Zwei nerdige Briten machen sich auf den Weg in die USA, um dort den besten Trip ihres Lebens zu haben – im wahrsten Sinne des Wortes.

Graeme (Simon Pegg) und Clive (Nick Frost) sind dicke Freunde und ausgemachte Nerds. Sie lieben Comics, Science Fiction und Fantasy. Die USA sind natürlich das Land ihrer Träume. Also verbringen sie gemeinsam in den Staaten ihren Urlaub und touren mit einem Wohnmobil durch die Bundesstaaten. Area 51, Roosevelt und andere mysteriöse und berühmte Orte stehen auf ihrem Fahrplan. Bevor es jedoch so richtig losgeht, geraten sie erst einmal mit der us-amerikanischen Kultur aneinander und stoßen dann auch noch mit Paul zusammen.

Was sich wie eine lange Einleitung liest, kommt auch im Film so rüber. Es dauert tatsächlich mehr als zehn Minuten, bis der namensgebende Hauptcharakter die Bühne betritt. Bis dahin dominieren Graeme und Clive das Geschehen, also  Simon Pegg und Nick Frost. Die Zeit wird ordentlich genutzt, um die beiden menschlichen Hauptfiguren vorzustellen und das ein oder andere Klischee und Vorurteil zu bedienen. Wahnsinnig erfrischen und herzlich wird der Unterschied zwischen Europäer und US-Amerikaner aufgezeigt, werden die Gemeinsamkeiten beleuchtet und die Unterschiede auf die Spitze getrieben. Hier punktet der Film natürlich im englischen Original, denn die sprachlichen Unterschiede zwischen alter und neuer Welt sind stellenweise sehr gravierend. Hier ein gestelztes, britisches Englisch, dort ein schluderisches, halb verschlucktes Englisch. Einfach genial.

Nach der etwas längeren Einleitung taucht dann endlich Paul auf. Dabei handelt es sich um den typischen Außerirdischen, der kleine grüne Mann vom Mars mit den großen Augen, wie ihn die Leute aus alten Comics und Area-51-Videos kennen. Graeme und Clive sind erst einmal überrascht, dann helfen sie Paul. Der ist nämlich auf der Flucht vor dem FBI und hat einen ihrer schlimmsten Agenten auf den Fersen: Agent Lorenzo Zoil (Jason Bateman).

Paul stellt sich schnell als netter und normaler Kerl heraus, der die üblichen Laster eines Erdenmenschen mit sich schleppt. Er raucht gerne, kifft, säuft, feiert Partys und genießt einfach das Leben. Zwar hat er auch einige übernatürliche Fähigkeiten, aber die setzt er nur selten ein. Nun beginnt der Film zweigleisig zu fahren. Auf der einen Seite haben wir eine spannende Komödie, auf der anderen Seite ein klassisches Roadmovie. Skurrile Figuren, tiefgehende Gespräche, Selbsterfahrung, Verfolgungsjagden, Liebe, überraschende Wendungen, Sozialkritik, Slapstick, Science Fiction, Anspielungen auf Serien und Filme (hier vor allem Steven Spielbergs Arbeiten) – „Paul – ein Alien auf der Flucht“ ist ein buntes Allerlei.

Dadurch wirkt der Film – trotz punktueller Glanzlichter – im ganzen ziemlich überladen. Im Grunde genommen überschneiden sich hier zwei Filme und es misslingt Regisseur Greg Mottola beide miteinander zu einer Einheit zu verschmelzen. Das ist sehr bedauerlich, denn „Paul – ein Alien auf der Flucht“ ist trotz allem sehr unterhaltsam.

Das liegt unter anderem auch an den hervorragend besetzten Nebenrollen. Jason Bateman als Agent Lorenzo Zoil ist genial und sorgt stets für eine Überraschung, während Kristen Wiig als geläuterte Kreationistin Ruth zeitweise allen anderen Darstellern den Rang abläuft. Das gilt auch für Jane Lynch, die mit Pat Stevenson gegen ihr Image aus der Serie „Glee“ besetzt ist. Einfach erfrischend. Einzig Sigourney Weaver mit ihrem kurzen Auftritt als Tara bleibt blass. Anstatt solch einen Star so derbe zu verheizen, hätte es auch eine eher unbekannte Schauspielerin getan. Zudem wird die Rolle vollkommen overacted dargestellt und wirkt deplatziert.

Handwerklich gibt es keine Meckereien. Vor allem das animierte Alien Paul wird wunderbar in Szene gesetzt und wirkt stets real. Hier haben die Computerspezialisten ganze Arbeit geleistet. Die Mimik und die Bewegungen des Außerirdischen sind authentisch und glaubwürdig. Das sorgt natürlich für weitere lustige Effekte. Besonders genial ist vor allem die Szene, in der sich Paul in einem Comic-Laden vor den FBI-Agenten versteckt. Da tanzt das Zwerchfell Rumba!

„Paul – ein Alien auf der Flucht“ ist – zugegebenermaßen – kein echter Brüller, aber gut gemachte Unterhaltung mit dem ein oder anderen überraschenden Twist. Der Humor kommt vor allem durch die beiden englischen Kumpel Graeme  und Clive auf ihrer US-Tour, der scheinbaren Normalität Pauls und den Anspielungen auf nerdige Themen, auf Themen der Subkultur. Auf jeden Fall mehrere Blicke wert: „„Paul – ein Alien auf der Flucht“.

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Paul – ein Alien auf der Flucht
Originaltitel: Paul

Produktionsland: Vereinigte Staaten, Großbritannien, Frankreich, Spanien (2011)
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Greg Mottola
Drehbuch: Simon Pegg, Nick Frost
Produktion: Nira Park, Tim Bevan, Eric Fellner
Musik: David Arnold
Kamera: Lawrence Sher
Schnitt: Chris Dickens

Darsteller: Simon Pegg (Graeme Willy), Nick Frost (Clive Gollings), Seth Rogen (Originalstimme von Paul), Bela B. (Deutsche Stimme von Paul),  Jason Bateman (Agent Lorenzo Zoil), Kristen Wiig (Ruth), Bill Hader (Haggard), Gregg Turkington (Neil Hamburger), Jane Lynch (Pat Stevenson), Sigourney Weaver (Tara)