Los Angeles, die Zukunft, wir schreiben das Jahr 2028 … Wait! What? Shit!

Tja, bereits mit der Auswahl und der Inszenierung des Schauplatzes fangen die Probleme an. Drehbuchautor und Regisseur Drew Pearce (Schreiber unter anderem von “Iron Man 3” und “Mission Impossible 3: Rogue Nation”) inszeniert eine futuristische US-Dystopie im Jahre 2028. Das sind noch nicht einmal zehn Jahre voraus, aber die USA sind scheinbar zerfallen, es gibt Aufstände, Organe aus dem 3D-Drucker, unglaubliche medizinische Fortschritte – und das macht dieses Setting bereits unglaubwürdig. Unter anderem der Einsatz von unscharfen Monitoren. Bereits heute legen die Menschen immer mehr Wert auf hochauflösende Wiedergabe. Es ist einfach nicht mehr futuristisch, verwackelte und verwaschene Hologramme oder Projektionen zu zeigen (möglichst noch halbtransparent). Pearce hält hier – wie viele andere Filmemacher – an alten, vor Jahrzehnten etablierten Konventionen fest, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Und das zeigt das nächste Grundproblem des Films auf: Drew Pearce bedient sich an bekannten und teilweise sogar alten Dingen und Idee.

Da wäre wohl zuerst die grundlegende Prämisse des Films zu nennen, die offensichtlich der Actionfilmreihe “John Wick” entnommen ist. So wie es in den John-Wick-Filmen ein Hotel als sicheren Hafen für Auftragskiller gibt (inklusive coolem Betreiber und seinem coolen Angestellten), dreht sich “Hotel Artemis” um das gleichnamige Untergrundkrankenhaus, in dem kriminelle Verletzte einen sicheren Hafen für ihre Heilung finden (inklusive wirrer Betreiberin und ihrem hohlen Angestellten). Und wie in beiden Filme verstoßen die Besucher des Hotels natürlich gegen den geltenden Kodex. Wobei das Hotel in “John Wick” nur ein Aspekt des Films ist, in “Hotel Artemis” soll es den ganzen Film tragen.

Tja, Drew Pearce’ Regiedebüt verkackt es jedenfalls. Dabei hat er Stars wie Jodie Foster und Jeff Goldblum an der Hand, die er allerdings nicht gut in Szene setzt und regelrecht verwurstet. Von der Salamihandlung ganz abgesehen, die in kleinen Scheibchen erzählt wird, von der jede einzelne zwar nach mehr schmeckt, aber dann kommt schon die nächste Geschmacksverlockung. Nichts wird hier wirklich zu einem Ende gebracht.

Sämtliche spannenden Fragen bleiben unbeantwortet und die Figuren handeln dumm. Zudem wird auch selten gezeigt, warum die Figuren so handeln, wie sie handeln. Pearce hat einfach einen großen Topf aufgemacht, alles rein geworfen und umgerührt. Dank ein paar guten Zutaten kommt ein wenigstens leidlich anzuschauender Streifen heraus, der mit seinen Actionanleihen und Versatzstücken aber mehr langweilt, als begeistert. Pearce hätte sich lieber auf nur ein oder zwei Handlungsstränge konzentrieren sollen, anstatt ein Fass nach dem anderen aufzumachen. Aber hey, zumindest Dave Bautista in der Rolle des Everest rockt halbwegs.

Copyright © 2019 by Günther Lietz

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Hotel Artemis

Originaltitel: Hotel Artemis
Produktionsland: USA, GB (2018)
Länge: 95 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16

Regie: Drew Pearce
Drehbuch: Drew Pearce
Produktion: Simon Cornwell, Stephen Cornwell, Marc Platt, Adam Siegel
Musik: Cliff Martinez
Kamera: Chung Chung-hoon
Schnitt: Gardner Gould, Paul Zucker

Darsteller: Jodie Foster (Die Schwester/Jean Thomas), Sterling K. Brown (Waikiki/Sherman), Sofia Boutella (Nice), Jeff Goldblum (Niagara/Der Wolfking), Brian Tyree Henry (Honolulu), Jenny Slate (Morgan), Zachary Quinto (Crosby Franklin), Charlie Day (Acapulco), Dave Bautista (Everest)