Die Erwartungen an Ridley Scotts Science-Fiction-Film „Prometheus – Dunkle Zeichen“ waren im Vorfeld ziemlich hoch. Zumal der Altmeister erst nur als Produzent, dann aber sogar als Regisseur an dem Projekt beteiligt war. Und das ursprüngliche Skript von Jon Spaihts wurde von Damon Lindelof (LOST) vollständig überarbeitet. Mit „Prometheus – Dunkle Zeichen“ sollte schlussendlich die Vorgeschichte zu „Alien“ erzählt werden. Ein starkes Team, eine steile Vorlage, die Voraussetzungen für einen neuen Kult-Film waren alle vorhanden. Aber schlussendlich kocht auch ein Ridley Scott nur mit Wasser. „Prometheus – Dunkle Zeichen“ zeichnet sich nämlich durch zwei Dinge besonders aus: Eine exzellente Bildpracht und gigantische Logiklöcher. Alles andere schwebt zwischen diesen beiden starken Polen.

Die Handlung ist schnell erzählt. Wissenschaftler entdecken Höhlenmalereien die alle eine Gemeinsamkeit haben und deuten sie als Einladung, die Schöpfer der Menschheit zu besuchen (von ihnen Konstrukteure genannt). Wer genauer darüber nachdenkt, kann über diesen Unsinn nur den Kopf schütteln.

Der Industrielle Sir Peter Weyland (Guy Pearce) lässt ein Schiff bauen – die Prometheus – und heuert eine Mannschaft aus Spezialisten an. Diese hochkompetenten Leute machen sich nun auf den Weg, entdecken eine Höhle, entdecken die mysteriösen Überreste der Konstrukteure, entdecken die ersten Aliens und erkennen, dass hier ein großer Irrtum vorliegt. Dabei schwebt stets die Frage im Raum, warum gerade dieses oder jenes passiert, oder warum die Figur ausgerechnet jetzt – ausgerechnet so – handeln muss. Die Handlung selbst und die Motivation der Figuren ist einfach nur naiv bis dumm. Hier kann (eigentlich muss) der Zuschauer mehr verlangen.

„Prometheus – Dunkle Zeichen“ überwältigt erst einmal mit seinen tollen Bildern, der perfekten CGI und tatsächlich gebauten Kulissen. Zusammen ergibt sich ein sehr schickes Bild, toll geschnitten und mit passenden 3D-Effekten. Handwerklich ganz großes – und vor allem modernes – Kino. Allerdings mit den typischen Krankheiten, die 3D mit sich bringt: Dunkle Bilder und vom Computer bestimmter Szenenaufbau (vor allem beim Schnitttempo). Scott bringt die Schwächen allerdings gekonnt unter und macht sie zum Teil seines futuristischen Horrors.

Bis hierhin ist alles perfekt. Und niemand wird Ridley Scott ernsthaft vorwerfen können, es gäbe keinen neuen Kniff, kein neues Stilelement. Die kann es kaum geben, hat Scott sie einst selbst entworfen und würde sich nur selbst plagiieren. Diesen Stolperstein meidet er und setzt auf Altbewährtes. Und das ist auch gut so.

Und das war es im Grunde genommen auch schon, denn alles andere hat den faden Beigeschmack des Gewöhnlichen, des Naiven, des Kommerziellen. Und gerade die Kommerzialisierung ist es, die Scott in seinem Film eigentlich anprangert. Die Idee, alles mit Geld kaufen zu können. Menschen, Schönheit und Leben. Die Kinokassen und Filmstudios im Nacken, wirkt die Kritik an dieser Idee heuchlerisch. Und weil vor allem das konventionelle US-Publikum die Kinos stürmen soll, erhebt sich Scott gleichzeitig zum Missionar und versucht Wissenschaft und Glauben unter einen Hut zu bringen. Schlussendlich obsiegt der Glaube, während die Wissenschaft in ihre Einzelteile zerlegt wird. Das eröffnet natürlich ein weites Feld, um sich darauf heftige Debatten zu liefern.

Bei der Besetzung – und somit Besatzung der Prometheus – wurde richtiggehend geackert. Es gibt dermaßen viele Darsteller an Bord, das nur einer richtig zum Zuge kommt und sich alle anderen anstellen müssen. Und zu keiner der Figuren kann eine echte Beziehung hergestellt werden. Was bei einem Horrorfilm natürlich ungünstig ist, denn Horror entsteht aus persönlichen Bindungen zu den agierenden Figuren, um die Angst in uns selbst überhaupt zu schüren. Ansonsten bleiben nur Schrecksekunden, weil unverhofft etwas explodiert oder aus der Dunkelheit hervorspringt. Allerdings sind in „Prometheus – Dunkle Zeichen“ diese Schrecksekunden vorhersehbar. Sehr selten geschieht etwas Unerwartetes.

Bei den Nebenrollen versucht Scott eine Skizzierung der Charaktere mittels Klischees zu erreichen. Das ist langweilig und arbeitet auf niedrigem Niveau. Einfach weniger Figuren einzubauen wäre sinnvoller gewesen. Ärgerlicherweise sind alle Figuren dumm.

Die Besatzung setzt sich angeblich aus den klügsten Köpfen der Menschheit zusammen, allesamt Spezialisten auf ihrem Gebiet. Und schlussendlich wirken die Wissenschaftler wie eine Kindergartengruppe, sind zu doof im Vorfeld ihren Vertrag durchzulesen oder ein Einstellungsgespräch zu führen, zu dämlich vorher mal herauszufinden, wer mit an Bord ist und in was für einer Beziehung die Leute zueinander stehen. Bei „Stars Wars“ sorgte es für Dramatik, als Luke und Darth Vader mal ein persönliches Gespräch führten (während sie sich mit Lichtschwertern begegneten). In „Prometheus – Dunkle Zeichen“ ist es nur ein träges „Aha, habe ich mir schon gedacht; gähn“.

Einzig zwei Darsteller heben sich aus der Masse ab: Michael Fassbender (David) und Noomi Rapace (Elizabeth Shaw). Wer nun glaubt Charlize Theron (als Meredith Vickers) würde zum Kreis der herausragenden Darsteller gehören, hat sich getäuscht. Sie mimt die kühle Blonde und ist ebenfalls langweilig. Einzig die Legion der Prüden kann sich an einem vermeintlich heißen Dialog mit Idris Elba (Captain Janek) vielleicht erwärmen. Der Film ist mit seinem FSK 16 tatsächlich ziemlich harmlos – in allen Belangen.

Fassbender spielt nun den Androiden David, einen Roboter. Und, wie üblich, ist das Streben nach Menschlichkeit sein Ziel. Vermeintlich, denn schlussendlich simuliert er nur eine KI und folgt strikt seinem Programm. Allerdings vergessen Scott und Lindelof zeitweise, was so einen Roboter ausmacht und das bestimmte Verhaltensweisen einfach nur unglaubwürdig sind. So benimmt sich David menschlich, um sich besser bei den Menschen einzufügen. Die sollen ja kein Problem mit dem Androiden haben. Dumm nur, dass David das auch macht, wenn niemand da ist – weil alle seit Jahren schlafen. Parallelen zu „2001: Odyssee im Weltraum“ drängen sich auf, wenn dort Dave einsam über seine im Tiefschlaf befindlichen Kollegen wacht.

Aber David ist ein Roboter der Menschlichkeit lernt, indem er sich einsam Filme anschaut. Warum er das macht, bleibt unbeantwortet. Denn als Roboter muss er das nicht. Vor allem nicht vollkommen alleine. Aber David ist ein so bescheuerter Roboter, dass er Sprachen ebenfalls recht konventionell lernt. Im Jahre 2012 lädt der User eine App im Market herunter und dann stehen Wörterbücher zur Verfügung. Aber im Jahre 2089 ist es offensichtlich unmöglich, einem Roboter ein Sprachprogramm zu verpassen. Der muss dann halt Fernsehen gucken. Die Motivation und die Handlungen Davids bleiben auch weiterhin im Trüben. Bestimmte Dinge machen einfach keinen Sinn, sobald sie  hinterfragt werden.

Noomi Rapace gibt dagegen die Wissenschaftlerin Elizabeth Shaw. Sie bekommt ordentlich Screentime und kann versuchen, eine Bindung zum Zuschauer herzustellen. Allerdings schwankt sie zwischen Frau und Frauchen, wird ebenfalls Opfer dummer Handlungen und Logiklöcher. Das ist sehr Schade, denn hier hätte Scott tatsächlich versuchen können Pluspunkte einzufahren.

Besonders heftig ist, dass  Guy Pearce in die schlechte Maske eines alten Mannes gepackt wurde. Anfangs vermutet der Zuschauer vielleicht noch, dass Pearce im Laufe der Handlung verjüngt wird und deswegen ein junger Mann einen alten Mann spielen muss. Pustekuchen! Die Maske ist einfach schlecht und es gibt keinen triftigen Grund für diese Besetzung. Hier hätte einfach ein alter Mann einen alten Mann spielen können – und zwar glaubhaft.

Was schlussendlich bleibt ist die Erkenntnis, ganz normales Popcornkino zu haben. Scott hat hier viel von seinem Kredit verspielt. Der Film ist auf ein us-amerikanisches Teenagerpublikum zugeschnitten, dem ständig auch noch erklärt wird, um was es in dem Film geht. Keinesfalls subtil, sondern regelrecht aufdringlich. Zudem wird es später sicherlich eine ungeschnittene Fassung geben (es würde jedenfalls zu Scott und Hollywood passen) und zielt der Film auf eine eventuelle Fortsetzung ab. Allgemein kommt das Gefühl auf, das gleichzeitig auch ein Reboot der Alien-Filme vorbereitet wird.

Die Brücke zu „Alien“ schlägt „Prometheus – Dunkle Zeichen“ nur bedingt. Ohne die gekünstelt wirkenden Verknüpfungen wäre der Film sicherlich besser und hätte sich auf das Kernthema (Mensch und Schöpfung) konzentrieren können. So bleibt der Film im Mittelfeld der Blockbuster zurück, vergibt die Chance guten und klugen SF-Horror zu zeigen.

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Prometheus – Dunkle Zeichen

Originaltitel: Prometheus

Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: 124 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16

Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Jon Spaihts, Damon Lindelof
Produktion: Ridley Scott, David Giler, Walter Hill
Musik: Marc Streitenfeld, Harry Gregson-Williams
Kamera: Dariusz Wolski
Schnitt: Pietro Scalia

Michael Fassbender (David), Noomi Rapace (Elizabeth Shaw), Charlize Theron (Meredith Vickers), Guy Pearce (Sir Peter Weyland), Patrick Wilson (Elizabeths Vater), Idris Elba (Captain Janek), Rafe Spall (Milburn), Logan Marshall-Green (Charlie Holloway), Sean Harris (Fifield), Kate Dickie (Ford), Emun Elliott (Chance), Benedict Wong (Ravel), Daniel James (Opferkonstrukteur), John Lebar (Geisterkonstrukteur), Ian Whyte (Letzter Konstrukteur), Branwell Donaghey (Leibwächter)