Mann, Frau, Auto, Hund, Tod, Rache…

Simpler und treffender kann dieser Film wahrscheinlich nicht zusammengefasst werden. Ansprüche auf eine tiefgründige und ausgefeilte Story erhebt “John Wick” erst gar nicht. Will er auch nicht, denn im Zentrum steht die Action und deren Inszenierung. Alles andere sind nur Nebenfiguren, die der Action den nötigen Auftrieb geben, um abzuheben. Und das gelingt hervorragend.

Die Action ist erstklassig choreographiert und folgt dem ganzen Film einer ausgefeilten Dramatik. Die Kamera fängt die Prügel- und Ballerorgie gekonnt ein, die Szenen sind nachvollziehbar und kraftvoll, ein Schnittmassaker wird vermieden. So macht Action Spaß. Dass das möglich ist, liegt vor allem an Hauptdarsteller Keanu Reeves, der nach einem Karrieretief mit “John Wick” erneut durchstartete und zum Kultactionhelden avancierte. Denn so wie Tom Cruise, erledigt Reeves seine Stunts allesamt selbst und deswegen sind tolle Einstellungen möglich. Und auch wenn man mit dem Darsteller nicht viel anfangen kann, vor dieser Leistung muss man Respekt haben.

Der Film ist handgemacht und bei den Dreharbeiten wurde einiges riskiert, um dieses Erlebnis auf die Leinwand zu bringen. Und so minimalistisch Story und Figuren auch sind, die wenigen Handlungsmomente reichen aus, um zumindest oberflächlich aufzuzeigen wie die Figuren in John Wicks Parallelwelt ticken. Die Figuren mögen platt sein, aber das ist egal, denn sie sind cool. Sie haben Style. Die Substence liefert die Action.

Die ist natürlich abgehoben, aber realer als der Zuschauer denkt. “John Wick” kommt auch nicht mit den üblichen Plattitüden daher. Es gibt kein Oneliner-Sperrfeuer. Schützen müssen regelmäßig nachladen oder stehen plötzlich mit leerer Knarre da. Es wird vorher gezeigt, dass der Held eine beschusshemmende Weste anlegt, um so ein paar Treffer wegzustecken. Verletzungen wirken nachhaltig, machen Wick angreifbar und zeigen seine Menschlichkeit auf. Top.

Das schöne an “John Wick” ist zudem, dass seine Motivation zwar nicht unter die Lupe genommen wird, aber trotzdem schnell nachvollziehbar ist. Am Ende gibt es dazu auch ein paar klärende Worte, die Wicks Handlungsweise und inneren Moralkompass skizzieren. Und das macht einen guten Actionhelden aus, dass er trotz allem menschlich ist und eine nachvollziehbare Motivation hat, das Gewalt nicht nur der Gewalt wegen gezeigt wird.

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John Wick

Originaltitel: John Wick
Produktionsland: USA (2014)
Länge: 101 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16

Regie: Chad Stahelski, David Leitch
Drehbuch: Derek Kolstad
Produktion: Basil Iwanyk, David Leitch, Eva Longoria, Michael Witherill
Musik: Tyler Bates, Joel J. Richard
Kamera: Jonathan Sela
Schnitt: Elísabet Ronalds

Darsteller: Keanu Reeves (Jonathan „John“ Wick), Mikael Nyqvist (Viggo Tarasov), Alfie Allen (Iosef Tarasov), Adrianne Palicki (Ms. Perkins), Bridget Moynahan (Helen Wick), Dean Winters (Avi), Ian McShane (Winston), John Leguizamo (Aurelio), Willem Dafoe (Marcus),
Kevin Nash (Francis), Lance Reddick (Charon), Clarke Peters (Harry), Bridget Regan (Addy)