Maleficent – Die dunkle Fee

Originaltitel: Maleficent (USA 2014)
Länge: 97 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12 (Originalfassung) / FSK 6 (gekürzte Kinofassung)

Regie: Robert Stromberg
Drehbuch: Linda Woolverton
Produktion: Joe Roth
Musik: James Newton Howard
Kamera: Dean Semler
Schnitt: Rick Pearson, Chris Lebenzon

Besetzung: Angelina Jolie (Maleficent), Ella Purnell und Isobelle Molloy (junge Maleficent), Elle Fanning (Prinzessin Aurora), Vivienne Jolie-Pitt und Eleanor Worthington Cox (junge Aurora), Sharlto Copley (King Stefan), Toby Regbo und Michael Higgins (junger Stefan), Sam Riley (Diaval)

Offizielle Homepage:
http://www.disney.de/filme/maleficent

Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=EX1jJKk-b7g

Nach all der Zeit ist es endlich soweit und die böse Fee Malefiz wird rehabilitiert. Dafür zeigt sich ausgerechnet Disney verantwortlich. Eben jene Studios, die 1959 in ihrem Filmklassiker “Dornröschen” die arme Malefiz noch als Böse darstellten.

Eben jener Filmklassiker ist es, der die optische und inhaltliche Vorlage für “Maleficent – Die dunkle Fee” bildet. Allerdings weicht Disney im Deutschen von “Dornröschen” ein wenig ab und nennt die dunkle Fee Maleficent, anstatt Malefiz. Das ist ziemlich Schade und dürfte am Branding (Aufbau und Weiterentwicklung) der Marke liegen, was aber keinesfalls ein guter Grund wäre und im deutschen Ländle dafür sorgt, dass sich der neue Disneymärchenfilm bereits namentlich ein wenig von der Vorlage entfernt und die lieben Kleinen etwas mehr Denkarbeit leisten müssen, um hier die Verbindung herzustellen. Vorausgesetzt Eltern kommen überhaupt auf die Idee, ihrem Nachwuchs beide Filme vorzusetzen.

Hier sollten sich erwachsene Zuschauer übrigens darüber im Klaren sein, dass Regisseur Robert Stromberg in “Maleficent – Die dunkle Fee” ein Märchen erzählt, eine Geschichte für Kinder. Wer also einen düsteren Blockbuster, mit emotional tiefgehender Handlung und ausgefeilten Charakteren sucht, der ist an der falschen Adresse. Die gute Maleficente ist nicht Nolans Batman der Märchenwelt. Zudem wurde die deutsche Kinofassung um zirka vierzig Sekunden geschnitten, um den Film zu entschärfen. Somit hat die Originalfassung ein FSK von 12, die Kinofassung allerdings nur FSK 6 und ist somit absolut familientauglich.

Die Geschichte des Märchens ist im Grunde genommen schnell erzählt, denn an sich gut bekannt. Das Neue in “Maleficent – Die dunkle Fee” ist nun, dass die Geschichte diesmal aus Sicht der bösen Fee erzählt wird. Oder eigentlich nicht, denn es wird die wahre Geschichte erzählt. Die reicht bis weit vor Dornröschens Geburt zurück. In eine Zeit, in der Maleficent selbst noch ein Kind war und im märchenhaften Moor aufwuchs. Schon damals war sie mit gewaltigen Hörnern und Flügeln gesegnet.

Dieser Abschnitt des Films wird sehr gut erzählt und zeigt die Schönheit des Moores und die Unschuld der Fee. Ein guter Einstieg, um später einen um so härteren Schnitt vorzunehmen. Außerdem wird jetzt schon darauf angespielt, dass der liebe Stefan bereits in jungen Jahren die materiellen Güter mag.

Das führt später natürlich zu Problemen, als der amtierende König ins Moor einfallen und die Märchenwesen erledigen will. Natürlich kann die erwachsene Maleficent das verhindern. Und prompt wird sie von ihrem Jugendfreund verraten, der nur das eine will: Macht!

Ja, der absolute Wille nach Macht korrumpiert und führt zu schlimmen Dingen. Strombergs Film ist nicht gerade subtil, aber es ist schließlich ein Kinderfilm. Und der kann seine Botschaft ganz deutlich in die Welt hinausposaunen. Zumal die vermittelte Wertevorstellung ja im Grunde genommen die ist, die Eltern tatsächlich am Herzen liegt. Und somit auch Hauptdarstellerin Angelina Jolie, die mit ganzem Herzen bei der Sache ist. Immerhin ist es ihr erster Film seit “The Tourist” aus dem Jahre 2010. Die gute Frau Jolie hat sogar hinter der Kamera von “Maleficent – Die dunkle Fee” großen Einfluss auf den Film genommen und mehr getan, als es einer normalen Schauspielerin überhaupt gestattet würde. Aber Angelina Jolie kann sich das erlauben und sie weiß einfach, wie man einen guten Film macht, den die eigenen Kinder auch anschauen dürfen. Respekt! Denn ihr verdanken wir unter anderem den von Lana Del Ray so wunderbar düster gesungenen Titel “Once upon a Dream”, der in Trailern und im Abspann vorkommt. Es handelt sich dabei natürlich um eine Interpretation des Klassikers aus dem Jahre 1959, geschrieben von Sammy Faint und Jack Lawrence, damals gesungen von Mary Costa und Bill Shirley.

Davon ab, engagierte sich Angelina Jolie auch bei Kostüm und Make-up. Sie nahm sogar Nackenschmerzen in Kauf, die von zu schweren Hörnern herrührten. Und bei Flug- und Kampfszenen erledigte die Schauspielerin ihre Stunts selbst.

Die Geschichte spinnt sich nun weiter, denn Stefan hat es auf den Thron geschafft und ist König, während sich die arme, hintergangene Maleficent ins Moor zurückgezogen hat und ihr kleines Reich weiterhin verteidigen muss. Wenigstens hat sie Diaval an ihrer Seite, einen Raben. Dank der Hexenkünste Maleficents, kann er Menschengestalt annehmen – oder was noch gewünscht wird.

Maleficent nimmt es jedenfalls sehr übel auf, dass Stefans Verrat noch mit dem Glück einer süßen Tochter gekrönt wird. Prompt taucht die dunkle Fee auf, um einen Fluch über das arme Kind zu sprechen. Das führt dazu, dass Stefan beginnt durchzudrehen. Er schickt Töchterlein Aurora aufs Land, um sie dort von Feen aufziehen zu lassen – die das ziemlich schlecht bewerkstelligen. Derweil sucht der König nach einer Möglichkeit, um Maleficent zu töten und dadurch den Fluch zu brechen..

Soweit entspricht die Handlung noch halbwegs der Vorlage und ist wunderbar umgesetzt. Sharlto Copley ist ein wunderbarer König Stefan und harmonisiert wunderbar mit Angelina Jolie. Auffällig ist vor allem, das beide ziemlich überspielen, also es mit dem Einsatz der nonverbalen Ausdrucksmittel leicht übertreiben. Das mag im ersten Augenblick etwas überzogen wirken, ist für Kinder aber ein Heidenspaß und erinnert ans Kindertheater. Und Kinder sind doch genau die Menschen, für die der Film gemacht wurde. Sich darauf einzulassen, sich wieder als Kind zu fühlen und sein Herz für die Wunder von “Maleficent – Die dunkle Fee” zu öffnen, das macht den Reiz aus.

So ist mit einem kindlichen Blick auch schön zu sehen, wie die zänkischen Feen zwar liebevoll, aber auch recht ungeschickt in der Erziehung sind, während ausgerechnet Maleficent dafür sorgt, dass alles seinen rechten Gang geht. Schließlich soll die kleine Prinzessin Aurora ja in einen tiefen Schlaf fallen und nicht vorher in eine Schlucht stürzen oder im Bach ertrinken. Somit übernimmt Maleficent die Rolle des wachsamen Engels, der für die Sicherheit des Kindes sorgt. Eine Sache, die vielen Müttern das Herz rühren dürfte und einfach schön umgesetzt ist. Witzig ist an dieser Stelle übrigens der Hinweis darauf, dass hier Jolies Tochter Vivienne Jolie-Pitt als Kinderdarstellerin einspringen musste, denn die Kleine hatte – im Gegensatz zu anderen Kindern – keine Angst vor Kostüm und Hörnern. Kein Wunder, immerhin kennt sie ihre Mama ganz genau. Mal ehrlich, da geht einem doch das Herz auf, oder? Natürlich!

Die Zeit vergeht und Aurora wächst heran und der dunklen Fee ans Herz. So lieb, mit einem so reinem Lachen und frei von Vorurteilen und Hass. Es ist ein Spiegelbild der jungen Maleficent und diese kann nur schwer gegen die Herzlichkeit an, denn auch in ihr schlummern diese Gefühle. Doch der Fluch ist gesprochen und nur der wahren Liebe Kuss kann ihn brechen. Und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf …

Ja, das ist schmachtende Herzschmerzromantik, gekleidet in düstere Bilder. Bis hierhin konnte sich der Zuschauer noch ans Märchen halten, aber nun wird es – kindgerecht – düster und kommt es dann doch zu der ein oder anderen überraschenden Wendung in der Geschichte. Allerdings ebenfalls nur im begrenzten Rahmen.

An dieser Stelle sei ein großes Lob an die Darstellerin der jugendlichen Aurora ausgesprochen: Elle Fanning, die jüngere Schwester von Dakota Fanning. Elle zeigt eine gute schauspielerische Leistung, wenn sie auch als Prinzessin schon ein wenig in den Konventionen gefangen ist. Schlussendlich ist Aurora das Dornröschen und ihre Aufgabe besteht darin, irgendwann einmal schlafend im Bett zu liegen. Dennoch, Elle Fannings Spiel gefällt und im Kontrast zu Maleficent wirkt Aurora besonders liebreizend.

Hier kommen wir übrigens zu der Besonderheit, dass drei der Rollen mit unterschiedlichen Schauspielern besetzt sind: Maleficent (dargestellt von Ella Purnell, Isobelle Molloy und Angelina Jolie), Stefan (gespielt von Toby Regbo, Michael Higgins und Sharlto Copley) und Aurora (mit Vivienne Jolie-Pitt und Eleanor Worthington Cox in der Rolle). Kein Wunder, immerhin geht die Geschichte über mehrere Jahre. Um so schöner, dass die Darsteller gut aufeinander abgestimmt sind und glaubhaft das Heranwachsen zeigen. Und es ist eine tolle Sache, dass die Wandlung zum Bösen, zum Fanatischen, zur dunklen Seite, nur den erwachsenen Schauspielern überlassen wird. So kann sich das Kind und Kindliche die Unschuld bewahren. Eine Sache, die man Regisseur Robert Stromberg und Drehbuchautorin Linda Woolverton hoch anrechnen kann.

Handwerklich gesehen ist “Maleficent – Die dunkle Fee” leider nur im oberen Mittelmaß anzusiedeln. Robert Stromberg leistet zwar gute Arbeit, aber spätestens bei der Tricktechnik wird diese stellenweise offensichtlich und wirkt der ganze Spaß doch zu künstlich, macht den Eindruck von Studioaufnahmen. Klar, ein Kind wird das nicht bemerken. Für Kinder ist die Illusion perfekt, aber der ein oder andere Elternteil ist da sicherlich etwas kritischer. Auch das 3D gehört dazu. Es ist in Ordnung, aber kein Höhenflug. Glücklicherweise ist der Film auch in 2D richtig gut, weil es keine dummen Szenen gibt, die absichtlich nur für den 3D-Effekt in Szene gesetzt wurden und sich wie Fremdkörper anfühlen. Diesen Fallstrick vermeidet Stromberg. Das ist richtig wohltuend und so kann der Zuschauer bequem in den Film abtauchen.

Sehr schön sind Farben und Licht umgesetzt, um Stimmungen zu transportieren und auch, um die Figuren zu charakterisieren. Vor allem in dunklen Sequenzen wird das Licht schön eingesetzt, um Konturen mit dem Bild verschwimmen oder sich gekonnt von ihm abheben zu lassen. Gleiches gilt für die Kamera, die von Dean Semler kunstvoll eingesetzt wird. Es gibt keine Einstellung, die merkwürdig scheinen. Alles wirkt wie eine Einheit. Der Zuschauer ist dabei, anstatt davor. Das weiß zu gefallen.

Zudem ist der Ton im Bereich der Klangeffekte und der Filmmusik hervorragend. Es donnert und faucht schön aus den Boxen, ohne zu verschrecken oder zu überfordern. Laute und leise Momente wechseln sich wohltuend ab. Das sorgt für ein angenehme Sehgefühl. Zudem gelingt es der Filmmusik zwar klassisch märchenhaft, aber auch etwas härter und modern daherzukommen. Ebenfalls ein gelungener Balanceakt. Die Krönung ist natürlich Lana Del Rey im Abspann des Films, die die Zuschauer selig aus dem Film entlässt.

Bis auf den Umstand, dass Disney in Deutschland aus Malefiz unbedingt Maleficent machen musste, ist die Synchronisation und Lokalisierung ebenfalls sehr gut. Vor allem Jolies Sprecherin überzeugt und verleiht der Schauspielerin den gewohnten Klang.

Alles in allem ist “Maleficent – Die dunkle Fee” ein großartiger Film, der sehr viel Spaß macht und kurzweilig zu unterhalten weiß. Das Angelina Jolie mit ganzem Herzen bei der Sache war, merkt man ihr und dem Film einfach an. Kinder werden jedenfalls großen Spaß haben, allerdings werden sie das Märchen vom “Dornröschen” mit anderen Augen sehen und lieben als die Generationen zuvor.

Copyright © 2014 by Günther Lietz, all rights reserved