Schon etwas älter, aber noch immer ein Hit, erscheint “Heat Guy J” bei Nipponart als Komplett-Box. Auf 5 DVDs sind 26 Folgen zu finden, die es auf den zweiten Blick in sich haben.

Die Handlung beginnt damit, dass der Vampir der Stadt Judoh getötet wird und sein Sohn, Clair Leonelli, dessen Position übernimmt. Mit Vampir ist hier kein echter Blutsauger gemeint, sondern es handelt sich um den Titel des obersten Mafiapaten. Allerdings ist Clair exzentrisch bis verrückt und so hat er selbst unter seinen Leuten einen schweren Stand. Dieser Auftakt hat zunächst wenig Bedeutung, denn im Mittelpunkt stehen zwei ganz andere Figuren.

Da wäre erst einmal Daisuke Aurora, der meistens nur Dice/Dais genannt wird. Er ist ein junger Cop und Mitglied einer winzigen Spezialeinheit, die von seinem älteren Bruder Shun gegründet wurde. Daisukes Partner ist J, ein imposanter Androide, der immer einen guten und lehrreichen Spruch auf Lager hat. Was die Qualität dieser Sprüche angeht, nun, das sollte jeder selber bewerten.

Daisuke und J leben und arbeiten in der Metropole Judoh. Androiden sind normalerweise verboten, aber J fliegt unter dem Radar des Gesetzes und ist ansonsten auch offiziell anerkannt. Immerhin muss er für Daisuke ständig die Kohlen aus dem Feuer holen, was oft zu Schäden an seinem Körper führt. Diese werden dann von der wunderschönen Wissenschaftlerin Antonia Belucci repariert. Das Team wird vom Mädchen für alles abgerundet, der quirligen und regeltreuen Kyoko Milchan. Es deutet sich an, dass sie wohl Gefühle für Daisuke entwickelt oder bereits hegt.

Ungefähr die erste Hälfte der Serie arbeiten Daisuke und J unabhängige Fälle ab. Dadurch werden die Zuschauer an die Stadt und deren vielfältige Bewohner herangeführt. Ein roter Faden ist zuerst nicht zu erkennen, doch das ist Absicht. Tatsächlich entspinnt sich langsam, Folge für Folge, ein dichtes Gewebe aus Zusammenhängen, dass in einem grandiosen Finale endet. “Heat Guy J” ist eindeutig nichts für ein Publikum, dass einfach etwas Unterhaltung für Nebenbei sucht, sondern richtet sich mehr an aufmerksame, reifere Zuschauer. Es gibt mehr Story als Show.

Obwohl die Handlung immer wieder zum Schmunzeln einlädt, sind die einzelnen Geschichten ernsthaft. Und obwohl die Welt kurz vor dem Abgrund stand und es immer wieder große Probleme gibt, dominiert doch die Hoffnung und Zuversicht die Grundstimmung. Selbst in den Abwasserkanälen von Judoh sprudelt das Leben und ist lebenswert. Das ist, im Vergleich mit den vielen düsteren Dystopien, eine regelrechte Wohltat. Und obwohl die guten lieber mit Schockpatronen schießen, gibt es auch genug Action. Zudem ist Daisuke ein fähiger Ermittler und liefert die Serie dazu passend die ein oder andere Krimikost. Dazu ein übergreifender Handlungsbogen der langsam an Spannung zunimmt und ein paar überraschende Wendungen. Zusammengenommen ist “Heat Guy J” ein großer Spaß.

In Anbetracht der weitgehend menschlichen Figuren, sticht eine Hauptdarstellerin allerdings besonders hervor – und zwar Judoh. Die Stadt ist einfach großartig und wird entsprechend in Szene gesetzt. Stilistische wurde sich stark an New York orientiert, aber es gibt auch andere Einflüsse. Die Stadt pulsiert vor Leben, hat ihre Geheimnisse, bietet Licht und Schatten. Immer wieder werden neue Schauplätze vorgestellt, wachsen einem die Bewohner regelrecht ans Herz. Hier hat Entwickler und Regisseur Kazuki Akane ganze Arbeit geleistet.

Zeichnungen und Kolorierung sind sehr gelungen. Die Bewegungen kommen dynamisch und lebendig daher, das Bildmaterial wird von gelegentlichen Computerfahrten unterstützt. Die meist geerdeten Farben passen gut zum Ambiente und unterlegen treffend den oft düsteren Grundton der Serie. Auch die Actionsequenzen wurden gut in Szene gesetzt. Sound und Musik sind toll. Vor allem der Score ist abwechslungsreich und passt stets sehr gut. Besonders in den ruhigen Momenten, von denen es recht viele gibt. Das sorgt dafür, dass die Handlung gut aufgenommen und verarbeitet werden kann. Vom Tempo her ist die Serie deswegen also ebenfalls gelungen.

Bei der deutschen Aufmachung gibt es nur wenig zu meckern. Das Bild entspricht DVD-Standard im Format 16:9. Der Dolby-Digital-Ton kommt zwar nur in 2.0 daher, ist aber vollkommen ausreichend, zumal die deutsche Synchronisation gut ist. Der Schuber und darin enthaltene Klappbox sind schön gestaltet und machen etwas her. Einzig ärgerlich war (jedenfalls beim vorliegenden Musterexemplar), dass die beiden mittleren Innenseiten der Box mit Klebepunkten leicht fixiert waren. Diese ließen sich nur schwer lösen und haben ein paar Millimeter des Drucks abgerissen. Hier ist also beim ersten Öffnen Vorsicht angeraten. Neben den fünf DVDs, gibt es dann noch ein gefaltetes Poster und einen Sticker, die das Bonusmaterial darstellen. Eine nette Dreingabe.

Unterm Strich ist die “Heat Guy J – Komplett-Box DVD-Edition” eine runde Sache. Von der Qualität her kann sie zwar nicht mit modernen HD-Produktionen mithalten, aber hier kommt es vor allem auf die Inneren Werte an. Und die stimmen einfach. Eine klare Empfehlung!

Bildmaterial © 2002 SATELIGHT/HEATGUY-J PROJRCT
Copyright © 2017 by Günther Lietz

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Heat Guy J – Komplett-Box DVD-Edition
26 Episoden auf 5 DVDs

Regisseur: Kazuki Akane
Sprache: Japanisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 5
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Nipponart (AV Visionen)
Erscheinungstermin: 29. September 2017
Produktionsjahr: 2002
Spieldauer: 625 Minuten