Driving Lessons – Mit Vollgas durchs Leben
Driving Lessons

FSK: ab 12 Jahre
Laufzeit: 91 Minuten

Regie: Jeremy Brock
Drehbuch: Jeremy Brock
Darsteller: Rupert Grint, Julie Walters, Laura Linney, Fay Cohen, Ruby Mortlock, Michelle Duncan, Tamsin Egerton, Nicholas Farrell, Jacques Kerr, Oliver Milburn, Jim Norton

Produktion: Großbritannien 2006
Produktionsfirmen: ContentFilm, Rubber Tree Plant, UK Film Council
Produzent: Alessandro Camon, Julia Chasman, Alexandra Ferguson, Edward R. Pressman

Fahrstunden als Synonym für die Lektionen des Lebens …

Ben Marshall (Rupert Grint), siebzehn und ein halbes Jahr alt, rasselt katastrophal durch die Fahrprüfung, obwohl ihm seine Mutter Laura (Laura Linney) doch ach so fleißig Fahrstunden gibt. Sie ist eine gläubige Christin und in ihrem Glauben eifriger, als der eigene Ehemann Robert (Nicholas Farrell), der Pastor der örtlichen Gemeinde ist. Lauras Eifer geht sogar so weit, dass sie den geistig verwirrten Mister Fincham (Jim Norton) bei sich aufnimmt und Ben eine Arbeit suchen muss, um Fincham finanziell unterstützen zu können.

Während sich nun hinter Lauras christlicher Fassade und vorbildlichem Verhalten Kontrollsucht und Doppelmoral verbergen und Pastor Marshall seiner dominanten Frau kein Paroli bieten kann, lernt Ben die gealterte Schauspielerin Evie Walton (Julie Walters) kennen, für die er nun an als Gesellschafter und Assistent arbeiten soll.

Evie ist sehr exzentrisch, mehrfach geschieden, extrovertiert und hat ein Alkoholproblem – alles Dinge, vor denen Ben bisher behütet wurde. So lernt er eine andere Seite des Lebens kennen, eine Seite, die ihn schon bald überfordert. Doch beim Versuch zu kündigen wird er von Evie übertölpelt und macht mit ihr einen Campingausflug, der schlussendlich in der Fahrt zu einer Lesung endet. Ben ist eigentlich wütend, will nach Hause, doch er will der bald sterbenden Evie diesen letzten Gefallen erweisen …

Rupert Grint dürfte – jedenfalls in den 2000ern – den meisten Menschen in seiner Nebenrolle als Freund von Harry Potter aus den gleichnamigen Verfilmungen bekannt sein. Dort spielt an seiner Seite auch Julie Walters, die Grints Filmmutter mimt. In „Driving Lessons – Mit Vollgas durchs Leben“ stehen beide nun erneut vor der Kamera, diesmal allerdings als Hauptdarsteller, während sie gleichzeitig eine weitere Potter-Verfilmung abdrehten. Zwei sehr gute und fleißige Schauspieler, das muss man ihnen lassen.

In „Driving Lessons“ geht es nun um die Selbstfindung eines jungen Menschen und eine generationenübergreifende Freundschaft, die vor allem auf Poesie und Literatur basiert. Diese Themen werden von Drehbuchautor und Regisseur Jeremy Brock sanft und humorvoll angegangen, doch stets mit einem ernsten Hintergrund und dem nötigen Maß an Sensibilität – denn immerhin erzählt Brocks Geschichte von Menschen, ihren Stärken und ihren Schwächen. Die Handlung selbst trägt dabei die Charaktere und ist zu keinem Zeitpunkt das dominante Element des Films, sondern nur der Rahmen, der die lebenden Bilder umfasst. Der Zusatz „Mit Vollgas durchs Leben“ ist übrigens mehr verwirrend als informativ oder gar sinnig, denn weder gibt hier jemand Vollgas, noch führt die Reise durchs Leben. Der im Vorspann vorkommende Untertitel „Unterwegs mit Evie“ wäre da schon passender gewesen.

Sympathisch und leise werden die Figuren innerhalb des Films zueinandergeführt. Dabei sind Ben und Evie sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich erst einmal finden und erfinden müssen. Vor allem Ben bietet hier viel Identifikationspotenzial und emotionale Augenblicke, während er seinen Weg geht und entdeckt, dass die Welt mehr zu bieten hat, als den Auftritt als Baum in einem christlichen Theaterstück. Witzigerweise soll Ben wohl einen Maulbeerbaum darstellen, in der deutschen Synchronisation wird er aber als Eukalyptusbaum tituliert. Allgemein ist die Synchronisation zwar gut, aber weniger scharf als die Originaltonspur. Vor allem Julie Walters erscheint in Englisch genauer und grantiger, ist derber und schärfer, als es ihre deutsche Stimme zu sein vermag. Das ist jedoch nur ein kleiner Wermutstropfen.

Die Verbindung zwischen Ben und Evie ist zentrales Element, doch auch die Bindung von Ben zu seiner Mutter hin spielt eine große Rolle. Immerhin muss er sich zwischen zwei Frauen entscheiden. Keineswegs in sexueller Hinsicht, sondern in rein emotionaler Form. Laura Linney brilliert dabei in ihrer Rolle der Laura Marshall, die zwar zuckersüß daherkommt, es aber faustdick hinter den Ohren hat. Denn schon bald ist ihre Kontrollsucht spürbar, die wiederum Teil eines Liebesverhältnisses ist – denn nur wenn Ben zur Verfügung steht und seine Fahrstunden bei der Mutter bekommt, hat diese ein Alibi für ihr Stelldichein.

Von der Liebschaft scheint Robert Marshall zu wissen, der von Nicholas Farrell mit großer Spielfreude dargestellt wird. Die Resignation und die Hilflosigkeit der eigenen Ehefrau gegenüber ist förmlich greifbar und regelrecht erdrückend. Selbst bei den abstrusesten Situationen oder auch bei den einfachsten Dingen, muss sich Robert Laura unterwerfen und klein beigeben. So bleibt ihm nur sein Hobby: Die Vogelkunde.

Auch das ist wiederum ein Element, das wunderbar die Beziehung zwischen den einzelnen Charakteren aufzeigt. Ben besitzt am Hobby seine Vaters zwar keine echte Freude, doch kann er es instrumentalisieren, um wenigstens einen kurzen Augenblick mit Robert eine gemeinsame Basis zu finden, wenigstens kurz einige Worte auszutauschen und gegenseitige Liebe auszudrücken. Sehr gut inszeniert!

„Driving Lessons – Mit Vollgas durchs Leben“ ist trotz der emotionalen Thematik eine Komödie. Doch der Humor kommt auf leisen Sohlen, entwickelt sich aus der Situation heraus. Es gibt kein Feuerwerk der Lacher, sondern nur gezielte Pointen, überraschende Augenblicke und reine Lebensfreude, die zum Mitlachen, Schmunzeln und Grinsen verführen. Der Film ist einfach großes Kino fürs Herz.

Die Ausstattung der DVD kann leider kaum mit der hohen Qualität der Films mithalten. Es gibt den üblichen Trailerpark, einige unkommentierte Outtakes, ein Making of und ein Interview mit Rupert Grint. Alles nett anzusehen, allerdings ohne Untertitel, recht kurz und nichtssagend. Halt das übliche Minimalprogramm. Hätte man sich auch sparen können.

(c) Copyright 2008 by Günther Lietz

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