So wie 1932 „Die Mumie“ mit Boris Karloff den Grundstein für das Filmuniversum „Universal Horror“ legte, so war die Absicht der Neuauflage aus dem Jahre 2017 den Grundstein für das „Dark Universe“ zu legen. Der große Erfolg des „Marvel Cinematic Universe“ zeigt wie es geht und weckte bei Universal sicherlich Begehrlichkeiten, die eigene alte Idee aus der Mottenkiste zu holen. Das kann auch durchaus klappen und ehrlich gesagt, das „Dark Universe“ klingt als Idee eigentlich ganz gut. Das Problem an der Sache ist, das „Die Mumie“ seine Sache verkackt.

Dabei hat der Film durchaus seine lichten Augenblicke. Die Mumie ist diesmal weiblich und wird von einer exzellenten Sofia Boutella in Szene gesetzt. Tom Cruise liefert wie gewohnt gut ab, während Russell Crowe zu Beginn ahnen lässt, was da Großartiges auf die Zuschauer zukommen könnte. Jedoch, Boutellas Einsätze sind zu kurz und Crowe macht nach einem flotten Start ziemlich schnell schlapp. Wie im Grunde genommen der ganze Film. Und Tom Cruise alleine kann den Streifen nicht auf seinen Schultern tragen. Dafür wiegt die wirre und überladene Story einfach zu schwer. Zu allem Übel stimmt die Chemie zwischen Cruise und seinem Sidekick nicht, ebensowenig wie mit seinem (sterblichen) Love Interest. Der eine ist nicht witzig genug (wobei „witzig“ ein weiteres Problem des Films ist, wie ich später ausführe), die andere wirkt einfach nur drangepappt und als Motivationshilfe für den männlichen Star des Films. Das die Computertricks in dieser an sich aufwändigen Produktion oft auch noch schlecht gemacht sind, sorgt dazu für einen leichten, unfreiwilligen Trashfaktor.

Ein wirklich großes Ärgernis ist, dass der Film nicht weiß wohin er möchte. 1932 mit Karloff in der Hauptrolle, da handelte es sich um einen düsteren Gruselfilm. 1999 mit Fraser in der Hauptrolle, da war es ein rasanter und witziger Abenteuerfilm. 2017 mit Cruise, da ist es erst ein stilsicherer und düsterer Gruselfilm, wandelt sich dann in Richtung witzige Action, wird dann irgendwie zu einem Actionabenteuer, dann zu einem Pitch für das „Dark Universe“ und anschließend zu irgendwas. Von allem was in „Die Mumie“ angeboten wird, funktioniert dabei das düstere Drama am besten, die Ambivalenz in der Charakterzeichnung, der Held wieder Willen, der ewige Kampf gegen das Böse in uns selbst. Das hätte weiterverfolgt und knallhart durchgezogen werden sollen, alleine schon als Alleinstellungsmerkmal und Abgrenzung zum bunten „Marvel Cinematic Universe“. Aber anstatt einen eigenen Weg zu gehen, wird bei Marvel abgekupfert. Und zwar in dermaßen vielen Belangen, dass man einfach irgendeinen Marvelhelden in den Dark-Universe-Film einsetzen könnte. Es würde niemandem wirklich auffallen. Und auch dieses ewige Spannung-aufbauen-und-mit-einem-Witz-wieder-lockern nervt. Das kann Marvel besser und passt auch eher zu Helden in bunten Elasthan-Klamotten.

Auch die ständigen Andeutungen auf das „Dark Universe“ sind irgendwann ermüdend. Der Film sollte für sich alleine stehen. Ein solides Fundament bilden, auf dem aufgebaut werden kann. Das ist leider nicht der Fall. Ständig gibt es nur Ausblicke auf das, was kommen könnte. Und „Die Mumie“ selbst bleibt dabei leider auf der Strecke. Subtil und gut geht einfach anders.

Im Grunde genommen kann man sich den Film durch seine Beliebigkeit schenken (im Sinne von ignorieren). Die wenigen Schauwerte (Cruise und Boutella) reißen die Sache nicht heraus. Der Film floppte auch dermaßen an den Kassen, dass die Idee des „Dark Universe“ aufgegeben wurde. Stattdessen soll es Einzelfilme mit den altbekannten Monstern geben, die ohne eine Verflechtung auskommen. Ganz ehrlich, genau das könnte aber dann das „Dark Universe“ werden, das sich die Zuschauer wünschen. Eine thematische Zuordnung im gleichen Stil reicht doch vollkommen aus, wenn die Geschichten spannend und gut sind.

Copyright (c) 2019 by Günther Lietz
Bildmaterial (c) Universal Picture

„Die Mumie“ (2017) bei Amazon.de

Die Mumie
Originaltitel: The Mummy

Produktionsland: Vereinigte Staaten (2017)
Länge: 111 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Alex Kurtzman
Drehbuch: David Koepp,
Christopher: McQuarrie, Dylan Kussman
Produktion: Alex Kurtzman, Chris Morgan, Sean Daniel, Roberto Orci
Musik: Brian Tyler
Kamera: Ben Seresin
Schnitt: Paul Hirsch, Gina Hirsch, Andrew Mondshein

Tom Cruise (Nick Morton), Sofia Boutella (Die Mumie/Prinzessin Ahmanet), Annabelle Wallis (Jenny Halsey), Jake Johnson (Corporal Chris Vail), Courtney B. Vance (Colonel Greenway), Russell Crowe (Dr. Henry Jekyll), Marwan Kenzari (Malik), Javier Botet (Seth)