Mit „Game of Thrones“ erschuf HBO 2011 eine Serie, die in der westlichen Welt neue Maßstäbe für TV-Serien und deutliche Akzente setzte. Basierend auf den erfolgreichen Romanen von George R. R. Martin, erweckten die Produzenten David Benioff und D. B. Weiss eine stimmige und atmosphärische Welt voller Magie und Persönlichkeiten zum Leben. Bisher wurden sechs Staffeln abgedreht, wobei die letzte neue Wege ging. Es ist also an der Zeit, um sich ein wenig näher mit der Serie zu beschäftigen.

Die ersten Staffeln war eindeutig nahe an der Buchvorlage. Mal mehr, mal weniger, aber sie folgten irgendwie den vielen Erzählungssträngen. Fünf Jahre ist das her, ein halbes Jahrzehnt. Manch einer wurde beinahe seine ganze Jugend von der Serie begleitet. Und so wie sich die Zuschauer entwickelten, entwickelte sich auf die Handlung und mit ihr „Game of Thrones“ – so der Name der HBO-Serie. Die Buchreihe selbst nennt sich dagegen „Das Lied von Eis und Feuer“ und kommt in deutscher Sprache bereits auf ganze zehn Bücher (im englischsprachigen Original sind es nur fünf, das liegt an der Aufteilung der Bände für die deutsche Ausgabe).

Bei den Romanen ist übrigens die Besonderheit, dass für deutsche Hörbücher, die es beim Hörbuchabieter audible gibt (zwanzig an der Zahl, da jedes deutsche Buch gesplittet wurde), die alte deutsche Übersetzung benutzt wird. So heißt dort eine der Hauptfiguren Jon Snow, in der deutschen Synchronisation und in der Neuauflage der deutschsprachigen Bücher allerdings Jon Schnee. Die meisten Hörbücher waren da schon mit Originalnamen produziert. Der Vorleser (Reinhard Kuhnert) setzte sich deswegen dafür ein, dass es keinen Bruch in der Übersetzung der Hörbücher geben solle. Die deutschen Altfans sind ihm deswegen einiges schuldig, klingen die alten Namen doch vertrauter und passender. Doch zurück zu Serie.

Auch hier gibt es einen Bruch. Und zwar in der Handlung. Denn George R. R. Martin ist ein schludriger und langsamer Schreiber, der zwar ein Ende der Reihe als Ziel vor Augen hat, aber noch lange nicht dort angekommen ist. Mit zunehmendem Alter und steigernde Bekanntheit, verschlimmert sich dieser Zustand. Nach einem klärenden Gespräch mit den Produzenten Benioff und Weiss, gab Martin dann das Okay für eine originäre Handlung. Allerdings erzählte der Autor wohl auch, wie er sich die Eckpunkte des Endes vorstellt. Ob dem wirklich so sein wird, bleibt erst einmal dahingestellt.

Der Serie hat diese plötzlich Freiheit gutgetan. Es ist zwar bedauerlich, dass die Originalgeschichte nicht weiterhin umgesetzt wird, aber bereits mit der fünften Staffel holte die HBO-Serie die Bücher ein. Und die letzte Staffel war zudem, im Vergleich mit den anderen Staffeln, ziemlich schlecht. Das lag eindeutig daran, dass Martins „Das Lied von Eis und Feuer“ nach hinten raus einfach schwer fürs TV umzusetzen ist. Zu viele Personen, zu viele Handlungen, zu viele Schauplätze, zu wenig Übersicht. Dabei wurde schon fleißig der Rotstift angesetzt, um überall zu kürzen und zu streichen. Aber wenn eine Geschichte derart abmagert, dass sie kaum noch zu erkennen ist, dann kann sich auch anders geschrieben werden.

Und genau das hat die sechste Staffel hervorragend umgesetzt. Es gibt grandiose, spannende, dramatische, lustige und epische Szenen. Die Handlung steckt voller Überraschungen und gleichzeitig werden auch die kühnsten Erwartungen erfüllt. Zudem präsentiert die Serie explosionsartig einen gewaltigen Paukenschlag, der einem schier die Luft raubt – und geht damit einen eigenen Weg. Großartig! Wer wegen der fünften Staffel also langsam müde wurde „Game of Thrones“ zu gucken, sollte nochmals reinschauen.

Aber was bedeutet das für die Bücher? Tja, einerseits ist es bedauerlich, dass Serie und Buch unterschiedliche Wege gehen (allerdings, vielleicht erzählt Martin nun wiederum die Serie nach, man weiß es bisher nicht). Andererseits gibt es gleichzeitig mehr von der geliebten Fantasyunterhaltung. Daher lautet die Empfehlung, sich einfach beides zu gönnen. Wer seine Augen etwas schonen möchte, kann sogar zum Hörbuch greifen. Und die sind, alleine schon der tollen Vorlesestimme wegen, einfach großartig. Und sie sind natürlich auch jedem zu empfehlen, der eine Vorliebe für die Originalnamen hat.

Copyright (c) 2016 by Günther Lietz, all rights reserved