Die Fans mussten zwischenzeitlich immer wieder Bangen, ob es eine Komplettbox von “Leverage” geben würde. Jetzt endlich hat das Zittern ein Ende und diese geniale Serie ist bereit, sich ihren Platz im Serienregal zu erbeuten. Und wer kein Fan ist, wird sicherlich bald einer werden.

Auf jede einzelne der siebenundsiebzig Episoden einzugehen, würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen. Deswegen muss (leider) eine kleine und kompakte Zusammenfassung von “Leverage” ausreichen.

In der Serie dreht sich alles um ein Team außergewöhnlicher und talentierte Diebe, die reiche Gauner bestehlen und den armen Unschuldigen so zu ihrem Recht verhelfen. In bester Robin-Hood-Manier wird das Recht also dort in die eigene Hand genommen, wo das Gesetz versagt oder machtlos ist. Dabei ist nie strittig, ob es jemand verdient hat bestohlen zu werden. “Leverage” bedient bei den Diebstählen keine Grautöne. Gut und Böse sind schlussendlich immer klar zu erkennen. Die Selbstjustiz ist somit – zumindest moralisch – gerechtfertigt.

Das Team wird von Nathan Ford (Timothy Hutton) angeführt, einem ehemaligen Versicherungsdetektiv. Ein Schicksalsschlag brachte ihn an die Flasche und schlussendlich auch auf die andere Seite des Gesetzes. In der Pilotfolge trifft er zum ersten Mal (bis auf eine Ausnahme) auf die Mitglieder seines Teams.

Dazu gehört Alec Hardison (Aldis Hodge), ein Computerexperte und Hacker. Er kümmert sich um die technischen Aufgaben. Eliot Spencer (Christian Kane) ist Kampfkünstler, Waffenexperte und hat eine dunkle Vergangenheit, die ihn manchmal einholt. Er haut die Gegner um und ist ansonsten Mädchen für alles. Parker (Beth Riesgraf) ist eine Diebin aus Überzeugung und materiell eingestellt. Sie ist die Wahnsinnige im Team und ziemlich unberechenbar. Sophie Devereaux (Gina Bellman) ist dagegen viel ruhiger. Als ausgebildete Schauspielerin ist die Betrügerun für die sozialen Aufgaben zuständig. Sie ist so geheimnisvoll wie schön. Zwischenzeitlich stößt auch Tara Cole (Jeri Ryan) kurzzeitig zum Team, die Sophie durchaus ebenbürtig ist.

Das ist die grundlegende Konstellation des Teams und kommt von der Zusammenstellung her sicherlich dem ein oder anderen TV-Kenner bekannt vor. Ein bekannter Vertreter dürfte “Das A-Team” sein, in dem allerdings ordentlich geballert wurde. “Leverage” geht die Sache als reinrassige Heist-Serie dagegen leiser und mit mehr Raffinesse an. “Ocean’s Eleven” lässt hier freundlich grüßen.

Im Grunde genommen wird in jeder Episode nach dem Leverage-Schema ein Bösewicht vorgestellt, den es zu bestehlen gilt, um der Gerechtigkeit nachzuhelfen. Nach ein paar Folgen ist dem Zuschauer schon klar, wie die Sache in allen Episoden grob ablaufen wird. Allerdings sorgen die Autoren und Regisseure immer wieder für kleinere Überraschungen. Dadurch ist die Handlung zwar vorhersehbar, aber trotzdem unterhaltsam. Ein oft benutztes Stilmittel ist dabei die Rückblende, die sehr gekonnt eingesetzt wird.

Das übliche Schema wird zudem gelegentlich durchbrochen und Spezialfolgen (Weihnachten ist hier immer ein guter Kandidat) sorgen für eine weitere Auflockerung. Zudem wachsen dem Zuschauer die Hauptfiguren schnell ans Herz und immer wieder wird deren Vergangenheit erwähnt oder ist sogar Bestandteil der Handlung. Dadurch geht es richtig in die Tiefe und spannt sich von der ersten bis zur letzten Folge ein übergreifender Spannungsbogen. Deswegen ist “Leverage” trotz allem sehr abwechslungsreich.

Und das macht den Charme der Serie aus: Abwechslungsreiche Geschichten, charismatische Figuren und sympathische Darsteller, die eine außerordentliche Spielfreude an den Tag legen. Hier stimmt einfach alles. Natürlich, die Hauptfiguren befinden sich selten ich echter Gefahr, aber bei “Leverage” ist halt der Weg das Ziel. Denn der Weg zum Ziel wird stets unterhaltsam erzählt.

“Leverage” bietet von den ersten bis zur letzten Episode hervorragende Unterhaltung. Natürlich schwächelt die Serie gelegentlich, was bei insgesamt fünf Staffeln kein Wunder ist. Das geschieht leider nach hinten raus etwas öfter und so ist es auch gut, dass “Leverage” nicht künstlich am Leben erhalten wurde, sondern einen wunderbaren Abgang beschert bekam. Die Pilotfolge, ebenso wie das Finale, sind einfach der Hammer!

Es ist spannend und unterhaltsam ins klischeehafte Milieu der Trickbetrüger und Diebe abzutauchen, die oftmals mit fantastischen Ideen, Plänen und Aktionen den bösen Jungs und Mädels ein Schnippchen schlagen. Neben den Tricks, der Zwischenmenschlichkeit und der Action, bietet die Serie übrigens auch einen schönen runden Humor, der alles mit einem Augenzwinkern betrachtet und für eine gewisse Leichtigkeit sorgt.

Neben der guten schauspielerischen Leistung, ist die Serie auch handwerklich sehr gelungen. Seien es allgemein gute Bilder, Montagen oder Kamerafahrten. Immer wieder ist Bewegung vorhanden und gibt es Elemente, die einen überraschen. Dadurch wird es selten Langweilig und treten die ruhigeren Augenblicke stärker hervor, anstatt unterzugehen.

Bei der Aufmachung handelt es sich technisch gesehen nur um einen Pappschuber, der die jeweiligen Einzelstaffen enthält. Das sieht trotz seiner Schlichtheit gut aus. Auch die Aufmachung der einzelnen Boxen und der DVDs ist sehr schick, allerdings ist der starke Plastikgeruch beim Öffnen der Boxen ziemlich heftig. Hier die Nase besser auf Abstand halten.

Jede Box kommt mit zur Staffel passendem Bonusmaterial daher. Dabei handelt es sich um die üblichen Dinge, wie Blicke hinter die Kulissen, Interviews, Outtakes et cetera. Leider nimmt der Umfang des Bonusmaterials nach hinten raus immer mehr ab, was sehr Schade ist. Für Fans ist der Bonus auf jeden Fall ein Muss.

Bild und Ton sind sehr gelungen und weisen keine großartigen Fehler auf. Obwohl die deutsche Synchronisation gut ist, sollten Kenner der englischen Sprache “Leverage” lieber auf Englisch schauen, da vor allem Gina Bellman, in ihrer Rolle als Sophie, mit Aussprache und Dialekten spielt. Das ist im Original einfach großartig und wird von der Synchronsprecherin leider nicht so gut eingefangen. Allerdings muss man im Englischen auch das entsprechende Ohr dafür haben.

Unterm Strich ist “Leverage – Die komplette Serie” eine tolle Box. Die ganze Serie auf einem Schlag, ein toller Start und ein rundes Ende. Großartig!

“Leverage” im Rollenspiel:

Obwohl man die Gaunereien sicherlich auch mit anderen Systemen spielen könnte, bietet sich für “Leverage” eigentlich nur ein System an. Und das ist “Leverage: The Roleplaying Game”. Das System basiert auf Cortex Plus und wurde von Margaret Weis Production (MWP) angeboten. Leider verlor der Verlag die Rechte an “Leverage” und somit gibt es die Produkte nicht mehr käuflich zu erwerben.

Mit dem “Cortex Plus Hacker’s Guide” wäre man zwar in der Lage sich ein ähnliches System selber zusammenzubauen, aber die perfekte Balance des Originals ist damit nur schwer zu erreichen. Vor allem die starken Leverage-Produkte aus dem Hause MWP fehlen beim Selberbauen, die auch in ihrer Aufmachung viele Bonuspunkte einfahren. Immerhin erlaubte die Lizenz das Einbinden von Serienfotos. Optisch wurde das klasse gelayoutet.

“Leverage: The Roleplaying Game” hat den Heist im Rollenspiel perfekt umgesetzt. Vor allem das Werkzeug des Flashbacks, der Rückblende, wird hier sehr gelungen eingebunden. Eine Inspiration für andere Systeme, die sich dem Thema annehmen.

Wer in der Lage ist, sich zumindest noch das Grundregelwerk zu besorgen, der sollte unbedingt zugreifen. Alles andere ist Muckefuck.

Copyright © 2015 by Günther Lietz

Titel bei Amazon.de (DVD)

Leverage – Die komplette Serie

Produktionsland: Vereinigte Staaten (2008-2012)
Länge: 42 Minuten Episode
Episoden: 77 in 5 Staffeln

Produktion: Dean Devlin, John Rogers
Musik: Joseph LoDuca
Kamera: David Connell
Regisseure: Marc Roskin, Jonathan Frakes, Arvin Brown, Jeremiah S. Chechik, Peter Winther
Darsteller: Timothy Hutton, Gina Bellman, Christian Kane, Beth Riesgraf, Aldis Hodge

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 20
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 1. Mai 2015
Produktionsjahr: 2012
Spieldauer: 3139 Minuten