Mit „Hangover 3“ schließt die Hangover-Trilogie ab. Trilogie sicherlich nur, weil Erfolg und Akzeptanz der Filmreihe dann doch nicht ausreichend genug waren, um eine länger laufende Filmreihe zu etablieren. Nach dem grandiosen „Hangover“ musste der zweite Teil bereits teilweise harsche Kritik einstecken. „Hangover 3“ wird ebenfalls Schelte kassieren, die fällt aber um einiges milder aus. An „Hangover“ kommt aber auch der dritte Teil nicht heran, rundet die Geschichte aber vergnüglich ab.

In „Hangover“ und „Hangover 2“ drehte sich alles noch um die Katerstimmung vor der Hochzeit. Im ersten Teil wurden derbe Gags, abstruse Situationen, Exzentrik und Fremdschämen regelrecht zelebriert, derart neu aufgemischt und abgemischt, dass es eine wahre Freude war. Die Figuren waren skurril, liebenswürdig, Unikate. „Hangover 2“ lagerte die Geschichte nach Thailand aus, kopierte aber ansonsten weitgehend den ersten Teil und versuchte alles ein wenig derber, durchgedrehter zu gestalten. Für viele Zuschauer zu derbe und zu durchgedreht. „Hangover 3“ geht nun einen ganz anderen Weg und erzählt die Nachwirkungen der Katerstimmung aus dem ersten Teil.

Das Wolfsrudel hatte damals in Las Vegas bekanntermaßen ordentlich auf den Putz gehauen und den ein oder anderen Gesellen verärgert. Die Ereignisse holen die vier Freunde gnadenlos ein. Und anstatt den durchgeknallten Alan seines Wahnsinns wegen in ein Therapiezentrum zu bringen, mischen plötzlich Drogenhändler und der Schwerstkriminelle Chow mit. Die Handlung nimmt eine vollkommen unerwartete Wendung und führt lose Fäden aus dem ersten Teil zusammen. Lose Fäden, von deren Existenz bis dahin niemand wusste.

So gesehen ist der Titel „Hangover 3“ eine Mogelpackung, denn mit einem Hangover (Kater/Katzenjammer) hat die Geschichte nur noch wenig zu schaffen. Dafür kommt die Film-Trilogie tatsächlich zu einem annehmbaren und runden Ende. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Filmen, stehen jetzt Alan und Chow im Zentrum der Handlung und ziehen das Rampenlicht weitgehend auf sich. Da bleibt leider nur wenig Zeit für Schauspieler wie Bradley Cooper (als Phil Wenneck) und Ed Helms (in der Rolle des Stuart „Stu“ Price), die zu Stichwortgebern verkommen. Sie sind nur noch Vehikel, um die Figuren Alan (gespielt von Zach Galifianakis) und Chow (gespielt von Ken Jeong) gut zu positionieren, damit die beiden ihre Show abziehen können. Das ist eindeutig ein Wertverlust, aber tragbar. Denn obwohl die Witze oft auf der Strecke bleiben oder einfach nur geschmackloses Beiwerk sind, gibt es trotzdem die ein oder andere Stelle mit Tiefgang oder unglaublich lustige Einfälle, die begeistern. Selbst leise Töne sind zu hören.

Besonders gelungen ist es, dass tatsächlich eine Charakterentwicklung stattfindet. Die konzentriert sich aber alleine auf Alan, der im Verlauf der Filme vom Exzentriker zum Irren mutierte. Eine leidige Entwicklung, die der Figur die Liebenswürdigkeit raubt und die Frage aufwirft, warum sich jemand mit diesem Kerl abgeben sollte? Hier rudert Regisseur Todd Phillips dann doch etwas zurück und zeigt in ruhigeren Augenblicken, dass Alan sehr wohl zur Außenbetrachtung seiner Person in der Lage ist und sein Verhalten anzupassen vermag. In kleinen Schritten wendet er sich also vom uneinsichtigen Irren ab und erneut dem doch liebenswürdigen Exzentriker zu. Das wird vor allem in der Entwicklung zwischen Alan und Chow deutlich. Letzterer besitzt keinerlei Tiefgang. Ken Jeongs Aufgabe ist es nur, mit besonders derben Einfällen die Szene zu bereichern und eine Reaktion des Wolfsrudels und des Zuschauers zu provozieren. Das schafft Ken Jeong problemlos und erinnert damit an seine Rolle des Chang in der TV-Serie „Community“.

Einzig Zach Galifianakis als Alan bleibt in Erinnerung. Und ihm werden von Regisseur Todd Phillips auch die Bälle zugespielt. Es mutet beinahe an, als diene „Hangover 3“ der Ehrenrettung von Filmfigur Alan, für dessen Darstellung Galifianakis zudem einige wirklich witzige und auch rührende Szenen auf den Leib geschrieben bekam. Respekt. Vor allem der Einstieg in den Film ist einzigartig und wird lange haften bleiben. Er ist großartig in Szene gesetzt. Leider kann der Film das dortige Humor-Niveau nicht halten, aber die Messlatte liegt alleine durch diese Szene einfach zu hoch. Auch handwerklich, in Bezug auf die Kamerafahrten und Animationen.

Alan dominiert den Film – und somit vor allem Zach Galifianakis. Selbst Nebendarsteller wie der geniale John Goodman (als Mafiosi) und die talentierte Heather Graham (die als Jade bereits in „Hangover“ ihren Auftritt hatte). Allen voran aber Melissa McCarthy (unter anderem bekannt aus der TV-Serie „Gilmore Girls“), die hier in einer wahnsinnig erotischen Darbietung den weiblichen Part übernimmt und für die passenden Akzente zum Schluss sorgt.

„Hangover 3“ kommt zwar nicht an den Einstieg in die Trilogie heran, ist aber besser als sein direkter Vorgänger. Von Cooper und Helms mehr zu sehen wäre nett gewesen, ist so aber auch in Ordnung. Um Hangover-Fans im dritten Teil dann doch noch mit dem Titel zu versöhnen, hat Todd Phillips sich für den Abspann etwas einfallen lassen, um passend „Lebe wohl“ zu sagen. So gehört sich das, Danke!

Copyright © 2013 by Günther Lietz, all rights reserved

Titel bei eBook.de (DVD)
Titel bei eBook.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Hangover 3

Originaltitel: The Hangover: Part III
Produktionsland: Vereinigte Staaten (2013)
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: 100 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Todd Phillips
Drehbuch: Todd Phillips, Craig Mazin
Produktion: Todd Phillips, Daniel Goldberg
Musik: Christophe Beck
Kamera: Lawrence Sher
Schnitt: Debra Neil-Fisher, Jeff Groth

Bradley Cooper (Phil Wenneck), Ed Helms (Stuart „Stu“ Price), Zach Galifianakis (Alan Garner), Justin Bartha (Doug Billings), Ken Jeong (Leslie Chow), Heather Graham (Jade), John Goodman (Marshall), Melissa McCarthy (Cassie)

http://www.hangoverpart3.com/