Der rote Korsar

Originaltitel: The Crimson Pirate

FSK: ab 12 Jahre
Laufzeit: 101 Minuten

Regie: Robert Siodmak
Darsteller: Burt Lancaster, Nick Cravat, Eva Bartok

Produktion: USA 1952
Produktionsfirmen: Norma
Produzent: Harold Hecht, Burt Lancaster

„Glaubt nur, was Ihr seht – nein, glaubt nur die Hälfte davon!“

So beginnt einer der besten Piratenfilme aller Zeiten und stimmt auf eine abenteuerliche Handlung ein, die im 18. Jahrhundert in der karibischen See spielt.

Piratenkapitän Vallo (Burt Lancaster) und seine Mannschaft kapern ein königliches Schiff, an Bord der Sonderbeauftragte des Königs – Baron Gruda (Leslie Bradley) – und eine Ladung voller Waffen.

Vallo sieht eine Möglichkeit seinen Profit zu steigern. Er will die Waffen an den Rebellenführer El Libre (Frederick Leister) verkaufen und diesen gleichzeitig an Baron Gruda verraten, womit der Baron natürlich einverstanden ist. Vallo und sein stummer erster Offizier Ojo (Nick Cravat) machen sich nun daran, den Plan in die Tat umzusetzen.

Als sie mit El Libre Kontakt aufnehmen wollen, treffen sie auf dessen schöne Tochter Consuelo (Eva Bartok). Diese erklärt man habe Interesse an den Waffen, doch El Libre befände sich in Gefangenschaft des Gouverneurs von San Pero. Also beschließt Vallo, El Libre erst einmal zu befreien. Verkleidet als Baron Gruda gelingt ihm das Kunststück sogar, doch er wird erkannt und muss fliehen.

An Bord des Piratenschiffs erfährt Consuelo nun, dass Vallo die Rebellen ans Messer liefern will. Doch Vallo hat sich in Concuelo verliebt und beschließt sie freizulassen. Das führt zu einer Meuterei. Vallo, Ojo und der Wissenschaftler Professor Elihu Prudence (James Hayter) – ein Freund von El Libre – werden zum Tode verurteilt und in einem Ruderboot ausgesetzt.

Doch erneut gelingt es Vallo dem Tode zu entgehen. Er setzt nun alles daran Consuelo zu retten und die Rebellen zum Sieg zu führen. Aber einer der Rebellen macht ihm einen Strich durch die Rechnung …

„Der rote Korsar“ wurde 1952 von Harold Hecht und Burt Lancaster produziert. Regie führte dabei Robert Siodmak, während sich Burt Lancester um die Stuntszenen kümmerte. Für Lancaster ein Kinderspiel, bildete er doch mit Nick Cravat in den 1930er Jahren das Artistenduo „Lang and Cravat“. Kein Wunder, dass sich die beiden Freunde in diesem Piratenabenteuer perfekt ergänzen und artistisch einwandfreie Einlagen zum Besten geben. „The Crimson Pirate“ – so der englischsprachige Originaltitel – war für viele Jahre im Bereich der Action richtungsweisend.

Obwohl die Handlung einige logische Makel aufweist, fallen Diese bei solch einem Klassiker kaum ins Gewicht. Die Handlung ist spannend, die Action selbst für heutige Verhältnisse ordentlich und es gibt eine gesunde Prise Humor. Dazu eine passende Liebesgeschichte, harte Männer und schießende Piratenschiffe – also alles, was das Herz begehrt. „Der rote Korsar“ braucht mit modernen Piratenfilmen wie „Der Fluch der Karibik“ keinen Vergleich zu scheuen, denn in den Kernelementen hält Siodmaks Film locker mit, hängt den modernen Disney-Streifen sogar ein wenig ab.

Die Spielfreude der einzelnen Darsteller ist schlichtweg überwältigend. Der stets verschmitzte Vallo, sein stummer Kumpan Ojo und die hinreißende Consuelo – ein traumhaftes Trio, dass den Zuschauer schlichtweg in diesen Piratenfilm hineinentführt.

Doch auch die anderen Darsteller sind Meister ihres Fachs. So sehen wir einen jungen Christopher Leer oder den genial gespielten Bootsmaat Humble Bellows (Torin Thatcher). Hier vermischen sich einfach Talent, Handwerkskunst und Schaffensfreude miteinander.

Natürlich müssen einige Abstriche gemacht werden, was moderne Technologien angeht. Aber das macht genau den Charme des Films aus, gibt den nötigen Kick beim zugucken.

Manch einen mag übrigens verwundert sein, dass „Der rote Korsar“ selbst auf DVD nur im TV-Format vorliegt. Das ist einfach deswegen so, weil das Breitbildformat Cinemascope erst 1953 mit dem Monumentalfilm „Das Gewand“ (Originaltitel: The Robe) eingeführt wurde. „Der rote Korsar“ lief ein Jahr vorher in den Kinos an.

Vieles aus dem Film ist bis heute unvergessen geblieben und hat nachfolgende Piratenfilme geprägt. Hollywoodstar Eva Bartok (niemand kennt ihr wahres Alter, werden doch verschiedene Geburtstage angegeben) hat es in ihrem Leben übrigens leider schlecht getroffen. Zwar gelang ihr an der Seite von Burt Lancaster der internationale Durchbruch, doch nach fünf Ehen starb sie 1998 in London – verarmt und vergessen. Einer ihrer vielen Ehemänner war übrigens Curd Jürgens

„Der rote Korsar“ ist einer der besten, wenn nicht sogar der beste Piratenfilm schlechthin. Er bietet alles, was einen Piratenfilm ausmacht, hervorragend arrangiert und fotografiert. Dazu beeindruckende Bühnenbauten, erstklassige Stunts (zu Wasser, zu Lande und gar in der Luft) und herausragende Schauspieler. Diesen Film muss man einfach gesehen haben!
(Günther Lietz)

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Der rote Korsar
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