Endlich ist sie da, die lang ersehnte Fortsetzung zu „Iron Man“: „Iron Man 3“! Klingt merkwürdig, ist aber so. „Iron Man 2“ war ein guter Actionfilm, schönes Popcornkino, aber trotzdem ein schwacher Iron-Man-Film. Der dritte Teil ist es, der die Sense of Wonder, den Charme des ersten Teils, die freche Frische wieder aufnimmt und zu einem runden Ende bringt. Keine Ende der Reihe, sondern das Ende einer persönlichen Geschichte.

Bei der Inszenierung konnte sich Hauptdarsteller Robert Downey Jr. auf seinen alten Kumpel Shane Black verlassen, der bereits im gemeinsamen Film „Kiss Kiss, Bang Bang“ (2005, absolute Empfehlung) exzellent Regie führte und somit Downey Jr. wieder ins Universum der Hollywood-Stars katapultierte. In „Iron Man 3“ ist die stimmige Chemie der beiden verspielten Jungs deutlich spürbar.

„Iron Man 3“ setzt zeitlich genau nach „Marvel’s The Avengers“ an und zeigt einen sehr verletzlichen Tony Stark, dessen Exzentrik und Arroganz noch aufgesetzter ist als je zuvor. Stark leidet unter den Nachwirkungen der Ereignisse in New York. Er ist verletzlich und sein Ausweg aus dem Dilemma besteht darin, andere zu verletzten. Das trifft natürlich die Falschen und so muss seine geliebte Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) darunter leiden. Und just als die aus der gemeinsamen Küstenvilla ausziehen will, bekommt Stark für seine Arroganz die Rechnung präsentiert. Er hat ausgerechnet den Mandarin persönlich herausgefordert und baut darauf, dass er und seine Rüstung die Sache schon richten werden. Und das rächt sich.

Dabei spielt die Handlung auf mehreren Ebenen, beginnt der Film mit einer großen Rückblende und holt sich selbst auf der Zielgeraden ein, um ein spannendes Duell mit sich selbst zu liefern. Die Trailer zum Streifen boten bereits einiges an Action, Humor und Inhalt. Gewöhnlich wäre damit alles gesagt gewesen, aber Iron-Man-3-Trailer sind wirklich nur Appetitanreger und der Film bietet mehr. Viel mehr.

Aber schließlich läutet „Iron Man 3“ auch die zweite Phase des Marcel Cinematic Universe ein, in der sämtliche Marvelfilme einzuordnen sind. Und Robert Downey Jr. kokettiert damit, dies sei sein letzter eigenständiger Iron-Man-Film. Allerdings ist vieles in Hollywood eine Frage des Geldes und der Verhandlungen. Und genau damit kokettiert auch Black, was die vereinzelten im Film platzierten Anspielungen zeigen. Schlussendlich: Sollte hier tatsächlich die Ära der Tony-Stark-Filme enden, es wäre ein rundes Ende. Dafür Dank und Respekt an Black und die Produktion.

Aber zurück zum Film, der neben einem alles dominierenden Downey Jr. in fliegender Ritterrüstung, auch viele geniale Nebendarsteller zu bieten hat. Und natürlich massig Anspielungen auf die Marvelcomis, die üblichen Cameos und ungeheuer viel Spaß. So wird hier A.I.M. ins Spiel gebracht, ein Konzern, den Kenner der Comics sofort zuordnen können. Und natürlich der Bösewicht schlechthin, der gefährliche Mandarin. Genial gespielt von Ben Kingsley, der seine Rolle perfekt an die Figur anlehnt und damit sogar Robert Downey Jr. verblüffen dürfte. Hier sind einfach Hochkaräter am Werke, die sich schon gegenseitig an die Wand spielen könnten. Aber das hier ist Downey Jr.s Solonummer. Er lässt die Kollegen herankommen, aber zuschnappen darf nur er selbst. Und genau das macht die Figur „Tony Stark“ so wunderbar.

„Iron Man 3“ hat natürlich auch seine Schwächen. Vor allem wenn es darum geht, vor der Aufdeckung eines genial bösen Twists Scharade zu spielen und den Zuschauer an der Nase herumzuführen. Dabei kommt Guy Pearce als Aldrich Killian etwas kurz, ist dafür aber um so feuriger bei der Sache. Überhaupt ist allen Akteuren die große Spielfreude anzumerken, mit der sie das Publikum zu überzeugen wissen. Vom tollen Soundtrack und der imposanten Action einmal abgesehen. Hier gibt es was für die Ohren, die Augen und den Verstand. Denn bei allem Getöse und allen Explosionen, schlussendlich wird uns eine tiefgreifende Charaktergeschichte präsentiert.

Denn die Story dreht sich eigentlich nicht um Iron Man, sondern um Tony Stark, der regelrecht aus seiner Rüstung gepuhlt wird und ohne sie absolut verletzlich ist, ebenso wie mit Rüstung. Das muss Stark erkennen und das zieht ihm den Boden unter den Füßen weg. Stark ist nur ein Mann, ein einziger, verdammter Mann. Sein Geld, sein Verstand und seine Rüstung sind nichts – oder alles. Der Film stellt die Frage ob Iron Man Tony Stark ist oder ob Tony Stark Iron Man ist. Ganz schön knifflig, aber wunderbar inszeniert. Im Grunde ein Film, der alleine deswegen mindestens zweimal geguckt werden sollte.

Überhaupt geben sich Black und Downey Jr. Mühe den Menschen in der Rüstung zu zeigen und eine menschliche Geschichte zu erzählen. Das gelingt überzeugend und regt zum Nachdenken an. Genial die Idee Stark einen kleinen Jungen an die Hand zu geben und zu zeigen, ihm klarzumachen, wie es sich anfühlt Vater zu sein, wie es sich anfühlt das ewige Kind zu sein. Ein sehr starkes, im Actionfilm gut verstecktes Charakterstück. Puh, „Iron Man 3“ ist wirklich große Kinokunst und präsentiert in wenigen Minuten, wozu andere ganze Staffeln brauchen.

Dabei führt der Film auch das westliche Denken und die Politmaschine USA an der Nase herum. „Iron Man 3“ nutzt die Strömungen und Kräfte des aktuellen Kinos, nimmt sie an, spielt mit ihnen und gibt sie dann verändert zurück, zeigt den Blick in den Spiegel, was die Angstmaschinerie „Terrorismus“ mit uns anstellt und wie lächerlich das Ganze im Grunde einfach ist. Warum die Ängste in der Ferne suchen, wenn sie doch in uns stecken und dort den größten Schaden anrichten. „Iron Man 3“ ist verdammt philosophisch, man mag es kaum glauben.

Wie bereits angedeutet ist der Film handwerklich einfach Top. Langsame und schnelle Kamerafahrten wechseln sich ab, Licht und Schatten bilden ein perfektes Spiel, die Farben sind genial, Pyrotechnik und CGI bilden eine Einheit. Hier wird einfach etwas geboten, ist stets Abwechslung vorhanden. Black nimmt das Medium Film im klassischen Sinne ernst und betont die Stärken, um so wiederum auch die Stärken der Handlung und der Figuren zu betonen. Sozusagen eine Win-Win-Situation.

Freunde des einfachen Actionkinos könnten allerdings leicht überfordert sein, falls sie plötzlich verstehen, dass man nachdenken muss. Black gibt sich Mühe darauf Rücksicht zu nehmen und schweift nur selten ins Intellektuelle ab. Wer es versteht, wird aber seine Freude haben. Für den Genuss des Films ist übrigens die Kenntnis von „Marvel’s The Avengers“ (2012, Regie Joss Whedon) nicht unbedingt nötig, hilft an einigen Stellen aber deutlich, um Starks Aussetzer besser nachzuvollziehen. Im Film versuchen Black und sein Co-Autor Drew Pearce die Sache zu lösen, indem Stark einfach nicht darüber sprechen will, die Sache verdrängt. Aber schlussendlich muss er sich ihr stellen. Ganz großes Kino. Selbst Hollywood-Blockbuster sind noch für Überraschungen gut, allerdings braucht es dazu einen Joss Whedon oder – wie hier – Shane Black.

Wer Superheldenfilme mag, wer vor allem kluge Superheldenfilme mag und wer Iron Man mag, der sollte sich den Film anschauen und genießen. Mit viel Popcorn, kalter Limo und guten Freunden. 3D ist übrigens vernachlässigbar, da kaum auffällig. Auffälliger ist dagegen – wie immer – die bezaubernde Gwyneth Paltrow, die in diesem Film stark daherkommt.

„Iron Man 3“ – einfach Stark!

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Iron Man 3

Originaltitel: Iron Man 3
Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: 131 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Shane Black
Drehbuch: Drew Pearce, Shane Black
Produktion: Kevin Feige
Musik: Brian Tyler
Kamera: John Toll
Schnitt: Jeffrey Ford, Peter S. Elliot

Robert Downey Jr. (Tony Stark/Iron Man), Guy Pearce (Aldrich Killian), Rebecca Hall (Maya Hansen), Gwyneth Paltrow (Pepper Potts), Jon Favreau (Happy Hogan), Paul Bettany (Jarvis (Sprechrolle)), Ben Kingsley (Mandarin), Don Cheadle (James Rhodes), William Sadler (US-Präsident Ellis), James Badge Dale (Eric Savin), Mark Ruffalo (Dr. Bruce Banner)