Diese Neuauflage von „Die Mumie“, mit Brendan Fraser in der Hauptrolle, war der Überraschungserfolg des Sommers 1999. Gekonnt transformierte er die klassische Horrorgeschichte in einen lockeren Abenteuerfilm. Ich war damals hin und weg. Das lag nicht nur an der spannenden Story, einem lakonischen Brendan Fraser (als Rick), einer hinreißenden Rachel Weisz (als Evelyn) und einem schaurig tragischen Arnold Vosloo (als Imhotep), sondern vor allem an der bombastischen Inszenierung von Regisseur Stephen Sommers. Diese hat mich förmlich umgehauen. Der Streifen hat nicht nur alle wichtigen Versatzstücke eines guten Abenteuerfilms, sondern besitzt ein grandios abgestimmtes Tempo, eingängige Filmmusik und tolle Bilder. Dazu diese hervorragenden Computertricks, die mit handgemachten Kulissen und Effekten harmonieren. Der Hammer!

Bereits beim ersten Schauen des Films war ich begeistert. Die sichtbare Spielfreude der Darsteller, das Setting und die flotte Art des Erzählens zogen mich in ihren Bann. Dabei ist die Geschichte noch immer simpel und folgt dem Vorgänger: Die Mumie wird gefunden, erwacht versehentlich zum Leben und trachtet danach, ihre verflossene Liebe ebenfalls aus dem Reich der Toten zurückzuholen. Allerdings gibt es zum Original aus dem Jahre 1932 einige Abweichungen, die aber allesamt passend sind. An erster Stelle steht natürlich die Verschiebung des Genres, die den Horror hinten anstellt und sich stattdessen gänzlich dem Abenteuer und der Action widmet. Das schlägt sich auch im Aufbau wieder. Nach einem üblichen Intro zur kleinen Exposition, gibt es die klassische Reise von Lokalität zu Lokalität. In diesem Falle von Kairo aus über den Nil nach Hamunaptra. Hinzu kommen dann auch die typischen sympathischen Nebenfiguren, Verfolgungsjagden, Kämpfe, Rätsel und der Konflikt mit dem Bösewicht. Alles da, alles super.

Was mir an dem Film auch gefällt ist, dass – trotz der schweren Bedingungen – nicht nur auf Computertricks gesetzt wurde. So wurden neben digitalem Getier auch echte Tiere eingesetzt und quälte sich das Filmteam in der heißen marokkanischen Wüste (Ägypten schied wegen der dortigen Gefahrenlage aus). Das führte zu Schwächeanfällen durch die Hitze. Die Schusswaffen feuerten wegen dem Sand oft nicht (was man dann tatsächlich digital behob, da ein ständiges Säubern der Waffen zu aufwändig war) und das Team wurde von giftigen Skorpionen gestochen und Schlangen gebissen (und somit stand dann der Transport ins Krankenhaus an). So wie Boris Karloff einst viel in der Maske über sich ergehen ließ, war es ähnlich auch bei Arnold Vosloo. Allerdings wurde er nicht mit einer erstarrenden Masse beklebt, sondern zwei Mal täglich am Körper rasiert.

Allgemein war und bin ich von den Darstellern begeistert. Durch den Film landeten Fraser und Weisz auf meinem Radar. Ich finde beide großartig, auch Abseits vom Mumiem-Franchise, dass aus „Die Mumie“ entstand. Dabei sollte man auch erwähnen, dass die Figur der Evelyn von Evelyn Beauchamp inspiriert war, die 1922 an der Seite ihres Vaters George Herbert, 5th Earl of Carnarvon und des Archäologen Howard Carter die Grabkammer des Pharaos Tutankhamun entdeckte. Lauter nette Details. Doch zurück zum Film.

Seine fluffige Art ein spannendes Abenteuer zu transportieren, hat mich jedenfalls schwer beeindruckt. Und auch heute noch schaue ich mir diese Variante von „Die Mumie“ immer wieder gerne an. Der Film hat für mich nichts von seiner Faszination verloren. Klar, Indiana Jones steht für mich noch immer ganz oben auf dem Siegertreppchen. Aber gleich dahinter kommt Rick O’Connell.

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Bildmaterial (c) Universal Pictures

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Die Mumie
Originaltitel: The Mummy

Produktionsland: USA (1999)
Länge: 124 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Stephen Sommers
Drehbuch: Stephen Sommers, Lloyd Fonvielle, Kevin Jarre
Produktion: Patricia Carr, Sean Daniel, James Jacks
Musik: Jerry Goldsmith
Kamera: Adrian Biddle
Schnitt: Bob Ducsay

Brendan Fraser (Richard ‚Rick‘ O’Connell), Rachel Weisz (Evelyn Carnahan), John Hannah (Jonathan Carnahan), Arnold Vosloo (Imhotep), Kevin J. O’Connor (Beni Gabor), Oded Fehr (Ardeth Bay)