihn darstellende Terrakottafigur (die nun halt die besagte Mumie ist). Die wertvolle Keramik wird dann im Laufe der Handlung zum Leben erweckt (was auch sonst) und will die Erde erobern. Alex, seine Eltern und Lin (die junge Wächterin des Grabmals und Love Interest von Alex) wollen das natürlich verhindern. Es geht dann in den Himalaya, nach Shangri-La und dann irgendwo zur chinesischen Mauer, wo es zum Endkampf kommt.

Ich muss sagen, der Film ist sehr chaotisch und nimmt sich auch wenig Zeit für die Exposition. Wie bei einem Abreißkalender wird eine Szene nach der anderen abgehandelt. Das sorgt aber nicht für Tempo, sondern nur Beliebigkeit. Wenigstens muss man der Geschichte zu gute halten, das sie nicht auf der Stelle tritt, sondern ihren Figuren eine Entwicklung zugesteht … auch zeitlich. Das ist dann auch der einzig spannende Aspekt. Wobei, auch hier gibt es Inkonsequenzen. Die Figur der Jonathan hat sich noch immer nicht weiterentwickelt (was aber wohl ein Running Gag sein soll), es wird sich darin verbissen das es eine Mumie geben muss (egal wie, ist halt die Lizenzreihe) und auch Evy muss wieder dabei sein. Da Rachel Weisz keine Lust auf den Film hatte (und sie war damit gut beraten), wurde sie kurzerhand gegen Maria Bello ausgetauscht. Diese geht in ihrer wohl witzig gemeinten Vorstellungsszene sogar darauf ein. Na ja, man hätte Evy lieber irgendwie rausschreiben sollen. Aber wenn ein liebendes und intaktes Elternpaar loszieht, dann ist das halt familienfreundlicher. Allgemein stand der Film dahingehend bereits in den vorauswerfenden Schatten unserer Gegenwart. Heutzutage wird ja gerne familienfreundlich, divers (und dennoch konservativ) und mit Blick auf den asiatischen Filmmarkt produziert.

Brendan Fraser hatte mit dem Streifen jedenfalls weniger Glück. Seine Karriere bekam einen deutlichen Knick. Heutzutage treibt er sich in Serien herum. Seine schauspielerisches Können ist aber durchaus noch vorhanden. Eine angestrebte Fortsetzung der Reihe gab es dann auch nicht. Stattdessen wurde sich entschieden, einen Neustart zu wagen, diesmal mit Tom Cruise.

„Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers“ ist ein seelenloses Feuerwerk. Schön anzuschauen, aber dennoch nicht gut.

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Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers
Originaltitel: The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor

Produktionsland: Vereinigte Staaten (2008)
Länge: 112 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Rob Cohen
Drehbuch: Alfred Gough, Miles Millar
Produktion: Stephen Sommers, James Jacks, Bob Ducsay, Sean Daniel
Musik: Randy Edelman, John Debney
Kamera: Simon Duggan
Schnitt: Joel Negron, Kelly Matsumoto

Brendan Fraser (Richard „Rick“ O’Connell), Jet Li (Kaiser Han/Drachenkaiser), Maria Bello (Evelyn Carnahan-O’Connell), Luke Ford (Alex O’Connell), John Hannah (Jonathan Carnahan), Isabella Leong (Lin), Michelle Yeoh (Zi Yuan)