Im koreanischen Kriegswinter des Jahres 1951 muss eine kleine US-Einheit den Rückzug ihrer Infanterie-Division decken. Die Männer igeln sich auf einem Bergpass ein, über den der Feind zahlenstark anrücken wird … – Zwar wird das zeitgenössische Hohelied auf Standfestigkeit im Angesicht der kommunistischen Apokalypse gesungen, doch Regisseur Fuller verklärt seine Figuren nicht als Helden und deutet psychische Kriegsfolgen zumindest an: auch handwerklich ein gelungener Film.

Das geschieht:

Im Stellvertreterkrieg zwischen der Sowjetunion bzw. China (für Nord-Korea) und den Vereinten Nationen bzw. den USA (für Süd-Korea) greift die Volksrepublik seit September 1950 massiv in die Kämpfe ein. Die Süd-Koreaner und ihre Verbündeten geraten unter Druck. Im Winter 1951 muss sich auch eine Division der US-Infanterie der Übermacht beugen. Doch der Rückzug ist gefährlich. Sollte der Gegner ihn bemerken, könnte er sich in Stellung bringen und die Soldaten in eine tödliche Zange nehmen. Verhindern soll dies ein gewagter Plan: Eine kleine Einheit, kaum 50 Mann stark, wird den Rückzug decken, dem Feind die Stärke eines ganzen Regimentes vorgaukeln und ihn auf diese Weise binden.

Lieutenant Gibbs wird dieses Himmelfahrtskommando führen. Der Trupp findet eine schmale Gebirgsschlucht, durch die man den Gegner locken müsste, um ihn auch mit wenigen Leuten aufhalten zu können. Die Einheit errichtet eine Straßensperre und legt Minen. Man entdeckt sogar eine Höhle, die einen guten Unterschlupf bietet.

Dennoch ist die Lage gefährlich. Patrouillen der volkschinesischen Armee durchstreifen die Gegend. Wenn sie herausfinden, wie schwach ihr Gegner faktisch ist, würden sie den Widerstand binnen kurzer Zeit brechen. Also gilt es, umso verbissener mit Mörser-Granaten, Maschinengewehren und aufgepflanzten Bajonetten Stärke zu demonstrieren.

Den Männern wird ihre verzweifelte Lage rasch bewusst. Erste Opfer sind zu beklagen; auch Gibbs fällt. Die Männer scharen sich um den charismatischen Sergeant Rock, der sich den Chinesen ebenso trickreich wie entschlossen entgegenstemmt. Auf Corporal Denno, der ihm zur Seite stehen sollte, kann er sich nicht verlassen, denn Denno ist außerstande, auf Menschen zu schießen. Doch als auch Rock ausfällt, muss der Corporal den Trupp übernehmen und führen – oder mit ihm untergehen …

Wehrertüchtigung beginnt im Kino

„Dies ist eine Geschichte amerikanischer Truppen im Korea des Frühjahrs 1951. Sie ist der Königin der Feldschlachten – der US-Infanterie – gewidmet. Wir danken dem Verteidigungsministerium für seine Unterstützung, für Ratschläge und die aktive Zusammenarbeit bei der Vorbereitung und Produktion dieses Films.“

Man kann nicht sagen, dass dieser Film seine Intention verschleiert. Die gerade zitierten Worte fallen markig bereits im Prolog und noch bevor die Titelmusik einsetzt. Dieses Mal wollte sich das US-Verteidigungsministerium nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen. Wenige Monate vor „Der letzte Angriff“ hatte ebenfalls Sam Fuller als Regisseur und Autor den Koreakriegsfilm „The Steel Helmet“ (dt. „Die Hölle von Korea“) gedreht und dabei allzu deutlich auf die Schattenseiten des Soldatendaseins hingewiesen; so hing besagter Stahlhelm dort am Grabkreuz eines in Korea gefallenen Soldaten. Um unpatriotische Filmemacher zukünftig besser kontrollieren zu können, bot das Militär den chronisch geizigen Hollywood-Studios nicht nur wertvolles Kriegsgerät für den Kamera-Einsatz, sondern auch „technische Beratung“ an: Raymond Harvey, der unter der Last seiner im II. Weltkrieg sowie in Korea gesammelten Orden beinahe zusammenbrach, stand Fuller mit Rat & Tat und vor allem zur Seite.

Wir verdanken diesem Beistand die plumpen Sentenzen über Pflichterfüllung und Todesmut im Dienst des Vaterlandes sowie den deutlich martialischeren Originaltitel „Fixed Bajonets!“. Allerdings schlug Fuller den allzu wortlauten (aber an der Front meist nie gesichteten) Verfechtern soldatischer Tugenden ein Schnippchen. Es fällt auf, dass er die meisten Parolen und Phrasen in den ersten zehn Filmminuten hinter sich bringt. Anschließend wird der Ton authentischer sowie wesentlich kritischer bzw. so kritisch, wie es der Zeitgeist ermöglichte und tolerierte. Auch Fuller war zwar aus eigener Kriegserfahrung klug geworden aber kein Rebell. Schließlich wollte er Filme drehen; er hatte lange genug darauf warten müssen.

Ein bisschen Hintergrundwissen

Die Kinogänger wussten 1951 selbstverständlich, worum es in diesem Film ging. Fuller konnte sich deshalb eine Erklärung dafür sparen, wieso sich in Korea ausgerechnet US-Amerikaner und Chinesen bekämpften. Jedenfalls kannten sie die offizielle Sicht ihrer Regierung, die den abschreckenden Ausdruck „Krieg“ vermeiden wollte und beschönigend von einem „Polizeieinsatz“ sprach. (Fuller greift dies in „Der letzte Angriff“ wörtlich und sarkastisch auf.)

Beim heutigen Zuschauer kann man dieses Vorwissen nicht mehr voraussetzen. Der Kampf in Korea war der erste Krieg, den die USA nach 1945 führten. Während man auf die Heimat zählen konnte, als man in Europa den Nazis und im Pazifik den Japsen die Felle gegerbt hatte, war dieser neue Krieg unbeliebt. In den Vereinigten Staaten war man immer noch kriegsmüde und fragte sich, was man in einem fernen Land wie Korea verloren hatte. Deshalb musste den US-Bürgern ‚erklärt‘ und vermittelt werden, dass man eigentlich im Krieg gegen „die Roten“ stand: Der einstige Verbündete Sowjetunion war binnen eines Jahres zum Gegner geworden. Ebenfalls zum Konkurrenten = potenziellen Feind der USA war das kommunistische China mutiert, das seinen Einflussbereich in den südostasiatischen Raum auszuweiten gedachte. Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea bot den Großmächten einen Vorwand zum offenen Kampf, ohne dadurch einen III. Weltkrieg auszulösen.

Zunächst lief es gut für die USA. Nach Ausbruch der Feindseligkeiten am 25 .Juni 1950 triebe sie die Nordkoreanische Volksarmee nach Norden vor sich her. Dies änderte sich, als die Volksrepublik China im Oktober Soldaten nach Korea schickte. Anfang Januar 1951 begannen die nordkoreanisch-chinesischen Truppen mit einer Großoffensive, der die zahlenmäßig weit unterlegenen Amerikaner und ihre Verbündeten nicht standhalten konnten. In dieser Situation spielt „Der letzte Angriff“.

Werbung und Wahrheit

Dass man sich zurückziehen muss, kann beim besten Willen nicht geleugnet aber bemäntelt werden: Selbstverständlich ist dies nur ein taktisches Manöver. Man wird sich neu formieren und zurückkehren, um die „Roten“ endgültig aus Korea zu vertreiben. Dies wird freilich Tapferkeit, Entbehrungen und trotzdem Opfer fordern, was hier von den Männern der Nachhut-Einheit stellvertretend durchgestanden wird. Sie frieren, sie haben Angst und sie sterben, aber sie tun ihre Pflicht: So sahen die Bilder aus, die Fuller dem Verteidigungsministerium auf Film zeichnen sollte.

Grundsätzlich hat er seinen Auftrag erfüllt. Vollauf zufrieden dürfte man jedoch nicht gewesen sein. Samuel Fuller (1912-1997) hatte ab 1942 als Soldat in Nordafrika, auf Sizilien, in Belgien, der Tschechoslowakei und in Deutschland gekämpft. Bei der Befreiung des Konzentrations-Nebenlagers Sokolov hatte er auch die schlimmsten Nazi-Gräuel erleben müssen. Fuller kannte den Soldatenalltag, den er später als Regisseur nicht verherrlichen wollte. Da er seine Drehbücher meist selbst schrieb, konnte er dort, wo ihn das Studio, die Zensur oder seine ‚Berater‘ nicht stoppten, den Krieg in seiner Unbarmherzigkeit darstellen.

Auch in „Der letzte Angriff“ gibt es entsprechende Szenen, die heute noch beeindrucken können. So fordert Sergeant Rock mehr als einmal den skrupulösen Corporal Denno auf, endlich seinen ersten „Roten“ umzubringen, denn nur dann könne man sicher sein, sich auf ihn als Kameraden verlassen zu können. Tröstend fügt Rock hinzu, dass Denno das Töten nach diesem ersten Schuss zukünftig so leicht wie das Ausspucken fallen werde. Bemerkenswert ist auch jene Szene, in der die Männer am Lagerfeuer versuchen, das Geräusch zu beschreiben, das ein chinesischer Soldat von sich gab, nachdem ihm Sergeant Rock das Bajonett in den Leib gerammt hatte.

Keine Helden, sondern Killer

Warum man als US-Bürger in der koreanischen Fremde kämpft, können die Männer nicht sagen. Als Rock Denno erklären soll, wieso er nach den Erfahrungen des II. Weltkriegs wieder ins Feld gezogen ist, gehen ihm nach einigen vergeblichen Bemühungen die Worte aus: Er weiß es selbst nicht. Fuller legt ihm einige provokante ‚Argumente‘ in den Mund: Dummheit, Armut, Faulheit und Ratlosigkeit seien für den kleinen Mann Motive für den Dienst in der Armee, obwohl er es besser wissen müsste. (Als diese Szenen entstanden, muss Fuller seinen ‚Berater‘ entweder abgehängt oder auf seine Seite gezogen haben …)

„Der letzte Angriff“ ist ein ‚kleiner‘ Film der B-Kategorie. Möglichst kostengünstig hergestellt, sollte er vor allem unterhalten und Kinokasse machen. Deshalb sucht man große Stars vergeblich in der zahlenstarken Darstellerriege, sieht man davon ab, dass ein ungenannter James Dean kurz in einer Nebenrolle auftaucht. Richard Basehart, Gene Evans oder Craig Hill waren mäßig prominente aber gut beschäftigte weil fähige Schauspieler, die in zahlreichen Filmen sämtlicher Genres und später oft im Fernsehen auftraten. Dass man sie nicht (er-) kennt, trägt hier zur Glaubwürdigkeit in ihren Rollen bei.

In anderen Korea-Kriegsfilmen dieser Zeit sieht man ‚den Feind‘ meist nur als gesichtslose Masse ameisen- oder gar rattenhaft aus der Ferne. Akustisch beschränkt sich seine Anwesenheit auf Angriffssignale und schrille Angriffsschreie. Werden sie getroffen, sterben „die Roten“ schweigend: Im Grunde sind dies keine Individuen, keine Menschen, wird auf diese Weise unterstellt. Fuller lässt sich nicht auf dieses Niveau herab. Er zeigt die volkschinesischen Soldaten als Profis, deren Job das Töten ist. Nur in Gesichtsschnitt und Uniform unterscheiden sie sich von den Amerikanern. Mehrfach sieht man sie essen, scherzen oder ihre Verwundeten trotz heftigen US-Beschusses bergen.

Zwischen Handwerk und Filmkunst

Samuel Fuller gedachte nicht, einen B-Film von der Stange zu produzieren. „Der letzte Angriff“ zeugt auch optisch von filmischem Ehrgeiz. Der Regisseur hätte sich die Arbeit leichter machen können, indem er die Handlung in den Sommer verlegte: Die meisten Kriegsfilme dieser Ära entstanden in den kalifornischen Hügeln nahe Hollywood. Welcher Zuschauer wusste schon, wie es in Korea wirklich aussah?

„Der letzte Angriff“ findet jedoch im Winter statt. Eis und Schnee sind allgegenwärtig. In Kalifornien muss man beides herstellen. Zwar beschränkt sich der Großteil der Handlung auf den von den Amerikanern besetzten Pass, den Fuller allerdings im Studio und in beachtlicher Größe als Kulisse bauen ließ. Auf diese Weise behielt er die völlige Kontrolle über den Schauplatz. Wo die Darsteller sich mühsam durch den Schnee kämpfen müssen, kann sich die Kamera frei bewegen.

Der durch die digitalen Wunder des 21. Kino-Jahrhunderts geschulte Zuschauer erkennt natürlich die Künstlichkeit der Kulisse. Recht offensichtlich sind die in der Ferne aufragenden Bergspitzen auf riesige Leinwände gemalt. Das Wetter bleibt von der Wolkenlage unabhängig, Wind hört man zwar, aber man sieht nichts flattern. Doch bald ignoriert das Hirn solche Meldungen des Auges: Eine gut erzählte Geschichte zieht den Zuschauer in seinen Bann. Die genannten Einschränkungen werden nebensächlich.

Als die wenigen Überlebenden schließlich zu ihrer Division aufschließen, sollen sie beim Publikum den Eindruck abgekämpfter aber ungeschlagener Helden vermitteln. Ein letztes Mal sabotiert Fuller dieses Bild: Was da aus der Dunkelheit wankt, erinnert eher an eine Horde abgestumpfter Zombies. Und Sergeant Rock behält recht: Corporal Denno hat wirklich keinerlei Probleme mehr mit dem Töten.

DVD-Features

An Features für eine zukünftige Heimkino-Veröffentlichung hat 1951 selbstverständlich noch niemand gedacht. Eine Routine-Produktion wie „Der letzte Angriff“ hätte man ohnehin nicht dokumentiert. Also gibt es nur den obligatorischen Trailer (nach dessen Sichtung man den Wunsch verspürt, sofort in die Army einzutreten). Der Ton ist schwach, das Bildformat eng: „Der letzte Angriff“ ist halt kein Hollywood-Breitwand-Epos mit Stereo-Klang.

Entschädigt wird man durch ein erstaunlich konturscharfes, klares Filmbild – und durch einen Film, der trotz seiner Fehler und Manipulationsversuche spannend unterhält.

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Der letzte Angriff
Originaltitel: Fixed Bajonets! (USA 1951)
Regie u. Drehbuch: Samuel Fuller
Kamera: Lucien Ballard
Schnitt: Nick DeMaggio
Musik: Roy Webb
Darsteller: Richard Basehart (Corporal Denno), Gene Evans (Sergeant Rock), Michael O’Shea (Sergeant Lonergan), Richard Hylton (John Wheeler), Craig Hill (Lieutenant Gibbs), Skip Homeier (Whitey), Pat Hogan (Jonesy), George Wesley (Griff), David Wolfson („Großmaul”), Henry Kulky (Vogl), Mel Pogue (Bulcheck), Robert Stevenson (Colonel Taylor) uva.
Label/Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 01.01.2009
EAN: 828768060094 (DVD)
Bildformat: 4 : 3 (1,33 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min.
FSK: 12

„Der letzte Angriff“ erschien auch zusammen mit dem ebenfalls von Samuel Fuller inszenierten Kriegsfilm „Hell an High Water“ (1954; dt. „Inferno“) in der DVD-Doppelbox „Hollywood Highlights 6: Action“:
Label/Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 21.05.2007
EAN: 886970746793

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