Millennium Crisis

Darsteller: Clare Stevenson, Ted Raimi, Tao Jones, Lindsey Roberts
Regie: Andrew Bellware
Drehbuch: Andrew Bellware, Antony Litton, Laura Schlachtmeyer
FSK: 16
Länge: 85 Minuten
Produktion: Braidwood Films
Verleih: Sunfilm Entertainment
USA 2009
Genre: Science Fiction

Aurora hat eine geheime und mächtige Gabe, mit der die gesamte Menschheit ausgelöscht werden könnte. Doch sie wird von diktatorischen Außerirdischen, den Kluduthu entführt und auf deren Wüstenplaneten gefangen gehalten. Ihr gelingt die Flucht, allerdings gerät sie dabei mitten in einen Krieg, der schon seit Millionen von Jahren geführt wird. Kann sie Widerstand leisten oder wird sie eine von ihnen werden?
– Covertext

Diesem Text nach hätte Millennium Crisis eigentlich das Zeug zu einem guten SF-Thriller, doch um es gleich am Beginn zu erwähnen: Das Ding ist totaler Schrott und es stinkt mir gewaltig, dass sich das wiederum negativ auf das Genre Science-Fiction auswirken könnte. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Machwerk von so wenig wie möglich Leuten gesehen wird. Doch zurück zum Anfang.

Clare Stevenson in der Hauptrolle der Aurora stelzt so holzbeinig durch die – übrigens absolut üblen – Kulissen, dass man zuerst nicht weiß, ist sie ein schlecht geölter Roboter oder kommt sie aus einem Millionen Jahre langen Kälteschlaf und hat davon die Steifheit noch nicht überwunden. Ted Raimi – einigen vielleicht noch aus den Serien „Xena“ (USA, Neuseeland 1995) und „SeaQuest DSV“ (USA 1993) bekannt – zeigte in diesen Filmchen schon keine gute Figur, hier ist er aber völlig fehl am Platz. Beide werden sich sicher nie Gedanken machen müssen, was sie zu einer Oscar-Verleihung anziehen sollen. Die anderen Schauspieler verdienen noch nicht einmal diese Bezeichnung und so spare ich mir hier deren Erwähnung.

Weder auf dem Cover, noch auf dem Umschlag sind die Mitarbeiter für Special-Effects, Maske, Kostüme, Szenario, Raumschiffe oder Technik, Kamera usw. aufgeführt und das ist auch gut so. Ich habe schon Hunderte SF-Filme und –Serien gesehen, aber das hat noch niemand gewagt mir unter die Augen zu führen: Das beste an den „Kulissen“ waren einigermaßen gut gemalte Hintergrundbildchen, vor denen übel animierte Gleiter und Raumschiffe fliegen, fast jede Einstellung ist entweder mit Weichzeichner oder durch Überbelichtung so undeutlich, dass man die wahrscheinlich in Wahrheit noch schlechteren Kulissen nicht erkennen kann. Die „Maske“ erstreckt sich auf Frisuren, wie wir sie in den 70ern aus der englischen „UFO“-Serie (GB 1970) kennen: bunter Bubikopf. War damals noch als hip-modern und futuristisch akzeptabel, aber Anno 2009 wirkt es einfach nur einfallslos. Die Special-Effects begnügen sich mit eingeblendeten Lichteffekten (Szene: Harkness „saugt“ Lebensenergie aus Opfer), die sich noch nicht mal bewegen oder eine Fließrichtung andeuten. Das haben wir schon weitaus besser in „Lifeforce – Die tödliche Bedrohung“ (GB 1985) gesehen und das ist auch schon 25 Jahre her.

Die gesamte Handlung ist dermaßen wirr, dass ich nach dem Schluss doch tatsächlich den Covertext noch mal lesen musste, um zu erfahren, was ich eigentlich gerade gesehen habe. Auch die dümmlichen Dialoge trugen wenig zu meiner Aufklärung oder Erbauung bei. Dann gibt es noch eine Kampfszene mit einer halbnackten Frau, wobei sich mit nicht erschließt, warum die Dame dabei ihre Titten durch die Gegend schwingen musste. Ach ja, vielleicht hielt sie sich ja für eine Art Amazone. Ich vermute jedoch, dass damit zumindest die männlichen Zuschauer über die Lahmarschigkeit der Bewegungen hinweggetröstet werden sollten.

Um dem Ding noch die Krone aufzusetzen, marschiert am Ende die überlebende Aurora auf dem Wüstenplaneten dann in die untergehende Sonne. Nomen est Omen? Eigentlich ist dass doch der Schluss bei einem guten Western, aber nicht bei einem SF-Thriller, der von sich behauptet „In der Tradition von Dr. Who, Lexx und Star Trek“ zu stehen. Größenwahn, ich hör dich kommen.
(Werner Karl)

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Millenium Crisis