Obwohl diese Fortsetzung allgemein als etwas schwächer gewertet wird als der erste Lara-Croft-Film, gefällt mir der zweite Film ein klein wenig besser. Es gibt keine beknackt aufgesetzt wirkende Tutorialszene und sofort am Anfang wird klargemacht, dass Lara Freunde hat und das ein Leben als Grabräuber sehr schnell tödlich enden kann. Da spendiert der Film also tatsächlich mal eine kleine emotionale Fallhöhe, die beim letzten Mal erst später eingebaut wurde. Für meinen Geschmack zu spät. Diesmal sind die Figuren auch nicht übertrieben abstrus überzeichnet und wirkt die Rettung der Welt etwas geerdeter. Dadurch scheint der ganze Film etwas authentischer,.

Die Geschichte selbst wagt keine großen Wagnisse: Der Bösewicht will ein Artefakt in die Finger bekommen, um daraus eine Biowaffe zu basteln. Lara macht mit einem anderen dubiosen Grabräuber gemeinsame Sache, um genau das zu verhindern. Dabei führt die Reise von Griechenland aus nach England, Kasachstan, Shanghai, Hongkong und endet in Kenia, wo es zum großen Finale kommt.

Was soll man dazu sagen, der ganz große Schlag ist auch „Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens“ nicht. Kein Wunder, das Angelina Jolie hierfür die Goldene Himbeere bekam. Und obwohl der Film mehr als seine Produktionskosten einspielte, kann er getrost als Flop und finanzielles Desaster bezeichnet werden.

Der Film kann aber auch gar nicht gut sein, solange sich krampfhaft an den Videospielelementen orientiert wird. Dabei vergessen die Macher leider, dass bestimmte Sequenzen im Spiel spannend sind, weil der Spieler interagiert und nicht auf die reine Beobachtung reduziert wird. Diese Interaktion fehlt beim Film natürlich und so ist da ein Loch, das anderweitig gefüllt werden sollte. Aber da mangelt es hier leider dran.

Hinzu kommt, dass es so viele Ortswechsel gibt, dass die Kulissen nicht haften bleiben und irgendwann austauschbar sind. Egal wo Lara gerade herumhüpft, es hat keine echte Auswirkung auf die Handlung. Das ganze Abenteuer könnte auf ihrem Anwesen stattfinden, mit dem Finale im Weinkeller – es würde niemandem auffallen. Dazu kommt, dass bis auf Jolies Rundungen alle Figuren recht platt sind (so wie dieser Scherz). Alles wirkt auch so lieblos. Trotzdem sind hier bei mir mehr Funken gesprüht, als noch bei “ Lara Croft: Tomb Raider“. Wahrscheinlich, weil dieser Film (und vor allem sein Bösewicht) nicht ganz so abgehoben wirkt.

Übrigens: Es lohnt sich ein Blick auf den Covershot des Films (Lara in silbernem Anzug im spritzenden Wasser). Angelina Jolie wurde dermaßen amateurhaft zum „verschlanken“ per Grafikprogramm zusammengeschoben, dass es schon schmerzt.

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Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens
Originaltitel: Lara Croft Tomb Raider: The Cradle of Life

Produktionsland: USA, Deutschland, UK, Japan (2003)
Länge: 113 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Jan de Bont
Drehbuch: Dean Georgaris
Produktion: Lawrence Gordon, Lloyd Levin
Musik: Alan Silvestri
Kamera: David Tattersall
Schnitt: Michael Kahn

Angelina Jolie (Lara Croft), Gerard Butler (Terry Sheridan), Ciarán Hinds (Jonathan Reiss), Christopher Barrie (Hillary), Noah Taylor (Bryce), Djimon Hounsou (Kosa), Til Schweiger (Sean), Simon Yam (Chen Lo)