Endlich hat das Warten ein Ende. Fünf Jahre nach Erstausstrahlung im australischen Fernsehen, bringt Polyband die Serie „Sea Patrol“ auch in deutsche Heimkinos. Zwar lief die komplette Serie von 2011 bis 2012 bereits im deutschen Free-TV, da aber auf dem kleinen Sender Das Vierte und unter dem Radar der meisten Zuschauer. Dabei wurde „Sea Patrol“ in mehr als einhundert Länder verkauft und die Fortsetzung der Serie nur durch australisches Steuerrecht gestoppt.

In „Sea Patrol“ steht das australische, fiktive Patrouillenboot HMAS Hammersley im Mittelpunkt. HMAS steht dabei für „His/Her Majesty’s Australian Ship“, denn der Monarch Großbritanniens ist auch der Monarch Australiens. Bereits hier ist ersichtlich, dass die Uhren Down Under anders ticken. Für deutsche TV-Zuschauer die us-amerikanische Serienunterhaltung gewohnt sind, gibt es deswegen die ein oder andere Überraschung.

Die Hammersley gehört zur Royal Australian Navy (RAN), der Marine der australischen Streitkräfte. Sie erfüllt vielfältige Aufgaben und steht unter dem Kommando von Lieutenant Commander Michael Flyn (Ian Stenlake), der in der Navy als Cowboy bekannt ist. Immerhin setzt er gerne seinen Kopf durch und ignoriert auch mal Anweisungen. In der Pilotfolge wird ihm deswegen Lieutenant Kate McGrego (Lisa McCune) vor die Nase gesetzt. Sie ist das Gegenteil von Flyn und die Navy hofft, dass sich beide Persönlichkeiten ergänzen und voneinander lernen können. Allerdings gibt es mehr als einmal Reibereien zwischen den beiden.

Die erste Staffel besteht aus dreizehn Episoden. Jede Episode handelt einen Schwerpunkt ab. Allerdings gibt es einen übergreifenden Handlungsbogen, der sich in allen Folgen wiederfindet. Er nimmt im Piloten seinen Anfang („Willkommen an Bord“) und endet erst im Staffelfinale („Die letzte Fahrt“). Das macht die Sache spannend, denn obwohl die Crew in sich abgeschlossene Abenteuer erlebt, entwickelt sich die Hintergrundgeschichte stetig weiter. Und mit ihr auch die Figuren.

Obwohl auf der Hammersley eine militärische Ordnung herrscht, spielen die einzelnen Persönlichkeiten an Bord eine große Rolle. Und da wird einiges geboten, denn es gibt mehr als zwanzig Besatzungsmitglieder. Und von denen stirbt der ein oder andere auch. Das hält die Spannung auf einem hohen Niveau, denn der Tod findet meist in dramatischen  und sehr emotionalen Szenen statt. Überhaupt sind Geburt, Leben und Tod sehr zentrale Themen. Das ist geschickt gemacht, denn die Aufgabe der Besatzung ist es schließlich, jedes Leben zu schützen und zu bewahren. Das führt natürlich zu Interessenkonflikten und Lieutenant Commander Michael Flyn muss stets abwägen, wie er vorgeht.

Dabei wirken die Geschichten überaus glaubwürdig und auch das Leben an Bord wird authentisch dargestellt. Dazu gehört, dass jeder an Bord einen Spitznamen hat und Kameradschaft groß geschrieben wird. Mit Lieutenant Kate McGrego und Lieutenant Nikole Caetano (Saskia Burmeister) befinden sich sogar zwei Frauen an Bord, die vollkommen emanzipiert ihren Dienst verrichten. Es gibt nur sehr selten Geschlechterkampf, und dann auch stets als Themenschwerpunkt.

Die meisten Szenen finden natürlich an Bord der Hammersley statt. Deswegen muss sich diese Kulisse besonders gut behaupten, was ihr stets gelingt. Zum Drehen wurden zwei reale Fremantle-Klasse-Boote eingesetzt. Dadurch ist die Gerätschaft natürlich sehr überzeugend und jede Sekunde wirkt die Serie echt. Im Zusammenspiel mit den wunderbaren Wasseraufnahmen (sei es bei ruhiger See oder auch im heftigsten Sturm) und den seltenen Studioaufnahmen, präsentiert sich dem Zuschauer ein tolles Bild. Immerhin hat die Produktion der ersten Staffel auch ganze 15 Millionen australische Dollar gekostet (zirka 12 Millionen Euro; Stand: Juni 2012). Diese Investition ist „Sea Patrol“ anzumerken.

Bild und Ton sind immer ordentlich. Das ist gut so, denn es gibt einiges zu sehen und zu hören. Die alte Hammersely, das offene Meer, Naturgewalten, sonnengeflutete Kulissen, rostige Kähne, grelles Treibgut und natürlich auch die Darsteller selbst. Immerhin sind die meisten der Navyangehörigen durchtrainiert und etwas fürs Auge. Hier hat vor allem die weibliche Zuschauerschaft etwas zu schauen. Aber auch Lisa McCune und Saskia Burmeister sind sehr ansehnlich.

Natürlich müssen im technischen Bereich, im Vergleich zur Blu-ray, einige Abstriche gemacht werden. Immerhin handelt es sich um eine DVD-Box. Da ist das Bild doch ein wenig unscharf, manchmal sogar etwas grisselig. Der Ton ist leider nur in Dolby Digital 2.0 vorhanden, was aber vollkommen ausreicht. Es gibt zumindest eine deutsche und eine englische Tonspur. Beide sind gut anzuhören. Die deutsche Synchro ist sehr passend und auch die Stimmen klingen angenehm im Ohr. Wirklich Schade ist, dass es keinerlei Bonusmaterial gibt.

Im Ganzen ist „Sea Patrol – Staffel 1“ eine gelungene Box. Die Serie ist sehr gefällig und operiert leicht abseits bekannter Military-Shows und Rettungs-Serien. Das hinterlässt den angenehmen Eindruck, den sonstigen Einheitsbrei hinter sich gelassen zu haben.

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Sea Patrol – Staffel 1

Australien, 2007

Regisseure: Geoff Bennett, Ian Barry
Komponisten: Les Gock, Anthony Ammar
Darsteller: Ian Stenlake (Lieutenant Commander Michael Flyn), Lisa McCune (Lieutenant Kate McGrego), Saskia Burmeister (Lieutenant Nikole Caetano), John Batchelor (Chief Petty Officer Andrew Thorpe), Matthew Holmes (Petty Officer Christopher Blake), David Lyons (Leading Seaman Joshua Holiday)

Format: Dolby, PAL . RC 2
Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Polyband/WVG
Erscheinungstermin: 27. April 2012
Spieldauer: 585 Minuten

Episodenliste: 01 Willkommen an Bord, 02 Auf falschem Kurs, 03 Geister der Vergangenheit, 04 Irukandji, 05 Unter dem Horizont, 06 Wertvolle Fracht, 07 Mayday!, 08 Bombenstimmung, 09 Der Fluch, 10 Schadensbegrenzung, 11 Blutdiamanten, 12 In letzter Sekunde, 13 Die letzte Fahrt

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