Während die ersten beiden Bücher der Roman-Trilogie “Die Tribute von Panem” in den letzten Jahren mit jeweils einem Film vollständig abgehandelt wurden, haben sich Filmstudio und Produzenten dazu entschieden, den Abschluss zu splitten und in zwei Filmen unterzubringen. So bereits geschehen bei Buchvorlagen wie “Harry Potter”, “Twillight”, “Der kleine Hobbit” und wohl auch bei “Die Bestimmung”. “Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1” teilt dadurch auch das Schicksal diverser Lückenfüller. Unter anderem wird ein an sich schöner Titel, durch den Zusatz “Teil 1” und “Teil 2” ziemlich ruiniert. Da wäre doch etwas Kreativität angebracht.

Inhaltlich ist die Reihe erwachsen geworden, inklusive ihrer Heldin Katniss Everdeen (gespielt von Jennifer Lawrence). Während sie in “Hunger Games” und “Catching Fire” gefährliche Abenteuer erlebte und sich gegen das scheinbar allmächtige Kapitol auflehnte, wächst ihr die Sache nun vollends über den Kopf und sie wird zur Vorzeigerebellin, zur Galionsfigur einer ganzen Bewegung, die somit ihre ganze Hoffnung auf eine einzige Person richtet. Daran kann eine Heranwachsende ziemlich sicher zerbrechen und so ist auch Jennifer Lawrence’ Rolle angelegt. Und Lawrence ist es auch, die mit ihrer Figur den ganzen Film dominiert. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt, zeigt die Verzweiflung, die Hoffnung, den Wandel, der Katniss ausmacht. Und zwar auf eine grandiose Art und Weise. Jennifer Lawrence gehört derzeit zu den besten weiblichen Darstellern, die Hollywood zu bieten hat. Zwar leisten auch die anderen Schauspieler beeindruckende Leistungen, verblassen aber alleine schon wegen der wenigen Zeit, die ihren Rollen eingeräumt wird. Das ist schade, denn hier wurden nämlich viele starke Figuren mit noch stärkeren Darstellern besetzt. Allerdings schwächelt die Handlung, was sicherlich daran liegt, dass es kaum Handlung gibt. Das, was im Film geschieht, hätte auch im Bruchteil der Zeit abgehandelt werden können.

“Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1” ist im Kern ein Antikriegsfilm, der zudem zur Gesellschaftskritik und Rebellion gegen ein Regime aufruft. Kalkulierte Zerstörung, der Tod Unschuldiger und eiskalte Propaganda stehen im Fokus, werden an den Pranger gestellt. Hier zeigt die Geschichte der Reihe eindeutig, dass sie sich nicht nur um die spannenden Abenteuer eines Teenagers dreht, sondern um etwas viel Größeres. Was in den Buchvorlagen allerdings geschickt eingefangen wird, zieht sich im Film dann doch etwas wie ein Kaugummi. Die Handlung wird zudem nicht wirklich vorangetrieben und zu allem Übel gibt es keinen echten Abschluss, sondern nur einen halbherzigen Cliffhanger, der außerdem recht unspektakulär ist. Um ehrlich zu sein, es ist noch nicht einmal ein echter Cliffhanger.

Ein weiteres Manko ist zudem, dass “Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1” für Quereinsteiger nur wenig taugt. Ohne Kenntnis der beiden Vorgänger ist es schwer Figuren und Zusammenhänge zu verorten und zu verstehen, worum es eigentlich geht. Im Grunde handelt es sich bei “Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1” nur um Füllmaterial, das auf ein (hoffentlich) grandioses Finale hinsteuert.

Ist “Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1” nun ein schlechter Film? Jein. Für Fans der Bücher und Filme ist “Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1” trotz allem eine spannende und kurzweilige Unterhaltung, die sehr viel Spaß macht und später sicherlich einen guten Teil innerhalb der Tetralogie bildet. Wer allgemein kluge Dystopien mag, sollte ebenfalls einen Blick wagen, sich allerdings im Vorfeld die Teile “Hunger Games” und “Catching Fire” anschauen, alleine des bessere Verständnisses wegen. Und auch, weil sie verdammt gut sind.

Handwerklich bietet “Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1” ziemliche Hausmannskost. Glücklicherweise wurde der Film (wie die beiden ersten Teile) auf 2D ausgelegt, was natürlich eine andere Bildstruktur unterstützt. So wie es aussieht soll der letzte Teil allerdings in 3D abgedreht werden.

“Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1” wurde übrigens Philip Seymour Hoffman gewidmet, dem Darsteller des Plutarch Heavensbee. Er verstarb, während die Filme noch in der Produktion waren. Allerdings waren Hoffmans Szenen weitgehend alle abgedreht.

Eine weitere Besonderheit ist die Synchronisation. Diese ist durchweg gelungen, allerdings wird in der deutsche Fassung auch das Lied vom Henkersbaum auf Deutsch gesungen. Im Original singt es Jennifer Lawrence tatsächlich selbst (obwohl sie solche Gesangseinlagen nicht mag) und belegte damit in den Charts kurzzeitig die vorderen Plätze. Im Gegensatz zur deutschen Fassung. Wer mag, sollte sich also unbedingt einmal die Originaltonspur anhören, zumindest wegen dem Lied. Allerdings ist die deutsche Variante auch sehr hörenswert.

Abschließend bleibt zu sagen, dass “Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1” für Fans ein spannender Film ist, der aber trotzdem weit hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Und das liegt sicherlich an der künstlichen Teilung, die künstlerisch unnötig ist. Trotz allem ein sehenwerter Film.

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Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1

The Hunger Games: Mockingjay – Part 1

Produktionsland: Vereinigte Staaten
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2014
Länge: 122 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Francis Lawrence
Drehbuch: Danny Strong
Produktion: Nina Jacobson, Jon Kilik
Musik: James Newton Howard
Kamera: Jo Willems
Schnitt: Alan Edward Bell, Mark Yoshikawa

Besetzung: Jennifer Lawrence (Katniss Everdeen), Josh Hutcherson (Peeta Mellark), Liam Hemsworth (Gale Hawthorne), Woody Harrelson (Haymitch Abernathy), Elizabeth Banks (Effie Trinket), Philip Seymour Hoffman (Plutarch Heavensbee), Julianne Moore (Präsidentin Alma Coin), Jeffrey Wright (Beetee), Donald Sutherland (Präsident Snow), Stanley Tucci (Caesar Flickerman), Sam Claflin (Finnick Odair), Natalie Dormer (Cressida), Mahershalalhashbaz Ali (Boggs), Willow Shields (Primrose Everdeen)