Duell der Magier

Originaltitel: The Sorcerer’s Apprentice
Produktion: USA 2010
Länge: 109 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Jon Turteltaub
Drehbuch: Lawrence Konner, Mark Rosenthal, Matt Lopez
Produktion: Jerry Bruckheimer
Musik: Trevor Rabin
Kamera: Bojan Bazelli
Darsteller: Jay Baruchel (Dave Stutler), Nicolas Cage (Balthazar Blake), Alfred Molina (Maxim Horvath), Teresa Palmer (Becky), Monica Bellucci (Veronica), Alice Krige (Morgana), Gregory Woo (Sun Lok), Toby Kebbell (Drake Stone)

Disney und Bruckheimer haben sich zusammengetan, einen erstklassigen Film gedreht, den unnötigen Schrott rausgeschnitten und aus diesem Schrott „Duell der Magier“ gemacht. Denn – bei aller Objektivität, Liebe zum Film und dem Hang Jerry Bruckheimer Klasse zu finden – der Film ist einfach miserabel.

Im Original lautet der Filmtitel „The Sorcerer’s Apprentice“, was übersetzt „Der Zauberlehrling“ bedeutet. Und darum geht es im Grunde auch. Die Zauberlehrlinge Merlins haben sich einer Liebschaft wegen verkracht, einer wechselt nun die Seiten und dient der fiesen Morgana, Merlin wird umgebracht, Morgana und  Veronica (der weibliche Zauberlehrling, gespielt von Monica Bellucci) in einer Puppe gefangen und dann dauert es eintausend Jahre, bis der Erbe Merlins gefunden wird.

Bei dem handelt es sich natürlich um den nerdigen Physikstudenten Dave Stutler (Jay Baruchel). Moment, stopp, zuerst ist er einfach nur ein normaler Junge, den das Schicksal in einen Laden für Antiquitäten treibt. Dort lernt er einen verschrobenen Kerl kennen: Balthazar (Nicolas Cage). Und der ist der gute Lehrling von Merlin und will seinerseits nun den Jungen – Dave – zum Lehrling haben. Damit dieser halt Merlins Erbe antritt und Morgana endgültig erledigt. Mit diesem Kunstgriff in der Erzählung – also nach der langweiligen und zeitraubenden Vorgeschichte eine Vorgeschichte zu erzählen – holt Regisseur Turteltaub sofort noch ein paar Kinder und Eltern ins Kino. Immerhin erinnert die Sequenz netterweise an „Die unendliche Geschichte“ (Bibliothek, verschrobener Bibliothekar, verzaubertes Buch) und mixt ein wenig „Harry Potter“ hinein. Hollywood weiß genau, wo es den zahlenden Kunden abzuholen hat.

Zehn Jahre nach dem Ereignis ist Dave also Student und hat seine Kindheitserlebnisse erfolgreich therapiert. Da läuft ihm seine Angebetete von Damals wieder über den Weg und studiert prompt auch Physik – ohne darauf Lust zu haben oder überhaupt die Grundlagen zu kennen. Egal, denn das ist für den Film ohne Bedeutung. Von Bedeutung ist nur, dass die kesse Blondine auf den trotteligen Dave steht und er sie anbaggern kann.

Der ist inzwischen dann doch Balthazars Lehrling geworden und mit Hilfe eines dickens Rings aus dem Kaugummiautomaten hat er den Saft – nein, das war ja „Spaceballs“. Also mit einem dicken Ring der sich bewegt und wie eine Schlange oder ein Drache windet, hat er eine Verbindung zur Unendlichen Kaiserin. Nein! Stop! Wieder falsche Film! Jetzt aber: Mit einem dicken Ring am Finger hat er die Kraft zu zaubern, was zu witzigen Situationen führt. Nun, ehrlich gesagt, es gibt nur eine witzige Sache – wenn der doofe Dave in Anlehnung an den Zauberlehrling und „Fantasia“ (Disneys erstklassiger Zeichentrickfilm aus 1940) eine Putzkolonne beschwört und dazu der alte Disney-Soundtrack läuft. Ja, da kommt für einige Sekunden Laune auf. Überhaupt werden hier gerne Filme aus der eigenen Mottenkiste bemüht. Mögen es nun die Spiegel sein (ebenfalls „Fantasia“) oder auch der Soundtrack, der schnell mal „Der Fluch der Karibik“ entlehnt wird. Und das einige Szenen wie „Ghostbuster“ anmuten, ist sicherlich auch kein Zufall.

Dave ist nun also Lehrling wider willen und da taucht auch schon der Bösewicht mit seinen Helfershelfern auf. Der Bösewicht ist Alfred Molina als Maxim Horvath. Molina – bekannt aus „Spider-Man 2“ – spielt den tragischen Bösewicht, der einer Liebe wegen auf dem falschen Pfad wandelt. Oh, das klingt auch genau wie „Spider-Man 2“. Irgendwie ein Aufguss und damit vielleicht die Erklärung, warum Molina als Bösewicht so blass und wässrig ist. Also wenden wir uns doch lieber dem anderen Cast zu. Zum Beispiel der göttlichen Monica Bellucci, dieser anbetungswürdigen Frau, die ebenfalls in „Duell der Magier“ mitspielt. Zugegeben, nur ein paar Augenblicke und wer blinzelt könnte sie verpassen. Aber sie spielt mit. Im Grunde wird sie mit ihrem Kurzauftritt einfach nur verheizt.

Auch die restliche Besetzung hat nur knappe oder farblose Auftritte. Manche sogar beides. So kann sich der Zuschauer vollkommen auf die beiden Hauptdarsteller konzentrieren: Jay Baruchel und Nicolas Cage. Nun, was kann über die beiden Jungs gesagt werden? Also, Cage sieht mit seinen langen und fettigen Haaren einfach toll aus, als sei er gerade seinem Streifen „Con Air“ entsprungen. Er zeigt große Spielfreude und ist der einzige Darsteller, der wirklich überzeugt und dessen Rolle spannend ist.

Jay Baruchel spielt dagegen einen Trottel und wirkt auch so. Talent oder Talentfreiheit, das ist hier die Frage. Hoffentlich ist es Talent, denn das wird er für einen guten Film auch brauchen. In „Duell der Magier“ kaspert er einfach nur herum, sorgt für lustige Szenen und rettet am Ende die Welt. Wer meint damit wäre im nun das Finale verraten worden, der soll doch bitte nachdenken, denn: Natürlich wird der Held in einem so verdammt einfallslosen Film am Ende die Welt retten. Immerhin haben wir hier familientaugliche Hollywood-Massenware ohne neue Ideen, ein gutes Konzept oder gar künstlerischen Anspruch. Dafür ein in sich widersprüchlicher Film, der in sich unschlüssig ist.

Wenigstens auf eine Sache können sich die Fans aber verlassen: In einer Produktion von Jerry Bruckheimer gibt es ordentlich Action. Und die wird hier auch geboten. Es kracht an allen Ecken und Kanten, jagt ein Drache durch die Straße und wird allerlei Zeug zerlegt. Der Magier fliegt sogar auf einem gigantischen Adler durchs düstere Bild. Zugegeben, dass stammt ja nun aus „Der Herr der Ringe – Die Zwei Türme“. Aber es sieht in dieser Adaption verdammt schick aus. Sound- und Lichteffekte sind einfach genial. Wobei, so ganz neu sind die nun auch nicht. Aber geschenkt.

„Duell der Magier“ ist einfach ein Streifen ohne Innovation, in dem blasse Figuren in einer krachenden Kulisse agieren, um eine Actiongeschichte zu erzählen. Dazu kleine Liebesgeschichten mit schicken Mädels drangehängt. Der ganze Streifen ist wunderbar auf ein anspruchsloses Publikum zugeschnitten. Alles ab zwölf Jahren darf rein (Kinder haben eh noch keine Ahnung, wo alles geklaut wurde), um sich den Kram anzugucken. Wer keine Ahnung vom Film hat, ein langweiliges Thema mag oder sein Hirn einfach nur beschallen lassen möchte, der sollte sich den Film anschauen. Es ist als ob der Zuschauer nach Hause kommt: Nix Neues, aber bequem.

Copyright © 2010 by Günther Lietz