Watchmen - Die WächterWatchmen – Die Wächter

Originaltitel: Watchmen
Produktionsland: Vereinigtes Königreich, USA, Kanada
Erscheinungsjahr: 2009
Länge: 163 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16

Regie: Zack Snyder
Drehbuch: David Hayter, Alex Tse
Produktion: Lawrence Gordon, Lloyd Levin, Deborah Snyder
Musik: Tyler Bates
Kamera: Larry Fong
Schnitt: William Hoy

Besetzung: Jackie Earle Haley (Rorschach), Patrick Wilson (Nite Owl II), Carla Gugino (Sally Jupiter/Silk Spectre), Malin Akerman (Laurie Juspeczyk/Silk Spectre II), Billy Crudup (Dr. Jon Osterman/Doctor Manhattan), Matthew Goode (Adrian Veidt/Ozymandias), Jeffrey Dean Morgan (The Comedian)

Ein Film wie ein Rausch, eine extravagante Comicumsetzung – nicht hart an der Vorlage, sondern beinahe entsprechend der Vorlage.

In den dystopischen alternativen achtziger Jahren haben die Superhelden von einst ausgedient. Selbstjustiz steht unter Strafe und niemand traut den Kostümträgern mehr über den Weg. Die Helden von einst – nun schon in zweiten Generation – gehen neue, eigene Wege … bis einer von ihnen getötet wird: Der Comedian.

Durch den Mord misstrauisch geworden, nimmt Rorschach die Ermittlungen auf und kontaktiert Nite Owl II. Doch die alte Garde zu reaktivieren scheint unmöglich. Auch Silk Spectre II und Doctor Manhatten wollen Rorschachs Theorien keinen Glauben schenken. Die Weltuhr steht kurz vor Zwölf und sollte Doctor Manhatten – der einzige echte Superheld – versagen, droht ein atomarer Weltkrieg zwischen den USA und Russland. Es bleibt keine Zeit für andere Dinge. Auch Ozymandias – der intelligenteste Mensch der Welt – kann Rorschach nicht weiterhelfen.

Rorschach ermittelt auf eigene Faust, kommt einer Verschwörung auf die Spur und geht dem unbekannten Hintermann in die Falle. Währenddessen kommt es zur Trennung von Silk Spectre II und Doctor Manhatten. Emotional getroffen wendet sich der Bewahrer des Weltfriedens von der Menschheit ab und geht auf dem Mars ins Exil. Die Vernichtung der Welt ist nur noch eine Frage der Zeit …

Zack Snyder – bekannt durch seinen Erfolg „300“ – hat sich an die schwere Aufgabe gemacht, den berühmten Comic „Watchmen“ (von Alan Moore und Dave Gibbons) als Film umzusetzen. Dabei ist es keine Adaption, keine Verfilmung, sondern tatsächlich eine Umsetzung der gezeichneten Panels in bewegte Bilder. Auch die Dialoge übernimmt Synder aus den Comicblasen des Originals – zumindest im Originalton – und hält sich möglichst genau an die Vorlage. Dadurch kommt natürlich die filmische Charakterzeichnung der Figuren etwas kurz, doch das gleichen die hochkarätigen Darsteller mit ihrer Mimik aus und präsentieren ein in sich geschlossenes Gesamtbild, eine verfilmte comickritik an der Gesellschaft, umgesetzt in eine imposante und künstlerisch anspruchsvolle Bildsprache.

Den normalen Kinogänger wird „Watchmen – Die Wächter“ ein wenig sauer aufstoßen, falls er denn nicht auf den Geschmack kommt. Durch die detaillierte Umsetzung des Comics folgt der Film keinen bekannten Regeln, lässt er sich nur schwer einordnen und kann auch keine Fans von Filmen wie „The Dark Knight“ oder „Spider Man 3“ befriedigen. Film und Comic sind düster und desillusioniert, spielen in den 80er Jahren einer alternativen Zeitlinie, die zwar eng mit der unseren verbunden ist, aber dennoch kleine Unterschiede aufweist. So ist Nixon noch immer an der Macht und der kalte Krieg steuert auf seinen vernichtenden Höhepunkt zu.

Auch Superheldenkräfte sucht der Zuschauer mit der Lupe. Einzig Doctor Manhatten verfügt über solche Kräfte, ist jedoch quasi gottgleich und lässt als Überwesen langsam aber sicher alle Konventionen hinter sich, die ihn als Mensch noch kümmerten und ausmachten. Alle anderen Helden können zwar mit Schmackes zuhauen, zeichnen sich aber eher durch Training, Ausrüstung oder Skrupellosigkeit aus. Die Verfechter der Selbstjustiz haben sich einfach Kostüme übergeworfen, um ihre Identität zu tarnen. Doch je mehr sie sich herausnehmen, um so kritischer die Stimmen in der Bevölkerung. Und so sind die Helden von einst kaputte Persönlichkeiten.

Im Zentrum stehen dabei der Comedian und Rorschach. Beide Männer sind in ihrem Wesen gleich, haben die gleichen Beobachtungen gemacht, sind aber zu einem anderen Schluss gekommen. Rorschach erkennt die Bosheit der Menschheit und kennt nur noch absolute Konsequenz. Sein Leben spiegelt sich in seiner weißen Maske wieder, auf der schwarze Tintenflecken einem Rorschachtest gleich die Emotionen des Helden wiedergeben. Dieser straft die Bösen mit ganzer Härte und beschützt die Unschuldigen – ohne Kompromisse. Seine menschliche Identität ist verloren gegangen, zerschellt an den Klippen der menschlichen Abgründe.

Dem steht der Comedian gegenüber. Auch dieser Held erkannte die Abgründe des Menschen, ging aber einen anderen Weg. Anstatt die Unschuldigen in einem sinnlosen Kampf zu beschützen, nutzte er das Image eines Helden, um seinen kranken Spaß zu haben, ohne Konsequenzen seine Abartigkeiten auszuleben: In Vietnam den Feind mit dem Flammenwerfer jagen, Schwangere erschießen oder Frauen zu vergewaltigen.

Das macht schon sehr deutlich, dass die Helden der Geschichte kranke Figuren sind, Menschen mit Fehlern und Schwächen. So braucht der füllige Nite Owl II sein Superheldenkostüm, um sich bestätigt zu fühlen. Ohne die Maske und die technischen Spielereien mangelt es ihm an Durchsetzungsvermögen, verliert er gar seine Potenz. Nur durch den Schutz der Maske fühlt er sich als Mann.

„Watchmen – Die Wächter“ geht mit den Helden dorthin wo es schmerzt, spielt den Gedanken von Helden in der Realität bis zum bitteren Ende durch – konsequent, ohne falsches Mitleid. Superman, Batman, The Silver Surfer … sie, ihre Ideale und ihr Image findet sich hier wieder. An die Wand gestellt und mit Realismuskugeln durchsiebt, bis sie schlussendlich tot am Boden liegen. Es ist für Superhelden-Fans eine bittere Pille die sie schlucken müssen. Doch die Helden der bunten Glanzwelt sind keineswegs Opfer oder werden zur Schau gestellt. Nein! Moore und Gibbons verneigen sich vor den gezeichneten Vorbildern, machen sie menschlicher, greifbarer und ebnen somit den Weg für eine neue Heldengeneration.

Diesen scheinbaren Konflikt greift Regisseur Zack Snyder gekonnt auf, bringt ihn unverfälscht auf die große Leinwand. Als freies Gestaltungs- und Stilmittel greift weitgehend nur auf die musikalische Freiheit zurück, lässt den Sound für sich arbeiten und gibt dem Film somit sein unverkennbares Profil. Dabei kommen keine neuartigen, hippen Stücke vor. Nein, hier werden symbolträchtige und passende Stücke der musikalischen Historie präsentiert. Selbst Nenas „99 Luftballons“ dröhnt aus den Boxen, kommt Leonard Cohens „Hallelujah“ unterstützend bei einer Liebesszene. Und wie die Bilder auch, arbeitet der Sound auf mehreren Ebenen. Somit kann beinahe jede Szene reflektiert und analysiert werden, um den Symbolgehalt zu begreifen, zu erfassen und in Verständnis umzusetzen.

Ein weiterer Kernpunkt des Films ist eindeutig die Gewalt. Obwohl der Film ein FSK von 16 hat, ist diese Angabe mit großer Vorsicht zu genießen. Viele der Szenen könnten ohne weiteres in einem Splatterfilm Platz finden und besitzen einen derben und vor allem emotionalen, heftigen Inhalt. Das Erschießen einer Schwangeren oder das Abtrennen von Armen mittels eines Winkelschleifers sind sehr direkt und detailliert umgesetzt. Das gilt allgemein für die vielen Actionsequenzen, die imposant inszeniert sind und oftmals kurz verharren, um einem Comicpanel zu gleichen.

„Watchmen – Die Wächter“ ist ein geniale Verfilmung, ist einfach ganz große Filmkunst. Auch die Darsteller tragen ihren Teil dazu bei, sind sie in ihrer Gestaltungskraft doch eingeschränkt, da sie sich weitgehend an die Comicvorlage zu halten haben. Somit sind ihre Schlüsselszenen und -positionen genau zu erfüllen, müssen sie ihrer Rolle mittels Mimik und Augenspiel ihren Stempel aufdrücken. Das gelingt exzellent und überzeugt auf der ganzen Linie.

Mit „Watchmen – Die Wächter“ schreibt Zack Snyder Filmgeschichte, setzt neue Grenzen und zeigt, das Comickunst auf der Leinwand funktionieren kann. In wie weit dieses Meisterwerk vom Publikum akzeptiert wird, steht auf einem anderen Blatt. Symbolbehaftete Kussszenen, inhaltlich tief gehende Träume, Versagerängste und Allmachtsfantasien … der Film bietet ein breites Spektrum. Die Abstrich die gemacht werden mussten – trotz Überlänge – fallen dabei kaum ins Gewicht. Dieser Film ist eine klare Empfehlung und für Cineasten und Comicfans ein Muss!
(Günther Lietz)

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Link zur Besprechung des Comics: WATCHMEN – Der Comic zum Film, WATCHING THE WATCHMEN – Die Entstehung einer Graphic Novel