Prince of Persia – Der Sand der Zeit


Prince of Persia: The Sands of Time (USA 2010)
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
116 Min.
Verleih: Walt Disney
Start: 20. 05. 2010

Regie: Mike Newell
Produktion: Jerry Bruckheimer, Chad Oman, Eric Mcleod, Mike Stenson
Drehbuch: Jordan Mechner, Boaz Yakin, Doug Miro, Carlo Bernard
Musik: Harry Gregson-Williams

Darsteller: Jake Gyllenhaal (Dastan), Gemma Arterton (Tamina), Sir Ben Kingsley (Nizam), Alfred Molina (Sheik Amar), Steve Toussaint (Seso), Toby Kebbell (Garsiv), Richard Coyle (Tus), Ronald Pickup (King Sharaman), Reece Ritchie (Bis), Gísli Örn Garðarsson (Hassansin Anführer)

http://www.disney.de/prince-of-persia/
http://kyzr.free.fr/davidbelle/

Der Prinz von Persien hat den gewaltigen Sprung vom Videospiel auf die Leinwand gewagt und ist auf den Füßen gelandet.

Prinz Dastan (Jake Gyllenhaal) ist der jüngste von drei Brüdern, obwohl von Geburt kein Königssohn, sondern adoptiert. Mit den Prinzen Tus (Richard Coyle) und Garsiv (Toby Kebbell) macht er sich nun daran die heilige Stadt Alamut zu erobern, um die dortigen Waffenlager auszuheben. Doch der Triumph der Brüder weicht schon bald Trauer, Hass und Verrat.

Schlussendlich ist Dastan als Mörder gebrandmarkt und mit der schönen Prinzessin Tamina (Gemma Arterton) auf der Flucht. Im Besitz des Prinzen befindet sich ein verzauberter Dolch, der im Mittelpunkt des Verrats steht und die Zeit beeinflussen kann. Dastan versucht nun seine Unschuld zu beweisen und ringt schlussendlich gar um das Überleben des ganzen Welt …

Die Handlung ist schnell erzählt und weist keine besonderen Überraschungen oder Wendungen auf. Mike Newell legt Wert auf eine in sich schlüssige Erzählung und optimale Vermarktung, dementsprechend einfach ist die Geschichte gestrickt und an den richtigen Stellen mit den passenden dramatischen Elementen gespickt. Newell versteht sein Handwerk, ebenso wie Jerry Bruckheimer, der sich für die Produktion von „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ auszeichnet. Bei einem solchen Blockbuster gibt es keine großen Experimente – und das macht den Film so gut.

Der Film basiert auf der beliebten Videospielreihe „Prince of Persia“, die aus dem Hause Ubisoft stammt und sich großer Beliebtheit erfreut. Newell meidet die üblichen Fallstricke, die Videospieladaptionen mit sich bringen. Er versucht den Nerv des Spiel zu treffen und bietet keine exakte Umsetzung. Trotzdem sind alle wichtigen Elemente enthalten, so das es einen hohen Wiedererkennungswert gibt, und dennoch punktet der Film durch ein großes Maß an Eigenständigkeit.

Regisseur Mike Newell vergeudet auch keine Zeit mit einer langwierigen Charaktervorstellung, sondern wirft seinen Helden sofort ins Geschehen. Innerhalb weniger Augenblicke steht fest: Das ist der Prinz, er kann turnen und er hat eine scharfe Zunge. Perfekt!

So rasant und auf diese Punkte konzentriert geht es auch weiter. Mit Tamina erscheint die weibliche Hauptrolle auf der Bühne und schon gibt es bissige Dialoge zwischen Dastan und der Prinzessin. Auch hier folgt der Film dem Gedanken des Videospiels, zudem vermittelt er noch brüderliche Stärke, Familien- und Gerechtigkeitssinn. Es ist ein Disney-Film und entsprechend familienfreundlich kommt „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ auch daher. Die Kritik an Gemma Arterton als Tamina in diesem Zusammenhang – sie sei für die Rolle zu wenig sexy – ist unsinnig. Auch das die harten Ecken und Kanten abgeschliffen wurden ist einfach passend. Dabei zeigt Newells Arbeit eindrucksvoll, dass es keiner blutigen Gewaltorgien bedarf, um überzeugende und atemberaubende Action zu präsentieren.

Die Action steht in dem Film natürlich im Vordergrund, vor allem die akrobatische Fortbewegung des Prinzen Dastan. Für die Choreographie zeigt sich David Belle verantwortlich, der als Begründer des „Le Parkour“ gilt – der Kunst, durch Überwindung sämtlicher Hindernisse den schnellsten und effizientesten Weg vom Startpunkt zum Zielpunkt zu nehmen. Belle versteht sein Handwerk und seine Choreographie ist ausgezeichnet. Die akrobatischen Kunststücke sind gelungen umgesetzt, leichtfüßig und atemberaubend. Wer nun glaubt das sei alles von Stuntmen unterstützte Tricktechnik, der sollte sich das ein oder andere Video von David Belle und seinen Kollegen anschauen. Die bewegen sich oft atemberaubender als der Prinz durch die Großstädte.

Tricktechnik spielt zwar eine große Rolle in „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“, trotzdem ist vieles noch hausgemacht und liebevoll umgesetzt. So hat Jake Gyllenhaal darauf bestanden möglichst jeden seiner Stunt selber durchzuführen, was zu mehreren leichten und schweren Blessuren führte. Gyllenhaal, der bisher nur in kleineren Produktionen auf sich aufmerksam machte, war nach Orlando Bloom and Zac Efron zwar nur dritte Wahl, ist aber um so perfekter. Er verkörpert Prinz Dastan atemberaubend und lässt keine Zweifel daran, dass er für die Rolle des Prinzen die erste Wahl ist. Körperbau, Mimik und das Augenspiel sprechen für sich. Jake Gyllenhaal hat auch hart an sich gearbeitet, um den Schritt in eine solch große Produktion zu schaffen. Hartes Training an sich selbst und die Umstellung auf einen generalstabsmäßigen Produktionsplan standen auf dem Programm. Gyllenhaal hat es geschafft und ist mit seiner Rolle als Prinz Dastan an der Spitze angekommen. Gut, dass der Prinz schwindelerregende Höhen liebt. Dastan ist übrigens ein waschechter Märchenprinz. Das persische Wort für Märchen und Geschichte lautet nämlich „dâstân“.

An Gyllenhaals Seite agiert Gemma Arterton in der Rolle von Tamina. Sie ist die widerspenstige Ungezähmte, die dem Prinzen richtig heftig zusetzt, stolz und mit einem reinen Herzen – das idealisierte Bild einer persischen Prinzessin eben. Das macht Arterton übrigens aktuell zur amtierenden Disney-Prinzessin. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig in Anbetracht ihrer bisherigen Rollen wie Strawberry Fields in „James Bond: Ein Quantum Trost“ (2008) auch Io in „Kampf der Titanen“ (2010). Gemma Arterton versprüht nun keinen Sex wie Megan Fox, sondern verbindet hervorragend Erotik und Familienunterhaltung. Zudem kann sie exzellent spielen und ist das passende Gegengewicht zu Gyllenhaal. Zugegeben, die beiden haben nur wenig Dialog miteinander, aber der ist witzig spritzig. Und ein guter Actionfilm kommt sowieso ohne großartig tiefsinnige Gespräche daher.

Neben Jake Gyllenhaal und Gemma Arterton überzeugen auch die übrigen Darsteller mit ihrer Leistung. Allen voran natürlich Sir Ben Kingsley („Shutter Island“, „Schindlers Liste“), der Dastans Onkel Nizam zum Besten gibt und in dieser Rolle sogar einige Actionszenen spendiert bekommt. Auch Alfred Molina („Spider Man 2“) zeigt eine hervorragende Leistung. Beide stehen stellvertretend für die restliche Besetzung, die sehr hochwertig ist und auf einem ebensolchen Niveau agiert. Dadurch wirkt der Film lebendig und glaubhaft – ein persisches Hollywoodmärchen eben.

Die passende Musik zu diesem Märchen wird von Harry Gregson-Williams beigesteuert, der einen westlich modernen, aber dennoch orientalisch orientierten Score kreierte. Dabei kann Gregson-Williams auf seine jahrelange Berufserfahrung im Bereich Filmmusik und Videospielmusik bauen. Das ist in „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ gut zu hören und macht stets Laune. Die Musik klingt exotisch, aber keinesfalls fremdartig oder störend. Und das macht den Score so schön. Den Soundtrack sollten sich Kinogänger jedenfalls vormerken.

Zugegeben, ein wenig Kritik gibt es natürlich auch an diesem Film, denn es schleicht sich schon die ein oder andere kleine Logiklücke ein und leider mangelt es an tödlichen Fallen, über die Prinz Dastan hüpfen könnte. In den Videospielen sind die Fallen halt stets präsent und ein Markenzeichen der Reihe. Aber das sind Punkte, die vollkommen vernachlässigt werden können.

Was bleibt ist ein grandioser Actionstreifen, der an Bruckheimers „Fluch der Karibik“ anknüpft und zu den besten Abenteuer-Actionfilmen gehört, die derzeit in den Kinos laufen. „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ dürfte auch zu den besten Videospieladaptionen gehören, die jemals gedreht wurden – vielleicht ist der Prinz sogar die beste Umsetzung überhaupt. Humorvoll, leichtfüßig und verspielt – einfach märchenhaft!

Copyright © 2010 by Günther Lietz