Die Lara-Croft-Videospielreihe lag einige Jahre angezählt am Boden, konnte aber mit einem Reboot wieder für neue Furore sorgen. Kein Wunder, dass sich an den neuen Erfolg der Spielreihe auch die Filmemacher anzuschmiegen versuchten. Das ist teilweise sogar gelungen. Die Vikander-Lara gilt zudem besser als die Jolie-Lara. Ich persönlich bin der Meinung, dass sich beide da wenig unterscheiden und auch „Tom Raider“ nicht signifikant besser als „Lara Croft: Tomb Raider“ ist.

Wie im Videospiel, handelt es sich um die Originstorys. Diese sind ja seit ein paar Jahren in Mode. Es soll gezeigt werden, wie Lara zu einer Abenteurerin und Powerfrau wird. Immerhin ist sie klug, talentiert und körperlich fit. Na ja, das sind alles Attribute, von denen der Film behauptet sie seien vorhanden. Tatsächlich wird das nicht wirklich gezeigt. Im Gegenteil. Im Grunde genommen ist Lara ziemlich dumm, arrogant und untalentiert. Die Drehbuchschreiber versuchen sich dabei ziemlich klischeebeladen an die Jugend von heute heranzuwieseln. Grauenhaft schlecht geschrieben. Aber das dürfte daran liegen, wer für das Drehbuch und die Story verantwortlich ist.

Zuerst war Marti Noxon im Gespräch, die bereits bei Serien wie „Buffy: Im Bann der Dämonen“ und „Grey’s Anatomy: Die jungen Ärzte“ gezeigt hat, dass sie starke Frauenrollen und Geschichten schreiben kann. Bei „Mad Men“ ist gut zu erkennen, dass sie auch Handlungen entwirft, die Männern ansprechen. Wow, eine junge Lara Croft aus der Feder von Noxon, das wäre etwas gewesen. Tja, wäre. Stattdessen war dann Evan Daugherty für die Story verantwortlich. Daugherty hat unter anderem die Drehbücher zu „Snow White and the Huntsman“, „Die Bestimmung – Divergent“ und „Teenage Mutant Ninja Turtles“ (2014) verbrochen. Das ist ein gewaltiger Klassenunterschied. Um die Sache dann abzurunden, wurden Geneva Robertson-Dworet und Alastair Siddons ins Boot geholt. Beide sind eher No-Names mit wenig Erfahrung, wobei „Tomb Raider“ Robertson-Dworets Erstling war. Wer sich die Arbeit der guten Frau anschaut erkennt recht schnell, das sie schlecht in ihrem Job ist, aber eine Agenda verfolgt und umsetzt. Unter anderem hat sie „Captain Marvel“ verbrochen und schreibt derzeit für „Gotham City Sirens“. Auch hier, ein gewaltiger Klassenunterschied zu Marti Noxon, die starke Frauen authentisch in Szene setzt – und zwar wirklich starke Frauen.

Von der Geschichte ist also nur wenig zu erwarten. Und diese Erwartungen werden dann leider auch erfüllt. Im Grunde genommen leidet Lara wegen dem Tod ihres Vaters herum. Dann stellt sie sich der Sache, findet eine Karte, macht sich auf den Weg zu einer Insel, bekommt ein paar Tritte, findet ihren Vater der doch noch lebt, wächst über sich hinaus, erschießt mit dem Bogen Leute, löst Rätsel (die nur deswegen niemand anders zuvor löste, weil es das Drehbuch so will), hüpft herum und verprügelt mittels Quick-Time-Events Leute. Ach nö, sorry, mit Quick-Time-Events wäre die Sache ja spannend. Na ja, der Film ist einfach überbewertet.

Das gleiche gilt auch für die Hauptdarstellerin. Egal was für einen Film ich mit ihr in der Hauptrolle anschaue, es ist immer das gleiche platte und emotionslose Spiel. Das hat im gefeierten „Ex Machina“ vielleicht funktioniert, aber dieses stets unterkühlte Spiel ist einfach kein Talent, sondern ihre natürliche Art. Und da kommen einfach wenig Emotionen rüber. Was besonders beknackt ist: Lara wird in drei unterschiedlichen Altersstufen gezeigt. Ihre Kindervariante hat aber keine große Ähnlichkeit mit Vikander. Vor allem nicht in Bezug auf den Hautton. Da fällt einem nichts mehr zu ein.

„Tomb Raider“ ist also auch ein Schuss in den Ofen und krankt an den üblichen Problemen einer Videospielumsetzung. Bei einem ersten flüchtigen Schauen kann man das gerne mal übersehen und sich unterhalten fühlen, aber richtig Substanz ist nicht vorhanden. Und vor allem die ständige Dummheit der Figuren und der Handlung, lassen bei mir ein ungutes Gefühl zurück. Was aber wirklich gut ist, dass sind die Kamerafahrten, die Action und die Computereffekte. Und es gibt Parallelen zu den Zwischensequenzen im Videospiel – auch im Film bekommt Lara ständig eins auf die Nuss.

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Tomb Raider
Originaltitel: Tomb Raider

Produktionsland: Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich (2018)
Länge: 118 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Roar Uthaug
Drehbuch: Geneva Robertson-Dworet, Alastair Siddons, Evan Daugherty (Story)
Produktion: Graham King, Gary Barber
Musik: Junkie XL
Kamera: George Richmond
Schnitt: Stuart Baird, Michael Tronick, Tom Harrison-Read

Alicia Vikander (Lara Croft), Walton Goggins (Mathias Vogel), Dominic West (Lord Richard Croft), Daniel Wu (Lu Ren), Kristin Scott Thomas (Ana Miller), Derek Jacobi (Mr. Yaffe), Maisy De Freitas (Lara Croft (als Kind)), Emily Carey (Lara Croft (als Jugendliche)), Hannah John-Kamen (Sophie), Nick Frost (Max)