Passend zur Weihnachtszeit haut Netflix 2019 nicht nur ein paar Weihnachtsfilme, sondern auch -serien raus. Unter anderem „Merry Happy Whatever“. Dabei ist die Serie nicht als reine Weihnachtsserie, sondern als Anthologieserie geplant. Jede Staffeln dreht sich um einen anderen Feiertag. Ob die Darsteller dabei die gleichen bleiben oder sich weitere Staffeln um eine andere Gruppe von Menschen dreht, ist noch offen. Das ist jedenfalls geplant. Bisher steht die Zusage zu einer zweiten Staffel aus.

In Staffel 1 befindet sich jedenfalls die Familie Quinn im Mittelpunkt. Tochter Emmy kommt kurz vor Weihnachten nach Hause und bringt ihren Freund Matt mit. Sie wollen die Feiertage zusammen mit Emmys Familie verbringen. Doch die Sache hat einen Haken: Patriarch Don (verwitwet) liebt seine Traditionen und setzt gerne seinen Willen durch. Passendes Motto inbegriffen. Sich ihm zu widersetzen fällt den Kindern und deren angeheiratetem Anhang schwer. Letzterer trifft sich sogar heimlich zu einem Stammtisch, um sich gegenseitig sein Leid zu klagen. Auch Matt gehört bald zur Truppe.

Das ist soweit die Ausgangssituation. Von hier aus setzt sich die Handlung langsam in Bewegung. Natürlich gibt es dieses Weihnachten etliche Konflikte, die gelöst werden müssen. Da gerät einiges in Bewegung, was auch für Familienvater Don gilt – hervorragend gespielt von Dennis Quaid. Allerdings, für eine moderne Sitcom geht es bei den Quinns sehr gemäßigt zu. Die Figuren haben zwar gelegentlich ihre Macken, aber das Niveau bleibt familienfreundlich und zahnlos. Ohne die Lacher aus der Dose würde manch Gag noch nicht einmal zu erkennen sein. Auf die ganze Staffel gesehen, ist der ruhige Ton allerdings sehr angenehm und zur Weihnachtszeit passend, wenn man sich nach Harmonie und Frieden sehnt. Auch der Ruf den Don genießt, ist nicht ganz gerechtfertigt. Er ist nicht der knallharte Boss der Familie, der alle unterdrückt. Nein, er ist liebevoll und fürsorglich. Er ist auch nicht Konservativ, sondern liebt einfach seine Traditionen – die er mit seiner verstorbenen Frau verbindet.

Aber dieses Jahr ist alles anders. Die Familie ist im Umbruch, verändert sich. Im Großen, wie im Kleinen. Und auch Don verändert sich, geht neue Wege. Das alles ist erfrischend und liebevoll inszeniert. Es dauert aber etwas, bis man mit den Quinns warm wird. Die Serie folgt eher den familienfreundlichen Klassikern aus den 80ern und 90ern des letzten Jahrhunderts. Es gibt weniger Sturheit und Suff als in „The Ranch“, weniger Politik als in „One Day at a Time“, weniger Biss als in „Modern Familiy“ und weniger Boshaftigkeit als in „Big Bang Theory“. Und genau durch dieses weniger in allem, findet die Serie ihren ganz eigenen Stil. Wer auf Sitcoms wie „Fuller House“ steht, der wird auch „Merry Happy Whatever“ mögen.

3 von 5 Zuckerstangen für Staffel 1

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Merry Happy Whatever

Produktionsland: Vereinigte Staaten (2019)
Länge: 24–28 Minuten
Episoden: 8 in 1 Staffel
Produktion: Tucker Cawley, Aaron Kaplan, Wendi Trilling, Dana Honor, Dennis Quaid, Pamela Fryman

Dennis Quaid (Don Quinn), Bridgit Mendler (Emmy Quinn), Brent Morin (Matt), Ashley Tisdale (Kayla Quinn), Siobhan Murphy (Patsy), Adam Rose (Todd), Elizabeth Ho (Joy Quinn), Hayes MacArthur (Sean Quinn)