Genre: Kriminalfilm
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 525 Minuten

Regie: Birger Larsen, Kristoffer Nyholm, Henrik Ruben Genz, Hans Fabian Wullenweber
Drehbuch: Søren Sveistrup
Darsteller: Sofie Gråbøl, Lars Mikkelsen, Bjarne Henriksen, Ann Eleonora Jørgensen, Marie Askehave, Michael Moritzen, Søren Malling, Nicolaj Kopernikus, Bent Mejding

Produktion: Dänemark/Schweden/Deutschland/Norwegen 2007
Produktionsfirmen: Danmarks Radio (DR), Norsk Rikskringkasting, Sveriges Television (SVT), Nordvision
Produzent: Sven Clausen, Piv Bernth

Noch immer jagt Kommissarin Sara Lund (Sofie Gråbøl) dem Mörder von Nanna Birk Larsen (Julie Ølgaard) hinterher. Der dabei ins Visier der Ermittlungen geratene Bürgermeisterkandidat Troels Hartmann (Lars Mikkelsen) verbirgt zwar etwas, doch rückt der Mann erst im letzten Augenblick mit der Wahrheit raus. Lund und Kollege Jan Meyer (Søren Malling) haben erneut die falsche Spur verfolgt. Es gibt zwar Verbindungen in die Politik, doch keine davon steht mit dem Mord in Verbindung. Trotzdem rollen noch einige Köpfe im Rathaus.

Sara Lunds Ermittlungen konzentrieren sich nun auf weitere Morde dieser Art. Vermutlich hat ein Serientäter das Verbrechen begangen. Und tatsächlich verdichten sich die Hinweise entsprechend – oder ist gar der Wunsch Vater des Gedanken? Vor allem, da sämtliche Hinweise wieder ins private Umfeld der Ermordeten führen. Für die Eltern Theis (Bjarne Henriksen) und Pernille Birk Larsen (Ann Eleonora Jørgensen) ein schwerer Schlag, sahen sie doch den Mörder ihrer Tochter bereits als gerichtet an. Und plötzlich soll es ein ihn nahe stehender Mensch gewesen sein … kaum zu glauben. Ttatsächlich sieht es erneut nach einem Irrtum der Polizei aus. Ein Irrtum, den ein Ermittler mit seinem Leben bezahlt …

„Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ umfasst zwanzig Episoden, die jeweils einen Tag der Ermittlungen widerspiegeln. Eine Konzept, das an die erfolgreiche TV-Serie „24“ erinnert und ein voller Erfolg ist. Der Zeitdruck, kombiniert mit der Ermittlungsarbeit der Kopenhagener Polizei, sorgt für große Spannung.

Wurde zum Ende der ersten Staffelbox Troels Hartmann als Verdächtiger forciert, so wendet sich Drehbuchautor Søren Sveistrup in der zweiten Hälfte seiner Geschichte langsam von der Politik ab und schiebt neue und alte Tatverdächtige wieder in den Fokus zurück. Es bleibt der bittere Nachgeschmack, dass die Politiker und deren Mitarbeiter in ihrem Drang nach Macht die Ermittlungen behinderten. Eine große Gefühlskälte in der Riege der Mächtigen, auf die Sveistrup hier aufmerksam macht. So lässt sich einer der Verdächtigen auch lieber erschießen, als seine Karriere als beendet hinzunehmen. Einzig leuchtendes Vorbild bleibt nur Hartmann – doch der ergibt sich irgendwann seiner Position und muss erkennen, dass ein Licht im Dunkeln zu wenig ist, um die Finsternis zu vertreiben.

Doch mit dem Fall stehen Hartmanns Probleme nicht mehr in Verbindung. Sara Lund und ihre Kollegen haben nun jemand anderen im Blick und begehen dabei mehrere Fehler. Das Sara dabei ihren guten Ruf und ihre Beziehung aufs Spiel setzt, ist da nur eine logische Konsequenz und gibt der Figur mehr Tiefe und Charakterspiel. Kompliment an Sofie Gråbøl für ihre packende und überzeugende Darstellung dieser Ermittlerin, die sich ihrer Überzeugung wegen auch gerne mal an jemandem reibt, in Details versinkt oder sich wortkarg dem Tunnelblick ergibt.

Mit großen Schritten geht es dann endlich aufs Finale zu. Und genau da versagen Autor und Regisseur. Sie verfehlen das Endziel um Längen, lassen einen teilweise unbefriedigten Zuschauer zurück. So wirkt die Handlung schlussendlich konstruiert und die Indizien in ihrer Gesamtheit unschlüssig. Es bleiben einige Fragen offen. Und einige Antworten sind entfallen, denn die Macher versäumen im Finale eine Zusammenfassung der Beweiskette. Und bei einem Fall der über eintausend Minuten geht, kann sich kaum ein Zuschauer alle Details merken. Gekrönt werden diese Fehler mit der Tatsache, dass ausgerechnet ein unschuldiger Sympathieträger das Leid einer Verurteilung ertragen muss.

Søren Sveistrups Absicht ist klar. Er hat seine Figuren auf einen Weg geschickt, an dessen Ende sie zu anderen Menschen wurden. Eine klasse und spannende Sache. Vor allem nachvollziehbar, aber hier hätte man vielleicht ein Auge zudrücken und mehr Zugeständnisse an den Film machen sollen. Somit wäre wenigstens eine Figur vom Schicksal geschlagen, aber relativ unbeschadet davongekommen. So liegt alles in Trümmern – aber darauf wollte Søren Sveistrup auch hinaus: Mord zerstört alles!

Auch die zweite DVD-Box beinhaltet fünf Episoden. Als kleines Schmankerl findet sich ein wenig Bonusmaterial auf den DVDs. Unter anderem eine Zusammenfassung der Figuren und ein paar Bilder. Leider ist es zu wenig, um als vollwertiges Zusatzmaterial durchzugehen.

Wer sich mit dem missglückten Finale abfinden kann, der wird großen Spaß mit der Serie haben. Die Spannung ist hoch und die Charaktere menschlich, somit ist trotz allem gute Unterhaltung garantiert. Man kann am Ende ja auch einfach mal ein Auge zudrücken und Fünfe gerade sein lassen. „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ ist trotz unglücklichem Ende gute Unterhaltung.

(c) 2009 by Günther Lietz

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Kommissarin Lund – Das Verbrechen, Box 2, Folgen 6-10