swat-die-spezialeinheitS.W.A.T. – Die Spezialeinheit (KINOFILM)

– Darsteller: Samuel L. Jackson, Michelle Rodriguez, Josh Charles, LL Cool J, Colin Farrell
– Regie: Clark Johnson
– FSK: 16
– Musik: Elliot Goldenthal
– Buch: David Ayer, David McKenna
– Produktion: USA 2003
– Label: Kinofilmverleih: Columbia TriStar
Zusatzinformationen:
O-Titel: S.W.A.T.
Kategorie: Spielfilm
Genre: Action/Thriller
Produktionsfirmen: Original Film, Camelot Pictures, Chris Lee Prods.
Produzenten: Dan Halsted, Neal H. Moritz, Chris Lee
Koproduzenten: George Huang, Amanda Cohen
Ausf. Prod.: Louis d’Esposito
Ausf. Co-Prod.: Todd Black
Kamera: Gabriel Beristain
Schnitt: Michael Tronick
Produktionsdesign: Mayne Berke, Gershon Ginsburg
Kostüme: Christopher Lawrence
Ton: Steve Nelson
Casting: Sarah Finn, Randi Hiller
Kinostart: 4. Dezember 2003
Laufzeit: 117 Min.
Einspielergebnis D: € 5.335.262 / Bes. (EDI) 888.103
USA-Start: 8. August 2003, bei Columbia
Boxoffice USA: $ 116.643.346

Weg mit den Regeln, her mit den Knarren!

Die Zeit für reaktionäre Filme scheint mal wieder reif. Nicht anders ist es zu erklären, dass ein Film wie S.W.A.T. (beruhend auf einer erfolgreichen TV-Serie aus den Siebzigern) mit so großem Erfolg durch die amerikanischen Kinos trudelte. Die rudimentäre Handlung, in die die Macho-Action eingebettet ist, kann man dabei schnell erzählen.

Der bei seinen Vorgesetzten nicht gerade angesehene Sergeant Hondo (Samuel L. Jackson) soll eine neue S.W.A.T. – Einheit zusammenstellen. Sein Team umfasst dabei vor allem Leute, die ebenfalls Probleme mit den Vorgesetzten haben oder hatten, so zum Beispiel die nicht zimperliche Quotenfrau Chris Sanchez (Michelle Rodriguez) und Jim Street (Colin Farrell). Letzterer hat gerade sechs Monate „Strafdienst“ in der Waffenkammer hinter sich, nachdem er sich mit seinem Partner Brian Gamble (Jeremy Renner) eine Befehlsverweigerung geleistet hat. Statt abzuwarten, setzte vor allem Zocker Gamble (da waren die Autoren beim Namen aber kreativ) alles auf eine Karte und befreite eine Schar von Geiseln. Gamble kostete das seinen Job, Street überlebte mit einer Verwarnung, weswegen Gamble nun sauer auf seinen Ex-Partner ist und ihn des Verrats bezichtigt.

Street bekommt von Hondo nun eine neue Chance. Da Street ein Mann ist, dem die Vorschriften egal sind und der das Gesetz der Straße über das des Staates stellt, hat Hondo Gefallen an ihm gefunden. Gemeinsam wartet auf die beiden und die restlichen vier Mitglieder des Teams (neben Michelle Rodriguez dürfen hier LL Cool J, Brian Van Bolt und Josh Charles ihre Gesichter in die Kamera halten) schon kurz nach der Ausbildung ein knallharter Job. Der Franzose Alex Montel (Olivier Martinez), ein skrupelloser Gangsterboss, ist der Polizei zufällig ins Netz gegangen und soll nun in ein Bundesgefängnis überführt werden. Dumm nur, dass übereifrige Reporter Montel eine Kamera und ein Mikro vors Gesicht gehalten haben und dieser dann via TV ganz L.A. hundert Millionen Dollar für seine Befreiung bieten konnte. Und so ist die ganze Unterwelt dabei, Montels Rettung aus dem Gefängnis zu planen und auch Streets Ex-Partner Gamble lässt sich auf das Spielchen um die Millionen ein.

Die rudimentäre Handlung spielt eigentlich keine Rolle, denn der einzige Geistesblitz der Autoren David Ayer („Training Day“) und David McKenna („Get Carter) verpufft recht schnell: Eine interessante Idee, dass ein Gangsterboss den Gedanken vom Kopfgeld umdreht, doch das Chaos, das dadurch in ganz L.A. herrschen sollte, ist nach fünf Minuten wieder vorbei, weil die Polizei alle Gangster bis auf die Gruppe um Gamble an der Nasae herumführt und somit doch der altbekannte Zweikampf zum Tragen kommt.

Die Story scheint nur einen Sinn zu haben: Irgendwie muss man es ja begründen, dass man Actionszene an Actionszene reiht. Dabei wird jedes Klischee bedient. Das zeigt sich schon in dem Leitspruch von Captain Hondo: „Manchmal ist das Richtige, nicht das Richtige zu tun“, Das Credo des Films wird an allen Ecken und Enden heruntergebetet. Wer sich an Gesetze hält, hat keine Chance im Swat-Team. Um die Verbrecher von heute dingfest zu machen, ist jedes Mittel recht. Da schlägt das Herz eines jeden reaktionären, konservativen Waffenlobbyisten hoch. Zudem baut man auch noch gleich einen Mann aus dem aktuellen Lieblingsfeindesland Frankreich als Gegner ein.

Das Schlimme an der ganzen Sache ist, dass die Macher des Films diese Aussagen scheinbar bierernst meinen! Ein ironischer Unterton, der die beiden Chaos-Cops Murtaugh und Riggs aus der Lethal-Weapon-Reihe zum Beispiel dauerhaft begleitet, fehlt völlig. Stattdessen dürfen die Protagonisten einen „coolen“ Spruch nach dem anderen ablassen, werden in ihrer Coolness vom Soundtrack, gespickt mit der typischen Musik (Linkin Park und die üblichen verdächtigen Bravo – NuRock-Konsorten), unterstützt und sollen bei der anvisierten, noch nicht volljährigen Zielgruppe (deswegen auch die trotz der zahlreichen Actionszenen sehr jugendfreie Inszenierung) immerzu den Wunsch wecken, doch auch so cool sein zu können.

Nach dem Anschauen des Films muss man sich ernsthaft fragen, wie der bekannte Filmkritiker Roger Ebert auf die Aussage zu S.W.A.T kam: „…in a time when so many action pictures are mindless assaults on the eyes, ears and intelligence, it works as superior craftsmanship.“ Wo Ebert die „herausragende Kunstfertigkeit“ des Streifens erkannt haben mag, bleibt zweifelhaft. Die Actionszenen kann er nicht meinen, denn diese unterscheiden sich nicht von zahlreichen anderen Actionfilmen. Und die gibt es wie Sand in der Wüste. Und das ist das beste was man noch über S.W.A.T. sagen kann. Wenn man all das reaktionäre Gedankengut, das sich in diesem Streifen verbirgt beiseite lässt, dann bekommt man wenigstens Action satt.

Fazit:
Die Frage, ob S.W.A.T. für einen persönlich sehenswert ist, muss jeder selbst für sich beantworten. Wenn man ihn nicht anschaut, wird man nicht viel verpassen, denn jeder andere humorlose, sich viel zu ernst nehmende, wahllos Actionszenen aneinanderreihende Streifen tut es auch. Vier von zehn Punkten!

(c) 2004 by Björn Becher

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