Nach den wunderbaren Harry-Potter-Filmen und der unsäglichen Twillight-Saga, ziehen nun “Die Tribute von Panem” das kinobegeisterte Publikum in ihren Bann. Sie stellen mit Jennifer Lawrence die amtierende Herrscherin über Blockbuster-Land, die auch mit dem zweiten Teil ihrer Panem-Tetralogie, um die Gunst ihres Volkes buhlt. Das gelingt der Aktrice wunderbar, denn “Die Tribute von Panem – Catching Fire” ist ein gelungener Film.

Nach den Ereignissen aus “Die Tribute von Panem – The Hunger Games”, haben sich deren beiden Gewinner, Katniss und Peeta, wieder in ihren Distrikt zurückgezogen. Dort, im Dorf der Sieger, versuchen sie wieder ins Leben zu finden. Doch das Geschehene lässt sie nicht los, hat beide schwer traumatisiert. Zudem hat Katniss, mit ihrem Schachzug bei den Hungerspielen, nicht nur den Sieg für sich und Peeta geholt, sondern auch das Kapitol und Präsident Snow herausgefordert.

Kapitol und Präsident sitzen Katniss und Peeta nun im Nacken. Zudem gehen die Sieger eine lebenslange Verpflichtung ein, werden Galionsfiguren, Spielbälle der Mächtigen, Schönen und Reichen. An ein normales Leben ist nicht mehr zu denken. Katniss ist immerhin Liebling der Massen – und zwar aller. Selbst die unterjochten Distrikte lieben sie, aber aus ganz anderen Gründen, als das Kapitol. Und nun stehen sogar die 75. Hungerspiele an, das dritte Jubel-Jubeljubiläum.

Präsident Snow und sein neuer Spielmacher, Plutarch Heavensbee, haben sich dafür etwas ganz besonderes Perfides ausgedacht. Und so müssen sich Katniss und Peeta plötzlich wieder dem Kampf ums Überleben stellen, aber diesmal an mehreren Fronten …

Auch “Die Tribute von Panem – Catching Fire” zeigt sehr eindrucksvoll, wie gut die Buchvorlage, aus der Feder von Suzanne Collins, umgesetzt wurde. Regisseur Francis Lawrence und seine Drehbuchschreiber, Simon Beaufoy und Michael Arndt, haben hervorragende Arbeit geleistet. Trotzdem ist es von Vorteil die Bücher zu kennen, denn dann sind einige Zusammenhänge und Motivationen überhaupt erst verständlich. Zumindest der Vorläufer (“Die Tribute von Panem – Hunger Games”) sollte bekannt sein, da des öfteren darauf eingegangen wird. “Die Tribute von Panem – Catching Fire” ist schließlich Teil einer Reihe und auf deren Vermarktung ausgelegt. Das merkt man dem Film an.

Aber selbst ohne ein klein wenig Vorwissen, ergibt “Die Tribute von Panem – Catching Fire” auf sich alleingestellt Sinn und weiß gut zu unterhalten. Aber mit entsprechenden Informationen ausgestattet, gewinnen vor allem die Nebendarsteller und die Details im Hintergrund, mehr an Bedeutung. Dafür erneut ein Lob an Regie und Drehbuch. Letzteres wurde übrigens in Zusammenarbeit mit Suzanne Collins geschrieben. Es ist also wenig verwunderlich, dass genau die passenden, wichtigen Punkte in den Film aufgenommen wurden. Nicht nur das. Denn im Roman erscheint Katniss ein wenig behäbiger und nervt stellenweise mit ihrer Jammerei. Der Film ist straffer gestaltet und kommt schneller auf den Punkt, was für die Geschichte und die Figur der Katniss, nur von Vorteil ist.

Trotzdem werden die Ereignisse aus der Vorlage natürlich nur abgehakt, kann kaum die Tiefe aus dem Roman erreicht werden. Aber es gelingt Francis Lawrence und seinen Autoren genau diesen Umstand so zu glätten, das ein spannender und vergnüglicher Film entsteht, der gleichzeitig auch die tiefgreifende Botschaft der Vorlage transportiert. Die Sache wirkt wie aus einem Guss, ohne störende Ecken und Kanten.

Was “Die Tribute von Panem – Catching Fire” weiterhin auszeichnet, ist die Charakterentwicklung der Figuren. Einst unschuldige Teenager, sind Katniss und Peeta durch die zurückliegenden Hungerspiele gewachsen, wurden regelrecht erwachsen. Das zeigt sich in ihrem Verhalten, spiegelt sich aber auch mittels Make-up und Kostümen wider. Es gibt sogar eine Szene, in der genau dieser Umstand thematisiert wird.

Make-up und Kostüme haben allgemein einen großen Stellenwert. Vor allem wenn der Unterschied zwischen den grauen, tristen Distrikten und dem farbigen, fröhlichen Kapitol aufgezeigt werden. Das Kapitol ist das alte Rom und seine Tribute die Gladiatoren der Moderne. Das wird zeitweise mehr als deutlich, vor allem in Bezug auf die Dekadenz.

Die Vorlage alleine macht aber noch keinen guten Film, denn es sind vor allem die Darsteller, die überzeugen müssen. Und das gelingt ihnen hervorragend. Im Mittelpunkt steht natürlich Shooting Star Jennifer Lawrence, die Hollywood im Sturm eroberte und heutzutage, auch abseits den Panem-Filme, auf der Leinwand brilliert (“American Hustle”). Lawrence dominiert dabei gewollt das Geschehen, ist verdientermaßen der Dreh- und Angelpunkt. Darunter leidet natürlich die Präsenz der anderen Darsteller, vor allem Josh Hutcherson als Peeta Mellark. Trotz einer hervorragenden Darstellung bleibt Hutcherson im Hintergrund und etwas blass. Dafür gelingt es Schauspielern wie Sam Claflin (als Finnick Odair), Jena Malone (als Johanna Mason) und Philip Seymour Hoffman (als Plutarch Heavensbee), bei ihren weitaus kürzeren Auftritten, um einiges besser, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Hier sollte kurz auf Philip Seymour Hoffman eingegangen werden, der 2014 in New York, auf Grund seines Drogenkonsums, verstarb. Das könnte die weitere Produktion der Filmreihe vor ein Problem stellen, denn der Spielmacher Plutarch Heavensbee kommt auch im abschließenden Teil der Romantrilogie vor. Und somit eigentlich auch in den beiden nächsten Filmen. Pressemeldungen nach waren, bis auf sieben Drehtage, die Arbeiten mit Hoffman allerdings weitgehend abgeschlossen. Es bleibt abzuwarten, wie Hollywood das Problem lösen wird.

Allgemein betrachtet wartet “Die Tribute von Panem – Catching Fire” mit sehr vielen guten Darstellern auf. Selbst die kleinste Rolle wird überzeugend gespielt und so eine glaubhafte Welt transportiert, die die Zuschauer in ihren Bann zieht. Vor allem auf der zwischenmenschlichen Ebene, wissen die Schauspieler ihr Publikum zu packen. Es reichen meist nur wenige Sekunden aus, um zumindest eine kleine Beziehung zu den Figuren aufzubauen – sei sie nun positiv oder negativ. Immerhin gibt es einige Schurken, denen man Pest und Cholera an den Hals wünscht.

Allen voran Präsident Snow, grandios gespielt von Donald Sutherland. Er gibt einen diabolischen Bösewicht, der die Drecksarbeit von seinen Untergebenen erledigen lässt. Leider haben es nicht alle Szenen mit ihm und Hoffman in den fertigen Film geschafft. Hier lohnt es sich, die Deleted Scenes anzuschauen. Wirklich toll sind aber die Szenen, in denen Snow in seinem privaten Umfeld gezeigt wird: Sutherlands Augenspiel, diese unausgesprochenen Worte, diese Mimik – das ist ganz großes Kino. Und davon gibt es einige Szenen.

Ebenfalls hervorragend, da viel mit Augen und Mimik gespielt wird, ist die Fahrstuhlszene, in der sich vor allem Jena Malone als Johanna Mason von einer ihrer besten Seiten zeigt. Davon möchte man einfach mehr sehen. Und zwar in allen Belangen. Ähnliches gilt für Sam Claflin in der Rolle des Finnick Odair. Was für ein sympathischer Lausejunge, der zudem auch noch ein hervorragender Schauspieler ist.

Auch von der technischen Seite präsentiert sich “Die Tribute von Panem – Catching Fire” vom Feinsten. Zwar wird viel Tricktechnik eingesetzt, aber löblicherweise auch sehr viel herkömmliche Handarbeit. Beides wird hervorragend miteinander vereint und sorgt für die perfekte Illusion. Die echten Kulissen und die Computerbauten harmonieren hervorragend miteinander. Und auch die Computeranimationen fügen sich ebenfalls klasse in den Film ein und wirken zu keinem Zeitpunkt störend.

Dafür ist, unter anderem auch, die Kamera verantwortlich. Es gibt wunderbare Landschaftsaufnahmen, langsame und schnelle Fahrten und sehr gelungene Perspektiven. Hier hat der verantwortliche Kameramann (Jo Willems) ganze Arbeit geleistet. Für Kinobesucher gab es übrigens ein besonders großes Zuckerstück, denn Teile des Films wurden im IMAX-Format abgedreht. In den passenden Kinos konnte man sich also an dem dazugehörenden Vektionseffekt erfreuen, wenn sich der Bildausschnitt (ab einem bestimmten, dramaturgisch wichtigen Zeitpunkt) plötzlich vergrößert. Zumindest auf der DVD- und Blu-ray-Ausgabe ist von dem größeren Format leider nicht zu sehen, was nur wenigen Menschen auffallen dürfte, dem kritischen Filmkenner aber schon ein Dorn im Auge ist. Immerhin gibt es durchgehend schwarze Balken an Ober- und Unterseite, wo eigentlich keine sein müssten, beziehungsweise, sein sollten. Hier hätten sich die Macher im Vorfeld überlegen sollen, ob und wie sie diese Spielerei später fürs Heimkino umsetzen können.

Davon einmal abgesehen, gibt es an “Die Tribute von Panem – Catching Fire” nur wenig zu beanstanden. Einige der Dialoge sind manchmal etwas hölzern, auch im Film wirkt Katniss zeitweise geistig etwas behäbig (was aber der Figur im Original entspricht) und ist der Film doch zu kurz, um alle Aspekte der Geschichte ausreichend zu würdigen.

Dafür ist der Soundtrack allerdings wunderschön. Allen voran Coldplay mit “Atlas”, aber auch Christina Aguilera mit dem Song “We Remain”. Beim Soundtrack ist übrigens darauf zu achten, dass “Die Tribute von Panem – Catching Fire” (Universal Music International) die Songs unterschiedlicher Künstler beinhaltet, während “The Hunger Games: Catching Fire” den tollen instrumentalen Score von James Newton Howard bietet. Es wird also für jeden Geschmack etwas geboten. Allerdings überzeugen vor allem die Songs auf „DieTribute von Panem – Catching Fire”, die auch ohne den Film hervorragend anzuhören sind.

Hören ist das richtige Stichwort, denn auch die Synchronisation ist in Ordnung. Die Sprecher zeigen eine konstant gute Leistung und wissen ihre Rolle passend umzusetzen. Natürlich ist das Original, falls möglich, vorzuziehen. Alleine wegen der Stimmmodulation der Darsteller (allen voran Woody Harrelson als Haymitch Abernathy). Aber mit der deutschen Tonspur ist man ebenfalls auf der sicheren Seite.

“Die Tribute von Panem – Catching Fire” ist ein gelungener Film, der Lust auf mehr macht. Er weiß spannend zu unterhalten, überzeugt mit seinen Figuren und ist emotional, ohne dabei über die emotionalen Stränge zu schlagen. Top!

Die “2 Disc Fan Edition”-DVD wartet mit einer zusätzlichen Silberscheibe auf, die das Making of enthält. Bereits der Audiokommentar (auf der Film DVD) von Regisseur Francis Lawrence und Produzentin Nina Jacobson ist informativ und unterhaltsam, aber das Bonusmaterial ist einfach der Hammer. Es liefert mehr als zwei Stunden Hintergrundmaterial über die Dreharbeiten. Die sind natürlich weitgehend aufpoliert und enthalten einiges an Marketing, aber im Kern gewinnt der Fan und Cineast wunderbare Einblicke hinter die Kulissen. Das macht großen Spaß und ist äußerst kurzweilig.

Copyright © 2014 by Günther Lietz, all rights reserved

Die DVD bei Amazon
Die Blu-ray bei Amazon
“Die Tribute von Panem – Catching Fire” (Universal Music International) bei Amazon
“The Hunger Games: Catching Fire” OST bei Amazon
Die Tribute von Panem (Hörbuch Gesamtausgabe) bei Amazon
Die Tribute von Panem 2 – Gefährliche Liebe (Buchausgabe) bei Amazon.de

Die Tribute von Panem – Catching Fire [DVD]
The Hunger Games: Catching Fire

Produktionsland: Vereinigte Staaten (2013)
Länge: 146 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Francis Lawrence
Drehbuch: Simon Beaufoy, Michael Arndt
Produktion: Nina Jacobson, Jon Kilik
Musik: James Newton Howard
Kamera: Jo Willems
Schnitt: Alan Edward Bell

Besetzung: Jennifer Lawrence (Katniss Everdeen), Josh Hutcherson (Peeta Mellark), Liam Hemsworth (Gale Hawthorne), Woody Harrelson (Haymitch Abernathy), Elizabeth Banks (Effie Trinket), Sam Claflin (Finnick Odair), Jena Malone (Johanna Mason), Jeffrey Wright (Beetee), Philip Seymour Hoffman (Plutarch Heavensbee), Donald Sutherland (Präsident Snow), Stanley Tucci (Caesar Flickerman), Lenny Kravitz (Cinna)