Wir schreiben das Jahr 1889, kurz nach der von Jack The Ripper verübten Mordserie. Es ist das viktorianische England, in all seiner heuchlerischen, schmutzigen Pracht, in der die Geschichten der berüchtigten H Division spielen. Es sind harte Männer, die mit harten Bandagen gegen die Verbrecher jener Zeit vorgehen. Harte Männer, die oft genug einen sensiblen Kern haben. Doch Schwäche zu zeigen, kann schnell das Ende bedeuten.

Das ist im groben die Kulisse, in der die Fälle der H Division und drei ihrer Mitglieder spielen. Da wäre erst einmal ihr Leiter, Detective Inspector Edmund Reid (gespielt von Matthew Macfadyen, Synchro von Marcus Off), der auch unkonventionelle Wege geht, um den Verbrechern das Handwerk zu legen und im Fall Jack The Ripper endlich Ergebnisse zu erzielen. Ihm zur Seite steht der ruppige Detective Sergeant Bennet Drake (gespielt von Jerome Flynn, Synchro von Volker Wolf), der Mann fürs Grobe. Das Ermittlertrio wird von Captain Homer Jackson (gespielt von Adam Rothenberg, Synchro von Matthias Deutelmoser) abgerundet, dem Forensiker und Pathologen. Er gehört eigentlich nicht zur Polizei, aber Reid vertraut diesem Mann und dessen Fähigkeiten mehr, als den eigenen Leuten. Gemeinsam lösen die drei allerhand schlimme Fälle, die mehr als einmal dunkle Geheimnisse berühren und miteinander verknüpft sind. Dabei geht es fies und gemein zu. Es wird wenig geschönt und um so mehr gezeigt.

“Ripper Street” ist eine offene und ehrliche Serie, die hart an die Grenzen geht. In ihrer Genauigkeit nicht nur an die historischen, sondern auch an die menschlichen. Wer genau hinsieht erkennt, dass hier Filme wie “Sherlock Holmes” Pate standen. Das wird an Soundtrack, Farbgebung und Kamerafahrten mehr als einmal deutlich. “Ripper Street” stellt aber keinen Abklatsch dar, sondern operiert auf eigenem Niveau. Hier ist die Adaption einer Idee hervorragend gelungen. Und für den Zuschauer ist das Ambiente faszinierend, denn es zeigt die Anfänge der englischen Polizeiarbeit und das viktorianische London abseits einer mädchenhaften Porzellanästhetik. Vor allem für Kenner britischer TV-Kriminalfilmserien ist das alles ein wahres Schmankerl.

Die Folgen der ersten Staffel heißen Mord im Licht, Der Schützling, Die Rückkehr der Seuche, Ehrenwerte Bürger, Der aufrechte Räuber, Der aufrechte Räuber, Terror in London, In den eigenen Reihen und Arbeit im Schatten. Regie führten Tom Shankland, Andy Wilson und Colm McCarthy, denen es hervorragend gelang das Konzept von Ideengeber Richard Warlow umzusetzen. Obwohl neben der BBC auch die BBC AMERICA mitmischt, bleibt dennoch das europäische Flair erhalten, das Serien von der Insel ausmacht. Leider ist diese tolle Serie beim Zuschauer nur schlecht angekommen und wurde nach der zweiten Staffel eingestellt. Um so schöner, dass sich Polyband der Ripper Street angenommen hat und die Serie für deutsche Wohnzimmer und Serienkenner zur Verfügung stellen.

Das die Geschichten meistens harter Tobak sind, wird bereits anhand der Altersfreigabe von 16 deutlich. Sex und Gewalt sind ebenso an der Tagesordnung wie die leiseren Töne, die Liebe und Menschlichkeit aufspielen. Es ist oft ein Drahtseilakt zwischen Sympathie und Antipathie, Verständnis und Unglaube, in Bezug auf die Hauptdarsteller und ihr Leben. Besonders spannend ist dabei der Wandel, den die Figuren erleben und in den auch die hervorragenden Nebenrollen gezogen werden. Und so steuert jede einzelne Folge auf das großartige Finale zu, dass vieles in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Bei den Darstellern haben die Produzenten die richtige Auswahl getroffen. Matthew Macfadyen ist ein alter Haudegen, der auf Bühne (”Viel Lärm um nichts”, “Heinrich IV.”), Bildschirm (”Spooks – Im Visier des MI5″, “Die Säulen der Erde”) und Leinwand (”Stolz und Vorurteil”, “Sterben für Anfänger”, “Die drei Musketiere”) zu Hause ist, während Jerome Flynn vor allem in der Serie “Game of Thrones” von sich Reden macht (in der Rolle des Söldners Bronn). Adam Rothenberg ist zwar eher für seine Serienauftritte bekannt (”Law & Order”, “House”, “Person of Interest”), hat aber auch in dem ein oder anderen Film mitgespielt (”Mad Money”).

Doch auch die holde Weiblichkeit weiß zu Punkten, wenn auch nur als Nebenfiguren und Stichwortgeberinnen, beziehungsweise Bettgefährtinnen. Trotz allem hinterlassen sie einen starken Eindruck, auch Jenseits hochgeschlossenem Bürgertums (Amanda Hale als Emily Reid) oder unkeuchem Gedankengut (MyAnna Buring als Long Susan). Es ist halt viel los in Whitechapel und der Zuschauer darf hautnah dabei sein.

Die technische Aufmachung der Blu-ray ist hervorragend und Dank zweier Tonspuren kann der Zuschauer zwischen dem englischen Originalton und der deutschen Synchronisation wählen. Das Original ist der starken Darstellung wegen vorzuziehen, stellenweise durch den Slang aber auch ein wenig schlechter zu verstehen. Die deutsche Tonspur ist da um einiges verständlicher, wenn es ihr auch etwas am Charme des Originals mangelt. Trotzdem ist sie gut gelungen und macht Freude. Über das bisschen Bonusmaterial breiten wir lieber den Mantel des Schweigens, denn es ist nicht besonders viel und kaum der Rede wert.

Viel Krimi, viel Drama und sogar ein Hauch von Mystery, dazu sehr schöne Kulissen, wunderbare Schauspieler und überraschende Geschichten – “Ripper Street – Staffel 1″ ist auf jeden Fall eine Top-Empfehlung.

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Update: Amazon UK hat „Ripper Street“ übernommen und eine dritte Staffel bestellt.

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Ripper Street – Staffel 1 [Blu-ray]

Originaltitel: Ripper Street

Produktionsland: Großbritannien (2012)
Produktionsfirma: Tiger Aspect Productions, Lookout Point
Regie: Tom Shankland, Andy Wilson, Colm McCarthy
Produzent: Stephen Smallwood
Idee: Richard Warlow
Erstausstrahlung: 30. Dezember 2012 (UK) auf BBC One
Deutschsprachige Erstausstrahlung: 30. August 2013 auf RTL Crime

Besetzung: Det. Insp. Edmund Reid (Matthew Macfadyen/Marcus Off), Det. Sgt. Bennet Drake (Jerome Flynn/Volker Wolf), Captain Homer Jackson (Adam Rothenberg/Matthias Deutelmoser), Long Susan (MyAnna Buring/Daniela Bette-Koch), Chief Inspector Fred Abberline (Clive Russell/Gerhard Fehn), Fred Best (David Dawson/Simon Roden), Emily Reid (Amanda Hale/Dina Kürten), Rose Erskine (Charlene McKenna/Demet Fey)

Länge: ca. 60 Minuten pro Episode
Episoden: 8
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Polyband/WVG
Erscheinungstermin: 28. Februar 2014
Spieldauer: 400 Minuten + 12 Minuten Bonusmaterial

Polyband: www.polyband.de
BBC: www.bbcgermany.de