Storm Hunters – Keine Ruhe vor dem Sturm

Originaltitel: Into the Storm (USA 2014)
Regie: Steven Quale
Drehbuch: John Swetnam
Kamera: Brian Pearson
Schnitt: Eric A. Sears
Musik: Brian Tyler
Darsteller: Richard Armitage (Gary Fuller), Sarah Wayne Callies (Allison Stone), Max Deacon (Donnie), Nathan Kress (Trey), Matt Walsh (Pete Moore), Arlen Escarpeta (Daryl), Jeremy Sumpter (Jacob), Lee Whittaker (Lucas), Alycia Debnam Carey (Kaitlyn), Scott Lawrence (Thomas Walker), Kyle Davis (Donk), Jon Reep (Reevis), Stephanie Koenig (Marcia), Brandon Ruiter (Todd) uva.
Label/Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 18.12.2014
EAN: 5051890243799 (DVD)/5051890243751 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch u. Englisch für Hörgeschädigte, Dänisch, Finnisch, Isländisch, Italienisch, Norwegisch, Portugiesisch, Schwedisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min. (Blu-ray: 89 min.)
FSK: 12

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Das geschieht:

Pete ist ein professioneller Sturmjäger: Mit seinem Team fährt er im US-amerikanischen Mittelwesten – der „storm alley“ – Tornados hinterher, um möglichst spektakuläre Aufnahmen zu machen. Je näher er dem Wirbel kommt, desto mehr Geld kann er den sensationslüsternen Medien entlocken. Deshalb geht Pete jetzt aufs Ganze: Er hat ein panzerähnliches Gefährt – den „Titus“ – entwickelt, mit dem er direkt in den Tornado hineinfahren und Aufnahmen des sturmstillen „Auges“ schießen will.

Mit an Bord des „Titus“ ist Kameramann Jacob. Am Steuer des Begleitfahrzeugs sitzt Daryl, hinter wertet die Meteorologin Allison Stone die Daten aus. Die Aktivitäten des Teams werden von Lucas aufgezeichnet. Derzeit ist die Stimmung mies, denn bisher ist jeder Tornado den Jägern entwischt. In Silverton soll eine besonders wirbelträchtige Sturmzelle brüten, weshalb sich das „Titus“-Team unverzüglich dorthin aufmacht.

In Silverton ist man ahnungslos. Die örtliche High School rüstet sich zum festlichen Abschied des Abschlussjahrgangs. Trey, Sohn des stellvertretenden Schulleiters Gary Fuller, macht sich alterna(t)iv mit der lieblichen Kaitlyn davon. Sein jüngerer Bruder Trey filmt die Festivitäten, die ein jähes Ende nehmen, als der Tornado  die Stadt erreicht. Als eine erste Sturmfront leidlich überstanden ist, wähnt man sich bereits in Sicherheit. Doch umgehend baut sich ein zweiter, wesentlich stärkerer Sturm aus, der gleich mehrere Saugrüssel in die Stadt streckt und für gewaltige Verheerungen sorgt.

Auf der Jagd nach tollen Bildern trifft das „Titus“-Team auf Gary und Trey, die nach dem im Sturm verschollenen Donnie suchen. Man bildet eine Notgemeinschaft, die sich mehrfach bewährend muss, als sich herausstellt, dass man direkt einen Sturmwirbel ansteuert, der an Größe und Zerstörungskraft jeden bekannten Maßstab übertrifft. Irgendwann gibt es kein Schlupfloch mehr. Die kleine Gruppe, zu der inzwischen der gerettete Donnie und seine Kaitlyn gestoßen sind, muss sich ohne Schutz dem Tornado stellen …

Sturmgebraus bläst Story davon

Selbstverständlich muss sie das, denn diese Konfrontation ist fester Bestandteil des Katastrophenfilms. Die übliche Abfolge sieht so aus: Einführung des Handlungsortes sowie Vorstellung der Hauptfiguren, die angestrengt Alltagsleben demonstrieren. Zeitgleich bricht die jeweilige Krise – Großbrand, Vulkanausbruch oder eben Wirbelsturm – aus und baut sich zunächst unbemerkt auf. Endlich merkt jemand, was vor sich geht: selbstverständlich zu spät, denn nichts ist für den unbeteiligten Zuschauer langweiliger als ein Unheil, das aufgrund guter Vorplanung abgewendet wird. Stattdessen beißt eine ganze Anzahl gesichtsloser Nebendarsteller ins Gras, während die Hauptfiguren damit beschäftigt sind, einander sowie irgendwo festsitzende Familienmitglieder, Geliebte oder junge Hunde zu retten. Der Höhepunkt naht, wenn man sich findet und gleich im Anschluss dem endlich den Ort des Geschehens erreichende Unheil die Stirn bietet. Für dieses Finale wird tricktechnisch aufgewendet, was bisher aus Gründen der Sparsamkeit nur angedeutet wurde. Weitere tote Pechvögel später ist die Krise überwunden. In den Trümmern umarmen die Überlebenden einander und schwören, fürderhin viel bessere Menschen zu sein.

Wer diese Klischeehandlung bisher nicht kannte, lernt sie dank Drehbuchautor John Swetnam nun kennen. Man muss die Dickfelligkeit dieses Mannes fast bewundern; man kann ihn auch dreist oder faul nennen. Jedenfalls hat er für „Storm Hunters“ nicht nur keinerlei neue Idee oder gar Originalität einfallen lassen, sondern zelebriert auch das Bekannte besonders penetrant und zu allem Überfluss langweilig.

Vor allem die Filmkritik hat ausgiebig und oft zu recht über Filme geklagt, die über die jeweils bebilderte Apokalypse hinaus keine nennenswerte Story boten. Im Zusammenhang mit „Storm Hunters“ wird immer wieder „Twister“ als Vergleichsfilm herangezogen. Die Ähnlichkeiten sind beträchtlich. Dennoch ist der ältere Film der bessere. Jan de Bont ist nicht zwangsläufig ein besserer Regisseur als Steven Quale, doch Michael Crichton (verstärkt durch Gattin Anne-Marie Martin) verstand sein Drehbuch-Handwerk eindeutig besser als John Swetnam.

Auch „Twister“ glänzte nicht durch eine ausgefeilte Handlung, die sich allerdings klug auf den titelgebenden Sturm konzentrierte. Die zwischenmenschlichen Konflikte blieben eingeschränkt und ordneten sich dem Geschehen unter. Das Ergebnis war ein Film ohne Herz aber voller dynamischer Action und eindrucksvoller Schauwerte. De Bont hatte sich entschieden. „Twister“ kann man trotz der inzwischen fortgeschrittenen Tricktechnik immer noch gut sehen. „Storm Hunters“ ist dagegen weder Fisch noch Fleisch.

„Allen Menschen recht getan …“

Der Zuschauer soll um die Figuren bangen. Damit dieses Gefühl erzeugt wird, müssen sie uns vertraut gemacht und ans Herz gelegt werden. In der Regel trifft das Unglück ‚ganz normale‘ Zeitgenossen, die sich ihm ohne einschlägiges Wissen stellen müssen, was die Identifikation zusätzlich fördert.

Dummerweise haben sich in mehr als einem Jahrhundert Filmgeschichte entsprechende Mechanismen herausgebildet, die sich mit Steckmodulen vergleichen lassen: Bestimmte Standardsituationen sollen dem Publikum signalisieren, was es fühlen soll. Dieses Verfahren ist den meisten Zuschauern bekannt und verhasst. Es nennt solche Manipulation „Klischee“ und erkennt sie umgehend. Verziehen = als Treibriemen der Handlung akzeptiert wird sie nur, wenn sie möglichst kurz gehalten, geschickt verfremdet oder ironisch gebrochen wird.

Nichts dergleichen ist hier der Fall. „Storm Hunters“ ist generell humorlos; die wenigen witzig gemeinten Szenen bleiben sorgfältig vom Hauptgeschehen getrennt, das alltäglichen Heldenmut, Familienliebe, Gemeinschaftssinn u. a. uramerikanische Werte nicht einsetzt, sondern sie aufdringlich zelebriert: Wenn sich nach dem großen Sturm geläuterte Großmäuler vor die Kamera stellen, sind sie selbstverständlich bescheiden und nett geworden und packen mit an, während auf dem höchsten Trümmerberg eine US-Flagge flattert.

Die Handlung kennt als roten Faden höchstens den Sturm, der symbolstark ständig die Richtung wechselt. „Storm Hunters“ ist ein Sammelsurium lieblos verklammerter Episoden, die vor allem in der ersten Hälfte dazu dienen, kostengünstig Zeit zu schinden. Also telefoniert oder skypt die alleinstehende Mutter Allison ständig mit ihrer Tochter, die ihr kulleräugig Vernachlässigung vorwirft. Lehrer Gary lässt an jedem Arm einen seiner Söhne emotional verhungern. Donnie wirbt um die eigentlich unerreichbare Schul-Schönheit Kaitlyn, die dem schüchternen aber netten Kerl keinen Arschtritt versetzt. Der bärbeißige Sturmjäger Pete mutiert zum tragischen Helden, der sein Leben für die Gruppe gibt. Daryl, Jacob und vor allem Lucas nimmt der Zuschauer nur am Rande zur Kenntnis; aufgrund der flachen Figurenzeichnungen fällt es ohne schwer, sie auseinanderzuhalten.

Stets steckt marktschreierisch eine Lehre in diesen Szenen, weshalb „Storm Hunters“ hierzulande schon ab 12 Jahren freigegeben ist: Sprecht miteinander, helft einander, haltet zusammen! Das sind ehrenhafte Ziele, die jedoch zum Scheitern verurteilt sind, wenn sie den Empfängern mit dem Holzhammer eingebläut werden.

„… ist eine Kunst, die keiner kann“

Einsam im Sturm wurden die Schauspieler stehengelassen. Sie gehören in Hollywoods zweite bis dritte Garnitur, wobei Richard Armitage zur Freude des produzierenden Studios inzwischen als Thorin Eichenschild in den drei „Hobbit“-Filmen zu einiger Prominenz gelangte. Sarah Wayne Callies erlitt in „The Walking Dead“ den Fernsehtod und konnte deshalb die weibliche Hauptrolle übernehmen, in der sie zwischen mütterlichen Selbstzweifeln (s. o.) und meteorologieähnlichem Technobabbel schwanken muss: keine schauspielerische Herausforderung, wie überhaupt sämtliche Darsteller wie auf Autopilot mimen.

Für die Jugend wurden Max Deacon als Donnie, Nathan Kress als Trey und Alycia Debnam Carey als Kaitlyn angeheuert: (allzu) ernsthafter Jungheld, fröhliches Großmaul, zugängliche Schönheit. Nicht nur im Tun, sondern vor allem im Ton verbreitet dieses Trio ausschließlich Tugend und Langeweile. Trauriger Höhepunkt ist eine nicht endende Szene, in der Donnie und Kaitlyn in einer Grube festsitzen, die sich langsam mit Wasser füllt: Vor dem Ertrinken sprechende sie Abschiedsbotschaften voller Liebe an ihre jeweiligen Familien in die glücklicherweise mitgebrachte Kamera. Der Zuschauer hofft auf einen Blitzstrahl, der dieser geschuldeten Qual ein Ende bereitet: Hier demonstriert Mainstream-Hollywood, was es unter ‚Drama‘ versteht. Selbstverständlich kommt Dad gerade noch rechtzeitig, was zur tränenreichen Vater-Söhne-Zusammenführung führt, während der Tornado geduldig im Hintergrund wartet.

Zwiespältigkeit im Wesen soll Nebenrollen-Profi Matt Walsh repräsentieren. Zwar darf er zu Beginn den Mistkerl markieren, aber als es ernst wird, springt Sturmjäger Pete anstandslos über diesen (kurzen) Schatten und stellt sich und seinen „Titus“ in den Dienst der Gemeinschaft. Dafür wird er mit einem besonders kitschigen Ende entweder belohnt oder bestraft; die Entscheidung muss der Zuschauer treffen. Die Komiker Kyle Davis (Donk) und Jon Reep (Reevis) geben zwei debile Trottel, die sich in „Jackass“-Manier nicht todesmutig, sondern strohdumm ins Sturmgetümmel stürzen, um dieses für ihren Idioten-Blog zu filmen.

Digitale Wirbelkünste

50 Mio. Dollar flossen in „Storm Hunters“. Das ist heutzutage keine besonders hohe Summe aber deutlich mehr, als den meistern B-Movie-Produzenten zur Verfügung steht. Da kein Geld für Schauspielerprominenz fließen musste, konnte der Löwenanteil der Budgets in die Spezialeffekte investiert werden. Die endlose Namensliste in den Schlusstitel verrät, dass ein hoher Prozentsatz der in dieser Branche tätigen Effektzauberer für „Storm Hunters“ in Lohn & Brot standen.

Tatsächlich ist es nur ihnen zu verdanken, dass diesen Film nicht bereits nach 15 Minuten sein Ende per Abschaltknopf ereilt, wozu die Handlung einen denkenden Menschen eigentlich zwingen müsste. Während man in „Twister“ noch offenen Mundes bestaunte, wie eine Kuh per Tornadorüssel durch die Luft gewirbelt wurde, gibt es heutzutage keine Einschränkungen mehr. Ein digital erschaffenes Silverton wird Byte für Byte in Einzelteile zerlegt, wobei die stürmische Realität zum Wohle der Nachdrücklichkeit gern außer Kraft gesetzt wird: So dürfte es kaum geschehen, dass ein Tornadorüssel Benzin brennend bis in die Wolken hochsaugt; es sieht aber toll aus!

Doch sobald der Wind soweit nachlässt, dass man wieder verstehen kann, mit welchen Plattitüden die Figuren ‚Kommunikation‘ konterkarieren, bricht umgehend Zuschauerfrust aus. Solchen Unfug kennt und hasst man, wenn er von den Fließbändern bekannter Billig-Produzenten wie „Asylum“ oder „Syfy“ ausgespuckt wird. Dort sind die Effekte ebenso dürftig wie die Storys. Dass „Storm Hunters“ ansehnlich geworden ist, kann nicht als Entschuldigung dienen, denn dazu sind die Pausen zwischen den Sturmböen einfach zu lang und zu öde!

Erträglicher wird das Ganze nicht durch die hektische Kameraführung, die Schwung selbst dort vorgaukeln will, wo faktisch gar nichts geschieht. „Storm Hunters“ ist eine Mischung aus ‚normalem‘ und „Found-Footage“-Film. Kameras und Handys kommen noch im turbulentesten Getümmel zum Einsatz, sodass jede wichtige Ereigniswendung ‚zufällig‘ dokumentiert wird. Dem erschöpften (und von Kopfweh geplagten) Publikum bleibt ein Paradoxon: Wie ist es möglich, dass ausgerechnet ein Film, der sich um Tornados dreht, in Sachen Unterhaltungswert so viel Windstille hinterlässt?

DVD-Features

Die echten Extras (minus Trailer und Werbung) beschränken sich auf die kümmerliche, fünfeinhalbminütige Featurette „Künstliche Stürme: Realistische Bedingungen“.

Kurzinfo für Ungeduldige: Als ein gewaltiger Wirbelsturm die US-Kleinstadt Silver Silverton heimsucht, müssen sich Sturmjäger und Stadtbürger zusammentun, um den tödlichen Wirbeln zu entkommen … – Die unfassbar tumbe, episodisch zerfahrene, vor Klischees und Sentimentalitäten strotzende Handlung wird nur durch wirklich sehenswerte Spezialeffekte erträglich: Actionfilm auf dem Niveau US-amerikanischer TV-Movies.

[md]

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