DER HAMMER! Nicht mehr und nicht weniger bleibt eigentlich zu sagen. Damit wäre das aber eine sehr kurze Rezension, wenn auch modern. So modern, wie der neue Doktor.

Der kommt zu seinem Jubiläum, der gute Doktor wurde 2013 ganze fünfzig Jahre alt, nämlich in 3D daher. Als die Episode im November letzten Jahres ausgestrahlt wurde, lief sie sogar in den Kinos. Dem war auch in Deutschland so, denn auch hierzulande erfreut sich der Doktor großer Beliebtheit und genießt unter Fans Kultstatus. Zumal sich der Lebenszyklus des elften Doktors (gespielt von Matt Smith) bekanntermaßen dem Ende nähert. Die Sache mit Tod und der Regeneration des Doktors (hin zu einer neuen Inkarnation), das ist so eine der tollen Besonderheiten der Serie. Aber in “Doctor Who – Der Tag des Doktors” dreht sich alles um ein ganz anderes Ereignis im Leben des beliebten Zeitreisenden, der mit seiner als Blue Box getarnten Zeitmaschine durch die Epochen der Welt und des Universum herumreist.

Was sich Autor Richard Cooksen da ausgedacht hat und schlussendlich von Regisseur Nick Hurran umgesetzt wurde, das sprengt – vor allem im Bereich einer Serienproduktion – locker den Rahmen. Die Handlung hat es einfach in sich und beginnt damit, dass sich die TARDIS, das Zeitreiseraumschiff des Doktors, selbstständig macht und in London landet. Dort wird dem Doktor von der Geheimorganisation UNIT eine Nachricht übermittelt, die wiederum von Queen Elizabeth I. stammt. Wow, das ist ein genialer Einstieg. Und so geht es auch weiter, denn die Geschichte dreht sich um den großen Krieg der Timelords gegen die Daleks. Ein Ereignis, das eigentlich einen Fixpunkt in Raum und Zeit darstellt, verschlossen und versiegelt auf immerdar. Oder?

An dieser Stelle sei nicht zu viel verraten, denn das würde einfach den Spaß an dem Film rauben, der zeitlich nach den Mini-Episoden spielt (die wiederum nach der 7. Staffel spielen), die zum Bonusmaterial gehören. Die Blu-ray enthält neben der 3D-Ausgabe übrigens auch die 2D-Ausgabe, die aber selbst schon mit einigen spektakulären 3D-Effekten daherkommt – die in der 3D-Fassung natürlich um einiges imposanter wirken. Das macht richtig Laune.

Gleiches gilt für die Riege an Darstellern, die ihren Auftritt haben. Vorne weg natürlich Matt Smith als elfter Doktor. An seiner Seite die wunderbare Jenna Coleman in der Rolle der energischen Companion (also der Begleiterin des Doktors) Clara Oswald. Das ist sozusagen die Standardbesetzung, die um den zehnten Doktor erweitert wird, verkörpert von dem grandiosen David Tennant, der lange Zeit DER neue Doktor schlechthin war und Fanherzen höher und schneller schlagen lässt (David, wir lieben dich!). Auch eine seiner ehemaligen Companions ist mit von der Partie, jedenfalls die Darstellerin: Billie Piper. Sie war dabei, als die Serie 2005 neu belebt wurde und begleitete bereits den neunten Doktor, der in “Doktor Who – Der Tag des Doktors” leider nicht mit von der Partie ist (liebe Grüße an Christopher Eccleston). Piper gab die Companion Rose Tyler zum Besten, die teilweise auch als Bad Wolf agierte und innerhalb der Serie einen dramatischen Lebensweg ging. Tennant und Piper nochmals im Rahmen des Doktors zu sehen ist einfach wunderbar und zaubert die ein oder andere Träne in die Augenwinkel.

Dabei wird die Zählweise der Doktorinkarnationen eigentlich etwas durcheinandergebracht, denn in “Doktor Who – Der Tag des Doktors” hat der Kriegsdoktor seinen Auftritt, eine bis dato unbekannte Persönlichkeit. Verkörpert wird der Kriegsdoktor vom wunderbaren John Hurt, der auf der einen Seite etwas schrullig, auf der anderen Seite aber auch knallhart wirkt, dabei aber auch weiterhin die Verletzlichkeit und Genialität des Doktors hervorragend porträtiert. Somit sind drei Doktoren im Rennen, die alleine schon zu begeistern wissen, aber im Zusammenspiel um einiges wuchtiger und spaßiger agieren, gleichzeitig aber auch mit der ernsten Thematik umzugehen wissen. Doktor Who ist halt eine Serie, die vor allem durch ihren skurrilen Charakter lebt: Ein wenig Trash, ein wenig Drama, ein wenig Zeitreise und viel Menschlichkeit.

Für Fans ist der Jubiläumsfilm natürlich der Hit, denn es gibt unzählige Anspielungen, die ein Außenstehender aber leider nicht versteht, die zum eigentlichen Verständnis der Handlung auch nicht unbedingt nötig sind. Es wertet das Sehvergnügen allerdings ordentlich auf. Denn immerhin hat sogar Tom Baker einen Cameoauftritt, der viele Jahre lang den vierten Doktor verkörperte und oft als DER Doktor schlechthin angesehen wird. Das ist eine tolle Sache – wenn man denn Tom Baker erkennt und zuordnen kann.

Auch der Bonusinhalt weiß zu überzeugen. Ganze 70 Minuten voller Material warten darauf, von den Fans entdeckt zu werden. Das wertet den ganzen Spaß natürlich um Einiges auf.

Technisch ist die Blu-ray ziemlich gut in Szene gesetzt und geht handwerklich auch in Ordnung. Im Bereich des 3D gibt es gelegentlich zwar die ein oder andere Schwäche (schneller Schnitt, konfuse Kamerafahrten), macht aber trotzdem großen Spaß und ist gut anzuschauen. Es gibt große Kinoproduktionen, die um einiges schlechter funktionieren. Zudem vertragen die Menschen 3D recht unterschiedlich. Für Puristen und Leute die kein 3D vertragen, gibt es zudem die 2D-Fassung ebenfalls auf der Blu-ray. Anzumerken wäre allerdings, dass es bei einigen seltenen Fällen zu Problemen beim Abspielen kommen kann, was wohl an den verwendeten Geräten liegt. Diese “Fehlermeldungen” halten sich aber in engen Grenzen. Moderne Geräte sollten eigentlich keine Probleme haben und deswegen ist bei Aussetzern erst einmal ein Update der Firmware zu empfehlen.

Standardmäßig sind auf der Blu-ray zwei Tonspuren vorhanden. Einmal das grandiose Original, das jedem zu empfehlen ist der leidlich Englisch kann. Notfalls auch nur, um mal ein Gefühl für die Stimmen zu bekommen und wie Matt Smith mit Worten und Tonlage spielt. Und natürlich gibt es auch die deutsche Synchronfassung, die handwerklich gelungen ist, aber nicht immer die Stimmfarbe des Originals trifft. An sich kein großes Problem, aber es gibt halt auch diese leidige Anrede-Problematik, dass selbst Kampf- und Weggefährten den Doktor Siezen. Daran muss man sich halt gewöhnen, dann tritt diese kleine Unstimmigkeit schnell in den Hintergrund.

Was schlussendlich bleibt, ist ein abschließendes Fazit zu “Doctor Who – Der Tag des Doktors”: DER HAMMER!

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Doctor Who – Der Tag des Doktors [Blu-ray]
Originaltitel: The Day of the Doctor

Produktionsland: Großbritannien (2013)
Regie: Nick Hurran
Script: Richard Cookson
Produzenten: Marcus Wilson, Steven Moffat, Faith Penhale
Erstausstrahlung: 23. November 2013 (UK) auf BBC One

Besetzung: Matt Smith (11. Doktor), David Tennant (10. Doktor), John Hurt (Kriegsdoktor), Jenna Coleman (Clara Oswald), Billie Piper (Rose Tyler/Bad Wolf), Tom Baker (Der Kurator)

Spieldauer: 75 Minuten + 70 Minuten Bonusmaterial
Format: 3D (inkl. 2D-Version)
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Polyband/WVG

Polyband: www.polyband.de
BBC: www.bbcgermany.de