Han Solo dürfte wohl eine der bekanntesten Figuren des Star-Wars-Universums sein und für Filmkennern allgemein ein Begriff. Unvergessen Harrison Fords Darstellung in Episode IV, V und VI. Immer wieder brachte Han Solo kleine Anekdoten hervor und untermauerte damit seinen Mythos als größter Schurke der Galaxie, mit dem Herz am rechten Fleck, der zudem eine starke persönliche Wandlung mitmacht. Mit „Solo: A Star Wars Story“ werden diese kleinen Anekdoten aufgegriffen und zu einem eigenen Film verarbeitet, der den Werdegang Han Solos zeigt, seine jungen Jahre.

Die Entstehung des Films, die Produktion, die Dreharbeiten und auch die Besetzung waren und sind oft genug Themen, die kontrovers diskutiert werden. Unterm Strich war Disney mit dem Einspielergebnis dermaßen unzufrieden, das weitere Einzelfilme zu anderen Helden erst einmal aufs Eis gelegt wurden. Und um ehrlich zu sein, das schlechte Ergebnis ist mehr als verdient. Denn immerhin hat man sich hier sehr viel Mühe gegeben, den ikonischen Charakter Han Solo von seinem Sockel zu hauen und den Mythos mehr als ins Schwanken zu bringen.

Die Story selbst ist einfach öde. Im Grunde wurde nur ein Rahmen gestrickt, in den dann alle bekannten Lebensstationen Han Solos‘ reingepresst wurden. Selbst der Name Solo bekommt einen vollkommen bescheuerten Background verpasst. Hier gibt es zu allem in der Originstory im Grunde eine Originstory. Zudem ploppen die Verweise auf das Star Wars Universum dermaßen plump und inflationär auf, dass es schmerzt und wird sogar die Filmmusik in die Fiktion gezogen, wenn im Rekrutierungsbüro der „Imperial March“ aufspielt, der doch eigentlich den bedrohlichen Auftritt eines Darth Vaders untermalen soll. Und dazu eine ordentliche Prise Humor, die deplatziert wirkt, da sie die Ernsthaftigkeit aus der Handlung nimmt. Sich bloß auf nichts einlassen, nach jedem Tief sofort ein Hoch, Ecken und Kanten werden abgeschliffen.

Zu allem Übel bleiben die Figuren dabei auf der Strecke. Han Solo ist vom Charakter nun der Solo, der er am Ende von Episode IV war, den alle so sehr lieben und ins Herz geschlossen haben. Dieser finale Solo ist nun die Blaupause für die Ursprungsgeschichte. Von Charakterentwicklung keine Spur, hier wird einfach nur versucht das Fanherz zum Pumpen zu bringen. Überhaupt, keine Figur kommt von der Stelle, ist interessant oder weiß von sich aus zu überzeugen. Um Sympathie zu erzeugen geht der Film den Weg des geringsten Wiederstands und definiert die Rollen über bekannte Schauspieler. Das ist sehr gut an den Figuren Val, Beckett und Calrissian zu erkennen. Oder auch an Emilia Clarke in der Rolle der Qi’ra, die scheinbar nur zwei Gesichtsausdrücke kennt. Und Alden Ehrenreich als Han Solo; da blitzt zwar der schurkische Charme des Originals gelegentlich auf, aber schlussendlich ist auch hier alles eindimensional. Die Figuren hetzen einfach von einem Checkpoint zum nächsten. Und beim Versuch starke Frauenrollen zu installieren, fällt der Film komplett auf die Nase. So nimmt der Bösewicht seinen Helm ab und offenbart seine wahre Identität, eine junge Frau wird gezeigt und die Spannung steigt im Erwarten, in was für einer Beziehung diese Figur zu einem der Protagonisten steht. Nope! Das Überwachungselement ist: es ist eine Frau!

Was der Film wenigstens kann, ist es knallige und bunte Action zu zeigen, die einen mitreißt. Das gelingt hervorragend. Wer dort seinen Schwerpunkt setzt, der sollte mit dem Film einigermaßen zufrieden sein. Wer auf der Suche nach Ernsthaftigkeit ist, das Drama möchte und Figuren die sich entwickeln, der wird eher enttäuscht. Wenn die Filmkunst Julius Cäsar ist, dann ist „Solo: A Star Wars Story“ ein Dolchstoß in seinen Rücken.

Produktionsland: USA (2018)
Länge: 135 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12
Regie: Ron Howard
Drehbuch: Lawrence Kasdan, Jonathan Kasdan
Produktion: Kathleen Kennedy, Allison Shearmur, Simon Emanuel
Musik: John Powell, John Williams (Original Star-Wars-Titelmusik und Han-Solo-Thema)
Kamera: Bradford Young
Schnitt: Pietro Scalia
Besetzung: Alden Ehrenreich (Han Solo), Woody Harrelson (Tobias Beckett), Donald Glover (Lando Calrissian), Emilia Clarke (Qi’ra), Joonas Suotamo (Chewbacca), Thandie Newton (Val), Phoebe Waller-Bridge (L3-37), Paul Bettany (Dryden Vos)

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