Mit einem eher skeptischen Blick auf „Weihnachten in der Wildnis“ könnte man sagen, dass Netflix absichtlich einen Weihnachtsfilm für die älteren Semester in Auftrag gegeben hat. Inklusive all der schönen Dinge, die in einer bestimmten Altersklasse angeblich von Relevanz sind. Wer nur eine Folge von „Das Traumschiff“ gesehen hat, wird sich hier sofort auskennen.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Kate (Kristin Davis) und Derek (Rob Lowe), beide Mitte fünfzig. Sie lebt in New York und wurde gerade von ihrem Mann verlassen. Also tritt Kate die geplante Afrikareise alleine an. In der Fremde angekommen trifft sie auf den Piloten Derek, der Kate eigentlich zu einem Luxusressort bringen soll. Doch unterwegs müssen sie ein süßes Elefantenbaby retten, dessen Mutter von Wilderern getötet wurde. An der Elefantenpflegestation angekommen, ändert Kates ihre Urlaubspläne und bleibt länger als gedacht. In ihr erwacht die Liebe zu Afrika und den Elefanten – und da ist natürlich auch noch Derek…

Zwei im Leben stehende Persönlichkeiten, beide in ihren Beziehungen gezeichnet, ein exotischer Schauplatz mit paradiesischer Landschaft, dazu süße Tiere und ein paar herzergreifende ernste Augenblicke. Und natürlich eine Liebe, die sich langsam entfaltet. Hach, das ist zwar Hochglanzkitschklischee vom Feinsten, aber zu bestimmten Zeiten passt es einfach.

Zugegeben, auch wenn die Geschichte zur Weihnachtszeit spielt, so richtig weihnachtlich ist die Sache natürlich nicht. Klar, in den Feiertagen den Laufpass zu bekommen schmerzt besonders, vor allem wenn alle anderen die festliche Zeit glücklich und in vollen Zügen genießen. Aber mehr als etwas festliches Ambiente ist im Film nicht vorhanden. Die wunderbaren Landschaftsbilder und die tollen Aufnahmen der Elefanten stehen da mehr im Mittelpunkt. Der Film ist eher eine Romanze, als ein Weihnachtsfilm. Aber er weiß trotzdem zu unterhalten.

Vom im Kern versteckten Kolonialromantik abgesehen, ist die Handlung trotzdem ergreifend. Das liegt vor allem an den beiden Hauptdarstellern, die eine gute Bildschirmpräsenz haben und bei denen die Chemie einfach stimmt. Rob Lowe sieht einfach umwerfend aus und macht als kerniger Pilot und Tierliebhaber eine hervorragende Figur. Und Kristin Davis weiß das Großstadtgirl perfekt zu mimen (immerhin war sie einer der Stars in „Sex and the City“), das dann in Afrika seine neue Bestimmung und Liebe findet. Das ist kein Spoiler, denn wer einen Weihnachtsfilm anschaut weiß einfach wie dieser endet. Ein Happy End gehört einfach dazu.

Im Großen und Ganzen habe ich mich gut unterhalten gefühlt, konnte mitfiebern und war von den tollen Bildern beeindruckt. Die Kulisse ist einfach atemberaubend. Kameramann Hein de Vos (unter anderem „Black Sails“, „Homeland“ und „Hooten & the Lady“) hat da gute Arbeit geleistet. Oh, vielleicht sollte man noch erwähnen, dass sich Kristin Davis tatsächlich für den Schutz der Elefanten einsetzt. Dahingehend sei die Dokumentation „Gardeners of Eden“ (2014) empfohlen, bei der Davis Executive Producer war.

1 von 5 Zuckerstangen weil Thema verfehlt, aber 2 Elefanten weil der Film einfach schön ist

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Bildmaterial (c) Netflix

Weihnachten in der Wildnis
Originaltitel: Holiday in the Wild

Produktionsland: Vereinigte Staaten (2019)
Länge: 86 Minuten

Regie: Ernie Barbarash
Drehbuch: Neal Dobrofsky, Tippi Dobrofsky
Produktion: Brad Krevoy, Amy Krell
Musik: Alan Lazar
Kamera: Hein de Vos
Schnitt: Heath Ryan

Kristin Davis (Kate), Rob Lowe (Derek), Fezile Mpela (Jonathan)