Vorchristliche Schlachten
Auf den Spuren der größten Feldherrn der Antike

Sunfilm Entertainment, USA, 2009
Dokumentationsreihe, Historie
2 DVD´s
Laufzeit ca. 360 min.
EAN 4041658214169

www.sunfilm.de

Vor-Urteil:

Ich warte hier nicht mit meinem Urteil bis zum Schluss, denn es drängt mich, es gleich von vorneweg zu sagen: WOW. Und dann noch einmal: WOW!

Was hätte ich dafür gegeben, wenn es zu meiner Schulzeit solche filmischen Umsetzungen realer Geschichte gegeben hätte. In Spielfilmen werden Schlachten und deren Hauptdarsteller in Handlungsrahmen eingebunden, welche oft genug aufgrund mangelnden Wissens oder auf Kosten einer Romanze, der Spannung und dergleichen Gründen mehr das wahre Bild verzerren. Und zwar extrem. Wahrscheinlich werden jetzt Historiker und Archäologen erleichtert aufseufzen, die seit Jahrzehnten Hollywood Vorwürfe gemacht haben, dass die echten Protagonisten alles andere als die Helden waren, als die sie in den Filmen brillierten.

Jetzt werden Sie sagen: Oooch, langweilige Berichte und Doku-Material über Hannibal, David und Goliath und andere antike Heroen. Weit gefehlt! Es fehlt dieser Dokumentationsreihe weder an Spannung, noch an Überraschungen. Denn ich war fast alle paar Minuten überrascht, über die eine oder andere – belegte – Korrektur des Bildes, was wir uns allenthalben von o.g. Heerführern und ihren Taten gemacht haben.

Zum Inhalt:

Ohne die wirkliche Spannung zu zerstören, hier nur wenige Beispiele:

Hannibal von Karthago nahm die Route über die Alpen in das feindliche Römische Imperium nicht, weil es ihm als taktische geniale Idee eingefallen war und er sozusagen, die Römer von der scheinbar so sicheren Rückwand des Gebirgsmassives aus angriff, sondern weil er nicht anders konnte! Sein langer Anmarsch über die iberische Halbinsel blieb den Römern natürlich nicht verborgen und sie schickten einige Legionen in die Gegend von Massilia, um ihn zu dem beschwerlichen Marsch über die Alpen zu zwingen! Und diese Maßnahme war auch aus Sicht der Römer völlig richtig, kostete es Hannibal nicht weniger als ein Drittel seiner Armee. Dass es den Römern letztendlich nicht geholfen hat, ist eine andere Geschichte.

Oder die Kämpfe zwischen David und Goliath, und die Taten König Davids im direkten Anschluss daran, werden gerade unter gläubigen Christen mit so mancher Legende aufräumen. David war ein Mörder, Verräter am eigenen Volk. Er ließ z.B. alle Thronanwärter aus dem Hause Sauls ermorden und ans Kreuz schlagen. Und er wurde dafür nie angeklagt. Der Rest seines Lebens ist eine endlose Reihe von Angriffskriegen und Massenmorden.

Das gleiche gilt für den berühmten israelitischen Heerführer Joshua. Bei der Belagerung von Jericho steht er mit 8.000 Soldaten nicht mehr als 500 Verteidigern gegenüber. Denn Jericho war zwar gut befestigt, doch eine kleine Stadt, mit nicht mehr als maximal 2.500 Bewohnern. Nur ein Fünftel von ihnen waren wehrfähige Krieger. Und nicht die biblischen – von Gott gesegneten – Posaunen warfen die Mauern der Stadt nieder, sondern exzellente Spionagetätigkeit. Ein kleiner Trupp Israeliten schlich sich in die Stadt und brachte eine Prostituierte dazu, aus ihrem Fenster ein rotes Seil zu hängen, an dem sich – in allerbester Odysseus-Tradition – ein größerer Trupp nächtens in die Stadt schlich und die Tore öffnete. Danach ließ Joshua alle Bewohner der Stadt auf das grausamste niedermetzeln. Männer, Frauen, Kinder, selbst Schafe und Esel, jedes Lebewesen. Der Rest ging in Flammen unter. Eine Botschaft an ganz Kanaan von einem wahren Christen.

Die Spielszenen sind gut gemacht, der Mix aus Filmsequenzen, Karteneinblendungen, taktischen und strategischen Schachzügen sind eine Lehrstunde der geschickten Kriegsführung. Sun Zu hätte seine Freude daran gehabt. Das die Tricks nicht heutiger Spielfilmqualität entspricht, ist völlig belanglos, da der Inhalt absolut überzeugend die Schlachten erleben lässt. Stop-and-go-Bilder im Stile von „300“ mit blutroten Spritzern sind zwar nicht nötig, verdeutlichen aber, wie brutal und gnadenlos die Antike war.

Weitere Schlachten und Heerführer: Alexander der Große, Julius Cäsar, Moses – Auszug aus Ägypten, Ramses der Große, Die Entscheidung von Marathon und eben: Hannibal, David gegen Goliath, Die Eroberung Kanaans.

Fazit:

360 Minuten bestes Material für alle, die Interesse haben an: Geschichte, der Bibel, den Auswirkungen bis in unsere heutige Zeit, Kriegsführung, Strategie, Taktik, Spannung und Action.
Gesamturteil: Fast nicht zu toppen.

Copyright © 2010 by Werner Karl

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