FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 106 Minuten

Regie: Ben Stiller
Drehbuch: Jeremy Brock
Darsteller: Ben Stiller, Jack Black, Robert Downey Jr., Steve Coogan, Jay Baruchel, Danny R. McBride, Brandon T. Jackson, Bill Hader, Nick Nolte, Matthew McConaughey, Tom Cruise, Brandon Soo Hoo, Reggie Lee, Trieu Tran, Eva Drew

Produktion: USA 2008
Produktionsfirmen: DreamWorks SKG, Red Hour Films
Produzent: Ben Stiller, Stuart Cornfeld, Eric McLeod

Hollywood und seine Heldenepen auf, über und unter dem Prüfstand …

Regisseur Damien Cockburn (Steve Coogan) befindet sich im Dschungel von Vietnam, wo er versucht fünf charakterlich unterschiedliche Schauspieler unter einen Hut zu bekommen, um das teuerste Vietnam-Drama aller Zeiten zu drehen. Allerdings ist es leichter einen Sack Flöhe zu hüten, als mit diesen Darstellern einen Film zu drehen.

Da wäre der ehemalige Action-Star Tugg Speedman (Ben Stiller), dessen Stern seit seinem Behindertendrama „Simple Jack“ unaufhörlich sinkt. An seiner Seite der australische Charakterdarsteller Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.), der so tief in seine Rolle eintaucht, dass er sich seine Haut schwarz färben lässt. Jeff Portnoy (Jack Black) ist ein drogensüchtiger Comedian, der unbedingt ein neues Image braucht, während Rapper Alpa Chino (Brandon T. Jackson) den echten schwarzen Marine stellt. Die Mannschaft wird von Nachwuchsstar Kevin Sandusky (Jay Baruchel) komplettiert, der mit dem Film seinen großen Durchbruch schaffen will.

Da der Film jedoch zu scheitern droht, schnappt sich Cockburn seine Hauptdarsteller und seinen Pyro-Spezialisten, um die Idee von Four Leaf Tayback (Nick Nolte) umzusetzen, der die Buchvorlage schrieb und mit am Set ist: Die Stars im Dschungel aussetzen und ihren Heimweg mit der Kamera festhalten!

Gesagt, getan – doch Cockburn verliert kurz darauf die Kontrolle und mehr, seine Stars denken sie arbeiten das Drehbuch ab und eine echte Drogenbande denkt, sie hat es mit echten Soldaten zu schaffen …

„Tropic Thunder“ ist eine actiongeladene Komödie, in der sich die Hollywoodstars ordentlich selbst aufs Korn nehmen und eines der Lieblingsgenres gleich mit: Den Kriegsfilm. Alleine der Anfang des Films ist genial, denn herrlich überzogen werden sämtliche Klischees durch den Kakao gezogen, der us-amerikanische Heldenpathos in Frage gestellt und anschließend die Hollywoodstars an den Pranger der Albernheiten gekettet. Einfach klasse und Comedy auf hohem Niveau.

Leider gelingt es Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Ben Stiller nicht, dieses Niveau den ganzen Film über aufrechtzuerhalten. Die von ihm inszenierten Gags sind herrlich selbstironisch und fast alle sind auch frisch, frech und famos, allerdings versagt Stiller manchmal dabei, sie konsistent aneinander zu binden. Das macht dem Filmspaß keinen Abbruch, aber es senkt die Qualität des Humors. Vor allem im Lager der Drogenbande wirken viele lustige Einfälle einfach deplaziert und hätten gut in einen anderen Film gepasst. So wirkt „Tropic Thunder“ manchmal wie eine billige Cinemacomedy, dann wieder wie eine intelligente Persiflage. Stiller wagt den Spagat zwischen schneller Unterhaltung und hohem Anspruch, wankt jedoch auf seinem Pfad.

Dabei zeichnet sich seine Darstellerriege durch hohe Spielfreude aus. Vor allem Robert Downey Jr., in der Rolle des Kirk Lazarus als Method Actor, ist grandios besetzt. Er nimmt sich, seinen Berufsstand und die australischen Schauspieler insbesondere aufs Korn, weist gleichzeitig darauf hin, dass Rollen mit ein wenig Behinderung oscarverdächtig sind, mit voller Behinderung scheitern. US-Behindertenverbände kritisierten an „Tropic Thunder“ den entsprechenden Plotpoint, tatsächlich hinterfragt Stiller damit nur Hollywoods Doppelmoral zu diesem Thema.

Ein Schwachpunkt bleibt jedoch an Robert Downey Jr. festzumachen, der allerdings nur seine deutsche Synchronisation betrifft. Diese ähnelt leider zu keinem Zeitpunkt dem Original, trotz aller Bemühungen. Wer in der Lage ist sich „Tropic Thunder“ in der Originalfassung anzugucken, sollte das unbedingt machen. Der australische Akzent ist halt schwer zu übertragen. Und dieser wird hier noch mit einem klasse Slang versehen, so das die Synchronisation einfach scheitern musste.

Der unbedarfte Einsatz von Blut und abgetrennten Körperteilen wird ausgiebig aufs Korn genommen. So sind abgetrennte Körperteile keine Seltenheit und Leute mit einem schwachen Magen sollten sich überlegen, ob ihnen das massiv eingesetzte Filmblut – und man sieht und weiß das es Filmblut ist – nicht zu viel ist.

Besonders gelungen sind die Cameoauftritte bekannter Stars. Allen vorweg Tom Cruise als fluchender Medienmogul, der das Image der Hollywoodbosse auf die Schippe nimmt und mit einer Halbglatze gerne mal durchs Bild tanzt. Seine Rolle setzt den Studiobossen ordentlich zu. Ebenfalls erstklassig agiert Schönling Matthew McConaughey, der Speedmans loyalen Agenten und besten Freund spielt. Seine Rolle ist gänzlich konträr zur allgemeinen Auffassung über die Hollywoodagenten. Und das wiederum schießt gelungen den Vogel ab. Einfach herrlich! Einzig Darsteller Jack Black bleibt ein wenig blass in und mit seiner Rolle. Schade, denn seine Leistungen im komödiantischen Fach sind bisher eigentlich brillant.

Da „Tropic Thunder“ einen Kriegsfilm zum Thema hat, gibt es natürlich auch Explosionen in Masse und überzeichnet Stiller gekonnt den Einsatz von Pyrotechnik in Hollywoodproduktionen und den betont coolen Umgang mit Actionszenen, der – im Grunde genommen – ja mehr lächerlich als künstlerisch ist. Hier dürften sich etliche Kollegen Stilles angesprochen fühlen und vielleicht einmal den hemmungslosen und teueren Einsatz von Feuerwerkskörpern & Co. überdenken.

„Tropic Thunder“ ist ein klasse Film, dem nur wenig zum erstklassigen Film fehlt. Der Streifen ist auf jeden Fall kurzweilige Unterhaltung und begeistert vor allem die Zuschauer, die auch die kleinen Anspielungen auf große Hollywoodfilme verstehen.

(c) 2008 by Günther Lietz

Titel bei Amazon.de
Tropic Thunder
Tropic Thunder (Director’s Cut) [Blu-ray]
Tropic Thunder [Blu-ray] [UK IMPORT]