Darsteller: Fiore Tedesco, Tony Stone, David Perry, Gaby Hoffmann, Noelle Bailey, James Fuentes
Regie: Tony Stone
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Ascot Elite Home Entertainment

O-Titel: Severad Ways: The Norse Discovery of America
Land/Jahr: USA 2007
Produzent: Tony Stone
Regie-Assistenz: John Rosenthal
Drehbuch: Tony Stone
Kamera: Nathan Corbin, Damien Paris
Musik: Judas Priest, Dimmu Borgir, Brian Eno, Popol Vuh, Morbid Angel uvm.
DVD Features: Originaltrailer und zusätzliches Tonformat bei DD 5.1 Altnorwegisch
Laufzeit: 109 min.

Die Story: Im Jahre 1007 n. Chr. verbleiben zwei tot geglaubte Wikinger-Kundschafter auf dem nordamerikanischen Kontinent allein zurück. Der Rest ihrer Plünderungs- und Eroberungsexpedition wurde kurz zuvor (vor Beginn der Filmhandlung) von den einheimischen Indianern massakriert. Als die beiden – aus einer Bewusstlosigkeit infolge eines Kampfes? – wiedererwachen, beginnen sie mit ihrem Überlebenskampf. So weit, so gut. Aus dieser Situation ließe sich so einiges machen, man hofft auf einen History-Reißer einer Epoche, von der man noch nicht so viel gesehen hat.

Doch leider wird einem nach wenigen Szenen klar, dass die Hoffnung nicht erfüllt werden wird; und mit jeder weiteren Minute schwindet die Aussicht auf einen spannenden Survival-Film Wikinger vs. Indianer, welche von den Nordmännern als Skaerlinger bezeichnet werden.

Kann man die wackelige Handkamera noch anfangs als begrenztes Sichtfeld des Wikingers aus seinem Helmvisier interpretieren, nervt sie aber dann rasch, wenn die beiden das Ding gar nicht mehr aufhaben.
Wortkarg stapfen die beiden über den Kiesstrand, glotzen nur doof und teilnahmslos (nicht aber wegen eines möglichen Schocks) auf ihre gefallenen Landsleute nieder und verlieren kein Wort darüber, dass sie verlassen sind, die Skaerlinger ihnen nicht vollends den Garaus gemacht haben oder wie es denn weitergehen soll. Keine Diskussion über ihre Chancen etwa nach Hause zu kommen, oder auf diesem fremden Kontinent, bewohnt von feindlich gesinnten Einheimischen, ihr Überleben zu sichern. Ein Konflikt zwischen zwei Strategien läge auf der Hand und gäbe genug her für die Handlung, aber beide sind sich stumm einig, tappen planlos durch die Gegend und bauen sich dann erst mal einen Unterstand.

Anstatt ihre getöteten Landsleute anständig nordisch zu begraben, hacken die beiden munter drauflos, dass es im Wald von den Axthieben nur so schallt. Keiner der beiden scheint Bedenken zu haben, dass auf einmal der halbe Indianerstamm um sie herumlungert, welcher vorher die ganze Besatzung des Wikingerschiffes umgebracht hat. Auch der Standort ist nicht überlegt, zumindest hat der Zuschauer keinen Hinweis erhalten, warum ausgerechnet hier, in der Nähe der Skaerlinger und nicht weit weg irgendwo anders. Kaum ist der Unterstand fertig, schon facht man ein nettes Feuerchen an, dass im Umkreis von dutzenden Kilometern jedem Indianer zeigt: hier sind noch zwei Idioten, die ihr vergessen habt abzumurksen.

Nach einer anständigen Mahlzeit beschließen die beiden nicht auf – wen schon? Keiner weiß, dass sie noch am Leben sind – zu warten und marschieren am nächsten Morgen los. Wohin? Wollen die beiden zu Fuß von Nordamerika zurück nach Norwegen? Hoffen sie auf diesem riesigen Kontinent anderswo Wikinger zu finden? Wiederum keine Diskussion, kein Grübeln, keine Verzweiflung – Odin bewahre! Schließlich sind sie Nordmänner und keine Waschweiber.

So etwas ähnliches finden sie kurz darauf: Eine Lichtung mit einer mickrigen Holzkapelle samt ein paar Christenmissionare, von denen man nur vage vermuten kann, wie sie nach Nordamerika gelangten. Ohne viele Worte metzelt der Blonde der beiden einen Mönch nieder, während der dunkelhaarige Wikinger den letzten fliehenden Mönch in den Wald verfolgt und nach einiger Hetzerei am Leben lässt. Die Erinnerung an einen früher getöteten Christen, der seine Schwester bekehren oder vernaschen wollte, hält ihn von einem Mord ab.

Nach einiger Zeit trennen sich die Wege der beiden Wikinger, der Blonde fragt nicht warum sich sein Kollege absondert. Der Dunkelhaarige scheint sich vorsichtig dem Mönch anzunähern, möglicherweise aufgrund des ach so friedfertigen Verhaltens des Mönches, oder seiner barmseligen (nicht hörbaren) Missionarsworte.

Der Blonde tappt mittlerweile in die Falle einer einzelnen Indianerin, welche ihn mit einer Brombeer-Gabe betäubt und in ihr Waldtipi verschleppt (tolles Weib; schleift einen ausgewachsenen Wikinger nur mit blanken Händen über den Waldboden), um ihn wehrlos zu vergewaltigen. Hält sie ihn für einen der sagenhaften Weißen Götter oder ist sie nur geil? Gibt es keine knackigen Indianerburschen, welche ihr zu Diensten sein könnten? Nun ja, vielleicht sind das ja auch nur die Männerfantasien des Helden/Regisseurs, der gerne mal eine Indianerin…

Schließlich finden sich die beiden Wikinger zufällig wieder und der Blonde hat nichts besseres zu tun, als den begleitenden Mönch niederzuhacken, während kurz darauf sein Kumpel von einem einzelnen Indianer einen Pfeil in die Brust bekommt. Logisch: Der Blonde rächt sich, und marschiert dann schnurstracks weiter in die Gegend, um schlussendlich im Schnee einzuschlafen und zu erfrieren.

Ich glaube nicht, dass die Wikinger so blöde waren, sich in feindlichem Gebiet so töricht zu verhalten. Ich hätte ihnen eher zugetraut, dass sie sich ein kleines Boot bauen, um an der Küste entlang zu segeln, fernab der Indianer, einen Heimweg – zumindest zu versuchen – zu finden. Man hätte aus der Story weitaus mehr machen können, aber Tony Stone ist halt kein Roland Emmerich oder Steven Spielberg oder Wolfgang Petersen oder David Lynch oder…

Um es auf den Punkt zu bringen: Chance vertan, Low-Budget hin oder her, allein mit Metalmusic-Untermalung lässt sich mit dem Ding kein Staat machen, 109 Minuten Enttäuschung und Langeweile.

(c) 2009 by Werner Karl

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Der Pfad des Wikingers – Severed Ways