sleepaway-campReturn to Sleepaway Camp

Originaltitel: Return to Sleepaway Camp (Sleepaway Camp V: Return to Sleepaway Camp), USA 2003/08
Regie u. Drehbuch: Robert Hiltzik
Kamera: Ken Kelsch u.  Brian Pryzpek
Schnitt: Ron Kalish
Musik: Rodney Whittenburg
Darsteller: Vincent Pastore (Frank), Paul DeAngelo (Ronnie), Michael Gibney (Alan), Jonathan Tiersten (Ricky), Felissa Rose    (Sheriff Jerry), Isaac Hayes (Chefkoch Charlie), Lenny Vento (Mickey), Erin Broderick (Karen), Adam Wylie (Weed), Kate Simses (Petey), Brye Cooper (Randy), Michael Werner (Michael), Christopher Shand (T. C.), Jaime Radow (Jenny), Shahidah McIntosh (Bella), Jackie Tohn (Linda), Chaz Brewer (Stan), Ashley Carin (Alex), Samantha Hahn (Marie) uva.
Label/Vertrieb: KSM – Krause & Schneider Multimedia
Erscheinungsdatum: 04.02.2010 (Leih-DVD) bzw. 08.03.2010 (Kauf-DVD)
EAN: 4260181980485
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Irgendwo dort, wo es ländlich einsam, sommerlich heiß und insgesamt langweilig ist, leitet der gerissene Frank das schmierige Camp Manabe. Die meist von ihren Eltern in den Ferien hierher gezwungenen Teenager sind renitent und laut, ihre Betreuer gereizt und überfordert. Täglich gibt es Ärger mit Alan, einem Problemkind. Riesengroß, dick und bärenstark, ist Alan nach einer Hirnhautentzündung geistig leicht zurückgeblieben und ungemein reizbar. Alle hassen ihn, der sich ihnen ständig aufdrängt und sich nun gar erdreistet, die hübsche (und entsetzte) Karen zu seiner Freundin zu ernennen.

Damit ist für die anderen Teenies das Maß voll. Systematisch beginnen sie Alan unter Leitung seines Stiefbruders Michael zu demütigen und zu quälen, bis ihr Opfer nach einem Nervenzusammenbruch im Wald verschwindet. Kurz darauf beginnen die Bewohner des Camps grässlichen Morden zum Opfer zu fallen. Für Frank ist der Fall klar: Alan ist durchgedreht. Zusammen mit Sheriff Jerry will er den Flüchtigen fassen und gleichzeitig jedes geschäftsschädigende Aufsehen vermeiden.

Trotzdem beginnt sich im Camp Manabe Panik zu verbreiten, die vom Mitinhaber Ronnie angeheizt wird. Er leidet noch immer unter den Erinnerungen an seine frühen Arbeitsjahre im Camp Arawak. Dort hatte 1983 die wahnsinnig gewordene Angela Baker blutig gewütet. Seitdem sitzt sie in einem Sanatorium, doch Ronnie denkt sofort an sie als Täterin. Sheriff Jerry ist geneigt, ihm Gehör zu schenken, denn auf einer Baustelle in der Nähe findet er Ricky Thomas, der den Kontakt zu seiner Cousine Angela nie abgebrochen hat.

Für beide Theorien gibt es plausible Indizien, doch die Realität sieht wesentlich bizarrer aus, weshalb der vermummte Killer es immer wüster treiben kann. Als das große Finale und der Moment der Wahrheit nahen, gibt es nicht mehr viele Überlebende im Camp Manabe, die dies zu würdigen wissen …

Im schmuddeligen Ableger von Camp Crystal Lake

Der Horrorfilm ist ein proletarisches Genre. Wo sonst ist es möglich, mit einer (oder auch keiner) Idee eine Karriere zu starten? 1983 schrieb und drehte Robert Hiltzik einen billigen, fiesen, von der gerade gestarteten Horror-Serie „Freitag, der 13te“ arg ‚inspirierten‘ Slasher namens „Sleepaway Camp“. Weil im Finale kurz aber unverhüllt männliche Geschlechtsorgane aufblitzten, gelangte das Filmchen zu Skandalruhm-Ehren und verankerte sich tief im kollektiven Gedächtnis des verstörten US-Publikums.

Womit Robert Hiltzik zwar keine neue Idee aber einen Fuß in der Filmtür hatte. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert taucht sein Name ausschließlich im Umfeld der zahlreichen Fortsetzungen des ersten „Sleepaway-Camp“-Streifens auf; sechs sind es bisher, und der nächste wird bereits vorbereitet. Hiltzik selbst stieß erst mit dem fünften Teil wieder zu ‚seiner‘ Serie. Er ignorierte die Geschichte/n der Sequels und schloss direkt an die Ereignisse des Originals an.

Das gilt inhaltlich wie formal. Zwar heißt das Camp, in dem ein Massenmörder umgeht, nicht mehr Arawak, doch die windschiefen Hütten des Lagers Manabe scheinen aus demselben morschen Holz geschnitzt zu sein. Zudem bedient sich Hiltzik – angeblich mit Absicht, vielleicht aber auch, weil er gar nicht anders kann – ausgiebig der Formensprache der 1980er Jahre: „Return to Sleepaway Camp“ ist eine Art Hommage auf die wüsten Splatter dieser Ära.

Krudes Killen krimineller Kids

Folgerichtig verbringt der Zuschauer seine Zeit hauptsächlich mit dem Warten zwischen diversen Metzel-Szenen. Das ist unterhaltsamer als erwartet oder befürchtet – dazu unten mehr –, aber das Konzept ist im 21. Jahrhundert nicht mehr für Überraschungen gut. Hiltzik versucht auch gar nichts Neues, sondern inszeniert möglichst eng an der Vorlage. Das gelingt ihm so gut, dass der Zuschauer lange verunsichert ist, wann die Filmhandlung eigentlich spielt: irgendwann vor 1990 oder in der Gegenwart. Das einzige Zugeständnis an die Moderne ist der (moderate) Einsatz von CGI-Technik.

Der Splatter der 1980er Jahre galt dem politisch korrekt denkenden Establishment als Wiege des Bösen. Durch diese Filme inspiriert wuchsen jene bösen, pervertierten Generationen heran, deren Treiben erst durch das entschiedene Auftreten einer erstarkten Zensur Einhalt geboten werden konnte. Auch Hiltzik musste dem Rechnung tragen: Ein allzu explizites Morden wie in der schlechten, alten Zeit war ihm nicht mehr möglich, obwohl er sich bemüht, mit frittenfettgegrillten Schädeln, nagelbrettgespickten Wänsten oder einer Kastration per Drahtseil und Jeep – sehr kompliziert! – den Vorbildern wie schon gesagt so exakt wie möglich zu entsprechen.

Klug mischt er weniger Blutiges mit Kurzem aber Heftigem und arbeitet vor allem mit Humor: Seht her, ihr Kritiker, das ist doch alles gar nicht ernst gemeint! Ist es in der Tat nicht, und weil Hiltzik ein wenig schlauer ist als der übliche Regisseur des fünften Teils einer Trash-Horror-Serie, kann er einige gruselige Treffer landen. Selbstverständlich sind die Resultate geschmacklos und pubertär, aber mancher Einfall ist außerdem so bizarr und komisch, dass er unweigerlich Wirkung erzielen muss.

Miese Typen in gelungenen Darstellungen

Dabei erhält Hiltzik von unerwarteter Seite Unterstützung: Werden für einen Horrorfilm der B-Kategorie üblicherweise Nullmimen und Knallchargen engagiert, darf sich der Zuschauer dieses Mal über Darsteller freuen, die in ihren Rollen ausgezeichnet aufgehen. Der Regisseur Hiltzik konnte sich darüber hinaus auf den Drehbuchautor Hiltzik verlassen, der seine Figuren so grob und übertrieben zeichnete, dass sie sich perfekt in die Handlung integrieren.

Ein wirklich guter Einfall ist der Verzicht auf die typische Kategorisierung in „Gut“ und „Böse“. Die Bewohner von Camp Manabe sind ohne Rücksicht auf Geschlecht oder sozialen Status sämtlich unsympathisch. Es gibt keine Helden, sondern nur Loser, Idioten, „bullies“ und Zicken. Die Betreuer sind Luschen, das Lager ist ein Dreckloch in einem öden Waldstück. Hiltzik legt einen enormen Einfallsreichtum an den Tag, wenn es gilt, die Unwirtlichkeit dieses Ortes zu demonstrieren.

In kleinen aber prägnanten Rollen sieht man Vincent Pastore, sonst abonniert auf Mafia-Filme, als abgedrehten Kadadu-Liebhaber Frank, Isaac Hayes in einer Parodie seiner „Chefkoch“-Rolle aus der Cartoon-Serie „South Park“, Adam Wylie als sichtlich erwachsen gewordenen Ex-Kinderstar, sowie „Scream Queen“ Felissa Rose, Veteranin des modernen Trash-Horror-Kinos.

Erschreckender Realismus im Horrorfilm

Eine eigene Erwähnung verdient Michael Gibney. Er ist weder vor noch nach „Return to Sleepaway Camp“ als Schauspieler in Erscheinung getreten. Hier hinterlässt er als behinderter und sozial geschädigter Alan einen nachhaltigen Eindruck. Über weite Strecken tritt das Horror-Element in den Hintergrund, und Camp Manabe verwandelt sich in ein höllisches Abbild jenes Mikrokosmos‘, in dem die US-Jugend heranwächst. Im Kastensystem der Highschool stehen „Sportskanonen/Cheerleader“ und „Nerds/Loser“ am oberen bzw. unteren Ende des sozialen Spektrums. Brutales Mobbing bis zur quasi systematischen Züchtung von Amokläufern ist das Ergebnis.

Als Alan gibt Gibney den unfreiwilligen Verlierern ein Gesicht. Schon in Gestalt und Auftreten gilt er den Schönen & Beliebten als Beleidigung: Alan ist dick und laut, er ignoriert Regeln und Körperhygiene und fällt einfach nur lästig. Doch Gibney gibt in seiner Rolle nicht einfach das bemitleidenswerte Opfer – Alan ist ein echtes Arschloch; er schurigelt diejenigen, die schwächer sind als er, beleidigt jene, die ihm helfen wollen und tut überhaupt alles, um selbst gutwillige Zeitgenossen gegen ihn aufzubringen.

In seiner ambivalenten Rolle ist Gibney so überzeugend, dass er das Simpel-Konzept der „Sleepaway-Camp“-Handlung sprengt. Der Film wird hier Psychogramm eines Getriebenen, der das eigene Unglück selbst mit herausfordert. Alan ist die bei weitem stärkste Figur des Films; kein Wunder, dass Hiltzik ihn im letzten Drittel aus der Handlung nimmt, die er bisher dominierte, und ihn erst im Finale kurz zurückkehren lässt: Gegen den armen, bösen Alan wirkt selbst der Massenmörder von Camp Manabe blass.

Kein guter, aber ein ungewöhnlicher Film

Alle diese Besonderheiten lassen „Return to Sleepaway Camp“ keineswegs zum cineastischen Geheimtipp reifen. Leerlauf und Klischees sorgen durchaus für Langeweile und Verdruss, und wer hinter dem Gemetzel steckt, erkennt der Zuschauer beinahe sofort. Dennoch hat dieser Film etwas, das ihn von anderen billigen Horrorfilmen unterscheidet. Dazu trägt neben der Figurenzeichnung wohl auch Hiltziks Liebe zu ‚seiner‘ Story bei. Obwohl mehr als zwei Jahrzehnte zwischen „Sleepaway Camp“ und „Return to Sleepaway Camp“ liegen, greift Hiltzik die Vorgeschichte sorgfältig wieder auf. Einige Rollen konnte er sogar mit Darstellern aus dem Original wiederbesetzen, obwohl sich beispielsweise Paul DeAngelo oder Jonathan Tiersten inzwischen aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hatten. Auch Felissa Rose lässt die irre Angela Baker kurz aber mit vollem Körpereinsatz aufleben.

Dass „Return to Sleepaway Camp“ ein Film ist, der durch viele Schwierigkeiten verzögert wurde und beinahe gar nicht zu Stande gekommen wäre, sieht man ihm übrigens nicht an. Die Dreharbeiten waren bereits 2003 abgeschlossen. Im Rahmen des bescheidenen Budgets konnten nur Spezialeffekte entstehen, die Robert Hiltzik nicht überzeugten. Er wartete deshalb ab, bis seine Kriegskasse sich wieder gefüllt hatte. Erst 2006 bis 2008 wurde der Film überarbeitet und fertiggestellt. Noch immer muss man ihn nicht ansehen, aber wagt man es, wird man durchschnittlich aber immerhin schräg unterhalten.

DVD-Features

Eigentliche Extras zum Hauptfilm gibt es nicht. Allerdings sollte man dieses Mal die Schlusstitel durchlaufen lassen: Wenn sie enden, gibt es noch eine zusätzliche Szene, die drei Wochen vor den Ereignissen im Camp Manabe spielt und eine nicht unbedingt zum Verständnis erforderliche aber kopfkrachend in Szene gesetzte Zusatzinformation liefert.

Dass sich um die „Sleepaway-Camp“-Serie ein kleiner Kult gebildet hat, verdeutlicht diese Website, die reichhaltiges Hintergrundmaterial zu allen Filmen bietet.

Die „Sleepaway-Camp“-Serie:

(1983) Sleepaway Camp
(1988) Sleepaway Camp II: Unhappy Campers
(1989) Sleepaway Camp III: Teenage Wasteland
(2002) Sleepaway Camp IV: The Survivor (unvollendet)
(2003/08) Sleepaway Camp V: Return to Sleepaway Camp
(2010) Sleepaway Camp VI: Sleepaway Camp Reunion

[md]

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