Buchverfilmungen sind spätestens seit “Der Herr der Ringe” das ganz große Ding auf der Kinoleinwand. Und mit “Game of Thrones” auch als Serie auf der kleinen Leinwand, dem heimischen Bildschirm. Dabei funktionieren vor allem Superhelden und Fantasy als Genre hervorragend und sichern oftmals hohe Einschaltquoten. Das rückt diese Format auch für VoD-Provider (Video-on-Demand-Anbieter) wie Netflix oder Amazon in den Fokus, die im Laufe der letzten Jahre immer mehr an Zuspruch bekamen. Eine Welt ohne diese Streamingdienste ist für Serienjunkies kaum noch denkbar. Kein Wunder, dass deswegen auch Eigenproduktionen der Anbieter in immer größerer Anzahl auf den Markt geworfen werden. Dazu gehört auch die MTV-Serie “The Shannara Chronicles”, die nur einen Tag nach ihrer TV-Ausstrahlung auf Amazon Prime in der Originalfassung, ebenso wie in deutscher Synchronisation, zur Verfügung stehen.

Bei “The Shannara Chronicles” handelt es sich um eine Adaption der bekannten Shannara-Buchreihe, aus der Feder von Fantasyautor Terry Brooks, der stark von Tolkiens “Der Herr der Ringe” geprägt wurde. Das merkt man etlichen seiner Romane deutlich an. Für die TV-Serie wurde das Buch “The Elfstones of Shannara” aus dem Jahre 1982 als Vorlage genommen, die fünfzig Jahre nach “The Sword of Shannara” (“Das Schwert von Shannara”) spielt. In Deutschland erschien die Geschichte zuerst als Trilogie („Die Elfensteine von Shannara“, „Der Druide von Shannara“ und „Die Dämonen von Shannara“) und später dann auch als Sammelband (“Die Elfensteine von Shannara”) bei Goldmann. Der Vorteil dieser Elfensteine-Geschichte liegt darin, dass sie sich von der Tolkienhörigkeit der Schwert-Geschichte löste und eigenständiger daherkommt.

Fans der Bücher müssen allerdings ganz tapfer sein, denn diese dienen nur als grobe Vorlage für die Serie, an deren Entwicklung Terry Brooks übrigens selbst beteiligt war und ist. Brooks selbst ist zudem von der Qualität der Serie überzeugt.

Allgemein stehen die Macher der Serie hinter ihrem Werk und sind mit großer Freude bei der Arbeit. Es sind auch allesamt erfahrene Profis: Alfred Gough (“Shanghai Noon”, “Smallville”) und Miles Millar (“Smallville”) sind als Autoren und Executive Producer dabei. Jon Favreau (“Iron Man”), Jonathan Liebesman (“Zorn der Titanen”, “Teenage Mutant Ninja Turtles”), Terry Brooks und Dan Farah (“Ready Player One”, 2017) als ausführende Produzenten.

Die Serie selbst ist aktuell am laufen und jeden Mittwoch gibt es eine Episode abzurufen. Derzeit sind also die ersten Folgen bereits zu streamen und zeichnen ein durchaus positives Bild. Vorausgesetzt der Zuschauer ist bereit, eine neue, jugendliche Art des Erzählens zu akzeptieren. Immerhin wird “The Shannara Chronicles” von MTV produziert und soll ein jüngeres Publikum ansprechen – oder zumindest ein junggebliebenes.

Das spiegelt sich in der ganzen Aufmachung wieder, die modern und hip daherkommt. Die Darsteller sind markante, gutaussehende Persönlichkeiten. Ihre Kostüme sind modern geschnitten, die Frisuren sitzen meist perfekt und neben epischen Klängen klingt aus den Boxen auch mal Indi-Electro-Pop. So stammt das Titellied “Until We Go Down” von Ruelle (https://www.youtube.com/watch?v=bQqUYFjcyOc) und betritt die Protagonistin Amberle Elessedil zu Coldplays “Midnight” (https://vimeo.com/87608284) eine Festivität. Für eher konservative Fantasyfreunde eine eher schwer verdauliche Kost.

Dazu gehört sicherlich auch der zeitweise recht saubere, manchmal gar sterile Anstrich der Serie, wirkt alles zu sauber, zu künstlich. Allerdings, Dreck kann, muss aber nicht sein. Es ist keineswegs störend, dass sich die Figuren regelmäßig waschen und ihre Kleidung pflegen. So kommt es unter anderem auch zu einer netten, obligatorischen Duschszene unter dem Wasserfall. Die künstliche Erscheinung der Serie liegt aber auch an der CGI, die weitgehend unfreiwillig offen (nach heutigen Maßstäben, die unter anderem von “Game of Thornes” geprägt sind) in Erscheinung tritt.

Während der Trailer zu “The Shannara Chronicles” mit exzellenten Bildern für ein wenig Aufsehen erregte, bleibt die Serie dann doch hinter den aufgebauten CGI-Erwartungen zurück. Die Landschaften sind offensichtlich computererzeugt, was wohl am kleinen Budget der Serie liegen wird. Mit der Qualität eines “Game of Thrones” (HBO) oder “Marco Polo” (Netflix) kann sich MTVs Fantasyserie auf keinen Fall messen. Für eine normale TV-Produktion ist das aber vollkommen in Ordnung, da die Illusion mit etwas wohlwollen durchaus gewahrt bleibt.

Merkwürdiger sind dagegen eher die Relikte aus alter Zeit, die ihren Weg immer wieder in die Landschaftsbilder und Kulissen finden. “The Shannara Chronicles” spielt zwar nach dem Untergang der uns bekannten Menschheit (was im Vorspann sehr schön dargestellt wird), doch liegt dieser Untergang Jahrtausende zurück. Dennoch gibt es immer wieder alte und überwucherte Brücken, Hochhausruinen oder gar Fahrzeugwracks zu entdecken. Diese müssten aber in Anbetracht der Zeit und der ausgesetzten Witterung schon lange zu Staub zerfallen sein. Überreste kann es eigentlich keine mehr geben. Allerdings sorgen diese Relikte für eine schöne Endzeitstimmung und illustrieren hervorragend, was für eine neue Welt auf diesen Trümmern errichtet wurde. Auch hier ist etwas Wohlwollen gefragt, muss notfalls die Erklärung herhalten, dass in einer Fantasywelt mittels Magie durchaus der Verfall etwas anders verlaufen kann.

Bezüglich der Landschaften hat “The Shannara Chronicles” ein ganz anderes Problem. Die Geschichte findet in einer großen Welt statt, ändern sich andauernd die Kulissen. Gebirge, Wälder, Küste, Wüste – das ist alles richtig schön anzusehen und die vielen Kulissen bieten auch etwas fürs Auge. Allerdings gelingt es der Serie nicht, die langen Reisezeiten ordentlich umzusetzen. Zwar wird hier und da mal kurz etwas Reise gezeigt, aber es kommt nie das Gefühl einer großen und weiten Welt auf. Im Gegenteil, die Figuren sind oft von einer Szene zur anderen plötzlich dort wo sie (logischerweise) sein müssen. Aber das Gefühl für die Welt geht dabei abhanden. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie dieses Problem noch in den Griff bekommt.

Eine wirkliche Freude ist dagegen die Auswahl der Darsteller. Da wäre Austin Butler als Wil Ohmsford. Butler (Jahrgang 1991) ist ein erfahrener Serienhase und hat in vielen Produktionen mitgewirkt (unter anderem als fieser DJ Chase in “Arrow” oder auch in Kinderserien wie “Neds ultimativer Schulwahnsinn” und “Zoey 101”). Jugendlich, frisch und mit einem gut trainierten Körper, gibt er einen anfangs recht tollpatschigen Halbelfen zum Besten, der allerdings zu den letzten Druiden der Welt gehört. Jedenfalls in der Theorie. In der Praxis arbeitet sein neuer Lehrer Allanon daran, aus Wil einen echten Druiden zu machen.

Allanon ist der letzte Druide der Welt und zudem auch einer der letzten ihrer Bewohner, der noch über Magie, Dämonen und Weltrettung Bescheid weiß. Er wird von Manu Bennett verkörpert, der in den Spartacus-Serien von Starz als Crixus auftratt, lange Zeit in “Arrow” als Slade Wilson mitspielte und sich seine epischen Fantasysporen in Peter Jacksons Hobbitfilmen als Ork Azog verdiente.

Zum Hauptdarstellerquartett der Serie gehört auch Poppy Drayton, in der Rolle der etwas rebellischen Elfenprinzessin Amberle, die von ihren Onkeln erzogen und behütet wird. Drayton ist ein eher unbeschriebenes Blatt und kann hier zeigen, was sie kann. Das gilt weniger für die zweite weibliche Hauptdastellerin: Ivana Baquero (als Eretria), die schon etwas mehr Filmluft schnupperte. Unter anderem hat sie in “Pans Labyrinth” mitgespielt und dafür Filmpreise als beste Nachwuchsdarstellerin erhalten oder wurde dafür nominiert (sechs Preise, fünf Nominierungen).

Mit Drayton und Baquero hat “The Shannara Chronicles” somit auch zwei weibliche Hauptfiguren, die tatsächlich zur Handlung gehören und sogar den Bechdel-Test bestehen, der erstmals 2011 seine Anwendung fand. Dieser Test wird eingesetzt, um Stereotypisierung von weiblichen Figuren in Spielfilmen zu beurteilen. Während Draytons Amberle bisher zwar eine starke Persönlichkeit ist, aber dennoch blass bleibt, legt Baquero als Eretria sofort los. Immerhin ist sie eine Rover (englische Bezeichnung) und muss sich in einer harten und gefährlichen Sippschaft beweisen.

Tja, und hier tritt das größte Problem von “The Shannara Chronicles” zutage. Jedenfalls in der deutschen Synchronisation. Dort wird Eretria nämlich als “Zigeunerin” bezeichnet, was in unserem Land eindeutig politisch nicht korrekt ist. Selbst wer wenig Wert auf diese Art von Korrektheit legt muss zugeben, dass Zigeuner in dieser MTV-Serie sehr schlecht wegkommen. Und das in einer Zeit, in der über den Begriff “Zigeunerschnitzel” gestritten wird (http://www.taz.de/!5012673/). “Zigeuner” werden in der Erzählung mit allen möglichen negativen Eigenschaften in Verbindung gebracht, die in “The Shannara Chronicles” dann für die Allgemeinheit dieses Volks auch noch zutreffen. Allerdings bedeutet “Rover” nicht “Zigeuner”, sondern eher “Fahrendes Volk”.

Was die Benutzung des Begriffs “Zigeuner” angeht, so stützt sich das Synchronstudio Boom Company GmbH auf die Verwendung des Wortes “Giepsy” in der Originalbuchvorlage, für die wörtliche Übersetzung. Allerdings stammt Terry Brooks Geschichte aus den Siebzigern und die Übersetzung aus den Achtzigern. Das waren nun einmal andere Zeiten. In der Neuauflage wurde aus “Giepsy” dann “Rover”, was in der deutschen Neuauflage des Buchs dann mit “fahrendes Volk” übersetzt wird. Mit der Verwendung von “Zigeuner” hat es die Serie jedenfalls sogar in den Öffentlichen Rundfunk geschafft und bekam einer Erwähnung in “ZAPP – Das Medienmagazin”, der Ausgabe vom 20. 01. 2016 (https://youtu.be/QdDkRV48wf4?t=1335). Jan Fabian Krüger, der Hauptautor der Synchronisation, äußerte sich auf Anfrage wie folgt:

Die Bezeichnung der Rover als „Zigeuner“ in der dt. Synchronisation hat erstens schlicht synchrontechnische Gründe: „rover“ ist zweisilbig und enthält keinen echten Labial. Die Begriffe „Vagabunden“, „Landstreicher“, „Fahrensleute“, „Verbrecher“, „Diebe“, „Räuber“ sind alle deutlich länger und/oder enthalten mindestens einen Labial. Außerdem sind viele davon an sich schon viel abwertender als das originale „rover“. Zweitens sind die „rover“ in den Shannara Chronicles überhaupt keine „Verbrecher ohne moralische Grundsätze“. Die beiden prominenten Rover, Eretria und Cephalo, opfern sich im Verlauf der Handlung jeweils selbst auf – Cephalo, um Eretria zu retten und diese wiederum (zum wiederholten Male) für Wil und Amberle und damit letztlich für alle Menschen. Der sich daraus zeigende Kontrast zu ihrer nur scheinbaren Niederträchtigkeit illustriert also genau das(…): Zigeuner (Rover) sind eben gerade keine herz- und morallosen Verbrecher. In den Shannara Chronicles sind sie sogar die eigentlichen Helden.

Die vier Hauptfiguren sind jedenfalls gut besetzt und harmonisieren miteinander, was ein großer Spaß ist. Die Dialoge sind zwar etwas flach, versprühen aber ihren ganz eigenen Charme und kommen mit einer ordentlichen Portion Witz daher. Das tritt vor allem dann in Erscheinung, wenn Wils Abstammung als Halbelf ins Licht rückt , er die ganze Sache mit Humor nimmt und mit einem flotten Spruch kontert. Natürlich, für viele eingefleischte Fatasyfans sind etliche der Sprüche und Dialoge offensichtlich, aber “The Shannara Chronicles” richtet sich an ein jüngeres Publikum, das noch nicht alle Klassiker des Genres kennt und vielleicht auch keine Lust hat, das nachzuholen. Zudem gibt es sicherlich auch ältere Semester, denen es ebenfalls so geht. Diese Menschen betreten hiermit Neuland und entdecken Fantasy erst. Außerdem ist ein markiges “So beginnt es” immer gut platziert, steigert es doch die Erwartung und Vorfreude auf die epischen Abenteuer, die da kommen werden.

Und episch dürfte es wohl werden, denn natürlich steht die Vernichtung der Welt bevor. Die Elfen behüten nämlich seit langer Zeit den Ellcrys, einen magischen Baum, mit dessen Hilfe die Dämonen einst weggesperrt wurden. Nun stirbt der magische Baum und die Dämonen gelangen langsam wieder in Freiheit. Allen voran ihr finsterer Anführer. Nur eine auserwählte Elfe ist in der Lage loszuziehen und die Dämonen wieder in ihre Schranken zu weisen. zugegeben, das ist eine ziemlich simple Geschichte, mal sehen wie die Handlung dazu im Ganzen aussehen wird.

Bisher macht sie jedenfalls großen Spaß. Da gibt es natürlich die Helden, die sich selbst und auch einander finden müssen. Sie alle haben ihre ganz eigenen, persönlichen Probleme, zudem werden sie auch in den Strudel der Ereignisse hineingezogen. Das bedeutet Interaktion auf mehreren Ebenen. Natürlich bleibt vor allem im Pilotfilm die Charakterzeichnung zurück, weil Figuren und grundlegende Handlung etabliert werden müssen. Aber es zeichnet sich schon ab, dass es nicht nur um seichte Dialoge und flache Geschichten gehen wird. Sämtliche jugendliche Hauptfiguren müssen ihre familiären Probleme aufarbeiten, während Allanon zwar als mächtiger väterlicher Beschützer agiert, aber dennoch eher als Wrack daherkommt. Seine Macht reicht nicht aus um den Bösewicht zu finden und zu zerlegen, der Einsatz von Magie schädigt seinen geschundenen Körper immer weiter und bereits einmal war seine Magie vollkommen ausgebrannt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er seinen Schützlingen mal nicht zur Seite stehen kann.

Natürlich, die behandelten Themen spiegeln die Probleme und die Gefühlswelt der MTV-Zielgruppe wieder. Darüber sollte man sich keine Illusionen machen. Der Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt, der Verlust von Freunden, der Konflikt mit dem Vater, der Druck von Außen, die Angst vor dem Fremden, Liebe und Beziehung, Ausbildung, Beruf und Berufung – und alles in schöne Menschen und schöne Bilder verpackt.

Die Erzählung selbst hält keine großartigen Überraschungen parat, was sehr angenehm ist. Hier braucht niemand Spoilerwarnungen raushauen, kann über die Serie gesprochen werden, ohne dass in der Runde erst einmal abgeglichen werden muss, wie bei jedem einzelnen der aktuelle Stand ist. Im Großen und Ganzen ist klar, was passieren wird. Im Mittelpunkt steht dagegen eher das Erzählen, wie die Serie gestaltet ist, wie die Figuren miteinander umgehen, was für Bilder, für Musik eingesetzt wird, was für Stilmittel. Witzigerweise ist es gerade der Sender MTV, der hiermit zu den Wurzeln des Films zurückfindet. Bei all dem Lob muss man natürlich auf dem Teppich bleiben. Das Drehbuch ist simpel geschrieben und die Leistung einiger Darsteller bisher recht durchwachsen. Mal schauen ob und wie sich das ändert.

Eine Sache, die in “The Shannara Chronicles” nicht so gut erklärt wird und deswegen zu Missverständnissen führen kann, ist, dass die Elfen nicht von den Menschen abstammen. Im Vorspann ist das anhand der Blutlinie der Menschen zwar zu erkennen, kommt aber in der Serie selbst nicht so ganz deutlich hervor. Um es kurz zu machen: Zuerst waren da die Elfen (Zeitalter der Magie), die irgendwann den Menschen wichen (Zeitalter der Menschen) und deswegen nur noch Teile von Legenden waren. Erst als sich die Menschheit selbst zugrunde richtete, kamen die Elfen wieder hervor. Diese Grundprämisse der Serie hätte durchaus besser aufgezeigt werden können.

Bis auf die bereits angesprochene Verwendung des Begriffs “Zigeuner” ist die Synchronisation übrigens großartig. Die Stimmen sind vom Typ her passend gewählt und die Figuren klingen in der Übersetzung einen Tick lebendiger, weniger hölzern als im Original. Das liegt sicherlich daran, dass das Synchronstudio mit ganzem Herzen dabei ist, wie Aufnahmeleiterin Reka Wendt telefonisch erwähnte. Sie stand netterweise für ein paar Fragen zur Verfügung. Ihre ausführlichen und informativen Antworten finden sich weiter unten.

Der absolute Sprachknaller ist natürlich Manu Bennett mit seiner deutschen Stimme Oliver Stritzel. Bennett ist bereits von Natur aus ein hervorragender Schauspieler und seine Stimme wunderbar. Aber in der Synchronisation wird es einfach grandios. Das war bereits in der TV-Serie “Spartacus” so (Manu Bennett als Crixus) und auch jetzt wieder in “The Shannara Chronicles”. Die Bennett-Stritzel-Kombination ist einfach episch. Alleine dafür lohnt sich die deutsche Tonspur.

Was für ein Fazit kann am Ende gezogen werden? Nun, “The Shannara Chronicles” ist eine Serie die polarisiert. Die einen mögen den modernen Anstrich und die frische Erzählweise, die anderen halten die Serie für billig und zu wenig echte Fantasy. Wer mit “modern” und “frisch” etwas anfangen kann, der wird gut bedient – jedenfalls nach Sichtung der ersten Folgen. Immerhin steht die Serie noch am Anfang und muss zeigen, ob sie auf eigenen Beinen stehen kann oder schlussendlich doch nach hinten überkippt. Auf jeden Fall bringt “The Shannara Chronicles” frischen Wind in die Serienlandschaft.

Zur Synchronisation von “The Shannara Chronicles”:

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Frau Reka Wendt von der Boom Company GmbH, dass sie sich die Zeit genommen hat, um folgende Fragen zu beantworten:

Wer genau ist denn für die Übersetzung des Skripts zuständig?

Sieben Bücher hat Jan Fabian Krüger übersetzt und lippensynchron getextet, drei hat Antje Glaner übersetzt und Achim Geisler anschließend lippensynchron geschrieben. Hauptautor der Serie ist Jan Fabian Krüger.

Gibt es in Bezug auf die Übersetzung bestimmte Vorgaben von Seiten des Auftraggebers?

Bei Shannara Chronicles hat die Redaktion sehr eng mit dem Verlagshaus zusammengearbeitet und uns mit einem Glossar versorgt, damit die Synchronisation die gleichen Orts- und Rollennamen beinhaltet wie die deutschen Bücher, da der Verlag eine Neuauflage rausgeben will.

Was für Besonderheiten gab und gibt es bei der Synchronisation zu Shannara zu beachten?

Wir hatten zur Aufgabe die wesentlichen Begriffe möglichst identisch zu den Büchern zu lassen. Die Gewährleistung der inhaltlichen Richtigkeit, des Erhalts von Wortspielen, Subtext und/oder Humors, wenn vorhanden, sowie der Lippensynchronität, ist hierbei die Herausforderung.

Außerdem gibt es hier immer wieder die Fantasiesprache der Dämonen und Druiden An manchen Stellen wechseln die Rollen Dagda Mor und Allanon von Deutsch zu der angelieferten Fantasiesprache und zurück. Hier musste man stimmlich sehr genau casten und in der Mischung dann die Stimmen klanglich 100% anpassen. Das gleiche gilt für die Rolle Spinkser.

Wie ist der Ablauf der Synchronarbeit?

Die Produktionsleitung stellt das Team zusammen und einen Zeitplan für die Synchronisation. Material- und Terminkoordination der einzelnen Mitarbeiter und Studioplanung sind hierbei essentiell. Dies erfolgt in Abstimmung mit dem Auftraggeber.

Die Übersetzung wird lippensynchron überarbeitet und anschließend in Takes eingeteilt.
Die Takes sind im Grunde einzelne Abschnitte von 2 bis 8 Sekunden Länge, die im Studio später dem Schauspieler mit einem Countdown 3, 2, 1, abgespielt werden, um den Film Take für Take aufzunehmen. Die deutschen Dialogbücher werden redaktionell überarbeitet und abgenommen.

Nach einer umfangreichen Recherche im Internet und in Datenbanken wird überlegt welcher Synchronsprecher/in für welche Rolle vorgeschlagen wird, damit die Redaktion entscheiden kann. Wenn kein Stammsprecher/in in Deutschland vorhanden ist, wird nach Typ besetzt, bei Shannara ist zum Beispiel die Prinzessin Amberle sehr zart während das Rover-Girl Eretria Power und ein raue Art hat, beide natürlich gleichzeitig sexy. Es wird also nach Alter, Timbre und Typ überlegt, wenn eine freie Wahl besteht. Ansonsten wird natürlich der Stammsprecher/in engagiert. Wichtigstes Kriterium und Voraussetzung bleibt jedoch das schauspielerische Können.

Nach Absprache mit der Redaktion, werden die Sprecher von der Aufnahmeleitung engagiert und für die Aufnahmen optioniert, bei der genauen Disposition (Tag/Uhrzeit) entscheiden die Anzahl der Takes, da sie die jeweilige Rollengröße darstellen. Bei der Aufnahme im Tonstudio ist der Dialogregisseur – in diesem Fall Achim Geisler – für die Inszenierung, Tonmeister für die Technik der Aufnahme, Cutter für die Synchronität zuständig. Der Sprachschnitt folgt unmittelbar nach der Aufnahme.

Zuletzt ist die Mischung entscheidend um die deutsche Fassung künstlerisch hochwertig zu erstellen. Gerade bei dem Genre Fantasy ist die Effektgestaltung der einzelnen Rollen (siehe die Rollen Dagda Mor, Spinkser) und der gesamten Mischung ausschlaggebend für die emotionale Wirkung des Films / der Serie. Der Mischtonmeister Klaus Wendt ist daher bei Shannara eine wichtige Säule des kreativen Teams.

Wo werden die Sprecher aufgezeichnet (alle in einem Studio oder dezentral und dann zusammengeschnitten)?

Die Boom Company nimmt immer alle Sprecher in einem Studio auf, da verschiedenen Räume klanglich sich oft unterschiedlich anhören.

Stehen die Episoden bereits vollständig für die Synchronisation zur Verfügung oder kommen sie in einem bestimmten Intervall (Besp.: wöchentlich) rein? Wie viel Zeit bleibt überhaupt für die Synchronarbeit (wie viel Zeit braucht eine Episode im Einzelnen)? Und wie gestaltet sich die Arbeit an der Shannara-Synchro, vor allem falls es Zeitdruck gibt?

Bei Shannara hat uns der Auftraggeber vorerst mit Arbeitsfiles versorgt, nur so konnte man die Ausstrahlung einen Tag nach Erstausstrahlung erreichen. Die Texte und Aufnahmen wurden dazu erstellt, selbst der Sprachschnitt. Als das finale Bild kam, musste man nur noch die Sprachen nachjustieren und die Mischung erstellen. Natürlich erfolgte die Bearbeitung in gewissen Blöcken und auch an vielen Wochenenden…

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The Shannara Chronicles

Originaltitel: The Shannara Chronicles
Produktion: Vereinigte Staaten (2016)
Produktionsunternehmen: Sonar Entertainment, Farah Films, MTV
Länge: je 42 Minuten

Idee: Al Gough, Miles Millar
Erstausstrahlung Pilotfilm: 5. Januar 2016 (USA) auf MTV
Deutschsprachige Erstausstrahlung Pilotfilm: 6. Januar 2016 auf Amazon Video

Besetzung: Wil Ohmsford (Austin Butler), Amberle Elessedil (Poppy Drayton), Eretria (Ivana Baquero), Allanon (Manu Bennett), Ander Elessedil (Aaron Jakubenko)