Im Spätsommer 1993 eskaliert ein US-Einsatz in Mogadischu, Hauptstadt von Somalia. Eine kleine Gruppe Ranger, die lokale Warlords festsetzen wollen, stehen plötzlich einer Übermacht gegenüber; eine wilde, verlustreiche Flucht quer durch die von Gegnern wimmelnde Stadt beginnt … – Hollywood-Kriegsfilm, der auf höchstem handwerkwerklichen Niveau und optisch eindrucksvoll eine Episode aus einem afrikanischen Bürgerkrieg nacherzählt, dabei für die USA beschämende oder peinliche Fakten unterschlägt bzw. durch Zeitlupen-Pathos und hohle Parolen ‚ersetzt‘: betörend spannende Geschichts-‚Verbesserung‘.

Das geschieht:

Seit Jahren herrscht Bürgerkrieg im nordostafrikanischen Land Somalia. Unter den schwer bewaffneten Warlords, die miteinander um die Macht ringen, ist Muhammed Farrah Aidid, der sich mit seiner Miliz in einem Viertel der Hauptstadt Mogadischu wie in einer Festung eingenistet hat, einer der mächtigsten – und brutalsten. Bei seinem Kampf geht er buchstäblich über Leichen; auch die seiner Landsleute, die er rücksichtslos unterdrückt und denen er dringend benötigte Nahrungsmittel stiehlt, die Hilfsorganisationen aus dem Ausland liefern. Unzählige Opfer hat der Hunger bereits gefordert, als UNO-Truppen in Somalia einziehen. Sie sollen notfalls mit Gewalt für Frieden sorgen.

Doch die moderne Militärmacht versagt in einem Land, das tief in uralte Fehden verstrickt ist, die von Außenstehenden schwer zu verstehen oder gar zu beenden sind. Um die Situation nicht eskalieren zu lassen, sind die Soldaten angewiesen, offene Kämpfe vermeiden, was die Warlords natürlich wissen. So treiben sie ihr böses Spiel ungehindert weiter, während die zunehmend frustrierten Truppen mehr oder weniger hilflos zusehen müssen.

Nachdem Aidids Schergen ein Gemetzel unter unbewaffneten Somalis anrichteten, die um Essen anstanden, ist das Maß voll. Im Oktober 1993 beschließt das US-Kontingent der Friedenstruppen ein Kommando-Unternehmen. Eine kleine Elite-Einheit, die Ranger, soll Aidids Hauptquartier mitten in Mogadischu ausheben und den Kriegsherrn sowie seine Helfershelfer festsetzen. 45 Minuten sind für das Unternehmen angesetzt, das sofort aus dem Ruder zu laufen beginnt. Der Aufbruch der Ranger wird beobachtet, der Überraschungseffekt ist dahin.

Die Planungszentrale hat den Einsatz am grünen Tisch ausgeheckt und dabei auf militärische High-Tech gesetzt. Doch Waffen helfen nicht gegen fanatisierte, aufgeputschte Gegner, die den Tod gewöhnt sind. Aidids Anhänger zählen nach Tausenden und nehmen den Kampf gegen die verhassten Eindringlinge auf. Die Soldaten werden erst auseinander und dann in die Enge getrieben. Wie Hasen müssen die jungen Männer flüchten, die sich für unbesiegbar hielten. Die Niederlage ist besiegelt, als es der Miliz gelingt, gleich zwei Black-Hawk-Kampfhubschrauber abzuschießen. Ohne wirksame Luftunterstützung beginnt das Sterben unter den US-Soldaten, die verzweifelt versuchen, sich der Übermacht zu erwehren. Entsatz wird erst spät – vielleicht zu spät – kommen, denn die Amerikaner haben darauf verzichtet, die übrigen UNO-Kontingente zu informieren, sodass niemand auf einen Rettungseinsatz vorbereitet ist. In der nachlässig aufgestellten Falle selbst gefangen, müssen die Ranger sich einem mehr als 16-stündigen Kampf in den Straßen von Mogadischu stellen, bei dem der Feind von jedem Dach, aus jedem Fenster, jeder Tür, jedem Auto das Feuer eröffnet …

Skandal ist primär Gratis-Werbung

Der Prolog liefert einige Eckdaten, es folgen Stimmungsbilder vom US-Alltag in einem UNO-Camp – sämtliche Anwesenden brennen darauf, endlich Ärsche treten zu dürfen – und ein paar Rundflüge über ein an Stalingrad 1943 oder Berlin 1945 erinnerndes, gründlich zerstörtes Mogadischu. Die übrige Spielfilmzeit ist reines Action-Kino. „Black Hawk Down“ mag ursprünglich ein Drehbuch „nach einer wahren Begebenheit“ zu Grunde gelegen haben. Herausgekommen ist jedenfalls ein genrekonformer Kriegsfilm made in USA, d. h. ein B-Movie, prall gespickt mit hervorragend choreografierter Ballerei, Phrasen-Geschrei („Wir brauchen Verstärkung an der Nordwestflanke!“ – „Ich geh‘ jetzt da ‘raus!“ – „Sani! Den Lieutenant hat‘s erwischt!“), Pathos und schlechter Musik. Dem Ganzen wurde scheinheilig die obligatorische „Krieg-ist-die-Hölle!”-Botschaft übergestülpt, um dem Werk jene Tiefe und Bedeutung zu verleihen, die für Oscar-Ruhm und dadurch gesteigerten Profit an den Kinokassen sorgen. (Schnitt und Ton wurden tatsächlich – und zu Recht – mit dem begehrten Filmpreis ausgezeichnet.)

„Black Hawk Down“ gewann durch die Ereignisse des 11. September 2001 eine Aufmerksamkeit, die dieser Film nicht verdient. Erwartungsgemäß (und werbewirksam) schlugen berufsmäßige Mahner & Weltverbesserer Alarm, als kurz nach dem Tag der Schande ein Spektakel am Kino-Himmel auftauchte, in dem aus allen Rohren gefeuert wurde.

Die Medien stiegen selbstverständlich begeistert ein. Mächtig wurde gebarmt über Hollywood-Fließbandware, die früher keines so intensiven Blickes gewürdigt worden wäre. Doch „Black Hawk Down“ war ein Sandsack, an dem man sich abarbeiten konnte – ein teurer, handwerklich perfekter Film, inszeniert von einem Regisseur, der sogar in Europa dank „Blade Runner“, „Thelma und Louise“ oder „Gladiator“ von der Kritik als ernstnehmender Vertreter seiner Zunft zur Kenntnis genommen wurde. Dieser Ridley Scott präsentierte jetzt einen Haufdrauf-Schinken, und man konnte glauben, dies sei der erste Kriegsfilm, der jemals in Hollywood entstanden war! Viele publizistische Platzpatronen wurden verschossen, der Filmstart als inszenierter Skandal medienwirksam um einige Monate nach hinten verschoben und die allgemeine Neugier so lange angefacht, bis sie im Kino befriedigt werden konnte.

Kritik und Medien im Krieg

Wie sich herausstellte, hatte „Black Hawk Dawn“ solche Schützenhilfe weder nötig noch verdient. Wie bereits anklang, sieht der Zuschauer nichts, das er nicht schon früher gesehen hätte. Tatsächlich ist „Black Hawk Down“ nur formal, jedoch nicht inhaltlich spektakulär. Wieder einmal sahen unsere Tugendbolde primär das, was sie sehen und attackieren wollten. Welche echte Kritik an diesem Film zu üben ist, kann sich der unvoreingenommene Zuschauer schnell vor Augen führen: Man ersetze die wackeren US-Soldaten durch einen versprengten Trupp der Kavallerie, die bösen Somalis durch mordlüsterne Indianer. Das Ergebnis ist ein stinknormaler Western, den freilich heutzutage kaum jemand mehr sehen möchte.

„Black Hawk Down“ kann man unterhaltsam finden oder einfach nur widerlich, aber es steckt keinerlei Substanz i. S. von geistig-moralischer Aufrüstung des Publikums in Vorbereitung auf einen heiligen US-Krieg gegen die Finsterlinge dieser Welt dahinter. Nur Medienhype und Kritikergeheul adeln diesen Film zum Skandal. Auch das ist nicht neu: 1968 fühlte sich Haudegen John Wayne dazu veranlasst, höchstpersönlich einem Vietnamkrieg-Streifen in Szene zu setzen, der natürlich ausschließlich Partei für ‚seine‘ USA ergriff. „The Green Berets“ (dt. „Die Grünen Teufel“) entfachte besonders hierzulande einen regelrechten Aufstand. Der Film verschwand für fast ein Vierteljahrhundert spurlos – und wurde zu einem düsteren Mythos: Welch übles Machwerk musste es es sein, das man nicht zu zeigen wagte! Dann zog es der Privat-TV-Sender Pro7 aus der Zelluloid-Katakombe, und siehe da: „The Green Berets“ entpuppte sich als Kino pur, knallbunt und so herzergreifend naiv, dass nur der dümmste Eiferer es für ein Abbild der Realität halten konnte. (Der Film wird seitdem durchschnittlich zweimal pro Jahr wiederholt.)

Das gilt auch für „Black Hawk Down“. Deshalb lasse man sich aber nicht durch die Verteidiger dieses Streifens in die Irre führen. Sie rühmen den ungeschminkten Realismus des blutig-glanzlosen Gemetzels um Fort Mogadischu – und scheinen in einem ganz anderen Film gesessen zu haben. Zwar ist wahr: „Black Hawk Down“ geizt besonders in der ersten Hälfte nicht mit Szenen, in denen die Amerikaner gar nicht gut aussehen. Die bittere, von Scott nicht geleugnete Wahrheit ist, dass die Quadratur des Kreises des Kreises unmöglich bleibt: der ‚saubere Krieg‘, der nur die Bösen trifft, die Unschuldigen schont und die Verteidiger von Recht & Ordnung mit heiler Haut heimkehren lässt. Sobald echte Kugeln fliegen, löst sich alle Planung in Chaos und Panik, Mord und Totschlag auf.

Krieg ist die (abenteuerliche) Hölle!

In einer der wenigen gelungenen Szenen sitzen sich General Garrison (sparsam, aber überzeugend verkörpert von Sam Shepard) und Aidids Berater und Waffenlieferant Osman Atto gegenüber. Dieser listet dem Amerikaner knapp, aber prägnant die Gründe dafür auf, wieso sich der Bürgerkrieg niemals von außen beenden lassen wird, während jener kontert, dass 300000 mutwillig zu Tode gebrachte Somalis eine Einmischung im Namen der Menschlichkeit erzwingen. Beide haben sie Recht, beide werden ihre Standpunkte niemals aufgeben, eine Lösung gibt es nicht, und so ist es kein Wunder, dass sich die Spirale aus Gewalt und Gegengewalt unbeeindruckt weiterdreht.

Solche Momente sind selten in einem Film, den bald der Mut verlässt. Turbulente Feuergefechte, die Gewalt verfremdet durch Wackel-Kamera, Zeitlupe und Stakkato-Schnitt, um eine möglichst niedrige Altersfreigabe zu erhalten, dazwischen eingestreut einige Splatter-Effekte, um daran zu erinnern, dass es im Krieg ums Töten geht, ersetzen die Handlung, während ein dolby-digitales Klanggewitter über die Zuschauer niedergeht. Schlimm sind stets die Kampfpausen. Brechenden Auges, aber mit großen Worten („Sagt meinen Eltern, ich habe heute gut gekämpft!“) wird vorbildlich tapfer gestorben, während schleimig der 08/15-Military-Einheits-Soundtrack dröhnt. Zum Schluss wieder starke Bilder (übrigens durchweg künstlich ihrer Farbkraft beraubt, um die Trostlosigkeit der – allerdings grandiosen – Mogadischu-Kulisse hervorzuheben), als sich der zusammengeschossene Ranger-Rest über die unsichtbare Grenze zwischen der Kriegszone und dem ‚friedlichen‘ Stadtviertel des pakistanischen NATO-Hauptquartiers schleppt.

Hinter den Soldaten steht nun ruhig der Mob, der gerade noch wie von Sinnen auf sie eindrang, vor ihnen tauchen schwarze Menschen auf, die ganz genauso aussehen, sie aber bejubeln und im Triumph in den Stützpunkt führen. Surrealer Höhepunkt der abrupten Rückkehr in eine andere Welt: Eine Schar fein gewandeter Bediensteter serviert den völlig abgekämpften, verdreckten, blutenden, verstörten Soldaten Eiswasser-Drinks auf silbernen Tabletts; man starrt einander an wie Außerirdische. Aber dann muss einer der wackeren Streiter noch eine markige Rede darüber halten wie es ist, Soldat zu sein („Niemand kann es verstehen, der nicht hier war!“), bevor er sich neue Munition holt und in den Hexenkessel zurückkehrt, um dort seine patriotische Pflicht zu tun.

Endlos-Demo für ein Baller-Game

Sein weniger mutiger (oder einfach nur klügerer) Kamerad erzählt anschließend viel blumigen Schwachsinn über der Leiche eines gefallenen Kriegers, bevor die Kamera langsam über 18 aufgebahrte Leichensäcke schwenkt und dann zum Epilog abblendet, dem wir entnehmen können, dass sich die NATO sechs Wochen nach dem Mogadischu-Drama aus dem Land zurückzog. Seither dürfen sich die Somalis wieder ungestört abschlachten; auch Aidid hat es längst erwischt.

„Black Hawk Dawn“: ein Sturm im Wasserglas, hinter dessen Dunstschwaden bei ruhiger Betrachtung ein spannendes, aber durchweg routiniertes, auf uralte Genre-Klischees bauendes Krieg-als-Abenteuer-Spektakel zum Vorschein kommt. Wer’s gern laut und deftig hat, kommt auf seine Kosten und sollte sich deshalb kein schlechtes Gewissen einreden lassen. Alle übrigen Zuschauer erwartet einfach nur Mittelmaß.

P. S.: Stab und Schauspieler-Schar stelle ich hier nicht vor. Besonders letztere ist dank Bürsten-Haarschnitt, Dreck & Blut sowieso nur schwer auseinanderzuhalten und fällt außerdem nicht durch besondere darstellerische Leistungen auf.

DVD-Features

Sogar die ansonsten sparsam mit Extras ausgestattete DVD-Ausgabe des Films wartet mit interessanten Features auf. Zwar in englischer Sprache, aber deutsch untertitelt, kann man sich „Black Hawk Dawn“ gleich dreifach mit interessanten Audiokommentaren (Regisseur Ridley Scott und Jerry Bruckheimer, Autoren Mark Bowden und Ken Nolan, US-Special-Forces-Veteranen) anschauen, wobei man auf Objektivität lieber nicht hoffen sollte.

Eine Reihe weiterer Dokumentationen bzw. informationsverblendeter Werbung bleibt der Blu-ray-Ausgabe vorbehalten.

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Black Hawk Down
Originaltitel: Black Hawk Down (USA 2001)
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Ken Nolan (nach „Black Hawk Down: A Story of Modern War“, geschrieben von Mark Bowden)
Kamera: Sławomir Idziak
Schnitt: Pietro Scalia
Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Rangers: Josh Hartnett (SSG Matt Eversmann), Ewan McGregor (SPC John „Grimesey“ Grimes), Tom Sizemore (LTC Danny McKnight), Ewen Bremner (SPC Shawn Nelson), Gabriel Casseus (SPC Mike Kurth), Hugh Dancy (SFC Kurt „Doc“ Schmid); Delta Force: Sam Shepard (MG William F. Garrison), Eric Bana (SFC Norm „Hoot“ Gibson), William Fichtner (SFC Jeff Sanderson), Kim Coates (MSG Chris Wex), Steven Ford (LTC Joe Cribbs); 160th SOAR: Ron Eldard (CW4 Michael Durant), Glenn Morshower (LTC Tom Matthews), Jeremy Piven (CWO Clifton Wolcott); die Bösen: George Harris (Osman Atto), Razaaq Adoti (Yousuf Dahir Mo’alim) uva.
Label/Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 03.09.2003 (DVD u. Blu-ray), 04.01.2013 (Blu-ray-Steelbook)
EAN: 0886973828298 (DVD)/0886975491292 (Blu-ray)/0887654230997 (Blu-ray-Steelbook)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 138 min. (Blu-ray: 144 min.)
FSK: 16

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